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Die Wahrheit · 1914-09-18 · Heft 36 (18.9.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 36 (18.9.1914)
Date
1914-09-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36. Die Wahrheit Seite 5. und R. Jchoschna lehrte: Ein b ö s e s A u g e, Leidenschaftlichkeit nnd Menscheuhaß führen den Menschen seinem Untergang entgegen". Das heißt mit anderm Worten, daß das ganze Denken, Sinnen, Forschen nnd Grübeln des von Neid nnd Haß, Ehrgeiz und Habsucht ergriffenen Menschen ausschließlich dahingerichtet sei, seinem Rivalen den Boden zu nnterwühlen, ohne zu bedenken, daß er bei seiner Wühlarbeit sich selber das Grab schaufelt. Wie im Kleinen, so im Großen. Auch unter Fürsten Pflegt es zuweilen vorzukonimen, daß so mancher „Nimmersatt" ans Neid, Mißgunst, Herrsch- und Habsucht, selbst vor einem Weltbrand nicht zurückschreckt, so es gilt hochverdienten, allgeliebten nnd allverehrten das Heil und Wohl ihrer Völker, ohne Unterschied der Nationalität, der Konfession, der Klasse nnd Nasse, fördernden Regenten Kränkungen zu verursachen, Verlegenheiten zu bereiten, ohne zu bedenken, daß es eine höhere Macht gibt, die ihm znrusen wird: Was hast du da getan? Die Stimme des mutwillig vergossenen Blutes so vieler unschuldiger Menschen schreit zu mir von der Erde! Da unten in Halbasien, wo die Apachen hausen, die herrlichen Plattenbiüder ihr Handwerk betreiben, haben vor kurzem gedungene mit Bomben und Pistolen reich versehene Mordbnben den österreichischen Thronfolger Erzherzog Franz Ferdinand nnd dessen Gemahlin meuchlings ermordet. Eine grauenhafte abschenerregende Freveltat, über die — die Anstifter dieses Mordes urrd deren Beschützer ansgenommen — alle Bewohner des Innnd Auslandes furchtbar entsetzt und erregt waren. Selbstverständlich konnte die Regierung unseres glorreichen, hochherzigen, von aller Welt als Friedenskaiser gefeierten Monarchen, den wir stets als unfern von Gott uns gesandten Schutzengel loben nnd preisen, über diese scheußliche Tat nicht stillschweigend vorübergehen. Sie stellte daher mit vollem Rechte an die serbische Regierung das Verlangen, gegen die Anstifter dieses unerhörten Fürstetunordes, die in Serbien hausten, eine strenge Untersuchung einzuleiten, damit die Unholde sich nicht der ihnen gebührenden Strafe entziehen können. Dieses gerechte Verlangen aber hatte die Panslawisten, die seit langer Zeit gefährliche, ans die Zertrümmerung der Monarchie und des Deutschen Reiches zielende Pläne schmiedeten, aus begreiflichen Gründen stutzig gemacht, weil sie zu befürchten hatten, vor der ganzen Welt kompromittiert zu werden. Um nun diese saubere Gesellschaft schützen zu können, sah sich deren Protektor veranlaßt, so rasch als möglich ganz Europa in Brand zu setzen, nnd hatte dabei noch den traurigen Mut in die Welt hinansznrufen: „Fanget die Brandstifter!" — Wahrlich eine solch nnqnalifizirbare Verfahrnngsweise kann nicht ungeahndet bleiben, b i-6d 't .-«8' ab In spätesten Zeiten noch wird man mit Abscheu und Eulrüstung von diesem mutwillig heraus beschworenen Weltkrieg sprechen. Treffend bemerkt der ehemalige ungarische Ministerpräsident Herr Koloman v. Szell in seinem in der N. Fr. Pr. vom 6. d. M. erschienenen vortrefflichen Artikel „Betrachtungen über die Gegenwart nnd Vergangenheit" : „Rußland wird die Folgen tragen müssen, und — wie ich' es hoffe — durch Fügung der Vorsehung bestraft werden, wird dann sehen, wie seine Polen, seine Ukrainer nnd Finnländer sich mit diesen Folgen vertrant machen. Rußland setzt durch diesen Weltkrieg alles aufs Spiel, will die gerechte Untersuchung nnd Züchtigung der Schandtat der Ermordung unseres Thronerben durch einen enropäischen Krieg verhindern; setzt also alles aufs Spiel, stürzt ganz Europa in den Krieg, um diese Greneltat nicht strafen zu lassen. Dies ist ein Schritt Rußlands, den es in Jahrhunderten nicht büßen kann." Wenn Rußland, gestützt auf sein zahlreiches Heer, glaubt, sich weder um die Gesetze der Religion, noch um die Völkerrechte kümmern zu müssen, täuscht es sich gewaltig. „Nicht ist dem König geholfen mit einem großen Heere, und der Starke rettet sich nicht mit seiner großen Kraft. Trüglich ist das Roß zur'Hülfe, und mit seinem großen Heere rettet er sich nicht. Schau! Gottes Auge ist gerichtet auf die Gottessnrchtigen, die aus seine Gnade hoffende." (Psalm 33.) „Ihr Hochmütigen, redet nur nicht so stolz, kein freches Wort entfahre eueren Lippen, denn Gott ist der Herr der Gedanken nnd wie ans der Wage liegt vor ihm des Menschen Tun. Dem Starken bricht der Bogen, die Schwachen umgürten sich mit Kraft." (Samuel 1.2.) Ein Reich, den die Hauptstützen: „Wahrheit, Gerechtigkeit und Frieden" fehlen, ist trotz seiner Millionen Soldaten nicht stark, und ein Weltkrieg, der mutwillig aus Neid und Haß heraufbefchworen wurde, kann nicht unbestraft bleiben, denn der Allmächtige hat nicht das schöne, prachtvolle, imposante Weltgebände ins Dasein gerufen, damit Hnnderttansende, oder gar Millionen seiner Geschöpfe von Tyrannen als Kanonenfutter verwendet werden, sondern, damit die Menschen hienieden in Frieden und Eintracht leben, sich veredeln und vergeistigen, als höhere im Elenbilde Gottes geschaffenen Wesen eine segensreiche Tätigkeit entfalten und ihre Pflichten gegen Gott, den Monarchen, und den Staat, wie gegen ihre Mitbrüder erfüllen können. (Jesaias 45. 18.) Wahrlich, durch den Weltbrand, den die unerbittlichsten Feinde der Monarchie und des Deutschen Reiches mutwillig angezündet haben, werden am nächsten Rausch, hoschono viele tausende unserer Glanbensbrüder. die ans dem Felde der Ehre für Thron nnd Vaterland wacker kämpfen, folgenden Vers der Heil. Schrift erst recht zu würdigen verstehen: „Wenn ihr in eurem Lande gegen einen auswärtigen Tyrannen (al hazar hazorer eschem) der euch unausgesetzt behelligt, belästigt, kränkt, schmäht und reizt, in den Krieg zu ziehen gezwungen werdet, so sollt ihr mit den Trompeten Lärm blasen, dadurch wird der Ewige euer Golt euerer bedacht sein und euch von eueren Feinden befreien." (4 M. 10. 9.) Dr. M. H. Fr. Heldentod eines ftidischenFahnrich. Der antisemitischen „Reichspost", die selbst in diesen ernsten Zeiten ihren Judenhaß nicht unterdrücken kann nnd in einer Polemik gegen ein Wiener Montagsblatt die hämische Glosse machte, daß die polnischen Inden nach Wien flüchten, während die polnischen Arier zur polnischen Legion eilen, möchten wir die nachstehende, in der N. Fr. Presse jüngst veröffentlichte Notiz zur eingehenden Lektion empfehlen: Wie in dieser schweren Zeit Freuden nnd Schmerzen, in jäher Aufeinanderfolge abwechseln können, beweisen zwei Briefe, die eine angesehene Wiener Familie vom fernen Schlachtfeld bekommen hat. Der erste dieser Briefe ist vom Sohn, dem Fähnrich Fredy P i ck, geschrieben. Es heißt darin: Ich schreibe jetzt eine Stelle aus dem heutigen Regimentskommandobefehl ab, die mich betrifft itnb Euch sicher freuen wird: „Der Herr Fähnrich Pick, Kommandant der Maschinengewehrabteilung, zugeteilt. . ., hat sich anläßlich der Aufstellung nnd Beschirmung der Maschinengewehrabteilung durch seine außerordentliche Ambition und unermüdlichen Fleiß große Verdienste erworben. Für diese Bemühungen im Namen des allerhöchsten Dienstes spreche ich dem Herrn Fähnrich Pick meine auszeichneude Anerkennung wie meinen Dank aus. Seine Arbeit, seinen Eifer, seinen Fleiß werden große Erfolge belohnen." Das war nach langer Zeit einsehr schöner Tag für mich. Ich bin aber auch stolz auf meine Abteilung. Ohne die tatkräftige Hilfe und Unterstützung meines Bataillonskommandanten wäre ich natürlich nicht so rasch fertig geworden. Ueberhanpt sind alle Herren sehr lieb. Ich bin der Jüngste. Mir gefüllt der Krieg ganz gut, man sieht da erst was der Mensch leisten kann. Gestern habe ich mir das erstemal nach vielen Jahren die Haare ganz wegschneiden lassen. Es geht mir recht gut, macht euch nur keine Sorgen, es wird alles gut enden. Es küßt. Euch Fredy. Und wenige Tage nach diesem zuversichtlichen jugendfrohen Brief langte ein zweites Schreiben in Wien an. aber nicht mehr vom Sohne, sondern von dessen Major, der in soldatisch schönen, warmen Worten vom Heldentod des Jünglings erzählte. Der Brief lautet:

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