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Die Wahrheit · 1914-07-24 · Heft 28 (24.7.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 28 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Leite 6. Die Wahrheit. Nr. 28. tags Rudolf v. Bennigsens im Jahre 1894 über den Altreichskanzler : „Einem „Staatsmann", der mit Lasker, Bamberger, Bleichröder. Falk, Camphausen, Delbrück ttiw. von einem Irrtum in den andern tappt und hinterher die Schuld auf seine „unfähigen" (von ihm gewählten) Mitarbeiter wälzt, den lassen sich gutgläubige Zeitgenossen als „groß" gefallen, die Geschichte nicht." Dasselbe Blatt behauptete (5. April 1896), daß „durch den Einfluß Bismarcks unser Volk in beunruhigendem Maße deutsch zu fühlen verlernt" habe. Theodor Fritsch rückte nach dem Sturz des Kanzlers von ihm ab. „Wenn einzelne Antisemiten" — so schrieb er in den „Dentschsoz. Bl." (Autis. Korresp.") — „einen übertriebenen Bismarck-Kukrns psiegen, so «können wir ihnen das nicht verwehren. Die Leitung der „Dentschsoz. Bl." weiß sich davon frei. Und in den „Dentschsoz. Bl." (Nr. 14, 1892) war zn lesen: „Ist Bismarck Antisemit? — Optimisten nach Art von Max Bewer meinen, Bismarck sei noch selbst Antisemit, würde sich vielleicht sogar an die Spitze der großen antisemitischen Partei stellen und zum Streite rufen, gegen Israel. — Wir haben diese Hoffnungen nie teilen können und haben wiederholt Gelegenheit genommen, auf das Unerquickliche seines Verkehrs mit Bleichröder und andern Inden hinzuweisen." Ottomar Beta schrieb in der „Antis.Korr."(30.11.1892) von der „Judenwirtschaft, wie sie unter Bismarcks Protege Bleichröder in Preußen, dem Lande der frommen Sitte, einriß." Karl Sedlatzek, der bekannte antisemitische Durchfallskandidat und „Chefredakteur", nannte in seinem „Deutschen Generalanzeiger" (Nr. 1, 1898) eine Aeußerung Bismarcks echt „konservativ" und sagte ferner: „Wenn also Fürst Bismarck immer Inden und Christen anstatt Rassejuden oder Hebräer und Deutsche, Slaveu usw. gegenüberstellt, so beweist er, daß er noch nicht einmal die notdürftigste Anfangsperiode des Antisemitismus gelernt hat". Die später von Herrn Sedlatzek geleitete „Deutsche Reform", das offizielle Organ der deutschen Reformpartei, bezichtigte am zehnten Todestage Bismarcks diesen der erfolgreichen Bestechung durch Rothschild. Weil Bismarck die „Beimischung des jüdischen Elements mit dem germanischen für nützlich" hält, erblickte das Münchener „Deutsche Volksbl." des Herrn Wenng, der mit dem Bund der Landwirte aufs engste liiert und sogar Jahre lang Geschäftsführer der Bayerischen Filiale des Bundes war, darin den ..Gipfel der Unverschämtheit", eine „Schmach" (13. 2. 1898): „Ob wohl der „Freund Ehren-Bleichröders"jsein eigen Fleisch und Blut, seine Kinder den Inden ausgeliefert hätte? So bar allen nationalen und menschlichen Fühlens wollen wir ihn doch nicht halten. Um so angenehmer nimmt es sich dann aus, derartige schmachvolle Tat anderen Deutschen zuzumuten. Alle uatationalgesinnteu Männer mögen sich die eben besprochene Aeußerung des Herrn von Bismarck wohl merken und es wird ihnen, wenn sie nicht zn denen gehören, gegen welche selbst Götter vergebens kämpfen, nie mehr einfallen können, diesem Manne als einen großen, ja sogar dem „größten" Deutschen ein besonderes Maß von Achtung zu zollen." Schließlich glaubte der Verfasser Bismarcks Urteil als „senil" abtnn zu müssen. Angesichts solcher Angriffe aus dem antisemitischen Lager wagt man es noch. Antisemitismus mit Bismarckverehrung zu identifizieren. Nein, man schmäht das Andenken ves großen Mannes, wenn man ihn als Gesinnungsgenossen der Judenhetzer hiustellt. Knltnrtkitder ans dem Dorado des Antisemitismus. (Schluß). Nur die ganz armen Juden können den Rayon nicht verlassen, weil sie der Polizei nichts zahlen können. Aber auch die Freizügigkeit würde diese Elenden nicht in die Lage setzen, sich auf die Reise zu begeben. Damals schrieb selbst die „Deutsche Tageszeitung" (3. 3. 1911). „Vom liberalen Standpunkte ist dieses Ghetto eine Unmenschlichkeit, vom antisemitischen eilt Unsinn. Der russische Publizist Tschitscherin hatte einmal gesagt: Entweder sind die Inden ein großes Uebel, warum sollen sie dann ein Privilegium Westrnßlands sein? Oder sie sind kein Uebel, dann lasse man sie in ganz Rltßland wohnen!" In der zweiten Duma hatte der polnische Nakionaldemokrat Dmowski erklärt, seine Fraktion wolle die Anshebnug des Ansüssigkeitsgebiets, da es eine asiatische Perfidie sei, die Judenmasse nur Westrnßland zuteil werden zn lassen. Natürlich fehlt in diesem Kranz der jndenseindlichen Bexationen auch nicht ein Antrag ans generelles Verbot des Schächtens, den die Rechte in der Duma eingebracht hat. Dabei sind bisher schon ans „administrativem Wege" die als Handwerker angesehenen Schächter in einzelnen Bezirken neuerdings in Masse ansgewiesen worden. Am schlimmsten aber treibt man es doch mit den Verfolgungen ans,wirtschaftlichem Gebiet. Dem jüdischen Jnweliergewerbe in Rußland, soweit dasselbe außerhalb der Grenzen des jüdischen Ansiedelnngsrayons betrieben wird, droht, wie ■ der „Köln.-Volks-Ztg." anfangs Jänner d. I. geschrieben wird, ein wahrhaft vernichtender Schlag. „Nach den russischen Judengesetzen haben Handwerker' das Recht, überall im russischen Reiche zn wohnen. Es besteht aber noch eine zweite Bestimmung. daß jüdische Handwerker außerhalb des Ansiedelnngsrayons Berkanfsläden für Handwerkssabrikate nur eröffnen dürfen, wenn in denselben ausschließlich Fabrikate der eigenen Werkstätte zum Verkauf gelangen. Ans eine Zuwiderhandlung gegen diese Bestimmung steht Konfiskation sämtlicher Waren und Ausweisung des jüdischen Handwerkers zur Etappe nach dem Ansiedelnngsrayon. Im Laufe der letzten Jahrzehnte ist diese Bestimmung völlig in Vergessenheit geraten. Die jüdischen Möbelgeschäfte in der Residenz z. B. weisen nur znm kleinsten Teil Möbel auf, die aus der Werkstätte des Geschäftsinhabers hervorgegangen sind, sondern sind vorzugsweise mit Fabrikware gefüllt. Ebenso oder in noch stärkerem Maße steht es mit den Jnweliergeschäften. Die Goldwaren, Uhren, Schmuckgegenstände, die hier feilgeboten werden, sind fast sämtlich Kommissionsware. Die kleine Werlstätte, die bei allen Jnwelierlädeu besteht, beschäftigt sich fast nur mit Reparaturen. Dieser Tage legte nun die St. Petersburger Polizei in einem größeren Juweliergeschäft des Juden Shiloff auf sämtliche Waren im Werte von mehr als 100.009 Rubel Beschlag, Shiloff reichte eine Beschwerde an den Staatsanwalt ein und behauptete, die Waren seien in seiner Werkstatt angefertigt. Aber der Stadthauptmann sandte sofort eine Kommission von Fachleuten in das Geschäft und diese stellte natürlich fest, daß die Werkstätte gar nicht dazu eingerichtet sei, derartige Fabrikate herznstellen. So bleiben die Waren konfisziert und Shiloff wird per Etappe ausgewiesen. In den jüdischen Händlerkreise» in ganz Rußland herrscht völlige Panik." Der neueste Streich des Finanzminister Bart, in dem man den eigentlichen Schöpfer der neuen Judengesetze erblickt, richtet sich gegen die Inden in den Aktiengesellschaften und des Börsenhandels. Zuerst plante die russische Negierung, den Getreidehandel, der sich zum Teil in den Händen jüdischer Kanfleute befindet, als Staatsmonopol zu erklären. Als dieser Plan mißglückte, wurde eine Vorlage au die Duma ausgearbeitet, nach welcher auch die Juden, denen das bisher gestattet war, nicht mehr das Recht haben sollten,

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