Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 25 (3.7.1914)
- Date
- 1914-07-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die' Wahrheit Nr. 25. Es sei zu erwarten, daß alle Freunde des Nationalfonds dazu beitragen werden, den 20. Tamus zu einem würdigen Gedenktage für Theodor H e r z l zu gestalten und für die Bepflanzung und Aufforstung Palästinas mehr Mittel als bis nun zur Verfügung zu stellen. Bezüglich der A r b e i l e r h e i m st ä t t e n berichtete der Vorsitzende, daß in den letzte» Wochen wieder eine starke Einwanderung jemenitischer Juden eingesetzt habe. Es spreche eine große Wahrscheinlichkeit dafür, daß diese Einwanderung den ganzen Sommer hindurch anhalten werde. Alle Warnungen von einer überstürzten Einwanderung bleiben angesichts der trostlosen Lage der Juden in Jemen wirkunglos. Für die erste Unterbringung der neuen Ankömmlinge, den Transport zu den Arbeitsstätten, für Anschaffung von Zelten und andere Fürsorgezwecke bittet das Palästinaamt um Bewilligung eines Betrages von Frcs. 3000.—. Diese fortdauernde Einwanderung zwinge den Nationalfonds zu einer Vermehrung der Arbeiterhäuser, deren Errichtung in diesem Jahre in Attssicht genommen wurde. Der Vorsitzende berichtet über die Maßnahmen der Nationalfonds-Verwaltnng auf diesem Gebiete. Die seit Einführung der Arbeiterhausipende für diesen Zwecke eiugegangenen Summe beträgt insgesamt ca. Frcs. 364.000.—. Davon sind aber voll eingezahlte Hänserspenden nur im Betrage von Frcs. 219.000.— ein gelaufen. Der Restbetrag von Frcs. 144.000.— setzte sich aus Teilzahlungen zusammen, deren rasche Kompletiernng sehr wünschenswert wäre. Aus den Mitteln des Arbeiterheimstätten-Fonds wurden im Jahre 1913 ca. Frcs. 105.000.— verausgabt. Für das laufende Jahr sind bereits 100 Arbeiterfamilienhäuser bewilligt worden. Wenn es möglich ist, einen einheitlichen billigen Hausban- Typ einzuführen, der es ermöglicht, um den Betrag von Frcs. 1000.— ein wohnliches Familienhans sowohl für jemenitische als für aschkeuasische Arbeiter zu errichten, so werden wir an diesem Typus als Norm Festhalten. Da bis jetzt die Kosten regelmäßig etwas höher waren, schlägt das Direktorium der Generalversammlung vor, neben der bestehenden Hausspende von Frcs. 1000.— auch eine solche von Frcs. 2000.— zu schaffen, die es ermöglicht, Arbeiter- Häuser auch für größere Familien und an wichtigen Orten zu errichten, wo die Beschaffung des Materials und die Transportverhältnisse eine Verteuerung des Baues herbeiführen. Die Generalversammlung beschließt hierauf auf Antrag des Herrn Prof. Warb n r g, zur provisorischen Unterbringung, Anschaffung von Zelten und Erbauung von Baracken für die jetzt eingewanderten jeminitischen Flüchtlinge Frcs. 3000.— zu bewilligen. Ferner wurde beschlossen, eine Arbeiterhaus-Spende in der Höhe von Frcs. 2000.— zur Errichtung von Arbeiterhäusern für größere Familien einzuführen: Es sollen propagandistische Maßnahmen getroffen werden, um die Eingänge für den Arbeiter heimstättenfonds neuerdings wesentlich zu stärken. Land kauf. Die Generalversammlung beschließt, den Ankauf eines größeren Areals au einem wichtigen Punkte Palästinas vorzunehmen. Das Synagogen-Komitee in Tel Awiw hat um die Ueberlassung eines Bauplatzes im Werte von etwa 50.000.— Francs für die Synagoge der jüdischen Gemeinde Jaffas gebeten. Herr Dr. Tschlenow ist der Ansicht, die Nationalfonds- Verwaltnng solle ihren Standpunkt revidieren, daß der Nationalfonds grundsätzlich den Baugrund für alle öffentlichen Gebäude stellt. Das würde unsere Mittel mit der wachsenden Zahl der. Schulen, Krankenhäuser, Synagogen allzustark in Anspruch nehmen und eine entsprechende Betätigung des Nationalfonds auf landwirtschaftlichem Gebiete behindern. Er beantragt dem Synagogen-Komitee unter Garantie des Waad von Tel-Awiw zwecks Erwerbung des Bauplatzes ein in zehn Jahren rückzahlbares Darlehen zu gewähren. Der Antrag wurde angenommen. Seite 7. Hä use rban-Kr edi t in Haifa. Der Vorsitzende berichte!, daß eine Gruppe von 30 Parzellenbesitzern in Haifa an den Nationalfonds mit dem Ansuchen herangetreten ist, ihr einen Baukredit von insgesamt Frcs. 150.000.— zu gewähren. Das Direktorium habe den Parzelleneigentümern vorgeschlageu, die Bauplätze dem Nationalfonds zum Schätzungswerte abzutreteu, der sie ihnen damr in Erbpacht geben und den noch erforderlichen Nest des Baukredites bewilligen würde. Die Kreditwerber haben jedoch darauf bestanden, Eigentümer der Bauplätze zu bleiben und die Gewährung des Darlehens unter denselben Bedingungen wie bei Tel- Awiw verlangt. Aus diesem Grunde habe das Hanptburean die Verhandlungen mit den Kreditsucheru nicht weiter fortgesetzt. Die Generalversammlnng hat nach eingehender Debatte, an der sich die Herren Justizrat Dr. Bodenheimer. Doktor Oppenheimer. Dr. Hantle, Dr. Jacobson, Dr. Lewin, Ing. Kaplansky, Dr. Tschlenow, Motzkill, Dr. Klee und I. L. Goldberg beteiligten, beschlossen, den Kreditwerbern in Haifa folgenden Vorschlag zu machen: Der Nationalfonds gewährt den Baukredit unter der Bedingung, daß die Bauplätze zum gegenwärtigen Schätzungswerte in Eigentum des Nationalfonds übergehen. Die Grundstücke werden den Kreditwerbern in Erbpacht gegeben, die Eigentümer der von ihnen erbauten Häuser auf Grundlage des Erbbaurechtes bleiben. Der den Bodenwert übersteigende Bankredit ist in 18 Jahren zurückznzahlen und nur mit 3% zu verzinsen. Der jährliche Pachtzins für den Baugrund soll bis zur Vollendung der Pachtdauer der ersten 49 Jahre gleichfalls 3°/0 des Bodenwertes betragen. Für die ersten 5 Jahre werden die Erbpächter bezw. Kreditnehmer von der Zahlung des Pachtzinses und der Darlehuszinsen befreit. Die weitere Verhandlung über diesen Gegenstand nach den von der Generalversammlnng vorgesehenen Richtlinien soll dem Direktorium überlassen werden. Salomo« Snlzers Dndoim! Der interessante Artikel des Doktor B. in Ihrem geschützten Blatte: „Das religiöse Lied als Mittel zur Förderung der religiösen Erziehung der Jugend", erlaube mir dahin zu ergänzen, daß weiland Professor Oberkautor Salomon Sulzer schon vor einem halben Jahrhundert seine I) n d o i m (Veilche n), Gesänge für die israelitische Schuljugend heransgab. Die deutsche Uebersetznng war von niemand Geringeren, als vom Dichter M o s e n t h a l. sowohl in Wien als auch in verschiedenen Jsraeliten-Gemeinden wurden die D rr d o i m stark benützt, sowohl in den Neligionsschulen als auch in P r i v a t k r e i s e n! Die Dndoim bestanden in zwei Teilen, der erste Teil enthielt: Freitag-Abendgesänge, Sabbath, Kednscha, Aus- und Einheben der Thora, NenmondDverkündigung und zum Schluffe die Regina, die Tonzeichen für die Thora Vorlesung! Der^zweite Teil: Trauermelodien für den 9. Ab (Zerstörung Jerusalems), Gesänge der 3 W a ll fahr tf este und für Neuj ah r und V e r s ö h n n n g s t a g. Die Dndoim waren dreistimmig für Sopran, Alt und Baß. Mosenthal dichtete in herrlicher Weise die Uebersetznng. Für den bekannten Debo daudi in F-Dnr, in den Dndoim in G-Dnr gegeben, lautete die Uebersetznng : Trauter Freund! Die Braut erscheint Grüße laut die süße Braut! Ebenso genial war die Uebersetznng des Sabbath- Psalmes Tand Chadot. Sulzers deutsche Schullieder: I. Nur einen Gott verehret mein Herz, nur einen kann ich glauben und diesen soll in Freud und Schmerz, mir Nichts auf Erden rauben! Dieser Chor war einstimmig (nnisonv).