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Die Wahrheit · 1914-10-23 · Heft 39 (23.10.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 39 (23.10.1914)
Date
1914-10-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Sette 7. Nr. 39. Dle Wahrheit Spenden habendarum bis-zn seinem Todestage nur den perMtnismäßig geringen Betrag von Mk. 31.662.— erreicht. Mit dieser Summe wurde indes bereits Ersprießliches unter Anteilnahme Wolffsohn in Palästina geleistet. Es wurden an Arbeitersamilienhänsern errichtet: Je fünf Häuser in Petach-Tikwah und Rechoboth, vier Häuser in Rischon le Zion, ein Hans in Wadi Chanin; weiters wurde eine jleine Arbeiter-Heimstätteukolonie auf Nen-Merchawja begründet. David Wolffsvhn hat ans die künftige Entwicklung und Wirksamkeit dieses Fonds große Hoffnungen gesetzt und dem auch i n seinen l e tz t w i l l i g e n V e r f n g u n g e lt A u sdruck g egeben. Nunmehr erachtet es das Hauptbüro des Jüdischen Nationlfonds an der Zeit, an alle Zionisten den Appell zu richten, den David- und-Fanny Wolffsohnfonds so ansgestalten zu helfen, daß er seinem im Vordergründe unserer Kolonisationsarbeit stehenden Zweck gerecht werden kann. Dies wird ein würdiges Denkmal des großen Verstorbenen sein. Eine weitere Ehrung unseres dahingegangenen Führers besteht in der Herausgabe einer Wolffsohnmarke. die die Markanten Züge des Verstorbenen außerordentlich getreu wiedergibt und die in nächster Zeit die Briefe jedes Zionisten zieren sollte. Die Marken haben dieselbe Größe wie die Herzlmarken, in fünf Farben hergestellt und in Heftchen von 40 Stück, sind sie znm Preise von Mk. 2.— bei allen .Sammelstellen des Jüdischen Nationalfonds zu erhalten. Das Hauptbüro des Indischen Nationalfonds. Gedetpsalmen. Das Kriterium, welches für die Wahl der in nnferee Liturgie anfgenommenen Psalmen bestimmend war, ist uns nicht bekannt. Gewiß haben die Soferim, die Ordner der Gebete, mit psychologischem Verständnisse beit selischen Bedürfnissen ihrer Zeitgenossen Rechnung getragen, als sie ans den 150 ursprünglich (außer Psalm 43) znm Zwecke des Gottesdienstes verfaßten Psalmen die geeignesten Herausnahmen und ans ihnen das Gebetbuch der Synagoge konstruierten. Bei unserem gegenwärtigen Gottesdienst, welcher in den meisten Gemeinden die früber übliche, allwöchentliche oder allmonatliche Rezitation der Psalmen ansgeschaltet hat, kommen etwa 60 in Anwendung, die eben keinesfalls als die auserlesensten bezeichnet werden können und die in die Einleitung oder der Schluß nicht in den Mittelpunkt des Gottesdienstes, wie dies, bei anderen Konfessionen geschieht, versetzt und dadurch als Anhängsel zum Gottesdienste betrachtet wurden. Und wie ich stets vom Neide erfüllt war, wenn ich sah, mit welchem Eifer sich christliche Theologen auf die Erklärung unserer Psalmen warfen, wie ihre Prediger mit Vorliebe ihre Texte ans diesen wählten und selbst solche, die ein ausgesprochen jüdisches Gepräge trugen, im messianischen, vorbildlichen Sinne der Kirche deuteten und ihnen die erhebendsten und erbaulichsten Gedanken ablauschten, so ereifere ich mich darüber, daß wir Israeliten die Psalmen zu wenig würdigen, zu wenig ihre erhabenen, heiligen Grüße ans unser Seelenleben einwirken lassen, daß ihnen in unserem Gottesdienste ein zu kleiner Raum zugemessen wurde. Ich vermisse in nnseren Gebeten Psalmen, welche unserem Sinnen und-Denken, unserem Gefühlsleben so nahe liegen, die uns ans dem Herzen gesprochen sind, als ob sie für uns verfaßt worden wären oder gar unserem Innern entströmt sind, Psalmen, welche einen Quell der Beseelignng in sich bergen, Schätze religiöser Empfindung enthalten, die von solch hohem Schwung sind, daß sie die Seele der Betenden zur heiligen Begisternng anregen müßten. Unverwischbar ist der markerschütternde Eindruck, welchen der mit Verständnis Vortragende Kantor am Versöhnugstage auf die Beterschaar beim Rezitieren der Psalmverse ausübt: „Wirf uns nicht weg von dir und deinen heiligen Geist nimm uns nicht." „Wirf uns nicht weg zur Zeit des Alters, wenn unsere Kräfte schwinden, verlasse uns nicht." (71, 9.) Warum lassen wir uns diesen Psalm entgehen, der eine Fülle solcher Geist und Herz erhebender Momente enthält? Ich zitiere blos zwei Verse aus demselben: „Ein reines Herz erschaffe mir Gott und einen festen Sinn erneue in mir." „Verbirg dein Antlitz vor meinen Sünden und alle meine Vergehen lösche aus." (Pf. 51, 11—13.) Würde dieser kurze Psalm nicht reichen Ersatz für den langen ,,'Wehu rachum'* bieten? Welche praktische Wirkung mußte in unserer. Zeit des Abfalles der Psalm mit folgenden Kerngedanken erzielen: „All dies hat uns getroffen und doch haben wir dich nicht vergessen und nicht verleugnet den Bund mit dir. Nicht ist znrückgewichen unser Herz, nicht abgebogen unser Schritt von deinem Pfade. Denn vergäßen wir den Namen unseres Gottes und breiteten unsere Hände ans zu einem fremdeit Gotte, fürwahr. Gott würde dies erforschen, denn er kennt ja die verborgensten Gedanken des Herzens. Ja. deinetwegen werden wir gemordet jeden Tag, werden geachtet gleich den znm Schlachten bestimmten Schafen". (Pf. 47, 18—24.) Ließe sich nicht leicht ein auf die Weihe jedes Festes sich beziehender Psalm finden, der vor der Predigt gesungen werden löunte? Müßten nicht die Psalmen 15, 23, 25, 27. 27, 49, welche aktuelle Verhältttisse. das Gefühl müßig ergreifende Motive berühren, uns in eine Stimmung versetzen, die uns über das Gewöhnliche erhebt und hinaus ins Leben begleitet und unser ganzes Sinnen und handeln veredelt?*) Die Betätigung der Gerechtigkeit und Menschenliebe des praktischen Judentums, zu dem ein solcher Gottesdienst, uns anregte, wäre der höchste Gewinn der Gebetpsalmen. — .^Dann könnten wir uns größtem Stolz das Volk der Psalmen nennen und gegen den liturgischen Gebrauch derselben in einem nicht rein monotheistischen, dem Gedankenkreise der Psalmisten entgegengesetzten Sinn der Andersgläubigen unser Eigentumsrecht geltend machend. Fr. Gr. Uerschiedene Unchrichle» Wien. Freitag abends, den 23. d. M. P r e d i g t deö Herrn Rabbiners Dr. Max G r n n w a l d im Leopoldftädter Tempel Wien. Die seit einigen Wochen infolge der kriegerischen Ereignisse in Wien befindlichen jüdischen Bürger aus Galizien versammelten sich am 15. d. M., abends 6 Uhr, im Festsaale des Hotel Continental zu einer Huldigung für den Kaiser. Mehrere tausend Personen waren der Einladung des Komitees gefolgt, eine große Zahl der Erschienenen konnte nicht in den Saal gelangen, stellte sich jedoch vor dem Eingänge auf und gab von dort aus durch lante Zurufe die Zustimmung zu den im Saale gefaßten Beschlüssen kund. In das Präsidinm der Bersammlnng wurden berufen: Dr. Jakob Horowitz, Advokat aus Lemberg» Dr. M o s l e r, Bürgermeister der Stadt Czortkow, Bankdirektor Orange ans Lemberg mrd Advokat Dr. Z i p s e r. Dr. Horowitz leitete die Bersammlnng mit einer polnischen Ansprache ein, worauf als Referenc Reichsratsabgeordneter Reizes, mit großem Beifalle empfangen, das Wort ergriff. Er führte ans, daß die galizischen Inden auch in den schweren Zeiten, welche sie ferne von ihrer Heimat verbringen, ihr Schicksal mit Ruhe und Ernst ertragen, voll Hoffnung ans den Schutz durch den Kaiser und ans die glorreiche Armee. Redner betonte, daß die Inden aller Länder der Monarchie in dem Monarchen den Hort der Freiheit und Gleichberechtigung erblicken und den Sieg für nufere Waffen erflehen. Die Berichte aus Ostpreußen melden, daß russische Soldaten geplündert und geraubt haben, eine Ausnahme bildeten bloß die jüdischen Soldaten der russischen Armee. Die heutige Versammlung, welche ans Wunsch zahlreicher galizischer Juden einbernfen worden sei, tue dar, daß es ihnen ein Herzensbedürfnis sei, ihrer grenzenlosen Liebe und Ergebenheit für Kaiser und Reich Ausdruck zu gebe». Der Redner schloß mit einem von der Versammlung begeistert ausgenommenen Hoch ans den Kaiser. Hierauf wurde der einstimmige Beschluß gefaßt, an die Kabinettskanzlei folgendes Hnldigungstelegramm zu senden: „Die infolge der Kriegsereigniffe am 15. Oktober in Wien versammelten jüdischen Bürger ans Galizien bringen Eurer Majestät ihre nntertänigsten Hnldignttgen dar, bitten, den Ausdruck ihrer nie wankenden, unerschütterlichen Treue untertänigst unterbreiten zu dürfen und rufen aus vollem Herzen: „Sieg und Triumph für die glorreiche Armee!" *) Als Gebetpsalmen für die gegenwärtige Kriegszeit eigne» sich Ps. 20. 27, 46, 48. 91, 144.

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