Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 26 (10.7.1914)
- Date
- 1914-07-10
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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feeut 6. Die Wahrheit. Nr. 26.. ArouLemberger zum Laudesrabbiner ernaimi wurde, als Lokalrabbiuer fungierte damalsR. Gersou Politzer und als Geuleindevorsteher, wie als Landesältester ein gewisser Schaje Anspitzer, ein ehrgeiziger, herrsch süchtiger und engherziger Mann. Als die Zeit der Neuwahl der „Landesältesten" herannahte, und nach den damaligen Gesetzen nach Ablauf von drei Jahren „li e 11 e M ä li li e r* gewählt werden mußte», setzte Anspitzer alle Hebel in Bewegung, um aufs neue gewählt werden zu können. Der Landesrabbiner M. A. Lemberger jedoch wollte dies, gestutzt ans das Landesgesetz, durchaus nicht gestatten. Anspitzer veranlaßte seinen Rabbiner Politzer, gegen den Landesrabbiner den Bann zu schleudern, ja noch mehr, er lieg den frommen gelehrten Landesrabbiner bei den hohen Behörden verleumden und verdächtigen. Die Kaiserin Maria Theresia gab den Denunziationen kein Gehör — wie es überhaupt von einem vernünftigen rechtlich denkenden Menschen nicht anders zu erwarten ist — nahm vielmehr den Landesrabtiiner in Schutz und erließ am 20. Dezember 1753 folgendes Reskript: (Schluß folgt.) Verschiedene Nachrichten Wie«. (E m i g r a n t e n sü r s o r g e derJsraeliri scheu Allianz zu Wie»:) Während des Monates Juni 1914 wurden von der Zentrale der Israelitischen Allianz in Wien insgesamt 155 Emigranten, davon 137 russische und 18 rumänische, weiterbefördert. n. zw.: 80 nach den Bereinigten Staaten, 9 nach Argentinien, 20 nach Kanada,IO nach England, 22 nachFrankreich und 14 nach anderen Ländern. In ihre Heimat znruckbeförderr-wnrden 15nnssische und 26 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im Monare Juni für 36 Personen zusammen 119 Tage Logis und Verpflegung bezahlt und an 94 Personen zusammen 268 Speisemarken für die israelitische Volksküche ausgegebeu. Es fuhren zu ihren Männern 23 Frauen mit 49 Kindern, zu Eltern (resp. Kindern) 18 Erwachsene mit 6 Kmdern. zu Geschwistern 29 Erwachsene nur 4 K-udern, zu sonstigen Verwandten 23 Erwachsene mit3Kiudern und ohne nähere Verwandte lErwachseuer.Dem Berufe nach waren unter den Weiterbeförderten: 15 Schneider resp. Schneiderinnen. 6 Schlosier, 4 Drechsler, 3 Kürschner, je 2 Anstreicher, Buchdrucker, Handelsangestellte, Tischler, je 1 Buchbinder, Elektrotechniker, Fuhrmann, Goldarbeiter, Glaser. Kantor, Kellner, Landarbeiter. Monteur. Müllner, Maurer, Perückenmacher. Riemer, Schuster, Spengler. 42 (meist Frauen) konnten einen bestimmten Berus nicht angeben. Während des ersten Halbjahres 1914 wurden von der Zentrale in Wien insgesamt 837 Emigranten, davon 714 ruffische. 123 rumänische werterbesörderr, u. zw. 536 nach den Vereinigten Staaten, 49 nach Argentinien, 73 nach Kanada. 36 nach England, 96 nach Frankreich uud 47 nach anderen Ländern.. In ihre Heiniat zurückbefördert wurden 67 russische und 117 rumänische Rückwanderer. Während des Aufenthaltes in Wien wurden im ersten Halbjahre 1914 für 226 Personen zusammen 634 Tage Logis uud volle Verpflegung bezahlt und an Ml Personen insgesamt 1297 Speisemarken für die israelitische Volksküche ansgegeben. Es fuhren zu ihren Männern 94 Frauen mit 165 Kindern, zn Eltern resp. Kindern 138 Erwachsene mit 47 Kindern, zu Geschwistern 159 Erwachsene mit 19 Kindern, zu sonstigen Verwandten 174 Erwachsene nur 6 Kindern und 31 Erwachsene mit 4 Kindern. Wien. (A u s z e i ch n n n g). Der verantwortliche Redakteur unseres Blattes, Herr Alois Kulka, wurde gestern von dem ältesten Mitglieds der kaiserlichen Familie, Ihrer König!. Hoheit der Frau Erzherzogin Adelgunde. Herzogin von Mo d en a, durch llebersendung einer kostbaren, mit Brillanten uud Rubinen besetzten und mit den Initialen der hohen Frau, überragt von der Königskrone, geschmückten Krawatteuuadel ausgezeichnet, welche ihm S. E. Obersthofmeister Gras Form mit einem sehr schmeichelhaften Auerkenuungsschreiben übermittelte. Das Begleitschreiben har folgenden Wortlaut: Euer Wohlgebvreu! Es gereicht mir zum besonderen Vergnügen, Ihnen Mitteilen zu köunen, daß Ihre Königliche Hoheit, die Durchlauchtigste Frau Erzherzogin Adelgunde, Herzogin von Mo d en a. Ihnen in Anerkennung Ihres publizistischen Wirkens und der Höchstihrem Hause feit Jahrzehnten bewiesenen treuen Anhänglichkeit die mitsülgende Nippe gnädigst zu spenden geruht haben. Ich selbst knüpfe an die gnädigste Spende den.Wunsch, daß Ihnen dieselbe eine Freude bereiten möge. Ihrer Königlichen Hoheit der durchlauchtigsten Frau Erzherzogin Adelgunde Obersthofmelster Graf Forui. Mre». (G e u e r a l v e r i a m m l u n g des B e r e i n e § „Knrfürsorg e", IL Große S r a d t g u r g a s s e 7.) Am 3. Juni 1914 fand im Restaurant Herling er die Generalversammlung des Vereines „Knrsürsorge" zur Unterstützung armer Kurbedürftiger statt. In seiner Begrüßungsansprache konstatierte Obmann Dr. Isidor L. Braun, daß sich der Verein dank der Mitarbeiterschaft des neugebildeten Damenoorstandes immer mehr entwickle und an Ansehen und Leistungsfähigkeit gewinne. Er erwähnte die notwendig gewordene Aendernng der Staturen und des Namens, des Vereines und entwickelte ein Programm für die weitere Tätigkeit des Vorstandes. Nach Erstattung des Rechenschaftsberichtes durch Herrn Schriftführer S. Sperling beantragte Revisor Herr I. Ker n e r die Erteilung des Absolutorinms, bei welcher Gelegenheit er die er, folgreiche Tätigkeit des Damenvorstandes und der Präsidentin Frau Dr. Helene Stein in anerkennenden Worten hervorhob. Frau Dr. Srerner erklärte hieranf, daß die Damen, nachdem sie die eminent hninamtären Teudenzeu des Vereines eckanut hatten, nur ihre Pflicht erfüllen, wenn sie sich in deu Dienst desselben stellen. Die Wahl in die Bereinsleitung ergab folgendes Resultat: Herrenvocstand: Obmann Dr. Isidor L. Brau n, Obmannstellvertreter Prof. M. R: S a l z in a n n uud Apotheker Robert Raditz. Schriftführer S. Sperli u g, Armenrat Hugo Heller und Richard Bruck, Kassiere: Leo Heller und I. Heber. Kontrollore: Dr. Max I a k o b s o h >l, Magister Felix Eisler und S. Kulka. künstlerischer Leiter Komponist Edmund Eysler. Dameuoorstand : Präsidentin Frau Dr. Helene Stein, Bizepräsidenrin Frau Hosrat Frerberger und>Fcan Dr. Sabine Brüll. Schriftführerin Frau Dr. Hermiue Lamberg und Frau Melanie Gelb Hans, Kaisierln Frau Gisela Weiß und Frau Regine May, Kolltrollorinnen Frau Martha R a d i tz und Frau Anna B o n d i. Wie». (Schwindler, die sich als russische Emigranten aus geben.) Vom Bureau der Israelitischen Allianz wird uns folgendes mitgeteilt: Wie seit Jahren haben sich nnt Beginn des Sommers wieder zigelinernde jüdische Wanderbettler. zumeist professionelle Schnorrer ans der Bukowina mit Wagen und Pferd ans die Reise von Ort zu Ort gemacht. Sie belästigen in Ungarn, Mähren und Schlesien zumeist die kleineren jüdischen Gemeinden/ indem sie vorspiegeln, vertriebene russische Inden zn sein sund von der Israelitischen Allianz in Wien die Weiterbefördernug nach überseeischen Ländern in Aussicht zu haben. Vom Knltnsvorstande in Mährisch- Onran wird der Israelitischen Allianz mitgeteilt, daß eine solche Gruppe ein gefälschtes Zeugnis des Knlcnsvorstandes und des Rabbiuates in Lemberg vorgezeigt habe. Die Israelitische Allianz hat bereits in den verflossenen Jahren von dieser Ausnützung der Leichtgläubigkeit der Kultusgemeindeii aus dem Lande gewarnt (den größeren Orten, wo sich Vertraneusmänner der Allianz befinden, vflegen die Leute wohlweislich in weitem Bogen ausznweichen). Für die wirklichen Opfer der russischen Verfolgung wird durch die Israelitische Allianz zn Wien °nnd ihre Filialen in Czernowitz, Brody, Lemberg und Krakau in ausreichendem Maße gesorgt und Uilterstützinigen für das Hilfswerk sind in keinem Falle an durchreisende Personen, die sich als russische Emgranren bezeichilen, ansznsolgen, sondern all die Israelitische Allianz zu Wien, II. Untere Donanstraße 33, oder an die F.lialen derselben in den genannten Orten zii senden. Wie». Samstag den 27. Juni fand im Tempel (Schiffschul) das Barmizwafest des jüngsten Sohnes Max des Herrn A. L ö w y statt. Der Konfirmand las selbst die „Parscha" vor und hielt in der Wohnung eine hebräische und deutsche Ansprache, welche von den zahlreich erschienenen Gästen mit allseirigem Lob bedacht wurde. Unter den Gästen bemerkte man die Rabbiner Fürst, B a u m g a r t e u und Scheu k, den Vorstand der „Adas-Jisroel" Dr. R e i n i n g e r und viele andere. Wie». Samstag den 4. d. M. hielt im Türkischen Tempel, anschließend an den Hanptgotlesdienst, der Rabbiner-Stellvertreter' O w a d j a eine kurze Ansprache, während Kantor I. L ö w i t bei offener Buudeslade für den verstorbenen Erzherzog und seine Gemahlin Gedenkgebete in weihevoller Weise vorgerragen hat. 33fien. (Kindergärtnerinnen - Befähigungsp r ü f n n g e n.) Bei deu Befähignngsprüfungen für Kindergärtnerinnen, welche an der mit dem Oeffentlichkeitsrechte ausgestatteten Bildungsanstalt für Kindergärtnerinnen, II. Schiffamrsgaffe 15, unter dem Vorsitze des f. k. Landesschnlinspektors Dr. Anton Becker am 1. Juli d. I. siattfanden, wurden sämtliche Kaildidarinnen der Anstalt, welche Heuer den 45. Jahresknrs vollendete, für befähigt erklärt. Einschreibungen für den nächsten Jahreskurs bis 20. Juli. Anfnahinsprüsungen im Septemberprogramme werden aus Verlangen zugesendet. Wie». Am 1. Juli l. I. wurde ein jüdischer Lehrerveteran zn Grabe getragen, welcher der Wiener jüdischen Lehrerschaft zur Ehre und Zierde gereichte. Es ist dies der im 74. Lebensjahre nach.jahrelangem Siechtum verstorbene Wiener Volksscbnl- und Religionslehrer Herr Heinrich Pasch kes. Jeder, der den Verstorbenen näher kannte, mußte ihil wegen seiner wahrhaft kindlichen Idealität, seines aufrichtigen Charakters und seiner migeheuchelten Frömmigkeit wegen lieben^und achten. Der Verstorbene bekleidete jahrzehntelang das Amt des Vertreters der mosaischen Konfession im ehemaligen Währinger Ortsschulrate. Auch Herr Paschkes wurde bei der berüchtigten iinJahrt 1905 erfolgten Einreihung der Wiener Lehrerschaft in den Perjvnalstatus präteriert und ging schon im Jahre 1906 in Pension. Die Währinger Jndenschaft wählte dann den allgemein hochgeachteten Mann in den Vorstand der Tempelgemeinde und er kam den daraus entspringenden Pflichten, so lange dies möglich wär/gewissenhaft nach.' Der 70. Geburtstag des Verstorbenen wurde seinerzeit im Währinger' Tempel gefeiert, bei welcher Gelegenheit ihm Herr Rabbiner Doktor, F e u ch t w a n g, der ihn näher kannte/ eine herzliche Festrede hielt '