Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 41 (6.11.1914)
- Date
- 1914-11-06
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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lautet sein Wahlspruch und schreckt vor der Tat, mag sie noch so scheußlich und barbarisch sein, zurück, denn von dem Gottesleugner wird das Menschenleben sehr gering bewertet. Diese Behauptung möchte ich mir erlauben durch folgende historische Tatsache zu begründen. - Als die Söhne Jakobs während der Zeit der Hungersnot nach Mizraim kamen, um Getreidefür ihren Hausbedarf einzukaufen. mußten sie selbstverständlich beim „Herrn des Landes" (Josef) vorsprechen. Dieser erkannte sie sofort, sie aber erkannten ihn nicht. Diese Gelegenheit benützte Josef sie für die vielen Kränkungen, die sie ihm im Vaterhanse zugefügt haben, wenigstens für einige Zeit in Schrecken zu versetzen. Er fuhr sie hart an. beschuldigte sie der Spionage. „Ihr seid Spione, Auskundschafter, seid gekommen, um die Schwäche des Landes zu erspähen", rief er ihnen im barschen Tone zu. Sie aber entgegneten ihm: „Nein, mein Herr! Deine Diener sind vielmehr gekommen, Vorrat einzukaufen; wir alle sind Söhne eines Mannes, kenim anachim, wir sind ehrliche redliche Männer, die sich nie mit Spionage befaßt haben; wir, Deine Diener, sind zwölf Brüder, Söhne eines Mannes im Lande Kanaan; der Kleinste ist jetzt bei unserem Vater und einer davon ist hinweggekommen". Josef aber erwiderte ihnen: „die Sache ist, wie ich euch gesagt habe: Ihr seid Anskundschafter!" Um sie jedoch einigermaßen beruhigen zu können, bemerkte er: „Euere Unschuld kann nur daun erwiesen werden, wenn ihr, so ihr von hier abreiset, eueren kleinsten Bruder hieherbringet". Drei Tage blieben sie in Verhaft. Am dritten Tage sagte Josef zu ihnen: „Tuet folgendes, damit ihr am Leben bleibet, denn ich gehöre nicht zu jenen Barbaren, die unschuldige Menschen durch lügenhafte Verleumdungen ins Verderben stürzen wollen, 68 Hoelohim ani jore, ich fürchte Gott, und ein gottesfürchtiger Mann wird es nie wagen, sich so schwer zu versündigen, Menschen durch unbegründete Behauptungen den größten Gefahren preiszugeben" u. s. w. Das ist die Sprache eines wahrhaft frommen, strenggläubigen gottbegeisterten Mannes. Wie anders hat der ungläubige herrsch- und habsüchtige Pharao gesprochen und gehandelt, seine Gesinnung geändert und sein gegebenes Wort gebrochen. Als Josef auf Anregung des Mundschenks vom Kerker befreit und dem Könige Pharao vogestellt wurde, um ihm die Träume zu deuten, wurde er von diesem freundlich empfangen und in würdiger Weise angesprochen: „Ich habe einen Traum gehabt, den mir niemand recht zu deuten versteht. Nun aber habe ich von dir rühmen gehört, daß du im Deuten der Träume Meister bist". Der bescheidene Josef antwortete: „Das ist nicht mein Verdienst, diloäai, Gott wird zum Wohlergehen Pharaos antworten lassen. Nachdem Pharao ihm ausführlich seine Träume erzählt hatte, antwortete Josef: „Der Bedeutung nach war Pharaos Traum nur Einer; was Gott tun will, hat er dem Pharao voransgesagt. Es werden nämlich vorerst sieben Jahre kommen, wo Alles in Ueberfluß wachsen und gedeihen wird; dann aber werden sieben Jahre Hungersnot entstehen, so daß man in Mizraim von der früheren Fruchtbarkeit gar nicht merken wird. Da die Sache von Gott fest beschlossen ist, deshalb ließ er dich diesen Traum zu wiederholtem Male träumen, damit du Zeit gewinnst einen verständigen und weisen Mann zu wählen, ihn über das Land zu setzen, dessen Aufgabe es sei, während der Jahre des Ueberflusses recht viel Getreide einzukaufen, einen großen Vorrat zn sammeln und für die Jahre der'Hungersnot aufznbewahren. damit das Land nicht zugrunde gehe". Diese Dentnng fand sowohl beim König, als bei den Hosteuten den größten Beifall. Pharao sprach daher 511 seinen Hofleuten: „Würden wir auch einen finden wie diesen, einen Mann, in welchem-der Geist Gottes ist?". Und zu Josef sprach er: „Nachdem dich Gott so sehr begnadet und dir Alles offenbart hat, so ist niemand so verständig uub so weise als du, Du sollst, über mein Haus ge», setzt sein nnd durch deinen Befehl soll mein'ganzes Volk verpflegt werden; nur was den Thron betrifft will ich größer als Du." So wurde Josef zum Vizekönig von Egypten ernannt und Pharao überhäufte und überschüttete ihn mir allen möglichen fürstlichen Ehren und räumte ihm eine große Macht ein, indem er zn ihm sagte: „Ich bin Pharao, d. h. ich bin Alleinherrscher, der Allgewaltige im Reiche, habe allein das Recht, Gesetze zu geben. Befehle zu erteilen, daher befehle ich auch, daß niemand im ganzen Reiche es wagen darf ohne dein Erlaubnis etwas zn itnternehmen. Josef trat nun sein hohes und wichtiges Amt an und entfaltete eine überaus segensreiche Tätigkeit, so daß es ihm hiedurch gelang Hunderttansende vom Hnngertode zn retten und den Staatsschatz stark zu bereichern. (Fortsetzung folgt.) Hebräer, Israeliten, Inden. Von Prof. Dr. Kahan, Znaim. Die älteste Quelle für die Benennung des jüdischen Volkes ist die heilige Schrift. Dort findet sich zunächst der Namen n2y. im Deutschen Ebräer oder H e b r ä e r. Er bedeutet nach Joseph ns (Jüd. Altertümer I, 6, 4) Nachkomme Ebers (Gen. 10, 21). oder nach Jbu Esra zn Ex. 21, 2 der Jenseitige, d. h. der vom Osten des Euphrat oder des Jordan Eingewanderte. Daß aber dabei „immer ein Unterton der Verachtung mitschwingt", wie Dr. Armin Abeles in seinem Aufsatz („Sind wir Inden oder Israeliten?") behauptet, ist durchaus falsch. In der heiligen Schrift kommt die Bezeichnung Jbri 34 mal vor, davon nur zehnmal im Munde von Nichtjnden. Wäre mit dieser Bezeichnung irgendeine Geringschätztlug verbunden. jt* würde die Thora unfern Vater Abraham nickt damit belegt haben! Ja, noch jetzt bezeichnet im Russischen Jewre'i (= Hebräer) den ehrenvollen Juden, während di verächtliche Bezeichnung Jüd (nach dem Französischen ausgesprochen) ist. Wenn nun die deutschen Alltisemlten den Namen Hebräer im verächtlichen Sinne gebrauchen, so könnet! sie sich keineswegs, wie Abeles meint, aus die heilige Sckrifl berufen. Damals hat vielmehr der Jude mit Stolz sagen können: ein Jwri bin ich, wie der Römer: civis Romanus sum! Die gewöhnliche Benennung des jüdischen Volkes in der heiligen Schrift ist '22 d i e Kinder Israels (d. h. des dritten Stammvaters Jakob) rv2 das Haus Israels, oder kurz Israel, ein Name der alle zwölf Stämme umfaßte einschließlich des Stammes Juda. Dieser Stamm rmT '22 oder kurz rrnrr d i e Kinder I n d a s (des vierten Sohnes Jakobs) oder I e h u d a (Inda) genannt, wurde häufig wegen seiner Bedeutung neben Israel noch besonders erwähnt. Nach Teilung des Reiches unterschied man natürlich das Reich Israel, oder kurz Israel, vom Reiche Juda oder kurz Inda. Niemals aber wurde das Volk Israeli genannt, wie Abeles schreibt! Nur zweimal findet sich I s r e e l i zur Bezeichnung eines Namens. Dagegen werden sehr häufig die Bewohner des Reiches Inda sowie ihre Nachkommen im babylonischen Exil nnd nach ihrer Rückkehr aus demselben mit dem Namen Jehudim (Judäer) bezeichnet. Dieser Name wurde sowohl von Inden, wie Jeremia, Zacharia, Gsra, Nehemia, sowie von Nichtjuden gebraucht. Wie Abeles dazu kommt, zn behaupten, daß mit diesem Namen der Sinn des fremden Eindringlings verbunden war, ist mir unerfindlich! — Freilich konnte man die Judäer als Nachkommen Israels auf '22 Kinder Israels, oder kurz Israel nennen, namentlich wo man auch die übrigen Nachkommen Israels mit e i n s ch l i e ß e n wollte, so der zweite Jesaja und die Rabbinen. Die Behauptung Abeles^, daß im Munde der Nichtjnden der Name Jude mit dem Beigeschmack des minderwertigen Fremden gebraucht wurde, ist rein ans der Luft gegriffen. Josephus schrieb für Nichtjnden immer von Juden (Judäern). Die Weisen des Morgenlandes haben auch gewiß nichts Verächtliches im Nr. 41. Die Wahrheit Seite 5. ich "es nicht haben kann, soll er es auch' nicht erreichen,"