Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 34 (4.9.1914)
- Date
- 1914-09-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 34. Die Wahrheit Seite 5. Die in Wien oder überhaupt in Oesterreich ausäßigen and auf Unterstützung angewiesenen ungarischen Staatsbürger n halten genau die in dem österreichischen Gesetze festgesetzte Unterstützung .nach den gleichen Prinzipien und in gleicher Summe, wie die österreichischen Staatsbürger. Hiermit wollte ich Euer 'Hochwohlgeboren über die Unterstützung der Familien der Eiugerückten sowohl in Oesterreich als auch in Ungarn, wie auch über die zwischen den beiden Staaten hinsichtlich der Unterstützung bestehenden Gegenseitigkeit orientieren. Empfangen Euer Hochwohlgeboren den Ausdruck meiner vorzüglichsten Hochachtung Zoltan B o s a z a k in. p. Ministerialrat. Budapest, 29. August 1914. Für die Uebersetzung: Wien, 1. September 1914. Jakob K r a n ß. Kesttzen die Inden Heldenmut? „Wenn es eine Stufenleiter des Leides gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiege», wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen werden, adeln, so nehmen es die Inden mit den Hochgeborenen aller Länder ans; wenn eine Literatur reich genannt wird, die wenige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die anderthalb Jahrtausende währt, gedichtet und dargestellt von den Helden selber." Zunz: Synagogale Poesie. Ein Blick in die heilige Schrift genügt, um uns zu überzeugen, daß schon Moses, unser großer Lehrer, und nach ihm die Propheten nnansgesetzt bemüht waren, beit Heldenmut in den Herzen der so oft und so schwer geprüften Söhne Israels wach zu rufen und rege zu erhalten, ihnen einzuschärfen, daß das feste und unerschütterliche Gottvertrauen allein geeignet sei, ihnen Kraft und Mut zn verleihen, um selbst einer. Welt in Waffen Widerstand leisten zu können. In dem sinsteren, liervergötternden, menschenverfolgenden, den Totenknltns fördernden Aegypten wurden unsere Ahnen jahrhunderte lang von den grausamen Pharaonen bedrückt und gequält, geächtet und geknechtet, gemartert und gefoltert. Als jedoch ihre traurige Lage ganz unerträglich wurde „und sie noch immer seufzten unter der Arbeit und schrien, da erhörte Gott ihr Jammern und beschloß, sie zu befreien." Er sandte ihnen in der Person des großen Lehrers Moses den Befreier und Erlöser. Und so wurden sie durch wunderbare Begebenheiten, durch welterschütternde Ereignisse ans dem Rachen blutgieriger Tyrannen befreit und erlöst. Kaum aber waren sie bei Pi Hochinot angelangt, als sie zu ihrem Entsetzen erfuhren, daß die Aegypter mit einem kampfgerüsteten, mächtigen Heere ihnen wutentbrannt und racheschnaubend Nachfolgen. Nun kann man sich vorstellen, in welch verzweifelter Lage sich die befreiten Israeliten da befanden. Vor ihnen das drohende Meer, hinter ihnen der mächtige, unversöhnliche Feind. In dieser Situation waren sie so erregt, daß sie den gottbegnadeten Führer mit den bittersten Vorwürfen überhäuften, überschütteten. Hamibli en kewrim bemizraim riesen sie ihm zu. „Hat es denn in Aegypten an Gräbern gemangelt, daß du uns hieher geführt hast, um uns in der Wüste vernichten zu lassen?" „Moses aber, der nie wankte und nie schwankte, behielt kaltes Blut, kein Wort des Unwillens entfuhr seinen Lippen, ruhig und gelassen, besänftigend und beschwichtigend antwortete er: AI tirau, „seid nur nicht furchtsam und zaghaft, fasset Mut, glaubet fest an Gott, Hisjazwu s o i h r standhaft im Glauben bleibet, werdet ihr bald Gottes Hilfe sehen." Adonai jilochem locbem, der Glaube an Adonai, das feste, unerschütterliche Vertrauen auf den einig-einzigen, weltregierenden und erhaltenden Gott wird euch .Kraft und Mut verleihen, um aus diesem euch aufgedrungenen Kampfe siegreich hervvrgehen zu können, weattem tachrischun, dann werdet ihr nicht jammern und nicht klagen, nicht verzweifeln und nicht verzagen, sondern heiteren Sinnes und frohen Mutes der Zukunft entgegensehen." Diese von wahrhaft väterlicher Liebe und Fürsorge zeugenden Worte des edlen Führers hatten nicht verfehlt, einen erhebenden und belebenden, erbauenden und erquickenden Eindruck ans das Volk zn machen. Alle verhielten sich nunmehr ruhig, sahen mutig und entschlossen der Dinge entgegen, die ihrer harrten. Und als es mit der göttlichen Hilfe gelang, der ihnen drohenden Gefahr glücklich zn entrinnen, während die mit bestialischer Wut sie verfolgenden Feinde in den Wellen des Meeres ihre Gräber gefunden hatten, stimmten sie ein herrliches, erhabenes, Poesie- und phantasiereiches Dank- und Loblied an, in welchem es heißt: „Mein Sieg und mein Seitenspiel ist Gott, er allein ist mein Gott, ihm allein habe ich meinen Sieg zu verdanken, ihn will ich rühmen, ihn, den Gott meines Vaters will ich erheben. Der Ewige ist Herr des Krieges, ewiges Wesen ist sein Name!" Ferner heißt es daselbst: „Der Feind sprach in seinem Hoch- und Uebermnte: „Ich verfolge, hole ein, teile Beute aus, mein Mut soll ihrer voll sein: ich ziehe mein Schwert ans, meine Hand vertilgt sie!" Du aber bliesest mit deinem Hauche, das Meer bedeckt sie, sie sanken wie Blei in strömendes Gewässer. Wer gleichet dir unter den Mächten, o Ewiger! Wer ist verherrlicht mit Heiligkeit wie du? Furchtbar im Lobe. Wundertäter l" Diesem unerschütterlichen Gottverlrauen hatten die Israeliten es zn verdanken, daß sie am Sinai, wie kein anderes Volk ans Erden, sich einstimmig nnd einmütig für die Annahme der Thora, deren herrliche Lehren und Vorschriften allein geeignet sind, das Heil und Wohl der Menschen nach jeder Richtung hin zn fördern, erklärt und dadurch an jenem großen, ewig denkwürdigen Tage vom Sinai einen glänzenden Sieg, nicht etwa einen materiellen, bei welchem unter allen Umständen blutige Opfer gebracht werden müssen, sondern einen geistigen, moralischen Sieg errungen hatten. An dem großen, ewig denkwürdigen Tage vom Sinai hatte nämlich die Liebe über den Haß, die Freiheit über die Knechtschaft, die Aufklärung über die Verdummung, die Humanität über die Tyrannei, die Wahrheit über die Verlogenheit, die Gerechtigkeit über die Bosheit und Niedertracht, die Aufrichtigkeit über List und Schlauheit, der reine, geläuterte Gottesglaube über Fanatismus und Aberglaube, der Fortschritt über die Reaktion glänzend gesiegt. „Als deine Gesetze zur Erde kamen, lernten Gerechtigkeit üben die Bewohner der Welt." (Jesaias 26, 9.) In der Mechilta zn Jitro heißt es: Als Gott der Allmächtige sich am Sinai offenbarte nnd das Weltall durch die Stimme Gottes erschüttert war, da gerieten die Fürsten der Erde in Angst. Furcht, Bangen nnd Grauen bemächtigten sich ihrer, in ihrer Verzweistnng eilten sie zitternd zn Bileam, dem heidnischen Propheten, nnd riefen ans: „Wird denn auf's neue eine Flut hereinbrechen und uns alle vernichten?" — „Was fällt euch bei," entgegnete der Prophet der Heiden, „längst hat ja Gott, der Herr, geschworen, daß nie wieder Fluten die Welt zugrunde richten sollen." — „Vielleicht aber werden Feuersglnten die Welt verzehren?" — „O, fürchtet nicht," rief Bileam ihnen tröstend zn, „Gott, der Herr, verleiht bloß seinem Volke die Thora, eine Lehre, die 08 „Sieg" genannt wird, die unter allen Umstünden, zu allen Zeiten siegen wird, siegen muß, und zwar durch die ewigen Wahrheiten, die sie enthält, wie durch die unvergleichlich schönen und erhabenen Vorschriften der Humanität, der echten und wahren Menschenliebe und Menschenverbrüderung." Dieser Bileam war es auch, der später dem moabitischen Könige auf dessen Verlangen, das siegreiche, mächtige Israel durch Verwünschungen unschädlich zn machen, folgende Antwort gegeben hatte: „Wie kann ich verwünschen, wenn Gott nicht verwünscht? Ein Volk, wie Israel, das für den Gortesglaubetl in solch hohem Maße begeistert ist, daß es Alles für den Glauben, nicht aber den Glauben für Alles hingibt, kann