Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 37 (29.9.1914)
- Date
- 1914-09-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Rtbafilou und »ldministratiou: Wien, ll/, Novaragasse 27 Televhon: Stedaktiou 5509/1V. Admmistralion 1988/11. K. I. üfterr. Vostsvarkaffa- Bchetk-Konlo Itr. 100.918. Inferare: Dir viermal gespalteue Nonpareille-Zeile 25 Heller. Abonnements- und Jnsertione- SetrSge find in Wien zahlbar und klagbar. «abhängige Serkschrift für jüdische Interesse«. Erscheint jeden Areilng. Motto: „Das Siegel Gottes ist Wahrheit T WerngsveLZ!»: Änuziühria.K 14.— Halbllibrig.K 7 — Für JViiltiiSbeiuiite: 'l'omiiibvi,!.K io.— Für Ausland: <Stuu)t<it)vtf\.8 'JHut r 6 Rubel oder I« Sfrc». Kr. 3V. Wien, 2S. September "»14. Inhalt: Die Inden im gegenwärtigen Weltkriege. — Patriotismus und Menschenliebe. — Flüchtlingsfürsorge. — Die Haltung der amerikanischen Juden. — Albert Kohn. — Wie Gogmagog den Schöpfer des Weltalls bekämpfen wolltet — Verschiedene Nachrichten. — Literatur. Abonnements-Einladung. Die geehrten Kerren Aöonnenten werden um umgehende Erneuerung des Abonnements für das amt. Kktoöer 1914 beginnende IV. Huartat ersucht, damit die regelmäßige Expedition des Mattes keine Unterbrechung erleide. Abonnements-Bedingungen: Kanzjährig Kr. 14.— Kalbjährig Kr. 7.—, Uierteljährig Kr. 3.59. K. k. Postsparkasferr-Korrto 100.918. ====. Probenummern gratis zur Verfügung. — Die Inden in» gegeumiirtigen Weltkriege. Das moskowitische Reich, in dem die zarische Willkür seit jeher als oberstes Gesetz gilt und jede freiheitliche Regung des Volkes haßerfüllt, mit unmenschlicher Grausamkeit bestraft wird, sucht in neuester Zeit den Machtbereich seiner Knute auch nach Westen hin auszudehneu. Der, wenn auch noch spärliche Volksanteil der reichsdeutschen und österreichisch-ungarischen Untertanen an der Regiernngsgewalt schmerzt den moskowitische» Tyrannen wie ein Pfahl im Fleische, denn auch die russischen Völker hungern nach Freiheit und Selbstverwaltung und knirschend vor Wut sah sich der Zar infolge des mächtig wirkenden Beispieles an seinen westlichen Reichsgrenzen gezwungen, konstitutionellmonarchische Staatsgrundgesetze zuzugestehen. Diese Tatsache ist in Wahrheit der innere Grund des gegenwärtigen Weltbrandes. Die Angst des allezeit revanchelüsternen Frankreich und des neiderfüllten britischen Reiches gegen das unliebsam erstarkte Deutschland wurde vom schlauen russischen Büren weidlich ausgenützt und eine geheime enge Verbindung desselben mit der verbrecherischen Dynastie der Karageorgjewitsch, welche den Königs- und Prinzenmord als geeignetes Mittel zur Macht steißig übt, lieferte den Grund zum gegenwärtigen blutigen Völkerkriege. Es gibt nun gegenwärtig schon in Wahrheit keinen Staat ans dem weiten Erdenrundeder nicht empfindlich durch diesen Weltkrieg geschädigt wäre, ja, es gibt wenige Familien und Einzelexistenzen in der weiten Welt, ganz besonders aber in den in diesen Riesenkampf verwickelten Staaten, die nicht hart mitgenommen erscheinen. Die größten Opfer und Schäden verursacht dieser gigantische Krieg aber d e n I n d e n. Die reichsdentschen und österreichisch-ungarischen Staatsangehörigen in Belgien, Frankreich und England, die beim Kriegsausbrüche daselbst dem furchtbaren Ansturm der anfgestachelten nationalen Bestie ansgesetzt waren, zeigten einen besonders hohen Prozentsatz von Juden, welche vorzüglich im Bereiche des Handels und der Industrie den Verkehr mit ihrem Stammlande zn pflegen hatten. Es war wohl hart, gewaltsam ans friedlichen nnd auskömmlichen Bernsen plötzlich schuldlos heransgerissen und in gefährliche Flucht gedrängt zn werden. Noch ärger sind wohl diejenigen daran, welche in harte Kriegsgefangenschaft gerieten, wo man diese Armen, nach Berichten, bei schmaler Kost, zn schwerer Arbeit zwingt. In Russisch-Polen hausten die abziehenden Russen grausam und bestialisch gegen alle Einwohner, aber ganz besonders haßerfüllt gegen „die lieben Juden". Während der später in Ostpreußen und Ostgalizien erfolgten Einbrüche der russischen Armee erlebten daselbst die dort zahlreichen Juden Schreckenslage und zu Tausenden irrten die ansgedrängten und geflüchteten Juden im Lande umher, welche oft nichts als das nackte Leben retten konnten. So hat der gegenwärtige Weltkrieg unmittelbar Millionen Juden enthaust und zu Bettlern gemacht, abgesehen von den unermeßlichen wirtschaftlichen Schäden, welche dieser Weltkrieg den Inden der ganzen Welt dadurch znfügt, weil Handel und Industrie unterbunden und geknebelt erscheinen, welche dem Großteil der Judenheit den Lebensunterhalt gewähren. Trotz dieser immensen Opfer, welche dieser Kampf gegen die moskowitische Gewalt und Unkultur allen Inden der Welt auferlegt, har noch kein Krieg bei diesem friedlichen Volke so viel Beifall und Kampfeiser ansgelöst, denn die Judenschaft sieht in ihm die lang verdiente Vergeltung und Züchtigung für die unsäglichen Leiden, welche der Uebermnt und die Grausamkeit des zarischen Barbarismus ihren unglücklichen Glaubensgenossen in Rußland zugefügt hatten, Sowohl im L Deutschen Reiche als auch in Oesterreich-Ungarn werden ^leuchtende Beispiele von Tapferkeit nnd unerschrockenem