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Die Wahrheit · 1914-07-24 · Heft 28 (24.7.1914) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 28 (24.7.1914)
Date
1914-07-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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N r. 28. Die Wahrheit Seite 5 Übung der Erwerbsbeschäftiguug behindert waren, K 400 zu Händen des Vereines „Frauenhort" und L 500 zu Händen des Vereines zur unentgeltlichen Verpflegung Brustleidender bewilligt. Ferner wurden dem Franenerwerbverein in Czernowitz K 200, dem Franz Josefs-Kinderhort in Wien X 100, dem Rekonvaleszeutenheim „Philantropia" zu Wien K 200, dem Kinderhort, in Stanislan HL 50, der Mädchenschule in Snczawa K 50, dem Fortbildungskurse der Mädchenschule in Storozynetz und dem israelitischen Blindeninstiiute in Jerusalem je L 100 bewilligt. Außer den vorstehend angesnhrten in Form von Stipendien und Schnlgeldbeiträgen gewährten Unterstützungen hat das Kuratorium für 29 Bittstellerinnen Nähmaschinen und für zwei Strickmaschinen angeschafft. Bei Erledigung der diesbezüglichen Gesuche konnte natürlich nur auf die allerdürftigsten Petentinnen. zrlnächst auf die gewesenen Schülerinnen unserer Mädchenschulen Rücksicht genommen werden. Insgesamt wurden im abgelauseneu Schuljahre für Mädchen K 67.207-88 verausgabt. Die mit Kreierung der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulunterrichtes in Galizien und der Bukowina durch das Kuratorium bewerkstelligte Unterbringung von Knaben beim Handwerke erfuhr durch die hochherzige Intentionen der Frau Baronin Clara von Hirsch-Gereuth ihre notwendige Ergänzung. Gemäß Art. 2, Absatz o, hat die Baronin Clara von Hirsch-Kaiser-Jubiläunis-Stiftung den Zweck: „Den durch die Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschnlnnterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomorieu mit dem Großherzogtnme Krakau und im Herzogtume Bukowina zn Handwerksgesellen herangedildeten, in Galizien und der Bukowina wohnhaften israelitischen Kindern Unterstützringen zum Behnfe weiterer Ausbildung in ihrem Handwerke, insbesondere durch Reisen in das Ausland zu gewähren." Erst durch den hiefür bestehenden Fond war es möglich, den zu Handwerksgesellen herangebildeten ehemaligen Schülern Gelegenheit zn bieten, sich ins Ausland begeben, nicht bloß um sich weiter auszubilden, sondern auch dort, wo oft ein größerer Bedarf an speziellen Arbeitskräften bestand als im Jnlande, sich Erwerb zu schaffen. Das Kuratorium hat an 130 Handwerksgesellen, die schon einige Jahre gearbeitet hatten. Fahrkarten und Reisennterstütznngen für das Ausland bewilligt und für diesen Zweck K 6691.88 verausgabt. Eine gleich notwendige und höchst ersprießliche Ergänzung erfuhr die Stiftungstätigkeit durch den vierten im Art. 2 der Statuten angeführten Zweck: „Israelitischen Kindern, welche zur Erlernung eines Handwerkes körperlich untauglich sind, durch Erteilung von Stipendien die Erlernung eines anderen Bernfszweiges zu ermöglichen." Hiedurch wird das Kuratorium in die Lage gesetzt, jenen Kindern, welche wegen körperlicher Schwäche nicht in der Lage waren, ein Handwerk zit erlernen, durch Gewährung von Unterstützungen denn Unterricht in anderen Fächern zn ermöglichen. Dem Brodyer Waisenhanse wurden für zehn Knaben HL 1000 gewährt. Insgesamt wurden ans diesem Fonde an 238 Knaben K 24.317*46 verausgabt. Kisumrck rmd die Antisemiten. Aus Anlaß der Vorbereitungen zu der nächstjährigen Feier des hundertsten Geburtstages des großen Kanzlers haben konservative und andere reaktionäre Blätter es für angebracht gehalten, gegen die Teilnahme der Fortschrittlichen Volkspartei an der Feier Verwahrung einznlegen. Demgegenüber sei an die Aeußerungeu erinnert, die Fürst Bismarck im September 1897 über die Konservativen getan hat. Seine Worte lauteten: : „Mir haben die Herren von der Krenzzeitungsfarbe das ministerielle Leben recht sauer gemacht; ich war nie ihr Mann und die schlimmsten Verdächtigungen sind immer von dieser Seite gekommen^ Sie ließen mich im Stich, als es darauf ankam, zunächst einmal das Deutsche Reich vor der Welt auf die Beine zn stellen; manches wäre anders geworden, wenn ich . damals konservative Hilfe gefunden hätte; aber ich hätte viel eher noch mit Herrn Richter paktiert als mit den Freunden der Nathusius-Ludom (des Krenzztg.-Redakteurs) ltitb Konsorten. ... Als ich dann weggeschickt wurde, hatten wieder dieselben Leute ihre Hand im Spiel; siehe Scheiterhaufeubrief und ähnliche Sachen." Und die Anhänger der vom Altreichskanzler so charakterisierten Partei besitzen die Dreistigkeit, sich, zu Richtern darüber auszuwerfen, ob der Linksliberalismns ein Recht habe, die Bismarckfeier mitzubegehen! Die „Dentschvölkisch.en", die ja auch zn den rechtsstehenden Parteien gehören, müssen natürlich ebenfalls dabei sein, wenn es gilt, die Liberalen zn verunglimpfen. So schreiben die „Dentschsozialen Blätter (4. 7.): „Bismarck . . . ist Zeit seines Lebens ein Gegner der Fortschrittler gewesen. ... Es ist deshalb überraschend, daß die Fortschrittliche Volkspartei sich, nachdem sie sich mit der Sozialdemokratie verbündet und durch den nationalen Verrat in den letzten Jahren eine große Anzahl von Wahlkreisen an die Umstnrzpartei ausgeliefert hat, trotzdem noch an der Bismarck-Ehrung beteiligen will. Das ist unserer Ansicht nach eine Heuchelei. Dem Ausschuß zur Vorbereitung der Bismarckfeier muß dies bekannt sein, deshalb hätte er niemals Herrn Dr. Carl Petersen (den Führer der Hamburger Fortschrittler) in den Ausschuß anfnehmen dürfen." Wenn die Antisemiten auch bei dieser Gelegenheit versuchen, sich als diejenigen hinzustellen, die zu allen Zeiten treu 31t Bismarck gestanden haben, wird es sich empfehlen, über die Beziehungen zwischen dem Eisernen Kanzler nnd den Antisemiten einiges zn sagen. Die Antisemiten würden nur dann ein Recht haben, sich auf einige judenfeiudliche Aenßernngen des jugendlichen Abgeordneten v. Bismarck zu berufen, wenn dieser später, als er die Geschicke Preußens und des Deutschen Reiches lenkte, znm mindesten versucht hätte, dem Von ihm Vereinigten preußischen Landtage vertretenen engherzigen Jnnkerstandpunkl Geltung zu verschaffen. Das ist aber nicht geschehen. Im Gegenteil, unter seiner Regierung ist das Gesetz vom 3. Juli 1869 zustande gekommen, das alle noch bestehenden Beschränkungen der bürgerlichen nnd staatsbürgerlichen Rechte der Inden aufhob. Die antisemitische Bewegung in ihrem ersten Stadium hat der leitende Staatsmann zwar toleriert, weil er glaubte, in dem Antisemitismus ein Mittel zur Bekämpfung der Liberalen und Sozialdemokraten gefunden zu haben. Das gehört eben zn dem Kapitel der politischen Irrungen, von denen die innere Politik des großen Staatsmannes nicht frei war. Allerdings war er weit entfernt davon, den antisemitischen Fordernngen Zngeständniffe zn machen, wie seine Abweisung der von Bernhard Förster inszenierten Petitionsbewegnng zeigte. Bismarck war kein Antisemit. Wie hätte er auch ein Gesinnungsgenosse der Antisemiten sein können, er, der zu hervorragenden Mitarbeitern an dem deutschen Eiuheitswerke und seiner Ausgestaltung Männer, wie Laster, Bamberger, Simson zählte! — Wenn Bismarck antisemitische Neigungen gehabt hätte, würde er auch nicht so viele Jahre in einem so vertranten Verkehr zu Bleichröder, seinem jüdischen Bankier, gestanden haben. Und weil die Tatsachen in dieser Beziehung eine zn deutliche Sprache redeten, sahen so manche Führer nnd Preßorgane der Antisemiten ein, daß sie Bismarck nicht für sich in Anspruch nehmen dursten. Da ist vor allen Stöcker zu nennen, dessen oben erwähnter „Scheiterhaufen-Brief" ein historisches Dokument des Haffes ist und bleibt, den der Schöpfer der antisemitischen Bewegung in Deutschland Bismark entgegenbrachte. „Freideutschland", das Organ des Professor Paul Förster, des ehemaligen antisemitischen Führers und Reichstagsabgeordneten, schrieb anläßlich der Feier des 70. Geburts-

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