Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 26 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Nr. 26. Die Wahrdeil Seite 7. nnd ihm die Merene erteilte. Der Währiuger Tempelvorstand war bei seinem-Begräbnisse nahezu vollzählig anwesend nnd außer der Witwe und den Kindern, die alle bereits versorgt nnd verheiratet sind, waren zahlreiche Verwandle, Standeskoüegen nnd Freunde gekommen. Die beiden Währiuger Kantoren sangen und Herr Rabbiner Dr. Fenchtwang hielteine ergreifende Nachrede. Vorstandsmitglied Herr Dr. Winter dankte für die aufopfernde Tätigkeit des Verstorbenen als Tempelvorstand nnd der Sohn des Verstorbenen gelobte am Grabe, im Geiste -seines Vaters sein Leben gestalten zu wollen. Mit Heinrich Paschkes, einem Nikolsbnrger, ist wieder ein Stück edles Altjudentnm zu Grabe gebracht worden. Secher zadik liwrocho. R. L. Wien, Samstag, den 4. Juli l. I. versammelte sich der Gesamtvorstand des Josefstädter Tempels mir dem Präses, Herrn kaiserl. Rat Albert Frankl an der Svitze, beim Hauptgotresdienste, um der Trauer der Jndengemeinde im Wiener VIll. Bezirke anläßlich des auf so tragische Weise erfolgten jähen Hinscheidens des Erzherzogs Franz F e r d i n a n d nnd seiner Gemahlin solennen Ausdruck zu verleihen. Zu dieser Trauerkundgebnilg fanden sich eine große Zahl von Mitgliedern ein. Herr Rabbiner Dr. Bauer schilderte in seiner Trauerrede den großen Verlust, welchen das Kaiserhaus durch das so tragische Hinscheiden des Thronfolgers erlitten hat und schloß mit dem Gebete, der Allmächtige möge in seiner nnendlichen Gnade dem gerechtesten greisen Herrscher die Kraft leihen, auch diese Heimsuchung zu ertragen und ihn noch viele Jahre in voller, ungetrübter Gesundheit, verschont von jedem ferneren Kmmer, den Völkern dieser Monarchie, die ihm in Liebe ergeben sind, erhalten. Herr Kantor Josef Grob verrichtete nachher unter Begleitung des Tempelchores das Mussaph-Gebet in weihevollster Weife. Wien. Donnerstag, den 2. Juli l. I. fand in der Neudeggcrgasse die Schlnßprüfnng der Josefstädter Bibelschule statt. Als Gäste waren erschienen: Kais. Rat Albert Frankl, die Vorsteher Hermann P v l l a k, Adolf G e t reue r, Lazaro B i r a l i, Herr Rabbiner Doktor B a n e r, Sekretär R o s e n b e r g, P. A. F e i l b o g e n, nnd in Vertretung der Knltnsgemeinde Schulmspeklor Julius Braun. Bei der vom Lehrer Heinrich Sprinzeles geleiteten Prüfung fanden die Leistungen sämtlicher Schüler allseitige Anerkennung und sowohl der Präses kais. Rat Frankl wie auch Schnlinspekcor Braun sprachen sich sehr lobend über die Lehrtätigkeit des Herrn Sprinzeles ans. Herr Vorsteher Hermann Pollak, dessen aufopferungsvolle Leistungen im Dienste der Bibelschnle im Wiener VIII. Bezirke bekannt sind, wurde allseits tiefempfundener Dank ausgesprochen. Herr Rabbiner Dr. Bauer gedachte in feiner Ansprache an die Kinder des traurigen Ereiginsies in unserer Monarchie, und forderte die jüdische Jugend zu Liebe nnd Opferwilligkeir für unser Herrscherhaus auf. Schnlinspektor Braun hielt dann an die Kinder eine Ansprache und ermahnte sie, auch während der Ferien der Bibelworte nicht zu vergessen, welches der einzige Dank für ihren anfopfernngsvollen Lehrer sein wird. Herr Sekretär Rosenberg verteilte nachher die von den Herren Lazaro Bitali und kais. Rat Frankl gespendeten Prämien an die Schüler, worauf Herr Lehrer Sprinzeles mit Dankesworten für die ihm seitens der Gäste gezollte Anerkennung die Prüfung schloß. G. Klosterneuburg. Letzten Sonntag fand im hiesigen Bethause ein überaus feierlicher Trauer-Gottesdienst statt, welchen eine zahlreiche, tiefbewegte Zuhörerschaft beiwohnte. Herr Dr. Adolf Schächter, Rabbiner der Kultnsgemeinden St. Pölten nnd Tnlln-Klosterneubnrg, hielt eine ergreifende Trauerpredigt. Baden. (T r a u e r g o t t e s d i e n st.) Samstag den 4. d. M. l[210 Uhr vormittags, wurde beim Morgengorresdienste im Tempel der israelitischen Knltnsgemeinde Baden von Sr. Ehrwürden Rabbiner W. Reich aus Anlaß des so plötzlichen durch verruchte Mörderhand verursachten Todesfalles Sr. k. u. k. Hoheit Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand und dessen Gemahlin durchlauchtigsten Frau Herzogin Sophie von Hohenberg, ein Trauergottcsdieust abgehalteu, der sich zu einer hochpatrioiischen Kundgebung gestaltete. Der Tempel war von Andächtigen dicht gefüllt und der Rabbiner sprach bei offener Bnndeslade ein tief ergreifendes Gebet, in welchem er zugleich den schweren Verlust bezeichnete, den die österreichischen Völkerschaften durch den unvermuteten und frühzeitigen Heimgang ^.des mir so ausgezeichneten -Eigenschaften hervorragenden Thronfolgers erlitken, wie den herzinnigen Wunsch aussprach, daß 'der gerechte Lenker des Weltalls unseren Staat und hauptsächlich unseren allergnädigsten Kaiser Franz Josef I., der nur das Wohl nnd den Frieden seiner Völker anstrebt, vor jeden weiteren Unfall beschützen möge. Eine tiefe Stille herrschte beim Schluß dieses so warmen und innigen Gebetes und alle Andächtigen verließen erbaut und tief erschüttert das Gotteshaus- Znaim. Das Konzert der Mädchengesangsschnle der Frau Professorin Kaban fand Sonntag hier statt. Eine gioße pädagogische Leistung, ein herzerquickendes, wenn auch „kleines" gesellschaftliches Ereignis in unserem gedrückten gesellschaftlichen Leben. Aus einem Material, bestehend aus kleinen nngeschulten Kinderkehlchen. bei welchem das musikalische Empfinden kaum im Werden begriffen, ja erst .geweckt werden muß, in einigen Monaten fein klappende Chöre mit musikalisch rhythmischen Tänzen zu brlden, zeigt, was pädagogische Kunst und Begeisterung für eine schöne Sache zu leisten vermag. Auch vom geinndheitlichen . Gesichtspunkte muß Nachahmung in anderen Provinzstäbten, wo jüdisches Leben vegetierend dahinwelkr, nachdrücklichst empfohlen werden. Zur Aufführung gelangten: 1. Volkslied von Mendelssohn. 2. Abend am Strande, von Holstern. 3. Das Kind und Kuckuck, von Reineke. 4. Tanzlied von Reineke. Besonders reizend war das Mailied von Schußmanu nnd Springtanz von Holstein. In den Chören außer den kleinen Stimmchen vernahm man auch die geschulten Stimmen der „Großen": Frl. Weiner, Reich. Teltscher. Stürmisch applaudiertendie dankbaren Eltern der produzierenden Künstlerinnen. Znaim. tTranergoltesdienst) De hiesige israelitische Knltnsgemeinde veranstaltete am 2. Juli einen Tranergotresdienst für Erzherzog Franz Ferdinand d'Este nild dessen Gemahlin Sophie Herzogin von H o h e n b e rg. In dem schwarz drapierten Gotteshause waren die Spitzen der Behörden, und zwar die Herren: Bürgermeister Dr. Homma mit Gemeinderac Fried, k. k. Hosrat Ritter von P a u m g a r t t e n. der erste Staatsanwalt Dr. Koller. Landesgenchrsrat Dr. Russe. Bezirkshauptmann Bach, Finauzrat D i e n e l. Regiernngsrat Wisnar, in Verccetniig des Brigade» kommandos Major P a s d i n g, Garnisons-Chefarzt Oberstabsarzt Dr. M i h e l l c s, Offizlersabordnungeu der hier garnn'onierenden Regimenter, eine Abordnung des Lehrkörpers der Landes-Oberrealschule, Knltusvorsteher W o tz i l k a, die Beiräte Dr. R o s e n s e l d und Scheu e r sowie der Grsaultvorstand, der Präses der Chewra-Kadrscha Herr Haas, die Präsidentin des Fcauenvereines Frau Brüll mit den Vorstandsdamen n. a. erschienen. Die erhebende Feier wurde eingeleitet durch ein Orgelpräludium, gespielt von Frl. Friedman u, dem ein vom verstärkten Chor unter Leitung der Frau Professor Dr. K a h a n mit Präzision znm Bortrage gebrachter Psalm folgte. Nach einem vom Obeckantor H a n d g r i s s erhebend vocgerra.lenen Pialm bestieg Rabbiner Prof. Dr. K a h a n die Kanzel, von der herab er die Größe des Verlustes, den die kais. Familie, insbesonders die verwaisten Kinder nnd Oesterreich überhaupt zu betrauern Ursache haben, verrichtete vor der offenen Bnndeslade ein Seelenhellgeber für die hohen Dahin» geschiedenen und schloß mit einem Gebet für den Kaiser. Nach Absingung der pianifflino von Chor nnd Orgel zum Vortrage gebrachten Volks- Hymne schloß diese würdige, patriotische Feier, die gewiß allen Teilnehmern iuivergeßlich bleiben wird. Znaim. Die hiesige Israelitische Knlrnsgsineinde veranstaltete eine Trauersitzung, bei welcher I. Beirat Dr. Rosenfeld folgende Ansprache hielt: Meine Herren! Abermals haben Mörderhände unheilvoll eingegriffen in das Schicksal unseres Barerlandes! Einem rnchloien Attentate sind in Sarajevo erlegen: Se. kaiserlich: Hoheit Erzherzog Franz Ferdinand d'Efte, der bestimmt war, einstens die Geschicke Oesterreichs zu leiten, nnd dessen ^durchlauchtigste Gemahlin Herzogin Sophie von Hohenberg. Ein Schauer des Entsetzens ging mit dieser Nachricht durch die ganze zivilisierte Welt, welcher wieder einmal gezeigt wurde, daß unreife Knaben, fanatisiert durch unhaltbare Zehren halb oder ganz wahnsinniger Umstürzler sich dazu hergegeben haben, das uuanslöschbare blutige Kaiuzeichen sich ans die Stirne drücken zu lassen! Zwei kurze unglückliche Fingerbewezungen reichten hin, um ebensoviel glücknmsponnene Menschenleben zu vernichten, unserem geliebten Kaiser den Neffen und die Nichte, den nichtsahnenden, bisher vom Glücke verwöhnten und zn den schönsten Hoffnungen berechtigten Prinzenkliidern die fürsorglichen Eltern und Oesterreich seinen Thronfolger zn rauben. Wir entsprechen dem allgemeinen Empfinden unserer Gemeinde- Mitglieder, indem wir hier unserer tiefsten Entrüstung über den vollbrachten, unheilvollen Mord und unserem tiefgefühlten Beileid für unseren geliebten Kaiser nnd Herrn, sowie für die verwaisten erzherzoglichen Kinder Ausdruck geben mit dem Wunsche, daß diese Gefühle an den Stnsen des allerhöchsten Thrones niedergelegt werden. Ich bitte zur Kenntnis zu nehmen, daß an unserem Tempelgebäude bereits die Trauerfahne gehißt wurde und erbitte mir Ihre Zustimmung dazu, daß in den nächsten Tagen, u. zw. am Donnerstag, 6 Uhr abends, ein Tranergotresdienst abgehalteu werde. Nachdem Sie, meine Herren, sich znm Zeichender Trauer und Zustimmung von den Sitzen erhoben haben, erkläre ich die Sitzung für geschlossen." Das an das Statthaltereipräsidium gerichtete Telegramm lautete: Statthalterei-Präsidium Brünn. Die israelitische Knltnsgemeinde Znaim gibt hieuut ihrem Schmerze und zugleich ihrer tiefsten Entrüstung über das ruchlose Attentat, das-,in Sarajevo ausgeführt wurde, Ausdruck, mir der Bitte, dies, sowie die Versicherung unwandelbarer Treue und Verehrung für unseren geliebten Kaiser, der auch diesen schweren Schicksalsschlag mit Gottergebeuheit zn ertragen die Kraft finden mög-, an den Stufen des Allerhöchsten Thrones niederlegen zu wollen. Für den Vorstand: Der I. Beirat: Dr. Sigmund Roseureld. Eger. Sonntag den 5. d. M. fand im nraelitischen Tempel zu Eger eine solenne Tranerfeier für das verstorbene Thronfolgerpaar statt. Der Gottesdienst wurde mit einem Psalm, von Herrn Obeckantor Witko witsch mit gemischtem Chor und Orgeldegleitung würdig vorgerragen, eröffnet. Se. Ehrw. Herr Dr. Grünfeld schilderte in seiner Predigt mit schwungvollen Worten die Energie und die zielbe» wußte Politik des verblichenen Thronfolgers und verrichtsteinbrünstige Gebete für das Seelenheil des erhabenen Märtyrerpaares. Mir den Chören „Es ist bestimmt m Gottes Rat" und „Was ist der Mensch auf Erden", schloß die erhebende Trauerknndgebung. Das Gotteshaus war aus diesem Anlässe geschmackvoll dekoriert und feierlich beleuchtet. Die k. k. Bezirkshanptmanm'chaft war durch Oberbezirksarzt Dr. B e <k vertreten, der Tempelbesuch ein überaus gmer.