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Die Wahrheit · 1914-07-17 · Heft 27 (17.7.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 27 (17.7.1914)
Date
1914-07-17
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4. Nr. 27. Die Wahrheit Juden der politischen Rechte entkleidet und damit von der christlichen BeoöÜerung immer mehr isoliert hat. Heute ist wohl nicht daran zu denken, daß dieser Fehler von der deutschen Diplomatie gut gemacht werden könnte. Heute muß die Gleichberechtigung der Inden ans dem freien Entschluß der christlichen Mitbürger eittspringen und wer unter uns Rumänen an einen Fortschritt glaubt, wird nicht die Zuversicht aufgeben, daß dies auch eines Tages geschehen wird. Ein Aufgehen der jüdischen Bevölkerung in der rumänischen,, das sich ja trotz der Jsolierungsmaner, welche Lurch die politische Rechtlosigkeit und die Behandlung der Inden als Fremde errichtet worden ist, immer mehr durchsetzt, wird die einseitige Entwicklung Rumäniens mildern und durch die Vermischung französischer und deutscher Grundelemente der Kultur einen harmonischen Klang ergeben. Es werden dann vielleicht ans der inneren Politik jene übertriebenen, nur ans das rein Persönliche zngespitzten Kampfes- - Methoden mehr und mehr veschwinden und auch für die auswärtige Politik werden neue Gesichtspunkte maßgebend werden. * * * Der Verband der in Rumänien geborenen Juden hat an das Parlament eine Eingabe gerichtet, in welcher die Gleichberechtigung mit den rumänischen Staatsbürgern anderer Konfession gefordert wird. Auf diesen . Schritt der rumänischen Inden antwortet nunmehr der Sekretär der rumänischen Knltnrliga. Professor Bogan Duica, mit einer in allen rumänischen Zeitungen zur Publikation gelangten, in überaus aufreizender Weise gehaltenen Kundgebung, in welcher Duica erklärt, daß die Jndenfrage eine Machtfrage sei und droht, daß auf den mindesten Versuch hin, diese Frage im Sinne der rumänischen Inden zu lösen, die rumänische Bevölkerung mit einem Pogrom nach russischem Muster antworten würde. Die Erregung unter ^den rumänischen Juden ist aber eine viel zu tiefgehende, als daß sie sich durch derartige Drohungen gbschrecken ließen; sie beharren auf der Erfüllung der den Inden vor den kriegerischen Entwicklungen feierlich gemachten Versprechungen und erklären, daß falls das Ergebnis der Annäherung Rumäniens au Rußland die Veranstaltung von Pogroms sein sollte, die jüdische Bevölkerung Rumäniens den Kampf um die Eroberung der Menschenrechte nur mit um so größerer Energie und Ausdauer führen werde. Da sich die rumänische Regierung gegenüber den Forderungen der rumänischen Juden konsequent gleichgültig verhält, so wird befürchtet, daß der begonnene Kampf der ^rumänischen Juden um die Gleichberechtigung mit den anderen rumänischen Staatsbürgern nicht unerhebliche Gefahren bringen werde. Pro-Kalascha-Komitee. Dem Internationalen Pro-Falascha-Komitee, welches im März l. I. seinen Sitz von Florenz nach Frankfurt a. M. verlegte, ist es in der kurzen Zeit, welche seither verflossen ist, gelungen, in der ganzen Welt Sympathien für unsere Brüder in Abessinien zu erwecken. Vor allem galt es, die Organisation weiter anszubanen, damit das Unternehmen durch regelmäßige Benräge gesichert wird. Zu diesem Zwecke unternahm Herr Dr. Faillowitsch im Aufträge des Komitees Propagandareifen nach Belgien, Holland und England. In diesen Ländern bestehen jetzt Landeskomitees, welche eine energische Tätigkeit für die Sache der Falaschas entwickeln. In London fand im Hanse des Herrn David S. Sassoon eine Versammlung der angesehensten Persönlichkeiten Londons unter dem Vorsitze des Chiefrabbi Dr. Hertz statt; außerdem hielt Herr Dr. Faillowitsch einen gut besuchten Vortrag im Norden Londons. Aber nicht nur hier fanden seine Ausführungen Beifall, sondern auch die angesehene Tagespresse, wie „Times" und „Standard", begrüßten seine. Anwesenheit mit sympathischen Artikeln über die Falaschas. Einzelne Rabbiner benutzten auch die Predigten an. den Peßach-Feiertagen, um ihre Gemeindemitglieder für die Sache der Falaschas zu begeistern.;; .... - - In Holland steht der Oberrabbiner der portugiesischen Gemeinde Pallacche an der Spitze des Landeskomitees, das zusammen mit dem Amsterdamer und Rotterdamer Komitee die Agitation in Holland mit gutem Erfolge schon in die Wege geleitet hat. In Italien, von wo die ganze Bewegung ursprünglich ausging, wird sich das Landeskomitee weiter ansgestalten. In Deutschland bestanden Ortsgruppen in Frankfurt a. M., Breslau, Kattowitz, Benthen, Köln, Stuttgart, Berlin und anderen Plätzen. Hier ist das Interesse nach wie vor rege, jedoch kann eine praktische Arbeit erst zum Herbst einsetzen. Immerhin gelang es Herrn Dr. Faitlowitsch, auf Reisen, die er zum Teil gemeinschaftlich mit dem Generalsekretär unternahm, neue Ortskomitees in Hamburg, Altona, Posen, München, Eschwege usw. zu gründen, während die Konstituierung solcher Komitees in Hannover, Thorn, Kassel, Mainz, Darmstadt und Chemnitz nahe bevorsteht. Ueberall stellten sich die Rabbiner ohne Unterschied ihrer religiösen Richtung zusammen mit den angesehensten Gemeindemitgliedern voller Begeisterung in den Dienst der Sache. Aber auch aus entfernten Ländern gehen dem Komitee ständig Zustimmungserklärnngen zu, so daß das Komitee zu seiner Genugtuung eine Sache vertritt, welche die gesamte Judenheit in gemeinschaftlicher Arbeit eint. So hat z. B. trotz der gedrückten materiellen Lage in den Balkanländern der Chacham Vaschi von Saloniki, Rabbi Jakob Mair, die Agitation in der dortigen Gegend übernommen; auch der Bnkarester Rabbiner Dr. Beck und der aschkeuasische Oberrabbiner von Konstantinopel, Dr. Markus, werden jetzt mit der Propaganda beginnen. In Nordwie in Südafrika findet die Tätigkeit des Komitees Interesse, in den skändinavischen Ländern wie in Rußland. Allerdings erfordert das Endziel auch große finanzielle Mittel. Die Gründung eines Seminars zur Ausbildung junger Falaschas als Lehrer ihrer Brüder, sowie das gesamte Schnlwerk kann erst in Angriff genommen werden, wenn eine gesicherte materielle Grundlage vorhanden ist. Dieser Gründung wird auch voraussichtlich eine neue Expedition nach Abessinien vorangehen müssen. Einstweilen ist Herr Dr. Faitlowitsch im Aufträge des Komitees mit der Uebersetzung des Psalters in das Amharische, die Sprache der Falaschas, beschäftigt, der dann -im Druck in vielen Exemplaren im Lande verbreitet werden soll. Die Falaschas verlangen nämlich nach nichts mehr, als nach religiöser Unterweisung, und da sie die Bibel bisher nur in der von Misfionsanstalten verfertigten Uebersetzung erhielten, so wird eine von Inden verfaßte Uebersetzung wesentlich dazu dienen, sie im Jndentume zu erhalten. Von den drei Falaschajünglingen, welche Herr Doktor Faitlowitsch auf einer seiner Reisen mit nach Europa brachte, befindet sich der eine in Jerusalem, der andere im rabbinischen Seminar in Florenz, während der dritte Herrn Dr.Faitlowitsch auf seiner letzten Reise wieder nach Abessinien begleitete, wo ihm eine kleine Schule eingerichtet wurde. Es ist daher zu hoffen, daß dem Internationalen Pro- Falascha-Komitee zu Händen seines Kassiers, Herrn Salomon Epstein, Frankfurt a. M>. Uhlandstraße 39 (Postscheckkonto Frankfurt a. M. Nr. 8438), reichliche Gaben sowohl als Jahresbeiträge wie als Spenden zum Baufonds und Organisationsfonds znfließen. Das Generalsekretariat in Frankfurt a. M., Palmstraße 11, ist zu weitereit Auskünften gerne bereit. Kol T’hilloh, II. Teil. Von Oberkantor nnd Chordirektor Josef Heller, Brünn. Besprochen von Oberkantor Armin ÜVrlkoWitsch, Eger. Es sind selten schöne Blüten, die Oberkantor Josef Heller in dem zweiten Teil seines Werkes „Kol Tlulloh.“, Vierstimmige Chöre und Soli sowie Rezitative für den israelitischen Gottesdienst mit: und ohne Begleitung der Orgel' (ad*- libitum) gezeitigt. hat. -.Diese Gesänge,.; vielfach; dem,

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