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Die Wahrheit · 1914-09-18 · Heft 36 (18.9.1914) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 36 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 36 Die Wahrheit Seite7. ziger Tempel in Philadelphia in Amerika besteht in Familienlvgen eingeteilt, wo Vater Und Mütter und Familienmitglieder ohne Unterschied des Geschlechtes zn Gott beten. Es liegt nahe, daß unter den Augen der Eltern und ihrem frommen Beispiel, die Andacht der Kinder gefördert wird.. Der Verein „Kolk aneorim“, mtter frei* 5iet6eiuitf3teii Leitung des Herrn Bnrgerschuldirektors I. Mautner, entwickelt .sich herrlich und. die allgemein anerkannten Bestrebungen dieses Pädagogen werden von den Eltern mit großer Genugtuung unterstützt. Am Sabbat findet der von der Knltnsgemeinde seit langem eingeführte Jngendgottesdienst statt, an den Feiertagen ist es der Verein „Kol haneorim“, der die Jugend bei dem Mangel an Plätzen in den Gotteshäusern, durch eigene Gottesdienste, der Andacht znfnhrt, und so das Werk des Religionsunterrichtes krönt. In den Andachtsstätten aller Konfessionen bildet das religiöse Lied einen Hauptbestandteil des Gottesdienstes. Die altehrwnrdigen traditionellen Melodien der Inden waren zn allen Zeiten ein heiliges Erbe zur Hebung und Fördernng der Andacht. ' Schon vor einem halben Jahrhundert hat Altmeister Salomon Sulzer seine „Dudoim“ (Veilchen) Gesänge für die israelitische Schnljttgend auf Grundlage der altehrwnrdigen traditionellen Melodien komponiert und herausgegeben. Die deutsche Uebersetzung in metrischem Versmaß lieferte der bedeutende Dichter Mosenthal, dessen Dichtung „Debora" im Wiener Burgtheater so sensationell wirkte. Die „Dudoim“ bestanden in zwei Teilen, in Form gewöhnlicher Schulbücher, handlich, dreistimmig, Sopran, Alt und Baß und erfreuten sich starker Verbreitung, wo sie in Schulen, Instituten und Privatkreisen verlangt wurden. Da die gestochenen Platten vorhanden sind, so könnte eine neue Auflage keine besonderen Kosten verursachen und der Verein - „Kol haneorim“ könnte es dahin bringen, daß die Schuljugend, welche in Musik und Gesang theoretisch und praktisch gebildet wird, diese Gesänge einstudiert und so einen Ersatz des Tempelchores beim Jngendgottesdienste „Kol haneorim“ bildet. Emil F r ä n k e l, Religionsprofessvr. ° Der Vorstand der Israelitischen Allianz versendet folgenden Aufruf! Der unsägliche Jammer des Krieges hat die Bewohner Ostgaliziens und darunter insbesondere unsere Glaubensgenossen am härtesten getroffen. Viele Tausende teils auf Veranlassung der Regierung evakuierter, teils vor dem eindringenden Feinde geflüchteter Familien, müssen bis zur Beendigung des Krieges in West-Oesterreich untergebracht und verpflegt werden. Das k. u. k. Kriegsüberwachnngsamt und Se. Exzellenz der Statthalter in Mähren haben der Israelitischen Allianz vor wenigen Tagen die Mitteilung zukommen lassen, daß zunächst über 6000 jüdische Flüchtlinge in der Jsraeliten-Gemeinde in Rikolsbnrg nntergebracht werden müssen und haben uns um rasche und ausgiebige Mithilfe für diese Bedauernswerten ersucht. Nach den uns dabei gemachten Mitteilungen sind noch fernere große Schaaren zu erwarten, für welche, wenn die auf Veranlassung der Regierung in Ban begriffenen Baracken bei Nikolsburg nicht ansreichen werden, in ähnlicher Weise Unterknnftstellen bei Pohrlitz und eventuell in der Nähe noch anderer jüdischer Gemeinden Mährens geplant sind. Die Staatsregiernng hat erklärt, für die Bequartierung und notdürftige Verköstigung sorgen zn wollen, hat aber zugleich an uns den dringenden Appell gerichtet, durch Anrufung der privaten Wohltätigkeit möglichst dazu beizutragen, daß das Dasein dieser vielfach ans ruhigen bürgerlichen Verhältnissen, znm Teil sogar aus dem Wohlstand plötzlich herausgerissenen und in grausame Not versetzten Flüchtlinge ein menschenwürdiges sei. In Einvernehmen mit dem Kultus Vorstande in Brünn und der Jsraeliten-Gemeinde Nikolsburg, haben wir in Aussicht genommen, die von der Regierung erbetene Mitwirkung in. der Richtung zn gewähren, daß wir für die Anschaffung der notwendigen Eiurichtnngsgegenftände (Decken, Strohsäcke, Küchengeschirr), ferner für Wäsche und Kleider und für die mit Rücksicht auf die besonderen Bedürfnisse der Israeliten notwendige Ansbesserung der Verpflegung, wozu insbesondere die Beistellnng ritueller Kost gehört, nach Kräften Sorge tragen werden. - Wir wenden uns daher an unsere Gönner und Wohltäter mit der innigen Bitte, uns durch Ueberweisnug hochherziger Beiträge in den Stand zn setzen, zur Linderung der großen Not von so vielen Tausenden unserer am schwersten heimgesnchten Glaubensgenossen in angemessener Weise beizntragen. Es ist nicht abznsehen, welche große Dimensionen dieses Hilfswerk annehmen wird, so daß wir die edlen Wohltäter dringend bitten, dieses in gleicher Weise patriotische, wie im Interesse unserer Religionsgemeinschaft gelegene Hilfswerk mit besonderer Freigebigkeit zn fördern. Der Vorstand Der „Israelitischen Allianz zn Wien" Wien. II., Untere Donanstraße 33. Postsparkassen-Konto Nr. 8152. Aufruf! Mitbürger! Ein Teil Galiziens ist vom Feinde bedrängt. Tausende Familien mußten ihr Heim unter Zurücklassung von Hab und Gut verlassen und vorübergehend in Wien Aufenthalt nehmen. Noch gestern in ihrer Heimat angesehene und reiche Bürger, sind sie jetzt von allen Mitteln, entblößt, entbehren für sich und ihre Angehörigen das tägliche Brot und wissen nicht, wo sie nachts ihr müdes Haupt niederlegen können. Es ist feststehend und wir dürfen erwarten, daß der Staat, in dessen Interesse die Familien heimatlos geworden sind, für sie sorgen wird. Aber inzwischen können die Armen im Elend verkommen. Es ist daher Pflicht und ein Gebot der Menschlichkeit diesen helfend beiznspringen. Mitbürger, die Ihr zn jeder Zeit allen Hilfsbedürftigen ein offenes Herz bekundet, helfet diesen Schiffbrüchigen! Der Verband der in Wien bestehenden humanitären Vereine der galizischen Juden fühlt sich in erster Linie verpflichtet hier helfend aufzutreten. Er wendet sich hiemit' an Euch mit der Bitte, ihm zum besagten Zwecke zuhanden seines unten genannten Obmannes (Scheckkonto Nr. 56.020) oder seines Kassiers (Scheckkonto Nr. 81.598) Spenden znkommen zn lassen. Die einlangenden Betrüge werden veröffentlicht werden. Dr. Max Jacob so hu, Obmann 1. Bez, Biberstraße 11. Adolf Hecht, Bankier, 15. Bez., Mariahilferstraße 138, Kassier und Obmann des Vereines der Kolomeaer j M. I. Beer. Obmann des Vereines der Brodyer! I. H i l l n e r, Obmann des Vereines der Tarnopoler. i Ignaz Platz, Obmann des Vereines der Lemberger. Dr. Max Kahane, Obmann des Vereines der Rzeszower. Uerfchiedene Uachrichle». Wien. (Israel. Knltnsgemei n d e W i e n.) Anläßlich; der hohen Feiertage wird von der israel. Knltusgemeinde ein Gottesdienst im Adlon-Saale (I., Fiichhos 5, nächst der Rotentnrmstraße) veranstaltet. Der Kartenverkauf findet ab Diensrag, den 15. September, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, statt. Wien. (Israel. Tempelverein für Mariahilf und Neubau.) Freitag, den 13. d., 6 Uhr abends, wird Se. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Jacob D ro b ins ky im Tempel, VI., Schmalzhosgasse Nr. 3, seine Antrittsrede halten. Eine Viertelstunde vorher findet im Zeremoniensaale die Begrüßung des Herrn Rabbiners durch den Vorstand statt. Wien. Die Einschreibungen an der Talmud- und Bibelschule der israel. Kultnsgemeinve Wien, II., Ferdinandsstraße 23, finden am Donnerstag, den 1. Oktober 1914 von 5 bis 6 Uhr abends, Sonntag, den 4. Oktober 1914 von 11 bis 12 Uhr mittags, Mittwoch, den 7. und Donnerstag den 8. Oktober 1914 von 5 bis 6 Uhr abends im Bet-ha- Midrasch-Lokale, Wien, H., Ferdinandsstraße 23, statt. Der Unterricht ist unentgeltlich.

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