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Die Wahrheit · 1914-07-10 · Heft 26 (10.7.1914) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 26 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seile 4 Die Wahrheit Nr. 26. Schule klerikalisiert und in ihrer Leistimgsfähigkeit heruntergebracht. Ist dies die richtige Erziehung des Volkes zur Achtung und Wertschätzung der Gesetze, wenn sie verschiedenen Volksangehörigen gegenüber verschieden angewendet werden., wenn öffentlich des Wahlschwindels beschuldigte Personen, sogar Beamte, nicht zur Rechenschaft gezogen werden? Wahrlich, gerade im völkerreichen Oesterreich, wo die Nationalitäten in Eifersucht und ständiger Angst gegen einander stehen, ist der richtige Boden für eine konstitutionelle Monarchie, sofern sie wahre F r ei h e i t und Gerechtigkeit zur Grundlage ihres Wirkens erhebt. Die noch immer geltenden prächtigen Staatsgrundgesetze Oesterreichs, welche einst die vollste Bewunderung des Auslandes erregten, müßten nur wirksam gemacht werden, um alle Freunde der Freiheit und des Fortschrittes im Reiche — und das sind die weitaus zahlreichsten breiten Volksschichten aller Zungen — zufrieden und glücklich zu machen. Wenn die verschiedenen in Oesterreich lebenden Nationen und Konfessionsgenossen kulturell und wirtschaftlich nicht schlechtergestellt sind, als in anderen Staaten, dann tanli keine ernste, den österreichischen Staat bedrohende Volksbewegung entstehen. Das beste Mittel gegen Anarchie ist aber die Anfrechterhaltnng der Majestät der Gesetze seitens aller berufenen Behörden. Hoffen wir, daß diese Wahrheit endlich auch in unserem geliebten Oesterreich durchringen werde! Bei der Gutmütigkeit und Friedlichkeit des Oesterreichers ist wahrlich keine andere Regiernngsmethode vonnöten, nm eine glückliche Aera einzuleiten. R. L. Karo» Hirsch-Stiftung. Ueber die Tätigkeit der Baron Hirsch-Stiftung zur Beförderung des Volksschnlunierrichtes im Königreiche Galizien und Lodomerien mit dem Großherzogtnme Krakau und im Herzogtume Bukowina im Schuljahre 1912/13 erstattet das Kuratorium nachstehenden Bericht: Volksschulen. Im abgelaufenen Schuljahre wurden in den 42 Schulen der Baron Hirsch-Stiftung von 151 Lehrpersonen, und zwar 125 Lehrpersonen für die Volksschulgegenstände und 26 Lehrpersonen für das Hebräische, in 134 Klassen, 5744 Schüler unterrichtet. Ueber die Verteilung der wirkenden Lehrkräfte, die Kosten der einzelnen Schulen, des Unterrichtes, der Bekleidung und Beköstigung enthält die am Schlüsse des Berichtes angeführte Tabelle nähere Daten. Von den 42 Süftungsschnlen besaßen folgende 32 das Oeffentlichkeitsrecht: Bohorodczany, Bojan, Bnrsztyn, Czernelica, Dabrowa, - Delatyn, Dnkla, Gliniany, Gologory, Gwozdziec, Jablonow, Jagielnica. Jezierna, Kolonien, Mielec, Mikulince, Monasterzyska, Obertyn, Ottynia, Pomorzany, Rawaruska. Rozwadow. Sädagora, Sassow, Solotwina. Tarnow, Tlnste. Tysmienica, Zablotow, Zabno, Zalozce, Zborow. Von den 40 in Galizien bestehenden Schulen waren 18 höheren und 22 niederen Typus, 30 Schulgebäude sind Eigentum der Stiftung. An 12 Orten wurden Schnlränme gemietet, wofür 10.909 K 83 h an Mietzins entrichtet wurden. Neben den Volksschulgegenständen wurde an 6 Schulen von 6 Lehrern in 15 Abteilungen an 175 Kinder Unterricht in Handfertigkeit (Slöjd) erteilt. Für die Anschaffung von Slöjdmaterialien und Werkzeugen wurden 875 L 58 h, an Remunerationen für die Erteilung-dieses Unterrichtes 830 K verausgabt. - . Auch der Pflege der Jngendspiele, dem Turnunterrichte und der Veranstaltung von Ausflügen haben mehrere Lehrkörper ihre vollste Aufmerksamkeit zngewendet. Es haben am Turnen 4041, an Ingen dspielen 4260 und an Ausflügen 2864 Schüler teilgenommen. Ein bisher an den Stiftnugsschnlen noch nicht eingeführtes Experiment wurde mit Erfolg in Jezierna versucht. Es betrifft die Heranziehung der Schulkinder zur Bienenzucht. Da in dem Schuljahre 1911/12 der dortige Lehrer Feldmann im Vereine mit den Schulkindern befriedigende Resultate erzielte, wurden während der Ferien 1913 zwei Lehrer zu dem Zwecke nach Jezierna gesendet, sich dort die erforderlichen Kenntnisse zu erwerben und diese an ihren Schulen zu verwerten. Nach Beendigung des Kurses wurde über die Imkerkonferenz ein Protokoll verfaßt und dem Kuratorium übersendet, welchem mit großer Befriedigung die ersprießliche Tätigkeit der Lehrer und Schüler entnommen werden konnte. Sollten die Erfolge auch an anderen Schulen konstatiert werden können, so würde das Kuratorium nicht ermangeln, die Bienenzüchtereien an möglichst vielen Schulen einznführen und dadurch den Kindern nicht bloß die Liebe zur Natur und für landwirtschaftliche Beschäftigung einznflößen, sondern auch eventuell den Eltern derselben materielle Vorteile zu verschaffen. Der Schulbesuch, sowie die durch den Unterricht erzielten Resultate können nach wie vor in den meisten Schulen als sehr befriedigend bezeichnet werden. Auch in diesem Jahre wurden nicht allein bei den von den Stiftnngsschnlinspektoren, sondern auch von mehreren Landesschulinspektoren und fast sämtlichen Bezirksschnlinspektoren vorgenommenen Visitationen beinahe durchgehends sehr gute, in einzelnen Fällen ausgezeichnete Resultate konstatiert. Mit ganz besonderer Befriedigung hat das Kuratorium den Bericht des k. k. Bezirksschnlinspektors Herrn Sznmski über seine im Juli 1913 vorgenominene Visitation der Stiftnngsschule in Tarnow zur Kenntnis genommen. Diesbezüglich kam dem Kuratorium folgende Note zu: „Ans dem Berichte des k. k. Bezirksschnlinspektors, von welchem im Monate Jnli Ü. I. die hierortige vierklaffige Baron Hirsch-Stiftiuigs-Volksschnle für Knaben visitiert wurde, hat der k. k. Bezirksschulrat mit Vergnügen wahrgenommen, daß sich diese Schule unter der fachwissenschaftlichen Leitung des Herrn Wilhelm Engländer derart günstig entwickelt,-daß sie als Muster für viele Privat- und öffentliche Schulen gelten kann. Der k. k. Bezirksschnlinspektor konstatierte eine musterhafte Ordnung im Schulgebäude und in den Lehrsälen, die Schüler kommen reinlich in die Schule, obschon sie der ärmsten Bevölkerungsklasse entstammen; die Disziplin ist sehr gut; die Frequenz ist in einigen Klassen sehr und sogar vollkommen regelmäßig; der Unterricht wird nach einer fortschrittlichen und richtigen Methode erteilt; der Lehrkörper arbeitet in dieser Schule sehr fleißig und gewissenhaft, übt die Schüler in der Erlangung der Selbständigkeit und berücksichtigt beim Unterrichte dessen formale Richtung. In Würdigung des ersprießlichen Wirkens des Herrn Schnlinspektors Engländer und des Lehrkörpers, hat der k. k. Bezirksschulrat in seiner Sitzung am 5. Jnli d. I. beschlossen, Herrn Engländer für die ausgezeichnete Leitung der Schule und dem Lehrkörper für dessen Arbeit um die Erziehung und Ausbildung der Schuljugend den Dank und die Anerkennung anszudrücken." Diese Anstalt wurde am 10. Feber 1913 übrigens auch von dem Schatzmeister des Kuratoriums, Herrn Dr. Edmund Kohn, besucht, welcher in der Lage war, gleich günstige Wahrnehmungen zu machen und dem Kuratorium über die außerordentlich ersprießlichen Erfolge des Werks Unterrichtes mit großer Genugtuung zu berichten. Seine unausgesetzte Fürsorge wendete das Kuratorium auch in diesem Schuljahre der Besserung der materiellen Lage der Lehrerschaft zu. Ungeachtet der im Regulativ fixierten perzeutmäßigen Beschränkung in den einzelnen Gehältskategorien wurde Lehrern vorzeitige Avancements bewilligt. Ungeachtet der schon durch die regnlativmäßigen Avancements, Qilinqnennalznlagen, Qnartiergelder und dgl. wesentlich steigenden Ausgaben hat das Kuratorium in seiner Plenarsitzung vom 21. Oktober 1912 .angesichts .der auch in

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