Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 33 (28.8.1914)
- Date
- 1914-08-28
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Aedattton nnd Administration: Wien. II. , Novmagasie 37 - Telephon: iHetmftiou 6509/1V. Auakhängige Aeikfchrift für jüöische VerugsPeet»: ©Hiulftövio.lt »*.- Halblädrig. K 7.— . Rdministranon 4938/11. 8 k. üfterr. Bostsvarkassa» kchkck-Konio Nr. 100.918. Ailterefsen. Mir Stultii«beuiHte: 'ttftiijiiii&Yiii.K Io.— Inserate: 'Al: viermal geivaltene Nonpareille-Zeile 25 Heller. Erscheint jeden Kreitng. Mir AnSlmid: Abonnements, nnd Insertion». <M»»4l{iQritt.8 DlturF derrüge nnd in Wien zahlbar und klagbar. Motto: „Das Siegel Gottes iat Wahrheit!“ ü Dhlbti oder llt ftrc*. Nr. 33. Wien. 28. August Inhalt: Aus der Woche. — Kriegsursachen im gegenwärtigen Weltkriege. — Der Zar und seine lieben Inden. — Mischeberach für unsere Krieger. — Verschiedene Nachrichten. — „Oesterr.-ung. Kanloren-Berein. — Aufrns! — Aviso. Wir ersuchen höflichst und dringendst um Einsendung der restlichen Abonnementsbeträge. Ans der Woche. Aus den vorliegenden Berichten ersieht man, daß die Juden einen außerodentlich großen Prozentteil Jener bilden, die sich freiwillig znm Kriegsdienste meldeten rmd noch immer melden. Eine ungemein beredte Sprache führen auch die Verzeichnisse der' Spenden, die den edlen Zweck verfolgen, Hilfe den mittelbar oder unmittelbar von dem Schrecken Betroffenen zu bringen. Nicht nur die Reichen und Wohlhabenden unter den Juden, sondern auch die Armen und Aermsten beeilen sich, von patriotischer Begeisterung und warmherziger Teilnahme getrieben, ihre Opfer auf dem Altäre der Barmherzigkeit darzubringen. Der böseste Judenfeind,, der sich sollst die jüdischen Namen zur Zielscheibe seiner gehässigen Scherze zu machen liebt, wird angesichts der Kolonnen jüdisch klingender Namen vielleicht beschämt schweigen. Vielte i ch t h ö r e n wir diesmal nicht den verletzende n u n d k r ä n k e n d e n Vorwurf: die In den d r ö n g e « s i ch vor... * Soll man da noch betonen, daß die Juden, die durch die Tat so nachdrücklich und überzeugend ihre Treue und Hingebung für Kaiser und Vaterland beweisen, auch in ihren heißen Gebeten für den Sieg unserer Waffen, für den Erfolg der gerechten Sache, hinter Niemanden zurückbleiben? Aber nicht nur die Inden in der Monarchie beten zum Gotte der Gerechtigkeit für den Sieg der verbündeten Armeen Franz Josef I. nnd Wilhelm II. Einer der ausgezeichneten militärischen Berichterstatter, der selbst Jude ist, hat in ergreifender Weise dies beiläufig in den Worten ansgedrückt: Ueberall wo unsere Truppen stehen — in Oesterreich-Ungarn, in Polen, in Serbien. — werden sie Gott um Segen für ihre Waffen bitten. Doch niemand wird inbrünstiger stehen als die; — r u ssis ch e n Jude n. Er schildert dann, wie die russischen Inden in den Ortschaften, die von unseren Soldaten besetzt wurden, am Geburtstag unseres Kaisers, in ihren Feiertagskleidern in ihre Synagogen strömten und weinend znm Himmel schrieen: Herr, Adonai! Herr, Zebaoth, laß Oesterreich siegen! Wenn sie unseren Soldaten begegneten, da segneten sie mit ihren innigsten Worten das junge, kampfstohe Volk. Sie schenkten, was sie entbehren-können und darüber, denn auch die Aermsten brachten Zigarren und Wein herbei. „Wenn die Offiziere bezahlen wollen" —schließt der von dem Anblick dieser Szenen selbst erschütterte Berichterstatter — „werfen die Juden die Münzen stumm zurück. So arme Leute! Das Elend selbst. Und dennoch schenken sie — von ihrer Arm nt. Mir brennen die Tränen in den Augen." * * * * Aber freilich was haben diese armen geknechteten, nicht nur aller Bürgerrechte, sondern auch aller Menschenrecht beraubten russischen Juden gelitten, bis sie dahin gelangten, entgegen allen geheiligten Traditionen ihres Glaubens und ihres Volkes in den Feinden ihrer Regierung die Netter und Erlöser zu begrüßen! Weitn wir es nicht alle schaudernd: miterlebt hätten, wir würden es nicht glauben können, daß sich in unserem Jahrhundert in einem europäischen Staate Pogroms abspielen konnten, bei denen sich der bestialische, betrunkene Mob unter den Augen des Militärs, der Polizei aus arme, unschuldige Juden stürzt, sie mißhandelt, ihr Hab und Gut plündern, ihre Frauen nnd Töchter schänden darf. Doch nein, zur ewigen Schmach des verlotterten, vertierten zarischen Regims wurde es seftgestellr. daß das Militär zeitweilig zwar eingriff. aber nur um die Versuche der unglücklichen Juden sich zn wehren, zn hindern. Urld Meeresströme können das Schandmal von dem zarischen Regime nicht abwaschen, daß diese Greueltateu von dem ansgehetzten Pöbel nebenbei auch in der Meinung verübt wurden, damit nur den Willen „Väterchens" des Zaren zn erfüllen! Nein! Meeresströme können diese Schmach nicht auslöschen, aber jetzt müssen für diesen Zaren und dessen Ratgeber, unter denen es ebenso viele verbrecherische als hirnverbrannte Strolche gibt. Ströme von Tränen und Ströme von Blut fließen! * * * Ist es eilt Wunder, daß ans diese russischen Inden das Mannest des Zaren, dieses nnübertreffliche Dokument schamloser Heuchelei, nicht wirkte nnd daß sie vielmehr, wie Verschmachtende nach einem Trunk Wasser, den Aufruf ausnahmen, in welchen es u. a. heißt: Eine Million Juden steht jetzt unter den Waffen! Der größere Teil ist im russischen Heere, der kleinere in Deutschland nnd in der österreichisch-ungarischen Monarchie. Der Unterschied zwischen diesen Streitern ist. daß die österreichischen und deutschen Juden ihre Freiheit verteidigen, die andern aber die Knute schützen müssen. Nach einem herzzerreißenden Hinweis auf die menschheitsschändenden Greuel der Pogroms wird in diesem Aufruf verkündet, daß sich jetzt ein Gottesgericht vorbereite, das die Juden in Ruß-