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Die Wahrheit · 1914-07-10 · Heft 26 (10.7.1914) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 26 (10.7.1914)
Date
1914-07-10
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Die jugendlichen Mörder waren Opfer dieses nationalen Bestialismus, in ihrem Wahne erblickten sie im österreichischen Thronfolger den Bedrücker ihres Volkstums, der in ihren Augen als vogelfrei galt und ließet! sich, anfgestachelt von ruchlosen Verführern, zu einem scheußlichen Verbrechen verleiten, das so viel stolze Hoffnungen zerstörte. In unserem Schmerze über die greuliche Tat dürfen wir jedoch nicht ungerecht sein und . alles, was nachher geschehen ist gutheißen. Unleugbar waren auch die nach dem Morde stattgefundenen Ausschreitungen gegen alle Serben in Serajewo, welche die Proklamierung des Standrechtes daselbst herbeiführten, von bestialischem Rassenhasse diktiert, und es ist voll anznerkennen, daß die Landesregierung in Bosnien energisch gegen dieselben einschritt. Hätte sie-ihre Energie früher entfaltet, dann wäre uns vielleicht das große Leid ganz erspart worden. Interessant ist nun die Tatsache, daß gerade jene „Regierungsparteien", welche immer gegen die Serben gehetzt haben und durch jahrelange Gutheißung der serbenfeindlichen österreichischen Politik den katastrophalen Niedergang der österreichischen Industrie' und des Handels, die Verteuerung aller Lebensbedürfnisse und dadurch eine fürchterliche Notlage herbeiführten, auch gegenwärtig noch fortfahren, die Volkswut gegen die Serben anzufachen. Wohl ist es erwiesen, daß die wahnsinnige Verschwörung der Mörder ihre Wiege in Serbien hat, aber deswegen bleiben die Plünderungen und Verwüstungen in Serajewo gegen Angehörige des serbischen Volkes dennoch Akte der niedrigsten Ungerechtigkeit und Roheit. Den Christlichsozialen und Deutfchnationalen mag schon vor dem Volksurteil bange sein und sie suchen jetzt durch Anfachung des Rassenhasses das Rechtsbewußtsein des Volkes abzustumpfen. Alle urteilsfähigen und noch nicht verhetzten Staatsbürger werden aber erkennen, daß gerade solche politische Parteien, die bis in die Gegenwart ausschließlich von der Rassen- und Nationalitätenhetze lebten, nicht das Recht besitzen, sich nun als strenge Richter über Verbrecher aus nationalen Gründen aufzuwerfen. Wer in M i ß a ch t u n g der geltenden Gesetze fortwährend gegen andere Nationen und Konfessionen gehetzt hat, wer alles Mögliche getan hat, um die konfessionelle und nationale Bestie im Volk zu erwecken, dem steht es schleckt an, scheinheilig anfzufchreien, sobald die gefährlichen Geister, die er erweckte, sich unerwünscht äußern. Den Serbenhaß gegen Oesterreich haben erst die vielen selbstsüchtigen Agrarier im christlichsozialen und deutschnanonalen Lager entfesselt. Die genannten „Regierungsparteien" haben in letzter Zeit aber auch alles getan, was das Rechtsbewußtsein und die Achtung vor den bestehenden Gesetzen im Volk erschüttern muß. Der deutschnatiouale „verfassungstreue" Ministerpräsident Graf Stürgkh regiert Oesterreich gegenwärtig mit Hilfe des §14 gegen die Staatsgrundgesetze. Der deutschnationale Justizminister und ehemalige Sänger des 1848 er Revolutionsliedes „An die Laterne, Hochs!" Herr von Hochenburger, ändert ohne N o t mittelst des § 14 bürgerliche Gesetze z n m Nachteile der wirtschaftlich Schwachen, und der Präsident des Reichsgerichtes (!), Herr von Ruber, dankt ihm h i e f ü r (!) in einem beistimmenden Schreiben. Beamte und Lehrerschaft werden wie noch nie entrechtet und die

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