Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 37 (29.9.1914)
- Date
- 1914-09-29
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4. 9tr. 37. Die Wahrheit Kampfeseifer gemeldet, welche jüdische Soldaten an den Tag legen und die solidansche Hilfsbereitschaft infolge des Krieges welche die Inden betätigen, wird von keiner anderen Neligionsgemeinschaft übertroffen. Die Regierungen beider mittelenropäischen Verbündeten erkennen die geschilderte Tatsache auch voll, und ganz an und kommen den religiösen Bedürfnissen der jüdischen Krieger nach Ärmlichkeit entgegen. Sv berichtete nnlängst eine Wiener Tageszeitung, die österreichische Heeresleitung habe in einem galizischen Regimente, das nahezu zur Hälfte ans Inden bestehe, eine koschere Feldküche eingerichtet. Es ist bekannt, daß auch für die religiösen Bedürfnisse der jüdischen Soldaten im Felde, die im Angesichte des drohenden Todes ihrem Gotte uähergerückt erscheirren, durch das Institut der Feldprediger viel ausgiebiger vorgesorgt wurde, als dies ehemals der Fall war. Erlaubt es etwa eine Waffenpanse, dann werden die jüdischen Soldaten an den kouunenden hohen Feiertagen sicherlich Gelegenheit erhalten, ihre Andacht zum Throne des Weltenschöpfers zu erheben. Das Gebet der g a u z e n Indenheit d er Welt fleht da inbrünstig um den Sieg gegen die russische Barbarei, um das endgiltige Schwinden alles Frevels, um Tilgung der frechen Gewaltherrschaft von der Erde. , Tief zu beklagen sind die irregeführten Völker sowohl in Rußland selbst, als auch in den Ländern der mit Rußland Verbündeten, welche für den moskowitischen Tyrannen zur Schlachtbank geführt werden. An Gottlosigkeit kann das perfide Albion mit.dem Russenzaren um die Palme ringen, denn die Ausbreitung des Krieges über den ganzen Erdball ist sein Werk, obgleich es niemand bedroht oder angegriffen hat. Nach den neuesten Berichten schreckt England nicht davor zurück, indische Krieger gewaltsam gegen die Deutschen loszulassen, gleichzeitig aber auch vom fernen Japan Krieger gegen die ausständigen Inder zu werben. Möge dieser Krieg auch gegen das perfide England zum Gottesgerichte werden, dies ist nicht nur das spezifische Gebet der Juden, sondern aller guten Menschen, deren sittliches Gefühl noch nicht erstorben ist! Möge dieser Krieg mit der Befreiung und Erlösung der Millionen Juden im rufsifchen Reiche enden! Wird dieses Ziel erreicht, dann sind die ungezählten Todesopfer, die unermeßlichen Schäden, welche dieser Weltrieg fordert, nicht vergeblich gebracht worden und nicht die Inden allein werden die süßen Früchte desselben pflücken, denn mit dem Schicksale der I u d e n s ch a f t erscheint diesmal auch das der Freiheit und Kultur verknüpft. Nach der endgiltigen Niederringnng des Moskowitertumes, welches den ganzen Fortschritt und alle Freiheit in der ganzen Welt schwer bedroht, muß die neue Freiheits- und Knltursorm nicht nur den Inden, sondern der ganzen Menschheit leuchten und - dieselbe mit Freude und Wonne erfüllen. R. L. Patriotismus and Menschenliebe. In dieser Zeit des Bangens und der schweren Sorge richtet uns die Wahrnehmung auf, daß die Blüten edler Menschlichkeit sich allenthalben entfalten und daß besonders unsere Glaubensgenossen an Opferfreudigkeit Erstaltnliches leisten. So sind in den letzten Tagen drei Notspitäler für Verwundete errichtet worden, die durch ihre zweckmäßige, allen Anforderungen der Hygiene entsprechende und auch möglichste Behaglichkeit gewährende Einrichtung die Bewunderung jedes Besuchers erregen. Im 7. Bezirke Neubangasse 44 widmete Herr Direktor Kalmä.r die Räumlichkeiten, beschaffte mit einem Stabe edler Männer die Einrichtung und sicherte auch die Kosten der Verpflegung. Im selben Bezirke, Neubaugasse 25, stiftete Herr Weinberger ein ähnliches Werk. Im 13. Bezirke wieder die Herren Dr. Barrach und Dr. Schajowicz. Dem Wunsche des Buudespräsidenten des Roten Kreuzes, des Grafen Traun entsprechend, sind diese drei Anstalten auch kirchlich geweiht worden. Mit Rücksicht auf die Spender waren alle drei Konfessionen vertreten, Vertreter der jüdischen Glaubensgemeinschaft bei diesen drei Einweihungen war Rabbiner Dr. Taglicht. Von seilten Reden soll hier eine wiedergegeben werden: „Die Vertreter dreier Bekenntnisse stehen hier, eines Sinnes und eines Herzens, um einem Werke, wohlgefällig in den Ailgen Gottes und der Menschen, die religiöse Weihe zu geben. Wie unsere Söhne unb unsere Brüder draußen im Felde ohne Unterschied für den Bestand und die Ehre unseres teuren Vaterlandes kämpfen, so sollen hier alle ohne Unterschied liebevolle Aufnahme und sorgsame Pflege finden. Männer und Frauen, von wahrhaftem Patriotismus^ unb reiner Menschenliebe beseelt, haben diese Pflegestätte für die im Kriege Verwundeten begründet. Patriotismus und Menschenliebe sind uns heilige göttliche Gebote, denn neben dem Gebot im dritten Buch Moses „Liebe deinen Nebenmenschen wie dich selbst" wurde uns vom Kindheit an das Bibelwort eingeprägt, „Habe Ehrfurcht, mein Kind, vor Gott und dem König". Gott und der König stehen hier nebeneinander. In dem gekrönten Haupt seherl wir den Gesalbten Gottes. Für Religion und Vaterland setzen wir Gut und Leben ein. So möge dieses auf so heiligem Firndamenle gegründete Werk gesegnet sein. Mögen alle, die diese Stätte anfsnchen, hier Genesung finden. Möge aus der kostbaren Saat, die diese Verwundeten draußen auf den Schlachtfeldern mit ihrem Blute ansgestreut haben, die köstliche Frucht der Menschlichkeit, der Brüderlichkeit emporsprießeu. Flnchtlingssnrsorgr. Unter der Aegide einer Anzahl städtischer Mandatare hat sich ein ans angeseheneü Bürgern bestehendes „Interkonfessionelles Hilfskomitee zur Frühstücks- und Jausen-Ausspeisnng unserer Flüchtlinge ans Galizien und der^Bnkowina" gebildet, von welchem wir nachfolgendes Schriftstück empfangen: Aufruf! Eine, der .schrecklichsten Folgen unseres opfervollen Krieges, welcher in Galizien und der Bukowina einer Entscheidung entgegengeht, bildet es, daß die nicht wehrfähige Zivilbevölkerung gezwungen ist, Haus und Hof, Hab und Gut, Beruf und Erwerb liegen zu lassen und von der Heimat, zu flüchten. Hat sich auch dieser gewaltige Menscheustrom in mehrere Städte Oesterreich-Ungarns ergossen, so ist es doch eine bekannte Tatsache, daß das Gros der aus strategischen Gründen geräumten Gebiete nach Wien geflüchtet ist. Nach langer qualvoller Fahrt kommen diese Bedauernswerten in elendem Zustand hier in Wien an und wohl haben sie, die mit für das ganze Reich leiden, ein Anrecht auf gastliche Aufnahme, Schntz und Hilfe. Wohl ist nun deshalb auch von Seiner Exzellenz, dem Herrn Bürgermeister von Wien, eine amtliche Zentralstelle geschaffen worden, welche unter der Leitung des Gemeinderats Dr. Rudolf Schwarz-Hiller geradezu aufopferungsvoll arbeitet, so karg die ihr zngmessenen Mittel auch sind. Um nun den unglücklichen Frauen, worunter viele mit Säuglingen, den zahlreichen Kindern und den einer besseren Ernährung bedürftigen Männern — alles ohne jeden Unterschied der Konfession —, etwas zu bieten, wofür anderweitig leider nicht gesorgt werden kann, nämlich den so dringend notwendigen T Morgenkaffee oder Tee m it z w ei " Semmeln, hat sich unter der Aegide der Gemeinderäte^ Siegmünd Kodicek, Wenzel Ripper und Gustav Schaffer, der Bezirksräte