Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 31 (14.8.1914)
- Date
- 1914-08-14
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063725-3063756--09185-3076415- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6.Die Wahrheit.;Nr. 31. Synagoge Seitenstettengasse gehaltene. - Die das Belhaus in allen Räumen füllenden Adächtigen waren tief ergriffen, sie "bekundeten durch ihre Erregung den nachhaltigen Eindruck und in so manchem Auge sah mau die Wirkung dieser besonders schönen Ansprache, der sich auch Feldrabbiner Doktor G o l i u s k y ans Pilsen, der eben ans der Durchreise zu seiner Dienstleiüung in Wien geweilt hatte und Zeuge dieser Bewegung war, nicht zu entziehen vermochte; in der Kriegsrüstnng Tränen vergießen, ist wohl mehr als Ereignis ... Die im Anschluß an das Kaisergebet von Dr. Kaminka gehaltene Rede hatte folgenden Wortlaut: „Allmächtiger Gott, der du uns beistehst in der Stunde der Gefahr, verleihe deinen Schutz unseren Brüdern und allen Söhnen dieses Reiches, die, dem Rufe unseres Kaisers folgend, in diesen Tagen schwerer Sorge, die du uns beschiedeu, hinausgezogen sind, um ihr Leben für die Sicherheit und die Ehre des Vaterlandes einziisetzen; die mutig und tapfer, in treuer Pflichterfüllung, aus dem Kreise ihrer Familien sich losgerissen, um auf Schlachtfeldern dem Tode ins Angesicht zu schauen. Möge au jedem von ihnen in Erfüllung gehen das Wort (Psalm 140) piw dto ddd „Schützend hältst du deine Hand über mein Haupt am Tage des bewaffneten Kampfes!" Mögest du sie stark machen, o Herr, der du über alles waltest *xh prnbi ‘rub “jTm mian na “proi, in dessen Hand alle Stärke und Macht ist und der du allein den Menschen mit Seelenkraft und Heldenmut erfüllst. Mögest du sie beschirmen und durch deine Gnade bewahren, auf daß sie unversehrt und sieggekröut zu den Ihrigen wiederkehreu, ans daß Kinder au das Herz ihrer geliebten Eltern und Väter zu den zurückgelassenen unmündigen Kinder znrückkehren. „Naclianm, nachamu, ammi!“ Tröstet, Tröstet mein Volk! Mit diesen herrlichen Worten beginnt der heute verlesene Prophetenabschnitt aus dem Buche Jesaja; wir vernehmen die Worte am heutigen Sabbath zur rechten Zeit, da die ersten frohen Nachrichten von den Schauplätzen des Krieges uns im Vertrauen aus das Walten eines allgütigen und gerechten Gottes bestärken und die erhabenen prophetischen Gedanken in ihrer ganzen Bedeutung hervvrtreten lassen. Zwei große, trostreiche Gedanken sind es besonders, die Jesaja in gewaltigen Worten, mit unübertroffenem dichterischen Schwünge ausdrückt. Der eine richtet sich an die Völker und Staaten, an die großen Nationen, an die organisierten Menschenmassen und die Herrscher, von denen ste geleitet werden. Er sagte ihnen: „Es thront ein Gott über dem Erdkreise, in den Höhen droben; ein Gott der Gerechtigkeit und Wahrheit, in dessen Angen selbst die größten Reiche, die gewaltigsten Nationen, wie ein Tropfen am Eimer, wie ein Stäubchen ans der Wage sind; der die hochmütigen Fürsten, wenn sie durch Verbrechen ihre Throne stützen, wenn sie zum Unheil der Menschen regieren, von ihrer Höhe stürzt und in nichts verwandelt". Welch ermutigender Gedanke für uns, wenn wir erwägen, daß der große Feind, gegen den unsere Truppen in den Krieg gezogen, zugleich der Feind Gottes ist, jene unheilvolle, nordische Großmacht, die die Knechtung der Völker zum System erhoben, über die Bürger des eigenen Landes Elend und Verzweiflung bringt; jener Kerkerstaat, in welchem unversiegbar Blut und Tränen fließen, in welchem vor allem sechs Millionen unserer Glaubensgenossen mit barbarischer Grausamkeit gehetzt und verfolgt, in Tod und Jammer getrieben werden. Diese unglückselige, Völker- und Menschenrechte zertretende Macht, wird — das hoffen wir bestimmt — der allgütige Gott von ihrer Höhe stürzen. Wir stehen am Anfang welthistorischer, bedeutender Ereignisse; kein Mensch kann in die Zukunft schauen, aber eines ist für uns und jeden auf Gott im Himmel vertrauenden Menschen sicher: cnroK 'V p *n nw> '2 'flrv Wir w i ff e n, daß Gort sich annehmen wird der Armen und Verfolgten, der unter schwerem Drucke seufzenden, der Erlösung harrenden Menschen, -oi ddik wrrn ann '2 Gott im Himmel, der nicht ohne Sühne läßt das unschuldig vergossene Blut, wird am Tage des Gerichtes Vergeltung üben an der Herrschaft des Uebermntes jnr rfctwato; er wird zerschmettern die sündenbeladene, verbrecherische, despotische Macht, die durch Pogrome so viel Jammer gehäuft hat. Und ein zweiter Gedanke des Propheten Jesaja, ein ebenso trostreicher Gedanke, richtet sich an jeden einzelnen Menschen, der schwach, hilflos und ohnmächtig mit seinen persönlichen Sorgen, mit seinem eigenen Familienknmmer beim gewaltigen Rauschen welthistorischer Ereignisse dasteht. In diesen Tagen, da wir es merken, wie bei der Machtentfaltung eines großeil Staates, beim Aufmarsch der Millionenheere, der einzelne Mensch zermalmt und gebrochen wird, wie seine wirtschaftliche Existenz erschüttert und vernichtet, sein Leben so schwer bedroht wird, möchte der einzelne leicht verzagen im Bewußtsein seiner Einsamkeit, Verlassenheit und Ohnmacht. Da öffnet der Prophet uns die Angen, indem er uns auf die fürsorgliche Hilfe, auf den ununterbrochenen Schutz Gottes hinweist. „Dem Allmächtige n, dem Gewaltigen an Macht, entgeht nicht eine einzige M e n s ch e n s e e l e!" v'2'8 stiö -nr: vb ns paa-i Niemand i st verlasse u, von der göttlichen Vorsehung wird jedes Menschenschicksal geleitet. „Schauet znm Himmel hinauf! So viele Millionen Sterne in dunkler Nacht dort droben funkeln — er kennt jeden einzelnen, ruft jeden an seine Stelle; so bewacht er auch jedes einzelne Menschenleben!" Darunl dürfen auch alle diejenigen, welche durch die kriegerischen Ereignisse in ihrem Leben, in ihrer Existenz bedroht ftub, heute rufen: i:vy mKiat 'n. Der Ewige, der die Heerscharen der Sterne in ihren Bahnen lenkt, er wird auch uns zum Heile führen und uns vor jeder Not, vor dem Untergange bewahren. Jeder, der in diesen Tagen in den heiligen Kampf für das Vaterland zieht, möge mit seiner Ausrüstung, mit der unentbehrlichen Nahrung, die er führt, mit der Waffe, die er trägt, auch einen Satz ans dem Psalmenbnche mit sich nehmen, den Satz (Psalm 23): „Wenn ich auch wandeln sollte im Tal der Todesschatten, so fürchte ich nichts, denn du bist bei mir". Und wie nufere heißen Wünsche nufere zu den Fahnen gerufenen Brüder begleiten, so rufen wir Gottes Segen herab auf diejenigeu, welche in diesen schweren Zeiten wahre Menschenliebe üben. Segne, o Herr, alle diejenigen, die opferwillig eine vaterländische Gesinnung betätigen, die mit offener Hand und liebreichem Herzen zur Linderung der unermeßlichen Not beitragen, welche der Krieg über die Bewohner dieses Reiches bringt, und mögen die Tage nahe sein, an' denen in Erfüllung gehen die Worte des Propheten: •’ia ba 'i: Kt»’ ab. „Nicht mehr wird eine Nation gegen die andere das Schwert erheben"; die Tage, an denen Friede und Eintracht, Wahrheit und Edelsinn unter allen Menschen herrschen werden. Amen." Ein vielstimmiges Amen bekundete die Seelenstimmung der Andächtigen. Die babylonischen Akademien;ne Zeit der Amoraer K. Anna, A. Iehnda nnd §L Uachman. Während die Schule in Tiberias nach dem Tode der palästinensischen Amoraer R. Ami nnd R. Assi in Verfall geriet, gewannen die babylonischen Akademien immer mehr und mehr an Ansehen und Achtung; sie prosperierten vortrefflich und erfreuten sich einer solch starken Frequenz, daß nach dem Tode der hochverdienten Lehrer Rab und Samuel noch eine dritte Schule, und zwar in Pnmbadita, kreiert wurde, der Rabbi Jehnda b. Jecheskel als Schuloberhanpt Vorstand. Der Nachfolger Rab's in Sura hingegen war R. Huna und der Samuel's in Nehardea R. Nachman b. Jakob, der nach der Zerstörung Nehardeas (259) feine Schule nach Schekan-Zib am Tigris verlegte. R. Huna aus Diokart (geb. 212) galt nicht nur in Babylonien, sondern auch in Judäa als eine hervorragende