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Die Wahrheit · 1914-08-28 · Heft 33 (28.8.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 33 (28.8.1914)
Date
1914-08-28
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Nr. 33. Seite 4. Die Wahrheit länd im eigenen Interesse zu fördern berufen seien. „Es ist ein Fingerzeig Gottes" heißt es ferner, „daß Veralte gute Kaiser Franz Josef bis zum Alter der Erzväter erhalten' 6 I i e 6; um a l s W e r z e u g der Vorsehung millionenfach au den b l n t i g e n H a s s e r n der Juden zu rächen, was ihnen angetan w u r d e." Die armen russischen Juden werden, darüber kann es keinen Zweifel geben, nur mit der größten Selbstanfopsernng im Stande sein bei der Zertrümmerung der zarischen Despotie mitznwirken, aber so erschütternd und beklemmend auch dey Gedanke ist, daß in diesem Kampfe Tausende fallen werden, so werden sich diese doch zu ihrem Seelentroste sagen dürfen, daß aus dieser Blutsaat das Heil für Millionen erwachsen wird. * * * Man hat in Rußland, und das ist wohl auch sehr charakteristisch für den Geist der in diesem Staate herrscht, lange Zeit auch die Blutsteuer, die man den Inden anferlegt, mit der häßlichsten, niedrigsten Mißachtung der Gefühle der Juden zu verbinden gewußt. In Rußland herrschte nämlich lange die Gepflogenheit, Kinder der Inden und nicht Volljährige zu rekrutieren. Selbstverständlich war hiebei in erster Reihe an Proselytenmacher ei gedacht. Die armen, ihren Eltern weggenommenen Kinder wurden zunächst gewaltsam in die griechisch-orthodoxe Kirche ausgenommen und dann in Militärschulen für den Dienst vorbereitet. Die im zarten Alter ihren Eltern und ihrer Religion entrissenen Kinder vergaßen, wie dies nur zu begreiflich, häufig an Beide, wußten als Erwachsene kaum mehr, wer ihre Eltern waren und behielten zumeist kaum mehr eine schwache Erinnerung an die Religion, in der sie geboren wurden. Freilich gab es auch Fälle, wo die gezwungenen Konvertiten in ihrer Seele so fest die Eindrücke ihrer ersten Kindheit bewahrten, daß sie selbst nach Vollendung ihrer zwanzigjährigen Militärzeit im Geheimen nach den Vorschriften der jüdischen Religion lebten. Offen sich zu derselben zu bekennen, wäre für sie natürlich von der größten Gefahr gewesen. Einmal hat sich der Fall in einem kleinem russischen Städchen ereignet, daß ein Soldat, der in seinem siebenten Lebensjahre getauft wurde, als er zwanzig Jahre später heimkehrte, auch offen als Jude lebte und die Synagoge besuchte. Er wurde verhaftet und vor ein Kriegsgericht gestellt. Der Vorsitzende, ein General, bemühte sich, den Angeklagten zur Verleugnung seines jüdischen Bekenntnisses zu bewegen, dieser blieb standhaft dabei, daß er den an ihm als Kind vollzogenen Taufakt nicht bindend halte. Er wurde nach Sibirien geschickt. . . Mit diesem Rekrutierungs-System hat man endlich in Rußland gebrochen. Man erfand dafür später die Pogroms. * * Ein Freund unseres Blattes schreibt uns: Als Pendant zu der ersten Anrede des Oberrabbiuers von Prag, Ezechiel Landau, an jüdische Soldaten, dürfte vielleicht Ihre Leser die Rede interessieren, die Dr. Jellinek bei der ersten Seelenfeier für jüdische Soldaten im Jahre 1866 hielt. Die Rede ist nicht im Wortlaute erschienen, aber nach den mir vorliegenden Auszeichnungen eines jüdischen Journalisten, sagte der berühmte Prediger u. a. beiläufig Folgendes: „Inmitten der Trauer, die uns bei Erinnerung an die gefallenen Krieger umfängt, richtet der Gedanke uns auf, wie und wofür sie den Tod erlitten haben. Es ist die Treue für den Kaiser, die Ergebenheit für das Vaterland, die höhere Idee des Patriotismus,, wofür sie gestorben sind. Haben sie durch ihren Tod das Bewußtsein von dieser Treue geweckt, so sind sie als Blutzeugen für die österreichische Treue gestorben, so sind sie nicht vergebens gestorben. Ein anderer Stern, der aus dem nmdüsterten Horizont sich strahlend emporhebt, ist die Einheit und die Einmütigkeit aller Nationalitäten und Konfessionen, die sich auf dem Schlachtfelde kundgab. E s i st sonderbar, daß gerade auf der Wahl statte, wo'die Kriegsfurie töbt, der Friede und die B r ü d erlich k e i t, das Z u s a m m e n w i r k e u u u d die g eg e n s e i t i g e A n e r k e it « ü it g s i ch B a h n b r i ch t, während dort wo der Friede des Landes, die g e f e tz l i ch e O r d n u n g berate n w i r d, die Zwietracht i h r Haupt e r h e b t und die Na t i o n a l i l ä t e n u n d K o n f es s i o n e»- g r ollend auseinande r gehen. Im Kriege herrscht das Bewußtsein von der Einheit des Vaterlandes und der Gemeinsamkeit einer uialtenden Gottheit, während in den Friedenshallen, deren Devise die Einheit sein sollte, dev Streit und die Uneinigkeit walten. Aoer noch ein Lichtpunkt ist es, der in dem Kriege glänzend hervortrat, die Tüchtigkeit und Brauchbarkeit der Söhne Israels für die Zwecke des Vaterlandes. Wohl trat der Mut und die Kriegstüchtigkeit der Juden schon in alter Zeit hervor, als sie von eigenen Fürsten und Helden in den Krieg geführt wurden, aber das Mittelalter hat ihren Kriegsruhm vergessen gemacht und ihre Treue verdächtigt. Kaiser Josef war es. der jüdische Zuverlässigkeit wieder zu Ehren brachte und die Einreihung der Juden in das Heer zum Wohle Oesterreichs auordnete. Dieses erlauchten Monarchen sei bei der Seelenfeier für jüdische Soldaten in erster Linie zu gedenken, denn an diesen Namen knüpsen sich alle herrlichen Erinnerungen, welche die Freunde des Lichtes, der Ausklärnng, der Freiheit und des Rechtsstaates ans der Geschichte Oesterreichs dankbar anfbewahren. „Josefinisches Walten" — das ist der stehende Ausdruck geworden für alles bessere und edlere Wirken zum Wohle der Menschheit, für alles philantropische und humane Streben. Dr. Jellinek schloß seine Rede mit der Mahnung zur unerschütterlichen Treue für den Kaiser und das Vaterland." Diese Rede wurde vor nahezu einem halben Jahrhundert gehalten. Aber wie vieles in ihr gemahnt uns an die Verhältnisse in-unseren Tagen! M a l e a ch i. Kriegsnrlachen im gegenwärtige» Weltkriege. Es ist Tatsache, daß Oesterreich-Ungarn sein allerdings sehr energisches Ultimatum gegen Serbien erst nahezu einen Monat nach dem scheußlichen Priuzenmorde in Sarajewo erließ, nachdem die gerichtliche Untersuchung gegen die Meuchel- .Mörder die Mitschuld, ja die Urheberschaft serbischer Regierungsorgane an diesem unerhörten Verbrechen ergeben hatte. Es ist auch Tatsache, daß Oesterreich-Ungarn den Krieg gegen Serbien erst dann eröffuete. als die serbische Regierung die verlangte volle und entsprechende Hilfe zwecks Aufhellung der gräßlichen Schuld und der Schuldigen verweigert hatte, trotzdem sogar französische und englische offizielle Stimmen das Vorgehen Oesterreich-Ungarns als gerecht und angemessen bezeichnet hatten. Die Tatsache, daß die Oesterreich-Ungarn aufgedräugte Strafexpedition gegen Serbien nicht lokalisiert, sondern im Gegenteil zu einem allgemeinen Weltkriege erweitert werden konnte, zeigt die fürchterliche Rücksichtslosigkeit und den bestialischen Egoismus europäischer Groß- und Kleinstaaten, denen das Menschenfleisch nichts gilt, wenn scheinbar günstig liegende politische Situationen zum Rande und zum Ueberfalle ihrer Gegner ansgenützt werden können, sie zeigt den erschrecklichen Tiefstand der meisten europäischen Staaten im moralischen und humanitären Belange. Noch mehr muß der Kenner der jüngsten geschichtlichen Ereignisse und der momentanen politischen Situation darüber erstaunen und erschrecken, mit welcher Kühnheit und Falschheit es die Vertreter der größten europäischen Staaten unternehmen der Oeffentlichkeit gegenüber die Tatsachen umzulügen und die Wahrheit und das Recht zu verschleiern. Selbst politische Kinder, sofern dieselben den politischen Ereignissen der letzten 44 Jahre nicht ganz stupid gegenüberstanden, wissen, daß sich in Frankreich seit dem Jahre 1870

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