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Die Wahrheit · 1914-08-31 · Heft 32 (31.8.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 32 (31.8.1914)
Date
1914-08-31
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6. Die Wu.hrbei! Nr. 32 großen Kaiser dazu ausersehen hätte, um in das Land der seit Jahrhunderten währenden Bedrückung Freiheit und Recht zu tragen. Uns ist es, als ob der gütigste Herrscher von der Vorsehung die Sendung erhalten hatte, sein segensreiches Lebenswerk damit zu krönen, daß die ältesten Gbettomauern. die bisher allen Einflüssen der Kultur Trotz boten, die jedem Ansturm der elementarsten Gerechtigkeit unüberwindbaren Widerstand entgegensetzten, unter der Wucht der gerechten Waffen des edelsten Herrschers zusammeustürzen, wie auf sein Machtwort die Ghettomauern in diesem Reiche fielen. Hinter jenen Ghettomauern Rußlands, gegen welches unsere Besten jetzt todesmutig zu Felde ziehen, schmachten 6 Millionen Juden unter dem Drucke unmenschlicher Barbarei. Hinter jenen Ghettomäuern des Zarenreches. gegen welches unsere tapfere Truppen auf den Ruf unseres Kaisers sturmlaufen, ächzen unter vielen anderen Völkerschaften 6 Millionen freiheitsdürstiger,'kulturhungrige Menschen, in denen jede bessere Regung unterdrückt, jeder Versuch ihren Geist, ihre Arbeitskraft, ihr Hab und Gut in den Dienst der Menschheit zu stellen, im Aufkeimen erstickt wird und als Krönung dieses Regierungs-Programmes die Pogroms, die von amtswegen losgelassene Mente der Holigans, die ihr Unwesen treiben. Diesem Feinde entgegen, entsenden wir freudig, ohne Zagen, erfüllt von hofiunngsvoller Zuversicht,' unsere wehrfähigen Männer. Begeistert bringen wir unserem heißgeliebten Kaiser, unserem Vaterlande, denen wir mit Leib und Seele anhäugen, unseren Tribut an Gut und Blut. Opferfreudig legen wir unsere Habe auf den Altar der Nächstenliebe, um den Verwundeten Heilung, den Zurückgebliebenen Trost und wirtschaftlichen Beistand zu bringen, und um beizutragen, daß allen, die durch den Krieg in Bedrängnis geraten, Linderung iu der Notlage werde. Denn Vaterlandsliebe ist uns Tradition, Opfermut ist uns Gesetz, Tapferkeit vor dem Feinde ist uns Religion. Unserem Herzen aber entquillt in dieser Stunde der tiefinnige Wunsch, der Allmächtige erhalte und beschütze unseren geliebten Kaiser, er lasse ihn den Sieg seiner ruhmreichen Armee schauen, er gewähre ihm die Herzensfreude, daß er mit der Fackel der Gerechtigkeit in das Land der Finsternis hineinleuchte und dort Freiheit und Recht zu Ehren bringe. Unser, geliebter Kaiser Franz Josef I. er lebe hoch! Heil miserem Vaterland, Sieg unserer Armee! * * * Die Kaiserfeier wurde im Mariahilfertempel diesmal besonders solenn begangen. Rach Eröffnung der Bundeslade hielt Vereinspräsident Dr. Jakob Engel an die in großer Zahl erschienen Festteiluehmer folgende Ansprache: Meine lieben Glanbensbrüder und Schwestern! Kaisers Geburtstag ist das größte Fest, welches die Völker unserer Monarchie begehen. Alle persönlichen Festtage stehen, zurück gegenüber dem 18. August, Seit mehr als 60 Jahren senden wir an diesem Tage unsere heißesten Gebete zu Gott dem Allmächtigem empor, daß er die Tage unseres erhabenen Monarchen mehre und alles Glück der Erde auf dieses teure Haupt häufe. Heute jedoch sind wir hier in unserem Gotteshause versammelt, um diesen unseren Gebeten eine besonders innige Form zu verleihen; denn zufolge verbrecherischer Handlungen unserer Feinde hat Kaiser Franz Josef, der durch fast 50 Jahre die Friedenspalme hochgehalten, sich genötigt gesehen, das Schwert aus der Scheide zu ziehen und unseren Hassern den Krieg zu erklären. Dieser Krieg, er wird der Jom. ha Din sein: der Tag des Gerichtes für Jene, welche unseren durchlauchtigsten Thronfolger in grausamer Weise hingemordet, der Tag des Gerichts für jenes an Ausdehnung zwar große, an. Moral aber so kleine Reich, in welchem Hunderttauseude unserer Brüder schmachten und mit allen Drangsalen, die ein unmenschliches Hirn nur auszndenken vermag, verfolgt, werden. Wir aber, meine teueren Brüder und Schwestern, die wir uns der großen Freiheiten zu erfreuen haben, welche Kaiser Franz Josef unserem Volke gewährt, wir erheben in dieser feierlichen Stunde unseren Sinn zu dem großen Gotl der Juden empor und beten und bitten, daß er unseren Waffen den glänzendsten Sieg verleihe, der seit Menschengedenken über unsere Widersacher errungen wurde, wir erflehen auf das teuere Haupt unseres erhabenen Monarchen allen Segen des Himmels herab und stimmen nun ansinnig bewegtem Herzen und in angestammter Liebe zu unserem Herrscherhanse die herrliche Hymne an: Gott erhalte, Gott beschütze unfern Kaiser, unfern Herrn! Die kantorale Funktion versah Oberkantor Dünnmann. Mit der Absingnng der Volkshymne und einem dreifachen Hoch auf Seine Majestät schloß das erhebende Fest: * * * In sämtlichen Gemeindetempelu fanden heute gleichfalls festliche Gottesdienste statt. Ans der Wiener Knitnsgemeinde. (Oeffentliche Plenarsitzung des Kultnsvorstandes vom 18. August 1914.) Im Einlaufe befinden sich eine Zuschrift des Vorsitzenden des Verbandes der i s r a e l. Kultusgemeinden in S ch l es ie u, Dr. Theodor S on n enschein in Troppan, betreffend die am 5. Juli 1914 erfolgte Konstituierung dieses Verbandes mit der Anregung, daß auch in den anderen Kronländern durch die vorläufige Bildung von Landesverbänden, ans welchen dann der Reichsverband hervorgehen soll, die Organisierung der Inden Oesterreichs vorznbereiien. Dankschreiben des Herrenhansmitgliedes k. k. Hofrates Pros. Dr. Carl S. Grün hur für die Glückwünsche des Vorstandes zur Vollendung seines 70. Lebensjahres. Dankeskundgebung der ans Belgien geflüchteten Oesterreicher und Ungarn für die ihnen seitens des Kultnsvorstandes gewährte gastliche Aufnahme, Beherbergung und Verpflegung mit dem Versprechen, das Hilfswerk der Wiener Knltusgemeinde mit ganzen Kräften durch Geldspenden etc. fördern zu wollen, sobald die Flüchtlinge zu ihrem in Belgien verbliebenen Hab und Gut oder zu einem neuen Erwerbe kommen sollten. P räs id i a l b e r i ch t. Das Präsidium der Wiener isr. Knltusgemeinde hat seit dem 28. Juli 1914, und in dankenswerter Weise während der zeitweiligen Abwesenheit der beiden Herren Vize-Präsidenten, unterstützt von Herrn Vertreter Dr Markus Spitzer, nachfolgende größere Verfügungen getroffen, welchen das Vertreter- Kollegium in seiner Sitzung vom 10. August 1914 nachträglich die Zustimmung erteilt hat. 1. Am 29. Juli hat der Präsident Dr. Alfred Stern den in den Tagesblättern erschienenen Aufruf erlassen und in diesem die Widmung eines Betrages von K 10.000 seitens der Wiener isr. Kultusgemeinde kundgegeben. 2. Am 81. Juli wurde, nach Rücksprache mit den Primarien Direktor Fleischmann und Prof. Dr. Zuckerkaudl, dem Kriegsministerium im Spitale der isr. Knitnsgemeinde. xvm. Gürtel 97 und 99 (Rothschild-Stiftung), für den Bedarfsfall ein- Belegraum für hundert Mannschasts- und zehn Offiziersbetten, sowie die gesamte Verpflegung und Verköstigung der Verwundeten, die innerhalb dieses Ausmaßes dem Spitale der Kultusgemeinde überwiesen werden sollten, unentgeltlich zur Verfügung gestellt. 3. Gleichzeitig wurde, die Veranstaltung von Kursen für die erste Hilfe und Pflege von Verwundeten für Personen

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