Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 26 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/3062972-3063725-3063751--09132-3076357- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 8. Die Wahrheit N r. 26. Großward eilt. Am 30. Juni fand hier die Trauung des Fräulein Margit Kecskemety, der Tochter des Oberrabbincrs Dr. Kecskemety. mit dem Advokaten Dr. Ignatz Rety, statt. Der Tempel war in allen Räumen überfüllt und bemerkte man den gesamten Vorstand der hiesigen Kultusgemeinde und fast alle Mitglieder der Gemeinde, die Notabilitäten der Stadt und des Komitates, den evangelischen Pfarrer und sehr viele Andersgläubige. Unter Orgel- und Harfenklängen wurde das Brautpaar von den Tempelvorstehern in den Tempel geleitet. Den Tranungsakt vollzog der Vater der Braut, Oberrabbiner Dr. Kecskemety. Oberkantor Jenö Weiß trug die Trauungsgesänge mit dem verstärkten Tempel-Chor mit Orgelbegleitung in künstlerischer Weise vor. Literatur. Vom Ghetto ins Land der Berheißnng von Mary Antin. Autorisierte Ueberfetzung von M. und U. Stein dorff. Verlag Robert L ü tz, Stuttgart. Eine jüdische Dichterin von Gottes Gnaden, die ini rnfsischen Ghetto geboren, als Kmd mit ihren Eltern nach Amerika ausgewondert nnd dorr zu einer gefeierten Schriftstellerin herangewachsen ist, entrollt hier mit außerordentlicher poetischer Feinheit ein Bild ihres Werdeganges, das jeden Menschen fesseln nnd entzücken muß. Die Leiden der Juden in Rußland, die wechfelvollen Schicksale der Auswanderer, das humanitäre Wirken des freien Amerika, „des Landes der Verheißung", ist vielleicht noch nie mit so glänzenden, lebendigen Farben geschildert worden. Die Ueberfetzung ist meisterhaft trotz mancher Kleinigkeiten, die an ihr ansfallen. So ' ist die Bezeichnung der Russen als „Ungläubige" durchaus u n j ü d i f ch und falsch. O, die echten Russen sind nicht ungläubig! Sie glauben nur zu viel Dinge, die zum Seelenheil durchaus nicht gehören. Sie glauben an unzählige Heilige und glanbeu sogar an das Heil der Pogrome — sie sind nicht Ungläubige, sie sind vielmehr gutgläubige — Christen! Em Lapsus der Uebersetzer dürfte es sein, wenn der gute Rock des Juden als — Sonntagsrock bezeichnet wird! Auf Rechnung der Verfasierin kommt aber folgender Irrtum: Sie schreibt (S. 61): Jeder Jude und jede Jüdin betrachteten es als ihre Pflicht, das altr Versprechen an Jakob zu erfüllen Helsen, daß sein Same über die ganze Erde gestreut sein iollte. Wenn wir anstatt Jakob — Adam fetzen, so ist es einigermaßen richtig! — Daß man ferner den bekannten abergläubischen Brauch (ti'LV üfiJö) des Kappores-Schlagens nicht am Abend des V e r s ö h n u n g s f e st e s ansführt, dürste auch jede Jüdin iu Rußland wißen. — Der Geburtsort der Dichterin heißt nicht P o l o tz k. sondern Plozk! — Das Schulzimmer der Juden heißt nicht die Heber, sondern das Cheder! Natürlich sind es Kleinigkeiten, die nur momenran stören. Der wunderbare Eindruck, den das Buch ausübt, wird dadurch kaum berührt. Als Probe der jüdischen Gesinnung sowie der poetischen Kraft der Verfasierin sei Folgendes wiedergegeben: „Aber es gab noch etwas Schlimmeres, als Verbrennen oder Martern, das mir die Ungläubigen (Christen) antun konnten: Das, was mit schutzlosen Jndenkindern geschah, die in die Hände von Priestern oder NounSu fielen. Sie könnten mich taufen! Das müßte noch entsetzlicher sein als Martertod. Lieber wollte ich mich in die Dwina werfen lasien, als daß ein Tropfen Tanswasier meine Stirne benetzen sollte. Lieber wollte ich mich dem vorüberziehenden Pöbel in die Arme werfen nnd mir von ihm die Eingeweide herausreißen lasien, als gezwungen zu werden, vor den gräßlichen Bildnissen niederznkuien und das Kreuz zu küsien. Lieber von der Pest ergriffen und von Würmern zerfresien werden, als den alleinigen Gott abschwören und Götzenbilder anbeten. Ich war nur ein kleines Mädchen und gar nichr sonderlich tapfer; schon der geringste Schmerz entlockte nrir Tränen. Aber es gab keinen Schmerz, den ich nicht lieber erdulden wollte — keiner, kein einziger — als die Taufe! Jedes jüdische Kind empfand so. —" Bedarf ein solches Buch noch einer besonderen Empfehlung? Prof. Dr. K a h a n, Znaim. Adolf Friedman« Das Leben Theodor Herzls. 141 Seiten. Preis Mk. 2.— in Pappband. Jüdischer Verlag G. m. b. H. Berlin 1914. F r i e d e m a n u s Buch ist die erste Biographie des verstorbenen Zionisteuführers nnd darf schon aus diesen Grunde Aufmerksamkeit beanspruchen. Denn sicherlich ist Theodor Herzl die markanteste Persönlichkeit, die das jüdische Volk iu der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts hervorgebrachr hat. Der Verfasser ist an seine schwierige Aufgabe mit Geschick herangetreten und hat unter Vermeidung jeglicher Polemik in vornehmem Ton eine sehr gut dokumentierte und literarisch ansprechende Arbeit geliefert. Jede Zeile atmet tiefe Liebe für den verstorbenen Führer und Meister, desieu Wesen, eine einzigartige Verbindung von Kraft und Anmnt. von Wollen und Träumen, Freund nnd Feind bezwang. — Die eigentliche Darstellung wird durch eine Reihe von charakteristischen Briefen nnd Dokumenten ergänzt. Die eigentliche Biographie beginnt mit der Schilderung des häuslichen Milieus mit seinem typisch „gut jüdischen" Charakter: Mau grübelt über die Zukmift des jüdischen Volkes nicht nach und denkt nicht daran, den Auflösungsprozeß, dem das Judentum allmählich verfällt, durch aktive Maßnahmen anfzuhalten. Die jüdischen Eindrücke der Jugend und des ersten Mauuesalters sind denn auch nicht stark und beschränken sich im wesentlichen auf Erlebnisie, die durch das allgemeine Anschwellen des Antiseniitismus verursacht werden. Um die Zeit des Dreyfußprozesses werden diese Eindrücke jedoch so stark, daß Herzl zu einer Revision seiner Stellungnahme zum-Judentum schreitet. Das Resultat dieser Revision ist „Der Jndenstaar". Mit dieser Schrift beginnt ein neuer Zeitabschnitt, nicht nur im Leben H erzl's, sondern auch für das ganze jüdische Volk. — Es folgen nun die Versuche, die Großen in Israel für die Idee des Jndenstaates zu gewinnen, die Fühlungnahme mit versprengten Ziomsten, die schon vor Herzl existierten und endlich die Einberilfuug des ersten Kongresses. Alles weitere vollzieht sich nun in der weitesten Oeffentlichkeit und unter' Entfaltung einer in der „Jndengasse" noch me gekannten Aktivität:' Die fünf folgenden Kongresse, denen Herzl noch selbst präsidierte, die Gründung der jüdischen Kolonialbank, des Nationalfonds, die Verhandlungen mit den Suveränen und Regierungen und vor allem mit den Türken selbst zum Zweck ihrer Zustimmung für die Wiederbesiedelnng Palästinas durch die Juden. In sieben kurzen Jahren ist es Herzl gelungen, die von ihm geschaffene Organisation so mächtig zusammenzufügen, daß sie zu der stärksten Kraft der zeitgenössischen Jndenheit geworden ist. Heule zählt sie hunderttauseude von Anhängern. Und wenn am 14. Juli in der' gauzen Welt der zehnte Todestag Herzls begangen wird, iogeschieht dies, in tiefer.Ehrfurcht.. vor dem Mann, dessen wertvoller Ruf zur Selbstbesinnung die Jndenheit durchhallte und dessen Willen es gelang, Legionen ans dem Boden zu stampfen. Im Verlage des Zionistischen Zentralbiireaus, Berlin W. 15.. erscheint soeben Heft 1 der „Zionistischen Broschüre n- Bibliothek". Dieses Unternehmen, das in mancher Hinsicht bemerkenswert ist, bezweckt, zionistische nnd national-jüdische Literatur in guter Ausstattung zum billigsten Preise (10 Pfennig pro Heft) den weitesten Kreisen zugänglich zu machen. In der „Zionistischen Broschüren- Bibliothek" sollen Probleme der zionistischen Gedankenwelt und desjüdischen Lebens der Gegenwart behandelt, Erscheinungen und Einrichtungen des modernen Judentums in ihren wichtigen Formen dargestellt werden". Das erste Heft aus der Feder von Dr. Osias Thon. Krakau, ist Theodor Herzl gewidmet, dessen zehnjähriger Todestag jetzt in der ganzen zionistischen Welt feierlich begangen wird. Auf 21[2 Bogen gibt die hübsch ansgestattete Broschüre ein gutes Bild des Menschen,, des Schriftstellers, des Zionistenführers, eine lebendige und getreue Darstellung seiner Absichten nnd seiner Tat. Die Zionistische Broschüren- Bibliothek, als deren zweite Publikation demnächst eine Veröffentlichung über „Pflanznngsgesellschaften in Palästina" (Achusah) von Dr. Arthur Ruppin erscheinen wird, gehört in den Bücherschrank jedes Juden, der an den Zeitströmungen des modernen Judentums Interesse nimmt. Verzeichnis der Werkorvenen vom 28. Juni bis inklusive 4. Juli 1914. Herta Zeißl, 2% I. Paula Hirschler, Klavierlehrerin, 43 I- Abraham Markus Steier, Talmudist, 16 I. Marie Braun, 57 I. Jakob Kaczke, Pflegling, 78 I. Karoline Gaßner, Schneidersgattin, 49 I. Adolf Libochowitz, Rotgerber (Pfründner), 60 I. Margarethe Simon, Kanfmannstochter, 8 I. Rosalia Winter, Kanfmannsgattin,. 54 I. Bernhard Jeiteles, gewes. Kanfmann, 89 I. Anna Engel de Janosi, geb. Justus, Private, 89 I. Joachim Heinrich Paschkes, Volksschullehrer i. P., 74 I. Rosa Back geb. Epstein, Private, 67 I. Wolf Katz Siodmek (false Katz), Schustergehilfe, 27 I. Luise Müller, Schneiderin, 55 I. Edmund Herzfeld, Vertreter, 33 I. Berta Steiner, ohne Beruf, 47 I. Max Hirsch, Pflegling, 49 I. Wilhelm Bauer, Privat, 32 I. Anna Ostler geb. Weiß, Handlungsgehilfensgattin, 37 I. Trude Schulhof, Vertreterstochter, 5 I. Herrmann Schneidermann, Kappenmacher, 21 I. Adolf Weiskopf, Privat, 84 I. Rudolf Heller, Praktikant. 19 I. Bertha Kaiser geb. Läufer. Private, 50 I. Ernestine Mayer, ohne Berus, 22 I. Therese Münz, Pfleglings 4 Monate. Hermann Rosenzweig, gewes. Kaufmann, 58 I. Emil Hnschak, Jnweliergehilfe, 20 I. Dora Rosenberg, Hilfsarbeiterstochter, 1% I- Adolf Müller, Privat, 73 I. Therese Goldschmidt, Fabriksarbeitersgatlin, 56 I. Hermann Felseuburg, Inspektor der «staatsbahnen i. P., 62 I. David Biß, Pflegling, 76 I. Perl Eule, Pflegling. 66 I. Rosa Wahle geb. Kuh, Privat. 81 I. Leo Leinmüller, Pflegling, 24 I. Heinrich Klausner, Buchhalter, 34 I. Austritte uns dem Judentum. H 0 f m a n n Iba, Private, geb. 24. Juni 1886 in Wien. IX., Eisengasie 11. * Gr 0 ag Paul Dr., geb. 27. Mai 1878 iu Wien (Hütteldorf). IX., Schwarzspanierstraße 8. Flaschner Carl, Opernsänger, geb. 26. Oktober 1891 in Wien. IX., Sechsschimmelgasie 3. Hamm er schlag Wilhelmine, Private, geb. 11. Dezember 1890 in Nünburg (Böhmen). IX. Eisengasse 28. Selikowsky Emmy, Private, geb. 10. November 1885 in Wien. IX., Liechtensteinstraße 45. Löw Charlotte, Schauspielerin, geb. 31. Dezember 1885 in Zwitram (Mähren.) V., Gaiergasse 32. . Schmulewitsch Josef (Maische Hers ch), Apothekergehilfe, geb. 2. Februar 1886. (Gauio Podorhem, Rußland), Haissin. ILr Praterstraße 36. . , : Fischer Paul, Student,: geb. 28. Juli 1896 in Wien. XIII.,. Topfel- . g°sse 8. .; ,; ,