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Die Wahrheit · 1914-08-28 · Heft 33 (28.8.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 33 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. 33, Die Wahrheit. Seite 5. die Revanche-Idee nie abschwächte, die Franzosen vielmehr so arg beherrschte, daß es die „Große Nation", die mit Recht auf ihre große Nolle als Volksbefreierin stolz sein durfte, nun nicht unter ihrer Würde fand, sich mit dem absolut regierenden und die Volksfreiheit mordenden moskowitischen Großstaate zu dem Zwecke eng zu verbinden, um einen einstigen Revanche-Krieg mit Deutschland zu ermöglichen. Deutschland sowohl, als die angrenzenden größten mitteleuropäischen Staaten, Oesterreich-Ungarn und Italien, mußten sich dadurch bennrnhigt fühlen und schlossen den bekannten „Dreibund", um der gefährlichen Umklammerung durch die drohende „französisch-russische Zange" entgehen zu können. Der gewaltige russische Bär wurde durch diese Allianz ermutigt, in Asien bis zum äußersten Osten gewaltsam vorzudringen und er suchte seine Macht auch am Balkan, mindestens moralisch zu erweitern und zu befestigen, wenn ihm dies auch weniger durch Kriegszüge (siehe Schlacht bei Plewna), als durch Bestechungen und Anzettelungen von Volksanfständen gegen die Türkei gelang. Es ist Tatsache, daß „der rollende Rubel" zum Niedergange der europäischen Türkei mehr beitrug als alle Kriege, die gegen dieses unglückliche Reich geführt wurden. Doch der Haß der russischen Regierung gegen alle staatsbürgerlichen und freiheitlichen Regungen des Volkes und die sprichwörtlich gewordene Korruption seiner Verwaltung brachten das Reich im Innern und gegen außen in die äußerste Gefahr, was die großen revolutionären Volksbewegungen und ganz besonders der russisch-japanische Krieg offenbarten. Es kam so weit, daß selbst das allezeit gewalttätige Rußland friedensfreundlich wurde und der Zar war der Vorsitzende des von ihm einberufenen 1. Friedenskongresses. Nur die aufrichtige Friedensliebe Oesterreich-Ungarns und Deutschlands gönnten dem arglistigen Rußland Zeit und Mnße, sich wieder zu erholen und auch die Balkanstaaten konnten diese Friedensliebe genannter Staaten dazu ansnützen, den 1. Balkanbnud zu schließen und ihre Gebiete gemeinsam auf Kosten der Türkei zu erweitern. Der „rollende Rubel" und die geheimen Abmachungen ermunterten aber das vom Größenwahn befallene Serbien, diesen ersten den russischen Einstuß lahmlegenden Balkanbund zu sprengen und im Bunde mit Griechenland, Montenegro und Rumänien die tapferen Bulgaren treulos zu überfallen, um ihre Kriegsbeute ans deren Kosten zu erweitern, wenn auch die gemeinsam bekämpfte Tüikei dadurch in die Lage kam, bereits entrissene Gebietsteile wieder znrückzuholeu. Der kecke und vor keinem Verbrechen zurückscheuende serbische Gernegroß zettelte daun bekanntlich auch in österreichisch-ungarischen Gebieten eine südslavische Jrridenta an. Als der österreichisch-serbische Krieg ausbrach, erklärte bekanntlich Rußland, es könne das bedrängte Serbien nicht imbeschützt im Stiche lassen und versuchte mit Nachdruck, Deutschlands Treue gegen Oesterreich-Ungarn zu lockern. Diese Bemühungen mißlangen und als Rußland seine Hinterlist anfgedeckt sah, erklärte es auf ein deutsches Ultimatum hin Deutschland und Oesterreich-Ungarn den Krieg. Nun wurden in Frankreich alle Friedensgedauken erstickt, der edle Friedenseiferer Janres meuchlings ermordet und die Kriegsfurie gegen Deutschland losgelasseu. Als nun das deutsche Reich die sichere Kunde erhielt, daß die Franzosen durch Belgien einzudringen beabsichtigen, kündigte es den Belgiern, ähnlich wie einst die Israeliten den Königen von Moab, Ammon und Emori den notwendig gewordenen Durchzug an, versprach aber volle Entschädigung und Wiederherstellung der belgischen Integrität nach dem Kriege. Es wurde nun klar, daß Belgien bereits im Banne Frankreichs und Englands war und das pefide Albion, das ioeben noch den eifrigen Friedensvermittler gemimt hatte, erklärte nun, es sei genötigt als Garantiemacht des Nentralitätsuerträges vom Jahre 1831 Deutschland wegen Vertragsbruch den Krieg zu erklären. Nun erlebten die feindlichen Verbündeten zu ihrem Schrecken und schweren Enttäuschung einen Kampfeifer, ja einen waren Furor teutonicus in den Kampfreihen Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, die ihre Feinde mit Elan im Ost, West und Süd vor sich hertreiben. Belgier und Franzosen können trotz Entfesselung der nationalen Bestie den Vormarsch der tapferen Deutschen nicht aufhalten, die bereits in der Hauptstadt Brüssel lagern und die gewaltigsten Einbruchsversnche der Franzosen in die Reichslande tapfer abwehren. Die Tollkühnheit der deutschen Marine, die es bekanntlich sogar wagte, bis in die Themsemündnng vorzndringen, um dort Seeminen zu legen, erschreckte die L^mal überlegene Seemacht Englands in dem Maße, daß es in seiner Ratlosigkeit Japan z w a n g, gegen Deutschland feindlich vorzugehen, trotzdem der znletztgenaunte Staat alle Ursache hätte, die Macht der Russen im äußersten Osten zu schwächen. Die Kriegsursache Englands und Japans wird wohl neben der „Einkreisung Deutschlands" auch von der geheimen Furcht vor dem riesigen „Onkel Sam" beeinflußt sein. Seil die nordamerikanische Union Kuba mit den dazu gehörigen spanischen Inseln verspeist hat, zittert England natürlich davor, daß Onkel Sam auch ans Kanada Appetit bekommen könne und für das Jnselreich Japan liegt der Gedanke nahe, der amerikanische Seeriese hätte von dem philippinischen Inseln nicht mehr weit nach Japan. Die verwerflichen Kriegsursachen der „Tripelentente" haben wir bereits am 14. d. M. gezeichnet und charakterisiert, sie führt einfach V e r z w e i f l u n g s k ä m P f e ans und setzt alles ans eine Karte. Der Zar spart in seiner Not nicht mit heuchlerischen Proklamationen an seine geknebelten und vergewaltigten Völker, denen er bessere Tage verspricht. Sogar an seine „lieben Juden" hat der Pogromzar eine solche Verlautbarung erlassen. Hoffen wir, daß er die Intelligenz dieser gequälten Bolksmaffen denn doch zn tief einschätzt, er wird sich wohl darin verrechnen. Auch das rechengewandteste Krämervolk kann sich verrechnen. wenn es von Angst beherrscht wird. Schon erklärte sich das stolze Nordamerika znm S ch u tz h e r r e n der internationalen Handelsschifffahrt, die unter dem Slernenbatiner sicher segeln soll. Erfreut sich das britische Jnselreich auch des Besitzes der gewaltigsten Kriegsflotte, so ist anch die Seemacht Nordamerikas nicht zu verachten und dieser Staat braucht bei einer eventuellen Annexion Kanadas eine englische Invasion nicht in dem Maße zn fürchten, wie etwa England, wenn es seine Kriegsmacht zur See zn stark von seinen Küsten wegzieht. Das perfide Albion hat vor der Rache der allezeit von ihm betrogenen mohammedanischen Welt besonders in Indien ebensoviel zu fürchten wie das schuldbeladene Rußland und die tapferen Buren können anch bald Lust bekommen, das englische Joch wieder abzuwerfen. Englands Welthandel wird durch den gegenwärtigen Weltkrieg sicherlich ungleich mehr leiden als der nordamerikanische. Oesterreich-Ungarn und Deutschland kämpfen tatsächlich gegenwärtig gegen russische Barbarei und freche lang vorbereitete Vergewaltigungsversnche. Alle in letzter Zeit treulos betrogenen Reiche, wie die Türkei und Bulgarien werden naturgemäß auf Seite der modernen Kämpfer gegen Falschheit und Korruption gedrängt und jene furchtbar gescheiten Mächte, die jetzt noch an der innerlich unwahren und unmöglichen Illusion einer unbedingten Neutralität festhalten, werden schließlich selbst die Geleimten sein, denn in dieser gewaltigen Zeit des allgemeinen Weltbrandes wird jeder bald gezwungen sein, Farbe zn bekennen und es wird bald allgemein heißen: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich". Die Inden der ganzen Welt, von denen mehr als die Hälfte im russischen Reiche wohnen und dort in den letzten Jahrzehnten gequält, gemordet und gejagt wurden, haben alle

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