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Die Wahrheit · 1914-10-16 · Heft 38 (16.10.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 38 (16.10.1914)
Date
1914-10-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 38. Seite 5. Die Wahrheit wie dies in der Regel selbst innerhalb der Jndenheit geschah. Freilich ist es traurig,' wenn es eist solch drastischer 'Mittel wie die-eines allschädigenden Weltkrieges mit seiner fürchterlichen Gefolgschaft verheeirnder Seuchen bedarf, nm die Bedeutung jüdischer Ritnalgesetze zu erweisen.' Reist jedoch dieser Weltkrieg 'die allgemeine Einsicht von der Bedeutung des jüdischen Volkes und seiner religiösen Einrichtnngen für die ganze menschliche Gemeinschaft aus und zerstreut und zerstört er die alten. , gehässigen und geringschätzigen Vorurteile gegen dieies alte Märiyrervolk, dann muß ihn die gesamte Jndenschast trotz der Opferhekalomben, die er von ihnen fordert, als ein 'befreiendes, reinigendes und segenbringendes Gewitter ansehen, das über die Menschheit in ihrem Interesse Hereinbrechen mußte. Möge in diesem Völkerkämpfe schließlich die Wahrheit über die Lüge,, die Kultur und Freiheit über die Barbarei und Knechtschaft, die Menschlichkeit über die nationale Bestie siegen! Das Jitteresse aller guten Menschen erscheint mit dem der Jndenschast innig verknüpft und diese Tatsache berechtigt d ie Inden zn frohen Hoffnungen. R. L. Pogrome in Rußland mit englischer Duldung. Nach Mitteilungen des „N. W. I." ans Kopenhagen sind in Bessarabieu ilud Russisch-Polen blutige Judenpogrome im Gauge. Das Schicksal der verfolgten Inden ist besonders tragisch, weil ihnen die einzige moralische Genugtuung und Stütze, nämlich der Appell an die öffentliche Meinung sowohl Europas als auch Amerikas, durch Englands Schuld entzogen ist. England war es. das bei Kriegsausbruch sich beeilte, überallhin die Auffassung zn verbreiten, daß die russische Regierung ernstlich und ehrlich eine neue liberale Politik in der Jndenfrage einschlagen wolle. Es deckte auf diese Weise Rußland mit seinem eigenen liberalen Schild. Die Tatsache gehört zu den schmachvollsten der neueren englischen Geschichte. Das jetzt wieder vergossene Blut der russischen Inden kommt ans das Haupt der jetzigen englischen Regierung. Der jndenfeindliche Kurs Rußlands wird von der ganzen Rückschrittspresse Rußlands nachdrücklichst wieder betrieben. Das Blatt des Kriegsministeriums, der „Russische Invalid", veröffentlicht ununterbrochen antisemitische Hetzartikel, wobei ihm die „Nowoje Wremja" die gewohnte Beihilfe leistet. In der russischen Armee wird verbreitet, die „Teilniederlage" bei Tannenberg sei auf Verrat der jüdischen Soldaten zurückzuführen, die durch Winken mit Taschentüchern dem Feinde die Richtung angaben. Das Kriegsministerinm und der Generalstab werden von Angebereien gegen die Inden überschwemmt. „Nowoje Wremja" tischt das Märchen auf, in Warschau sei bei einem jüdischen Leichenbegängnis der Sarg von Behörden untersucht worden, wobei an einer Stelle der Leiche fünfundzwanzig Millionen Goldrnbel (!) gefunden wurden, die für den Einmarsch der Deutschen bereitgehalten werden sollten. Der englische Ministerpräsideirt Asqnith brachte es in den letzten Tagen fertig, einer Abordnung englischer und amerikanischer Inden die Versicherung abzngeben, daß die russische Negierung schon jetzt die Rechte der Juden in großem Maße erweitere. Daß diese Erklärung des Herrn Asqnith den Tatsachen ins Gesicht schlägt, ergibt sich ans folgendem Bericht, den wir. aus zuverlässiger Quelle erhalten: Die „Rnßkoje Wjedomosti" hat vor einigen Tagen 3000 Rubel Strafe zahlen müssen wegen eines Artikels des Fürsten Trnbetzkoi, worin der Verfasser die Gleichberechtigung der Inden empfiehlt. Um die Tendenz der Regierung zn verschleiern, wurde diese Zeitung gezwungen, unter Verschweigen des wahren Sachverhalts, eine harmlose Notiz übereine Arbeiterversammlung als Grund für die äuferlegte Strafe anzugeben. Während die Unterdrückung und Verfolgung derJudeittanch jetzt im gleichem Umfange wie bis zn- Beginn des^Krieges fortgesetzt wird,/zwingt: die. russische Regierung in empörender Weise ihre entrechteten jüdischen Untertanen, sich in einem weit größeren Verhältnis als die nichtjüdische Bevölkerung zum Miltärdienst zu melden. Schon in normalen Zeiten werden bekanntlich in Rußland die Juden 20% mehr als Nichtjuden zum Militärdienst herangezogen.. Heute stehen bereits etwa 300.000 Juden unter Waffen, die ihr Blut für ihre Peiniger und Entehrer in Strömen vergießen müssen. Das genügt aber den rnjsifchen Henkern noch nicht. Ein Ukas des Zaren ans den letzten Tagen bestimmt, daß seine „lieben Juden" bei der im November statlsindenden Militärgestellung für das Jahr 1914 in noch viel größerem Verhältnis als bisher zum Militärdienst herangezogen werden sollen. Unter Bezugnahme auf die in Rußland einer bestimmten, sehr erheblichen Kategorie von militaipflichtigen Personen gesetzlich znstehenden Vorrechte (I. und II. Klasse), die sie vom Militärdienst befreien, wird in dieser Ankündigung des Ministeriums hingewiesen, daß diese Vorrechte bei der Musterung für das Jahr 1914 trotz herrschenden Kriegszustandes zu Recht bestehen, soweit es sich um nichtjüdische Militärpflichtige handelt, für die Inden dagegen trat das betreffende Gesetz außer Kraft. Während man auf der einen Sette bestehende Gesetze anfhebt, um die Rechte der Inden, sich für den russischen Zaren totschießen zn lassen, zll erweitern, erklärte dieselbe Regierung ans der andern Seile in den letzten Tagen wiederholt, anläßlich verschiedener Gesuche von jüdischen Studenten um Ausnahme in ' die Hochschule über die Prozentnorm (unter Berücksichtigung der Tatsache, daß sie jetzt an den ausländischen Universitäten keinen Zutritt mehr haben), daß sie bestehende Gesetze nicht ohne weiteres ausheben könne. Man sieht also wieder, wie die Dreiverbandmächte durch bewußte Lügen Sympathie für ihre Sache zu erwecken suchen. Für die Einheit der ungarischen Jndenschast. Die israelitische Landeskanzlei hat an die Rabbiner und Vorsteher der Stalnsqno- und orthodoxen ungarischen jüdischen Gemeinden folgenden Aufruf gerichtet: Geliebte Brüder! In diesen großen, geschichtlichen Tagen, da die weitverzweigten Kraftfaktoren unseres Vaterlandes die in Jahrhunderte währenden, tiefgreifenden Kämpfen verschärften Gegensätze niederringen und sich in der großen Einheit des Exisienzinteresses der ungarischen Nation in edler Harmonie vereinen, reichen wir mit der Wärme einer nie erloschenen Liebe, die sich aus einem gemeinsamen uralten Quell nährt, unsere brüderliche Rechte Euch, die, an unserer leidensreichen uralten Geschichte gemessen, seit kurzem von uns formell gesondert den ewigen Zielen unseres Glaubens dient. Da unsere Angehörigen sich in der Erfüllung der hehrsten Pflicht vereinen, da unsere aus reinster Seele erbrachten Opfer znsammenfließen, nm glänzende Beispiele der Vaterlandsliebe des Judentums als heiligstes Erbe auf unsere späten Nachfahren überkommen zn lassen, in diesen historischen Zeiten, da die Verteidigung unseres geliebten Vaterlandes uns die Hoffnung bietet, daß unsere in Knechtschaft dahinsiechenden Glaubensgenossen befreit würden, fühlen wir, daß das ungarische Israel zn dem durch unsere heiligen Gesetze geforderten Frieden znrückkehren muß, um mit der Fülle seiner neugewordenen moralischen Kraft dem nationalen Wohlstand dienen und die Gedanken und Institutionen unseres Glaubens mit vereintem Eifer verteidigen und pflegen zu können. In diesen in vielfachem Sinne furchtbaren Tagen, da unser inbrünstiges Gebet auf den Fittichen erhöhter Andacht zu unserem Gone emporfteigt, wenden wir uns an Euch mit brüderlichem Friedensruf. Breiten wir einen Schleier über die Kämpfe der Vergangenheit, über Mißverstältdnisse und Irr-

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