Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 25 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3063725-3063750--09119-3076343- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 6. Die Wahrheit. 4t r. 25. nämlich vor mehreren Jahren Rußland, als es in einen Krieg verwickelt war, Beistand geleistet und dadurch zum Siege verholfen. Der Dank aber, den Rumänien dafür erhielt, bestand darin, daß ihm ein Stuck Land (Besarabien) von Rußland entrissen wurde. Was Wunder also, daß Rumänien diesen herben Verlust, diese krasse Undankbarkeit, lange nicht verschmerzen konnte. Nichtsdestoweniger waren sie Beide — Rußland und Rumänien — bezüglich des Jude uhasses und der Judenbedrückung eines Sinnes, eines Geistes und eines Herzens. Der russische Panslavismns. der von der Gründung eines großen S l a v e n r e i ch e s, ja sogar von einer Weltherrschaft träumt, dem Absolutismus huldigt und jeden Liberalismus gern aus der Welt bannen möchte, ist der unversöhnlichste Feind der Juden, weil sie im Sinne ihrer heiligen Religion für Freiheit und G-rechtigkeit schwärmen. Nun schuf das autokratische Rußland den Balkanbund, um mit Hilfe desselben sein Ziel erreichen, den „Dreibund", den vor mehreren Dezennien drei konstitutionelle Monarchen geschlossen, schwächen und dem Liberalismus den Garaus machen zn können. Dieser Plan aber wurde bald vereitelt, denn die Folgen des Balkankrieges waren innere Zerklüftung und Zerfahrenheit, daher selbstverständlich der Balkanbund zu sein ausgehört hat. Mit dem Schwinden dieses Bundes wurde auch der mächtige Einfluß, den der allgewaltige Herrscher Rußlands ans die Balkauländer ansgeübt hatte, gewaltig erschüttert, während es dem klugen scharfsichtigen rumänischen König, dem größten Diplomaten des 20. Jahrhunderts, dem modernen Bileam, gelang, auf dem Balkan eine hervorragende Rolle zn spielen. Als nun der russische Balak sah, daß seine Schöpfung, der Balkanbund, bald zertrümmert wurde, und es seinem Gegner, dem rumänischen König, ohne Schwertstreich gelungen sei solch glänzende Erfolge zu erzielen, daß Rumänien jetzt die Vormacht auf dem Balkan geworden ist, faßte er rasch den Entschluß, sich mit dem Feinde zn versöhnen, ihn für sich, resp. für seine Zwecke zn gewinnen und — was die Hauptsache sei — vom Dreibünde, dem er stets sehr gewogen war, abtrünnig zu machen. Er verfügte sich daher selbst in höchst eigener Person in Begleitung seines Gefolges znm König von Rumänien, wo ihm ein überaus herzlicher und höchst ehrenvoller Empfang bereitet wurde. Was diese hohen Herren bei dieser Gelegenheit besprochen und verhandelt haben, ist wohl unbekannt. So viel aber ist gewiß, daß der kluge vorsichtige Bileam nicht wie jener der biblischen Zeit die Juden gesegnet hat, weil er sich sonst die Gunst und Liebe seines hohen Gastes, wie des rumänischen Volkes verscherzt haben würde. Man sieht also, daß alles was war, sich im Lause der Zeiten öfters wiederholt. Deshalb aber brauchen wir durchaus nicht zu verzagen, denn die göttliche Verheißung Weaf gam sos „Auch dann, wenn Israel in dem Lande seiner Feinde wohnen wird, werde ich es nicht seinem Schicksal überlassen, es nicht verschmähen und der Vernichtung preisgeben lassen nsw., denn ich bin und bleibe der Ewige sein Gott" (3. M. 26. 44) ist seit Jahrtausenden unzählige Male in Erfüllung gegangen. _ ‘ Fr. Generalversammlung des indischen Uationalfonds. Am 9. Juni d. I. fand in den Räumen des Zionistischen Zentralbnreaus iu Berlin die diesjährige ordentliche Generalversammlung des Jüdischen Nationalfonds statt. Es waren folgende Herren anwesend: Vorsitzender Justizrat Dr. B o d e n h e i m e r, Doktor A. F r i e d m a n n, Dr. A. H a n t k e, Dr. Viktor Jacobson, Dr. Alfred Klee. Leo Motzkin, I. Naiditsch, Dr. E. W. Tschlenow, Prof. Dr. O. W a r b u r g, ferner die Sekretäre Herren N. Groß und Ing. K a p l a n s k y. Eine Anzahl von Mitgliedern waren an der Teilnahme verhindert und bevollmächtigten anwesende Mitglieder des Nationalfonds mit ihrer Vertretung. Als Gäste waren ferner anwesend die Herren Dr. Schmarja Lew i n und Dr. Franz Oppenheimer. Der Generalversammlung wurde ein schriftlicher Bericht des Hauptbnreans unterbreitet, sowie die Bilanz des Jüdischen Nntionalfond und der Rechnungsabschluß für das Jahr 1913. Die Bilanz wurde von der Generalversammlung nach eingehender Aussprache genehmigt. G e u o s s e n s ch a f t s s o n d s. Im Anschluß an den Bericht des Hanptbureaus verweist der Vorsitzende ans den Beschluß der letzten Gelteralversnmmlung, eine besondere Aktion für den Genossenschaftssonds einzuleiten. Diese Aktion sei zunächst ans dem Grunde notwendig geworden, um der Siedlungsgeselli'chaft Erez- Israel die Ausgestaltung des genossenichaftlichen Betriebes in Merhawja zu ermöglichen. Außerdem solle die Arbeitergenossenschaft Dagania, die der Nationalsonds von der P. L. D. C. znrücknehmen und provisorisch verwalten mußte, von der Siedlnngsgesellschaft übernommen werden. Schließlich habe der letzte Kongreß in Wien dem Aktionskomitee einen Beschluß seiner Palästina- Kommission zur Durchführung überwiesen, wonach der Genossenschaftssonds derartig erweitert werden soll, daß er außer den Siedlnngsgenossenschaften auch die Förderung anderer landwirtschaftlicher Arbeitergenossenschaften in sein Arbeitsprogramm anfttehmeu köntte. Es entspricht auch dem Interesse des I. N. F. ans die Heranbildung eines geeigneten Pächterelements hinznarbeiten, wozndie Arbeitergenossenschaften eine Möglichkeit bieten. Im Sinne dieser Beschlüsse wurde im Frühjahr dieses Jähres die Propaganda für den Genossenschaftsfonds wieder aufgeltommen nnb zunächst in Amerika durch eine Reisetournee des Herrn Dr. Oppenheimer eingeleitet. Herr Dr. O p p e n h e i m e r erstattete hierauf zunächst einen kurzen Bericht über den Stand der Genossenschaft in Merhawjah. Er verweist ans den schriftlich vorliegenden Bericht des Anfsichtsrates an die Gesellschaftsversammlnng und auf seine in englischer nnd jiddischer Sprache erschienene Schrift „Merhawjah", in der er die Eindrücke seiner letzten Reise nach Palästina im Jahre 1913 eingehend geschildert hat, müsse mit allem Nachdruck betonen, daß die bisherige in Merhawjah geleistete Arbeit nichts anderes als Pionierarbeit gewesen sei. Erst jetzt wurden die Bauten und die Wasserleitung vollendet nnd damit die Vorbedingung für einen normalen Gesundheitszustand von Menschen und Tieren geschaffen. Es müsse überhaupt beachtet werden, daß zumindest die ersten 3 Jahre jeder Ackerbauwirtschaft in Palästina eine Vorbereitungszeit darstellen, da der Boden durch Dung nnd Fruchtwechsel erst in anbaufähigen Zustand gebracht werden müsse. Diese Tatsache haben die palästinensischen Fachleute, die er im Jahre 1910 bei der Aufstellung seiner Rentabilitätsberechnung und den erforderlicheil Investitionen zn Rate gezogen hatte, vollständig übersehen. Herr Dr. Oppenheimer berichtete weiter über den Verlauf seiner Propagandareise in Amerika, die ihn zu angesehenen einflußreichen Persönlichkeiten in wertvolle Beziehungen gebracht hat. Nunmehr kann das Hanptbureau des Nationalsonds und alle Freunde der genossenschaftlichen Sache die Aktion in Amerika mit guten Allssichten ans Erfolg fortsetzen. Bau m spende. Der Vorsitzende verweist aus den erfreulichen Fortschritt der Baumspende, die nun bereits mehr als 90.000 Bäume aufgebracht habe. Die Wichtigkeit dieser Institution für' die Landeskultur Palästinas und für die Heranziehung eines Standes von geübten jüdischen Landarbeitern, sowie die Ausgestaltung der Betriebe der Baumspende verlangen aber eine verstärkte Propaganda für diesen Zweig des Jüdischen Nationalfonds. Das Hanptbureau habe anläßlich der bevorstehenden zehnten Wiederkehr des Todestages von Theodor Herzl die Parole ausgegeben: Zum 10. Todestage Herzl's spende jeder Jude und Zionist mindestens einen Baum für den Herzl-Wald.