Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 28 (24.7.1914)
- Date
- 1914-07-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 Die Wahrheit Nr. 28. gelegt. Dies genügt aber beim Kampfe gegen die Christlichsozialen nicht. Da heißt es früh genug aufstehen und die Verteidigung nicht verschlafen. R. L. Karonin Hirsch - Inbiliinms Stiftnng. Das Kuratorium der Baronin Klara von Hirsch Kaiser Znbilänms-Stiftung znrUnterstütznng vonKnaben und Mädchen in Oesterreich erstatte! einen überaus interessanten Bericht, dem wir nachfolgende Einzelheiten entnehmen: Der Zweck der Stiftung, armen Kindern, welche die Schulen der „Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschulnnterrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogmme Krakau und im Herzogtume Bukowina" besuchen, Mittagskost zu gewähren und Kleidungsstücke für dieselben anzuschaffen, wurde durch folgende Unterstützungen gefördert: Wie in den Vorjahren wurden auch heuer in den einzelnen Orten, unter möglichster Heranziehung der einheimischen Bevölkerung zur Beitragsleistnng, die ärmsten Schulkinder beköstigt und mit Kleidern, Schuhen und Wäsche versehen und außerdem aus dem Fonde für Bekleidung und Beköstigung armer Schulkinder Subventionen an einzelne Gemeinden und Vereinen gewährt: Dem in den Statuten angeführten Zwecke: „israelitischen, insbesondere in Galizien und der Bukowina wohnhaften Mädchen, durch Errichtung von Arbeitsschulen oder durch Verleihung von Stipendien zum Besuche von Handelsschulen und Gewährung von Unterstützungen, die Erlernung und Ausübung einer Erwerbsbeschäftlgung zu ermöglichen", wurde nach verschiedenen Richtungen Rechnung getragen. In die Nähschule in Bohorodczany wurden pro Schuljahr 1912/13 24 Mädchen ausgenommen; u. zw. 14 in die höhere und 10 in die niedere Abteilung. Diesen wurde zunächst die ersten Begriffe imNäheu auf Lappen in systematischer Ordnung beigebracht, hierauf wurden sie im Maschinnähen unterwiesen. Schon nach Ablauf des ersten Semesters erlangten die Schülerinnen eine solche Uebnng. daß sie imstande waren Hemden für die Schulkinder und einfache Sachen für sich anzufertigen. Im zweiten Jahrgange hatten sie bereits eine solche Fertigkeit erlangt, daß sie auch bessere Kelidungsstücke für sich und ihre Angehörigen nähen konnten. Im Berichtsjahre wurden in dieser Nähschnle 432 Schülerhemden, 69 Männerhemdeu, 83 Damenhemden, 33 Schösse, 110 Blusen, 12 Kinderkleidchen, 18 Kinderanzüge, 37 Unterröcke, 141 Schürzen, 20 Paar Dameuunterhosen, 15 Paar Herrenunterwäsche. 37 Ziechen. 19 Korsetts, 2 Leibchen und 3 Negliges angeferligt. Außer dem praktischen Nähuuterricht erhielten die Schülerinnen auch theoretischen Unterricht n. zw. wöchentlich 2 Stunden in der polnischen, 2 Stunden in der deutschen Sprache und 1 Stunde im Rechnen. Die Mädchenarbeitsschule zu Buczacz wurde im Schuljahre 1912/13 von 25 Schülerinnen besucht, von denen mit. Ende des Schuljahres 16 freigesprochen wurden. Von diesen Absolventinnen sind 4 nach Amerika ansgewandert; die übrigen haben teils im Buczacz selbst, teils in der Umgebung in Schneiderwerkstätten lohnende Beschäftigung gefunden. Das Hauptziel des Unterrichtes war das Zuschneiden und Kleidernähen. Im Laufe des Schuljahres wurden für die arme Bevölkerung folgende Kleidungsstücke gratis angefertigt: 195 Röcke, 582 Blusen, 80 Kinderkleidchen, 50 Knabenanzüge, 56 Schlafröcke, 45 Korsetts, 108 Unterröcke, 71 Kinderhemdchen, 98 Damenhemden und 257 Schürzen. Außerdem wurden für die Stiftungsschnlen 2110 Hemden geliefert und 70 Lodenröcke repariert. Die Nähstubein Burfztynwurde imSchuljahre1912/13 von 15 Schülerinnen besucht. Als erstes Nähmaterial dienten die Schulhemden. Die Schülerinnen des ersten Jahrganges nähten im ersten Halbjahre nur diese Hemden. Erst nach Erlangung einer gewissen Fertigkeit wird erst den Freguentantinnen gestattet, eigene Arbeit mitzubringen. Das mitgebrachte Material wird von der Lehrerin zngeschnilten und unter ihrer Aufsicht in der Nähstube verarbeitet. Es wurden bei 1000 Stück Wäsche nnd Kleider verfertigt und zwar: 580 Männerhemdeu, 72 Damen- und Kinderhemden, 42 Damenblusen, 51 Schösse, 55 Kinderkleidchen, 92 Schürzen, 38 Stück Unterwäsche und 51 große und kleine Ziechen. Am täglichen Unterrichte im Lesen, Schreiben nnd Rechnen nahmen 4 Mädchen teil. Am Ende des Schuljahres verließen 7 Mädchen die Nähstnbe, von denen einige in privaten Dienst gingen; eine ist nach Amerika ansgewandert und arbeitet dort in einer Blusenfabrik. - Die Mädchenanstalt in K o l o m e a zählte zu Beginn des BerichtsjahresslO Mädchen. Während des Schuljahres 1912/13 wurden 18 Mädchen ausgenommen. Nachdem 8 Mädchen die Anstalt verlassen hatten, sind mit Ende des Schuljahres 20 in derselben verblieben. Die Mädchen besorgten die Beköstigung der Zöglinge des Schülerheims und hatten Gelegenheit, das Kochen nnd Backen praktisch zu erlernen. Außerdem nähten sie Kleider nnd Wäsche für sich und die armen Schüler der Stiftungsschnlen, sowie auch für die Handwerkslehrlinge. In den Abendstunden wurden die Mädchen im Lesen, Schreiben und Rechnen unterwiesen. Die Mädchenarbeitsschule in Tarnow hat den Hauptzweck arme jüdische Mädchen zu tüchtigen und anständigen Dienstboten heranzubilden, lim sie in dieser Eigenschaft erwerbsfähig zu machen. Zn diesem Zwecke werden Mädchen als interne Zöglinge in die Anstalt aufgenommen und war der Stand der Freqnentantinnen im Berichtsjahre durchschnittlich 15—16. Diese Zöglinge erhielten in der Anstalt Unterweisung in vielen zur Tüchtigkeit eines Dienstboten gehörigen Fertigkeiten als: Kochen, Backen, Wäschewaschen, Zimmerräumen, Scheuern, Plätten, Wäsche- und Kleidermachen, wie auch Ansbessern von Wäsche und Kleidern, Stricken, Stopfen, Servieren nnd dergleichen. Außerdem erhalten sie Unterricht in den Volksschulgegenständen, in der jüdischen Religion nnd im Hebräischen. Die Absolventinnen der Anstalt sind als Dienstmädchen sehr gesucht und finden sofort sehr lohnende Dienstposten. Auch im Berichtsjahre haben die internen Zöglinge der Anstalt nicht nur für sich Wäsche nnd Kleider, sondern auch Hemden für die Schüleder Baron Hirsch-Stiftung verfertigt. Die überwiegende Anzahl der in den Dienst getretenen internen Zöglinge de.r Anstalt sendet ihre Ersparnisse an diese, damit sie fruchtbringend angelegt werden. Von den externen Stipendistiunen sind im abgelaufenen Schuljahre mehrere zu guten Schneiderinnen und Modistinnen in die Lehre gegeben worden. Einige wurden in der behördlich konzessionierten Handelsschule zu Buchhalterinnen und Korrespondentinnen herangebildet nnd aach im Maschinschreiben unterrichtet. Die Absolventinnen finden in der Regel sofort entsprechende gute Posten. Die Absolventinnen werden auch nach Verlassen der Anstalten oder der Lehren vom Damenkomitee überwacht, was einen sehr guten Einfluß aus das sittliche Verhalten der Mädchen ansübt. Wie im Vorjahre hat das Kuratorium anch im aber gelaufenen Schuljahre 202 israelitische, insbesondere in Galizien nnd der Bukowina wohnhafte Mädchen, die znm Teile in Wien, znm Teile in ihrer Heimat verschiedene Lehranstalten besuchten nnd sich einem Berufe zuwandten, regelmäßige monatliche Stipendien gewährt und teils Schulgeldbeiträge, teils das ganze Unterrichtshouorar bewilligt. Dem vom Leopoldstädter Franen-Wohltätigkeitsvereine erhaltenen Kaiserin Elisabeth-Lehrmädcheuhort in Wien wurden für 25 in diesem Institute untergebrachte galizische Mädchen Stipendien von je K 20 monatlich gewährt. Das Kuratorium hat weiters 4 im israelitischen Waisenhanse in Wien nntergebrachten galizischen Mädchen Stipendien von zusammen K 1000, dem Mädchennnterstütznngsvereine in Wien für seine galizischen Zöglinge eine Subvention von K 1000, dem Waisenhanse in Brody für 10 Mädchen eine Subvention von zusammen K 1000, für galizische Mädchendie durch Krankheit oder große Erholnngsbedürftigkeit an der Ans-