Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 40 (30.10.1914)
- Date
- 1914-10-30
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Seite 7. Nr. 40.Die- Wahrheit - : Eilte Weile noch stehe ich vor meinem Hause. Blicke über'den. weiten Platz, fort in die Ferne, zu den Bergen. Mn weiß ich es plötzlich, nun wird es mir klar. Ein mächtiges Gefühl durchströmt mich! - ' Flüchtlinge seid ihr ans fernen Gebieten. Ihr kamt hierher, fremd:-'Wer kannte euch? Wir aber kamen zu euch, alle mit freudigem Herzen, euch zu helfen. . Wir fühlten es mit einem Male so jung, so stark: eins seid ihr mit uns, wir alle in den fernsten Ländern sind -eins, ein einzig Volk! - Eynard K a u f m a n n. Die Einheit der ungarischen Indenheil. Daß. doch den 'ungarischen Neologen gar nichts heilig iftl Auch die jetzigen tiefernsten Zeiten, die in allen Herzen nur Brüderlichkeit vibrieren machen, wo alle Geister nur von der ' welterfchütternden Größe des Momentes erfüllt sind, sollen den Herren den Weg ebnen ihre Unifikationssnppe zn kochen. Seit 46 Jahren lehnt die ungarische Orthodoxie aus den triftigsten Gründen eine einheitliche Autonomie ab. seit 46 Jahren ist die Orthodoxie bereit, sich mit der Neologie auf wirtschaftlichen und politischen Gebiete zu vereinen, wenn Letztere der geteilten Autonomie znstimmt. Die Negierung will weder die Orthodoxie durch die einheitliche, noch die Neologie durch die zweiteilige Autonomie -(im Wege eines Oktrois) verletzen. Die Neologie aber bestürmt feit mehr als vier Dezennien alljährlich die Regierung um Erzwingung der Unifikation, die die Orthodoxie nimmer anuehmeu kann. Das Aufrollen dieser Frage in diesem Momente, vielleicht mit einem Seitenblicke auf die wirklich großartigen Leistungen der Inden aller Richtungen, dient also keineswegs dem Friedensbedürfnis, eher den nngezähmtesten Machtgelüsten der ungarischen Neologie und wäre derzeit besser unterblieben. Wolf P a p p e n h e i m. Eine Hiobsstndie. D a s K r i e g s r o ß der A l t e n. Das Pferd war dem Menschen seit Urbeginn seiner Zivilisation stets ein treuer.Begleiter im Frieden wie in Kriegszeiten. Die ältesten Geschichtsbücher, die uns von Kriegen berichten, können hiebei das Pferd nicht unerwähnt lassen. So preist das bekannte Lied des Moses und seines Volkes nach dessen Befreiung aus der ägyptischen Knechtschaft und nach dessen Durchzug durchs Rote Meer, die Macht Gottes „Groß und mächtig hat sich bewährt Gott der Herr, Röß und Reiter hat er gestürzt ins Meer". Das Pferd war bei den alten Hebräern nicht nur als Arbeitskraft, als Vehikel, als Transportmiitel im Frieden wie im Kriege hoch geschätzt, sondern galt als Lnxnsgegenstand, so daß Moses im Deuteronom 17 den künftigen Königen Israels das Halten von vielen Pferden, sowie das Unterhalten vieler Frauen verbot, die Marställe sowie die Harems, das Anhänfen von Gold und Silber als Luxus, als sittenverderbend und schädlich, für die Könige bezeichneite. Allerdings spielt bei dieser Parallele zwischen Frau und Pferd bezüglich letzteren auch ein politisches Motiv mit; denn es heißt bei diesem Verbote ausdrücklich: „Damit nicht das Volk wieder nach Egypten in das Land der Knechtschaft zurückgetrieben wird", eine Befürchtung, die allerdings bei den Frauen wenigstens den modernen — nicht zutrifft, bei denen die Männer ohnedies auch außerhalb Egypten bereits die Freiheit eingebüßt. Bei dieser Gelegenheit werden wir an einige Parallelen erinnert, die in den letzten Tagen ein Wiener humoristisches Blatt bezüglich dieser beiden Objekte gebracht hat z. B. «Pferde und Frauen losten unnützerweise viel" oder „Gute Pferde und schöne Frauen müssen immer gewinnen", „Alte Pferde oder junge Franen fallen, leicht". Vielleicht schwebten dem klugen Moses diese Parallelen aus dem Privatleben im Geiste vor, als er dieses Verbot erließ. Kie Bibel erzählt ferner im Buche der Könige (I—10) vom König Salomo», nachdem er schon eine stattliche Anzahl nichtegyptischer Frauen besaß, daß er noch vor Beginn, des Tempelbaues, aus Egypten 1400 Kriegswagen und 12.000 Reiter kommen ließ, was darauf schließen läßt, daß immer jeder Kriegswagen von 8 Reiter» bedient wurde. Ferner wird dort erzählt, daß ein Wagen 600 und ein Pferd 150 Silberlinge gekostet hat. daß also ein Pferd dem Werte nach einem Viertel des Geschützmagens gleich kam, was auch zur Annahme berechtigt, daß jeder Kriegswageu mit 4 Pferden bespannt war. Wenn man nun den Wert eines Silberlinges gleich der hebräischen Münze Sekel annimmt und der Berechnung die Bunsensche Werttabelle zilgrunde legt, wonach ein Sekel gleich 26 preußische Silberlinge präsentiert, so würden 150 Silberlinge 40 preußische Taler gleich sein, für die damaligen Verhältnisse, jedenfalls ein hoher Preis für ein Pferd. In dem Buche der Könige (1—5) wird weiter erzählt, daß König Salomou sich aus Egypten, von wo er sich bereits die Königstochter als seine Frau geholt hatte, gleichsam festhalteud an obige Parallele, 40.000 Wagenpferde und 1200 Reisiger (Reiter) kommen ließ; was wieder zum Schluffe berechtigt, daß jeder Reisiger (Reiter) 3—4 Pferde zu bedienen hatte und daß auch für die Verpflegung der Pferde durch königliche Beamte ordnungsmäßig vorgesorgt wurde, so wie für die königliche Tafel; denn es heißt daselbst: „Auch Gerste und Stroh für die Rosse und Reiter hatten die Beamten an dem Aufenthaltsorte des Königs abzuliefern". Diese ziffermäßigen Angaben werden auch durch eine Parallelstelle der Chronik H—9 bestätigt. Wenn inan nun obigen Wertmaßstab von 150 Sekel pro Stück anlegt, so läßt sich wohl ermessen, welchen hohen Wert der königliche Marstall repräsentierte. Auch in den griechischen Kriegen z. B. im Trojanischen Kriege spielte das Roß eine hervorragende Rolle und manche Stellen des Ilias und der Odyssee verherrlichen das Pferd ob feiner kräftigen und stolzen Erscheinung, ob seines Mutes und seiner Lernfähigkeit. In der Erzählung der Ilias vom hölzernen Pferde in Troja, dem dann die befreienden Ritter entstiegen, können wir, wenn wir die kritische Sonde anlegen. nichts anderes als eine bloße Mythe erblicken, in der nur der Gedanke von der Wichtigkeit des Pferdes für die Kriegsführnng zum Ausdruck gelangt. In der römischen Kriegsgeschichte namentlich in den Kriegen gegen Karthago und Haunibal, die sich vorwiegend auf nordafrikanischem Boden abwickekten, vertraten allerdings schon Elefanten die Stelle des Pferdes. Das alles kann als allgemein bekannt vorausgesetzt werden. Minder bekannt ist eine erst in der neuesten Zeit anläßlich der Brehmschen Forschungen über das Tierleben von einzelnen Biblisten gemachten Wahrnehmung, daß schon in dem Buche Hiob, diesem 3000 Jahre alten mystischen Buche der Bibel, dem nachgewiesenermaßen auch einzelne Stellen aus Dantes Göttliche Komödie sowie uns Göthes Faust entlehnt sind, eine Schilderung des Kriegspferdes gegeben ist, die uns ob ihrer Natnrtreue und Bildermalerei geradezu mit Statuten erfüllt, die uns anfzeigt, daß die alten Hebräer, dieses als verknöcherte Jehova-Verehrer, als eifersüchtige Gottesfrenude und rachsüchtige Egypter- und Philifterfeinde geschilderte Völklein, ein tieferes Verständnis für die Geheimnisse des Tierlebens besaß, indem uns dort am Schlrisse des Buches im Kap. 39 eilte Kollektion von Bildern aus dem Naturleben, namentlich aus dem Tierreiche vorgeführt wird, die geradezu überraschend wird. Um nämlich den hartgeplagten Skeptiker Hiob das Welträtsel, das ihn so sehr peinigte, znm Verständnisse zu bringen, wird uns dort zuerst das Wirken Gottes in der Natur, dann das Leben der Tiere namentlich der Gemse, des Straußes, des Anerochses und des Pferdes vorgefnhrt und so in herrlichen Farben ge-