Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 39 (23.10.1914)
- Date
- 1914-10-23
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 39 Au das Oberkommando wurde folgendes Telegramm entsendet: „Die infolge der Kriegsereignifse am 15. Oktober in Wien versammelten jüdischen Bürger aus Galizien begleiteu.die glorreiche Armee mit chren heißesten Wünschen und erflehen sür ihre Fahnen Sieg und Triumph." Wien. (Ans sp e i sungs - Aktion des Vereines Machsite Hadath.) Am 19. d. M. fand im Sitzungssaale des Vereines „Machsike Hadath" eine zahlreich besuchte Versammlung'statt, an welcher außer dem Gesamtvor stände eine große Anzahl hervorragender angesehener Persönlichkeiten ans Galizien teilnahmen. Es waren u. a. erschienen: Ein Vertreter des Rabbi aus Czortkow, ferner die Rabbiner W e i d e n f e l d, Dombrawa, T n m i m, Kolomea, U. H o r o w i tz, Krakau, G e l l e r t, Zolotwinew, K r a m e r, Wien, der Präsident des Vereines Jakob März, die Vizepräsidenten I. W e i zm a n n und Hermann Sporer, Bankier Isaak Th u m i m, Przemhsl, Bankier S ch ö n b l u m, Lemberg, C. H. M a y e r s o h n und Doktor Rappaporr, Striy, Kultusvorsteher Jakob Diese, Bankier Fröhlich und Advokat Dr. Fröhlich, Lemberg, B a b a d und Rappaport, Przemysl. Vorstandsmitglied des Beth Israel Großgrundbesitzer Osias Ine r, Abraham O r u st e i n in Vertretnng des Verbandes der galizischen Hnniaiiitätsvereine, Bankier H e ch t, Advokat Dr. Z i p s e r u. m. a. Den Vorsitz in der Versammlung führte der Ehrenpräsident des Vereines „Machsike Hadath", Rabbiner M. Ma y e rs o h n, welcher die Anwesenden in einer längeren Ansprache begrüßte und u. a. ausführte: Der Verein „Machsike Hadath" hat in seiner nunmehr dreizehnjährigen Tätigkeit allwöchentlich am Sabbath sowie an den jüdischen Feiertagen an 100 arme Inden, welche nur streng rituelle Kost genießen wollen, ohne jedes Entgelt durchschnittlich je 100 Personen in seinen eigenen Lokalitäten ausgespeist. Die Speisen wurden in der eigenen Küche unter streng ritueller Aussicht des Rabbiners M. Mayersohn znbereitet. In den letzten Wochen, seitdem viele Tausende galizische Juden die Gastfreundschaft der Wiener Bevölkerung in Anspruch zu nehmen gezwungen sind, stieg die Zahl der von dem Vereine gleichfalls vollständig unentgeltlich Verköstigten bereits auf 300. Es habe sich jedoch gezeigt, daß der Verein „Machsike Hadath" es bei dieser wöchentlich einmaligen Ausspeisnng nicht bewenden lassen kann, und er habe dem Drängen angesehener galizischer Inden sowohl als auch der durch die schweren Zeiten geschaffenen Notlage Rechnung tragend, sich veranlaßt gesehen, diese Versammlung einzuberufen, um darüber schlüssig zu werden, aus welche Weise die vollständige Gratisverköstigung einer größeren Anzahl von galizischen Flüchtlingen, und zwar täglich, ermöglicht werden könnte. Daß die Notwendigkeit einer solchen Aktion schon mit Rücksicht darauf, daß die bestehenden ähnlichen Institutionen den immer größer werdenden Anforderungen beim besten Willen nicht zu entsprechen vermögen, eine notwendige und dringliche ist, wird so sehr nnd allgemein anerkannt, daß ihre Begründung fast überflüssig erscheint. Redner hegt keinen Zweifel darüber, daß der große Einfluß der anwesenden ehrwürdigen Rabbiner nnd ihrer nicht anwesenden Gesinnungsgenosien nnd Berufskollegen wie auch der Wohltätigkeitssinn der reichen galizischen Inden das Zustandekommen dieser hervorragend Humanitären nnd den Geboten unserer heiligen Religion entsprechenden Aktion sichern werden. Nach diesen mit großen! Beifall auffgenommeneii Ausführungen wurde die Debatte eröffnet, an welcher flch die Herren Sporer, Hecht, Dr. Zipfer, Dr. Landau und Isaak Thumim im eigenen Namen sowie namens ihrer Organisationen die Itotwendigkeit der von Herrn Rabbiner Mayersohn dargelegten Aktion befürworteten und sie zu fördern versprachen. Großen Eindruck machte die Rede des Herrn Ignaz Thnmin, eines Sproßen der berühmten Fauiilie Thumim, der selbst als hervorragender Talmudist gilt. Auch er nnterstützte die geplante Aktion. Großen Beifall fand der Antrag des Rabbiners Kramer, dahin gehend, daß nicht nur ein Aktionskomitee eingesetzt werde, welches unverzüglich eine Sammlung einzuleiten habe, sondern daß sofort mit einer Sammlnng unter den Anwesenden begonnen werden möge. Dieser Antrag wurde nach einem Schlußworte des Vorsitzenden, der darauf hinwies, daß die Mittel des Vereines fast ganz erschöpft sind, einhellig angenommen. Das Ergebnis der sofort eingeleiteteu Sammlung, welches mehrere hundert Kronen aufwies, berechtigt zur Hoffnung, daß die Anregung des Herrn Rabbiner Meyersohn auf fruchtbaren Boden fallen wird. Die Geldspenden sind an den Kaffier des Vereines „Machsike Hadath", Herrn Pomeranz, zu richten. Nagy Kamzsa. Gerne bringen wir zur allgemeinen Kenntnis, daß wieder einer unserer Glaubensgeuoffen eine nicht alltägliche Allerhöchste Auszeichnung erhielt. Der Sohn des Herrn Profeffor Oberkantor Leon K a r t s ch m a r o f s in Nagy-Kanizsa, Herr Stabsarzt Dr. Sandor K a n i z s a y, Kommandant der Sauitätsanstalt 42, wurde für tapferes und aufopferndes Verhalten vor dem Feinde als Sauitätschef mit dem Ritterkreuz des Franz Josef-Ordeus am Bande des M i l i tä r - V e r d i e n st k r e n z e s ausgezeichnet. Ktteralrrr. In der Verlagsbuchhandlung Josef Schlesinger, Wien, I., Seitenstertengaffe 5, ist eine Broschüre unter dem Titel „Gebete in Kriegszeit" für israelitische Frauen und Mädchen erschienen. Dieses Heft enthält ausgezeichnet verfaßte hebräische nnd deutsche Gebete, die einen tüchtigen Verfasser habe» und soll in keinem jüdischen.Hause fehlen. Das Reinerträgnis wird einem patriotischen Zweck überwiesen.. Wir machen die Herren Kantoren und Kultusbeamten aufmerksam, daß der bekannte Zahnarzt Herr Dr. Max Weis), Wien, H., Zirkus gaffe, bereit ist, besondere Ermäßigungen unseren Mitgliedern zu gewähren. Merzeichnis der Dertiorsienen vom 11. bis inklusive 17. Oktober 1914. Eva Rosenbanm geb. Preißler, Kauflnannswitwe, Private,. 86 I. Franz Naschauer, Privat, 51 I. Stefanie Weiß, Privatbeamtenstochter, 8 Monate. Charlotte Weiner, Hebamme, 48 I. Samuel Kohn„ Pflegling, 74 I. Maximilian Raffmann, Inspektor der Südbahn, 55 I. Fanny Margulies geb. Hescheles, 67 I. Moritz Sander, Reisender, 62 I. Sarah Einhorn, Geschästsführerstochter, 1 Tag. Abraham Goldschlag, Kaufmann, 65 I. Henriette Polacek geb. Pachner, Private, 60 I. Marie Weiß ged. Weltmann, Kanfmannsgattin, 60 I. Julie Pollak, Private, 64 I. Simche Schwarzstein, Hausierer, 85 I. Alois Feitl, Eisenhändler, 79 I. Julie Moises, Private, 69 I. Perl Bine Rand, Näherin, 36 I. Johanna Fischer geb. Max, Oberlehrerswitwe, 79 I. Simon Pick, Pflegling, 66 I. Anna Turnvwsky. Arztensgattin, 45 I. Bertha Wokoinek, 6 Wochen. Leopold Frisch, Reisender, 62 I. Moriz Osorowitz, Privat, 72 I. Dr. Alfred Berg, Hof- und Gerichtsadvokat, 39 I. Sarah Sporer, Private, 73 I. Engenie Einhorn, Geschästsiührerstochter, 5 Tage. Moses Morgenländer, Pflegling. 63 I. Berl Offenberger, Privatier, 61 I. Marie Herzog geb. Kohn, Trödlersgattin, 52 I. Eduard Stern, Pflegling. Buchhalter, 64 I. Ignaz Borgenicht, Fremdenführer, 72 I. Elsa Kohner, Hilfsarbeiterstochter, 18 Monate. Augnste Mandl, Private, 67 I. Jella Holländer, Handlungsgehilfiu, 32 I. Koloman (Karl) Groß, Privat, 64 I. Armin Liptay, Zahntechniker, 50 I. Josefine Lilienfeld, Kaufmannstochter, 11 M. Albert Denesch, Diener, 19 I. Rosa Engel, Private, 65 I. Jsabella Nathansohn, Private, 79 I. Edmund Pollitzer, Schlossermeister, 46 I. Rudolf Weiß, Res.-Trainsoldat, 25 I. David Markus, akad. Maler, 66 I. Sarah Rosenberg, 51 I. Marianne Szeiner geb.. Adler, Pflegling, 94 I. Siegmund Eisner, Privat, 63 I. Leib Kupferschmied, Kaufmann, 64 I. Samuel Weiubanm, Obsthändler, 38 I. Hermann Schreier, k. k. Finanzwachrespizient, 54 I. David Flachsieder, Privatbeamter, 64 I. Jakob Knhinerker, I Tag. Erna Löbl.geb. Glaser^ Arztensgattin, 42 I. Pesla Luftig, Schneidermeistersgattin, 66 I. Heinrich Lichtblau, Pflegling, 89 I. Heinrich Ulrich Edler v. Trenkheim, Generalmajor, 67 I. Wilhelm Bachrach, Seidenwarenfabrikant,. 48 I. Katharina Bobel geb. Elsner, Privat, 72 I. Isidor Welt, Kaufmann, 66 I. Scheindel Gronner, ohne Beruf, 40 I. Gustav Kohn, Agent, 66 I. Max Dankner, Nordbahllbeamtenssohn, 6 Monate. Josef Karpeles, Kaufmann, 54 I. Jetty Schapira, Private, 22 I. David Axelrad. Mühlenbesitzer. 59 I. Fritz Herzog, Kaufmannssohn„ 21ji I. Hermann Löwy. Pflegling, 81 I. Heinrich Haber, Damenschneiderssohn, 5 I. Isidor Roth, gewes. Kaufmann, 78 I. Jakob- Singer, Privat, 72 I. Karl Kaiser, Schneider, 44 I. Josef Haas, Kaufmann, 77 I. Ferdinand Pilzer, Branntweinschenker, 53 I. Josef Jaroslawitz, Geflügelhändler, 22 I. Anstritte ans dem Indentnm. Bruck Blume Feige vereh. B a r d a ch, Private, geb. 14. Jnui 1839 iw. Brody, Galizien. I., Sonnenfelsgaffe 13. L n n a r d i Rosa geb. E h r e n f e st, ^Private, geb. 6. Mai 1847 in Gaya, Mähren. X., Bechardgaffe 4. Blumenthal Jeanette geb. R e i t l i n g e r, Private, geb. 11. Dezember 1867 in Wien. XVHL, Plenergaffe 26. Blau Olga geb. F er der, geb. 16. Ailgnst 1883 in Banjaluka, Bosnien. XIH., Eltgaffe 23 n. Leiblinger Dr. Sigismund, Advokat, geb. 27. April 1850 in. Tarnopol, Galizien. VJJLL, Schlöffelgaffe 17. Neu m a n n Helene, Pflegerin, geb. 1. Jänner 1887 in Wien. III., Mohsgaffe 8. Torn Zdenko (früher Taußig), absolv. Gymnasiast, geb. 6. Mai 1895 in Prag. VHI., Laudongaffe 28. Lehr Moriz, Chauffeur, geb. 3. November 1891 in Wien. X., Jagdgaffe 37. Kolischer Johann, Artist, geb. 20. April 1887 in Le mberg. XV. Sechshauserstraße 10. Jüdische Bühne. Direktion M. Siegler, Hotel Stefanie, II., Taborstraße 12. Freitag, den 23. und Samstag, den 24. Oktober 1914: „Schic Haschirim", Operette von A. S ch o r. Sonntag, den 25. und. Montag, den 26. Oktober: „Dus Teurale", Operette von T o m a s ch e f s k y. Sonntag, den 25. Oktober: Nachmittags-Vorstellung, zu halben Preisen. Anfang halb 4 Uhr: „Emes und Scheker". Diens-' tag, den 27., Mittwoch, den 28. und Donnerstag, den 29. Oktober :- „Die Weiber", Lebensbild mit Gesang. Karteu-Vorverkauf iin Hotel- Stefanie beim Portier.