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Die Wahrheit · 1914-10-16 · Heft 38 (16.10.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 38 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 Die Wadrhett Nr. 38 tümer, die ihre Bedentnug weit überstiegen. Suchen wir unserem Glauben wieder mit vereinter Kraft, mit gemeinsamem Verständnis und Wohlwollen die kraftbringende friedliche Einigkeit zu geben. Der vereinigende Geist dieser großen Zeiten möge uns durchziehen. Entfernen wir ans unserem Gedankenkreis alles, was uns entzweien könnte, und suchen wir alles, was uns im Wesen unserer Prinzipien verschmilzt, damit wir derart unseren Pstichteu der Zukunft, dem Berufe unseres Glaubens gegenüber gewissenhaft Nachkommen können. Wir sind hiezu bereit. Wir warten vertrauensvoll und erbitten Eueren Entschluß. Es muß eine Form gefunden werden, daß diese nicht so großen und nicht so tiefen Gegensätze anshören. Wir glauben und hoffen, daß unsere aufrichtigen Worte in Eueren Seelen Widerhall finden und daß wir die sehnsüchtig erwartenden kommenden Siegestage im goltgesegneten Frieden eines nunmehr einheitlichen ungarischen Judentums werden feiern können. So sei es! Dr. Moritz Mezei, Präsident der isr. Landeskanzlei. Dr. Franz Mezei, Vizepräsident der isr. Landeskanzlei. Die Weissagung eines Wunderrabdi. Unter dem Titel: „Der Wnnderrabbi von Sadagora prophezeit Frieden", ist folgende Notiz in der letzten Nummer des „Isr. Familienblattes" erschienen: „Unter den Flüchtlingen. die aus Galizien und der Bukowina" in Wien eingetroffen sind, befindet sich auch der Wnnderrabbi von Sadagora, Friedmanu. Er hat für sich und seinen Hofstaat den ganzen ersten Stock eines der größten Hotels in Wien gemietet und einen großen Saal zu einem Bethanse umgewandelt. Er hat auch die hohen Feiertage in Wien verbracht. Es verdient Erwähnung, daß sich in Wien wie ein Lauffeuer das Gerücht verbreitet hatte, daß der Wnnderrabbi erklärt habe, der Beginn der Friedensverhandluugen sei für den 21. September zu erwarten. Der Ausspruch des Wunderrabbis lautete aber wörtlich: „Beim letzten S ch o fa r t o n wird Friede sein". Ein dunkler Spruch, welcher ebenso auf den diesjährigen Versöhnungstag wie auf das jüngste Gericht bezogen werden konnte. Mich jedoch will es bedünken, daß der Wnnderrabbi — der doch zweifellos an die Ankunft des Messias fest und unerschütterlich glaubt — folgende bekannte Talmudstelle, in der die mesfianische Leidenszeit geschildert wird, übersehen haben dürfte. Im Talmud Sauhedrin 97. ä. heißt es u. a.: "di d *m p® SD® Tn „Die Jahreswoche des Daviden wird sein, daß im ersten Jahre in Erfüllung gehen wird, das Wort: „Ich lasse über eine Stadt regnen und über die andere nicht (Amos 4), im zweiteit Jahre werden die Pfeile der Hungersnot abgeschossen; trr6n®a ajn D'n im britteu Jahre wird eine große Hungersnot herrschen, durch die zahlreiche Menschen umkommen und die Thora von ihren Lehrern vergessen werden wird; rrmibö nnnwa mini im vierten Jahre wird teilweise Sättigung herrschen jdiw'itki jöip; das fünfte Jahr hingegen wird ein reich gesegnetes sein, die Menschen werden alles in Hülle und Fülle haben, froh und freudig sein und die Thora wird wieder zu ihren Lehrern zurückkehren; rrmibb mnn mim im sechsten Jahre werden die Schofarstimmen zur Ankündigung der Ankunft des Messias vernommen werden; im siebenten Jahre werden die Kriege (Gog Magogs) stattfinden und zu Ende dies es Jahres wird der Messias, Sohn Davids, erscheinen." Veritas. Amtsantritt des neuen Seelsorgers im Mariahilfer Tempel. Am 18. v. M. fand in sehr würdiger Weise die Installierung Sr. Ehrwürden Herr Dr. Jacob Drobinsky als Prediger des Mariahilfer Tempel-Vereines statt. Der neue Seelsorger wurde durch eine Deputation des Vorstandes aus seiner Wohnung abgeholt und in den Zeremoniensaal geleitet, wo sich mittlerweile ein erlesenes Publikum versammelt hatte. Als Vertreter der Knltnsgemeinde war Herr C. V- Dr. Marcus Spitzer und Sekretär Herr kais. Rat Dr. Theodor Kohn erschienen. Fast sämtliche größere Tempel-Vereine waren durch Delegierte vertreten, die beiden Wohltätigkeitsvereine des Bezirkes durch Präsident Dr. Löwy und Präsidentin Frau Dr. Strauß, ferner der gesamte Vereinsvorstand, der Bethansvorstand und viele angesehene Mitglieder. Nach Eintritt des Herrn Rabbiners hielt der Präsident des Tempel-Vereines, Herr C. V. Dr. Jacob Engel folgende Ansprache: „E h r w ü r d i g e r Herr Rabbiner! Der Vorstand des Mariahilfer Tempelvereines hat im Mai d. I. den einstimmigen Beschluß gefaßt, Euer Ehrwürden zum Prediger unserer Gemeinde -zu bestellen. Als Präsident des Vereines obliegt mir die frendige Aufgabe, Sie namens des Vorstandes und der ganzen Gemeinde ehrfurchtsvoll und herzlich zu begrüßen. Es ziemt sich, in dieser feierlichen Stunde des Mannes zu gedenken, der durch mehr als zwei Jahrzehnte nufere Kanzel geschmückt, durch seine rhetorische Begabung, sein Wissen, sein konziliantes Wesen die Herzen aller Gemeindeangehörigen erworben hat, so daß ich widerspruchslos sagen kann, Dr. Taglicht wird in den Annalen unseres Vereines für immerwährende Zeiten ein Blatt dankbarer Erinnerung gewidunet sein. Euer Ehrwürden sind nunmehr berufen, der Nachfolger dieses ausgezeichneten Mannes zu sein. Nach allem, was wir von Ihnen in Erfahrung gebracht, glauben wir uns der berechtigten Hoffnung hingeben zu dürfen, daß Sie, ein würdiger Repräsentant Ihres Standes, Ehr und Zierde dieses vornehmen Tempelvereines sein, Ihr ganzes reiches Können, Ihre gediegene Weisheit und Ihr edles Herz in den Dienst unserer Gemeinde stellen werden. Verehrter Herr Rabbiner! Gleichzeitig mit dem Beschlüsse Ihrer Bestellung zum Prediger, wurde seitens des Vorstandes ein besonders feierliches Programm für Ihren Einzug in unser Gotteshaus festgelegt. Damals herrschte noch tiefer Frieden in unserem Vaterlande. Seither, Gott sei es geklagt, ist die Kriegsfnrie über Europa hereingebrochen und namenloses Unglück bedrückt die Welt. Kein Einziger in -unserem Reiche leidet nicht unter diesen entsetzlichen Qualen, jeder hat teure Familienangehörige im Felde, wo sie für die Ehre des Vaterlandes ans dem Schlachtfelde kämpfen. Kann man da Feste begehen? Krampst sich nicht unser Herz zasammen bei dem Gedanken, daß vielleicht in diesem Augenblicke die Blüte der Bevölkerung ihren letzten Athen: verhaucht, nachdem sie mit dem Schwerte in der Hand für Oesterreichs Ruhm, für Oesterreichs Größe, für Oesterreichs Ehre gekämpft? In einer solchen Zeit ist für Feste kein Raum und deshalb haben .vir die Feierlichkeit bei Ihrem Einzuge in unser Gotteshaus demütig und gottergeben auf das bescheidenste Maß herabgesetzt. Dies wird Sie jedoch nicht behindern, in Ausübung Ihrer heiligen Pflicht das Wort Gottes von der Kanzel zu verkünden, durch die Macht Ihrer Rede unser Herz zu erheben, unsere Seele zu erwärmen, unseren Geist zu erleuchten. Mögen die Gebete, welche Sie zu Gott dem Allmächtigen emporsenden und denen ja eine, besondere Innigkeit znkommt, mögen sie bald den Frieden auf Erden bringen. Dann wollen wir uns erst recht mit Ihnen, als unserem neuen Seelenhirten. freuen. Empfangen Sie nochmals meine achtungsvollsten Grüße! Seien Sie uns herzlich willkommen." Nach dieser von lautem Beifall begleiteten Begrüßung nahm der Delegierte des Kultusvorstandes Herr Dr. Marcus

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