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Die Wahrheit · 1914-09-29 · Heft 37 (29.9.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 37 (29.9.1914)
Date
1914-09-29
Page
– (sequence 6)
Language
German
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P r es s e a n. Die Londoner „Times" die seil kurzem eine höchst unfreundliche Stellung gegen die Inden eingenommen hat, richtete in der vorigen Woche einen heftigen Angriff auf die jüdische Presse New-Iorks, tveil diese in der gegenwärtigen Krisis Sympathien für Deutschland zeigte. In den letzteu Monaten hat die Times eine Reihe von Artikeln gebracht, in denen die Stellung Rußlands zur Judenfrage verteidigt wird. Gleichzeitig wurde sehr wohl beobachtet, daß die Times eine große Anzahl Inserate der russischen Regierung brachte, für die zweifellos beträchtliche Summen aufgeweudet worden sind. Ein weiterer Kommentar dazu ist überflüssig. _ Albert Cohn 5 u seinem hundertsten Geburtstage. Albert Cohn hatte am 24. September 1814 im Preßburger Ghetto das Licht der Welt erblickt. Er war der Sohn armer, frommer, rechtschaffener Eltern, die ihm frühzeitig eine vortreffliche Erziehung angedeihen und von gediegenen Fachmännern in der jüdischen Literatur, wie in profanen Wissenschaften einen gründlichen Unterricht erteilen ließen. Nachdem er in Wien seine philosophischen Studien mit glänzendem Erfolge absolvierte, ging er 1836 nach Paris, wo er sich als Almosenier des Barons.James v. Rothschild um, die Förderung der Wissenschaft des Judentums große Verdienste erworben hatte. Er war auch persönlich tätig für seine Glaubensgenossen in Palästina, Algier, Tunis und Marokko. Auf diesen seinen Reisen hielt er an verschiedenen Orten Reden in den Synagogen, wozu ihn seine bedeutende Kenntnis der orientalischen Sprächen besonders befähigte. Sein großes edles Herz, dem zahllose treffliche, literarische Werke ihr Dasein und viele verdienstvolle Literaten ihre Existenz zu verdanken hatten, hat am 16. März 1877 für immer zu schlagen anfgehört. Er gehörte zu Männern, von welchen es im Talmud heißt: En osin nefosehds lazädikim „Hochverdienten Männern braucht man keine Monumente zn setzen, denn die herrlichen Werke die sie geschaffen, die edlen Taten, die sie ausgeübt, bilden ihre Monumente". Fr. Wie Gogmagog deü Schöpfer des Weltalls bekämpfen mill. Im Midrasch. Tanchum. (3. M. p. Emmor) ist folgende nicht uninteressante Stelle zu lesen. R. Lewi sagte: „Wehe den Tyrannen, die unausgesetzt gefährliche,. auf die völlige Vernichtung Israels zielende Pläne schmiedeten, wobei jeder Einzelne von ihnen sich stolz seines Scharfsinnes rühmte und kühn behauptete, daß sein Plan den seines Vorgängers' weit übertroffen hätte. Esan sagte: Kain war ein Tor, er hatte feinen Bruder Abel aus Neid und Haß umgebrächt, und dächte nicht, daß fein Vater, der dämals noch lebte, durch änderweitige Nächkommen entschädigt werden könnte. Ich werde nicht so voreilig und unüberlegt handeln, sondern die Tranertage meines Vaters äbwarten und dann meinen Bruder Jakob — natürlich ans Neid und Haß — aus dem Wege räumen. Phararo sagte wieder: Eia.u war ein Tor, er zögerte mit der Ausführung seines Planes bezüglich der Vernichtung Jakobs, und wartete vorerst den Tod seines Vaters Jsak ab, vergaß aber dabei, daß Jakob inzwischen mit Kindern reich gesegnet werden kann; da habe ich doch einen ganz anderen weit besser durchdachten Plan, die mir zu groß gewordenen Israeliten zu vernichten. Ich werde nämlich den Befehl erteilen, jedes neugeborene israelitische Knäblein, bevor es noch das Licht der Welt erblickt, erwürgen Zu lassen. HaMan wieder kritisierte Pharaos Plan, indem er sagte: Pharao wollte däs israelitische Volk vernichten und ließ daher die Knaben frühzeitig erwürgen, vergaß aber, daß diese Rasse — da die Töchter am Leben blieben — weiter bestehen könnte. Da habe ich doch; einen weit vernünftigeren, wirkitngsvolleren Plan. Ich werde nämlich ' mit königlicher Bestätigung im ganzen, großen Reiche zur allgemeinen Kenntnis bringen lassen, daß sämtliche Juden vom Knaben bis zum Greise, Kinder und Weiber, ..an einem Tage schonungslos niedergemetzelt werden sollen." Nun bemerkt R. Lewi weiter: „In spätesten Zeiten, leosid lowo, wird auch Gogmagog*) auf dem Plan erscheinen und sprechen: Alle meine Vorgänger waren Narren, sie haben unausgesetzt Sitzungen abgehalten und beräten, welche Mittel angewendet werden müssen das israelitische Volk vollständig vernichten zn können, vergaßen aber, daß tziese Nation deshalb unbesiegbar war, schehojoh lobem patrön baschomajim, weil sie einen mächtigen Patron, Beschützer, im Himmel hatte. Ich aber werde einen ganz anderen Weg einschlägen, ganz ändere Mittel, gebrauchen^ die zweifellos vom besten Erfolge gekrönt sein werden. Vor allem werde ich meine ganze Kraft und Macht änfbieten, um ihren Patron zn bekämpfen, dann wird es mir ein Leichtes sein, sie selber niederznringen." Das ist es, was der Psalm sägt: Jisjazwu Malche erez. „Es erheben sich Könige der Erde und Fürsten pflegen Rat gegen den Ewigen itnd seinen Gesälbten." — Gott aber wird dein Gog antworten : Roscho! Bösewicht, mich willst dN bekämpfen! Nun gut. Bei deinem Leben! Ich selber werde gegen dich in den Kampf ziehend Wie es geschrieben steht: „Wie ein mächtiger Held zieht der Ewige in den Kampf, wie ein Kriegsgenossevon Rache ent* flammt, im welterschütternden Getöse schmettert er seine Feinde nieder (Jesaia 42) (vgl. auch Zachar.,14.) Diese Aeußerung des R. Lewi, die wohl manchem Leser märchenhaft, erscheinen dürfte, enthält einen tiefen beachtenswerten Gedanken. .. , Als der König David seinem Syhn Salomo.die-Regierung übergab, rief er ihm zu:. „Und du mejn Sohn Salomo, erkenne den Gott deines Vaters, und. diene ihm mit ganzem Herzen und mit williger Seele" (Chronik 1. 29. 9;) Wie aber kann dem Erdensohn. Gelegenheit geboten werden den unsichtbaren, weltregiereuden. und. welterhalten.- den Gott zn erkennen, Gott ist doch, ein Geist, der mit keinem Sinne wahrgenommen werden kann, ki. lau jiranj. Qdom wochai, denn kein Mensch bleiht leben, der mich sieht. Allerdings kann kein Sterblicher den allsehendeu Weltenschöpfer zu Gesichte bekommen, dessen ungeachtet kann er .ihn doch erkennen, oder richtiger kennen lernen, wenn er die herrilichen Prachvollen Schöpfungswerke .wie überhaupt das Schalten und Walten Gottes, in der Natur infolge errungener Thorakenntnis und sonstiger .Bildung zn bewundern und zn würdigen versteht. Das Werk lobt und preist den Meister, wenn der gebildete Laie es zu beurteilen versteht. — Hat doch der Patriarch Abraham, dessen Vater Terach noch, ein begeisterter Anhänger des Götzentums war, aus den Naturgesetzen frühzeitig ersehen, daß es keine Götter, sondern nur einen einig einzigen Gott gibt, dessen Kraft sich in allem und jedem, in der Nätnr. im höchsten Berge wie im . kleinsten Sandkörnchen, imhervorragende,» Tannenbaum, wie im Jsob, im Menschen, dem edelsten unh erhabensten Wesen in der Natur, wie im kleinsten Wurme, der im Staube kriecht, kundgibt. Ja aus den Gesetzen, die Gott der Natur gegeben und die von derselben nie überschritten^ -werden, chok nosan. welau jawor, kann der vernünftige Mensch die Allmacht, Ällgüte und Allbarmherzigkeit Gottes erkennen lernen. Und diese Erkenntnis veranlaßt ihn, Gott, den Schöpfer des Weltalls, den Vater aller Menschen, Lenker aller Geschicke, Ehrfurcht zn bezeugen ihn allein anzübelen und verehren, und unter allen Umständen an ihn zn glauben, ans ihn fest und unerschütterlich zu *) Ueber Gogmagog wird ja schon im Ezechiel 38. und 39, berichtet, daß er äu der Spitze seiner Untertanen mit 'ganzen Schären europäischer, asiatischer und afrikanischer Nationen, in d'äs wiederhergestellte Land Israels einen räuberischen Einfall machte, . wo § sie ähren Untergang, durch Feuerregen und andere göttliche Plagen fanden. Dieser Gogulagog galt als das Prototyp eines finsteren Despoten, eines ruchlosen Tyrannen und unerbittlichen Jüdenfreffers. Seite 6 Die Wahrheit Nr. 37. Die L o n d o n e r „T i in e s" greift d i e j ü d i s ch e

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