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Die Wahrheit · 1914-06-19 · Heft 23 (19.6.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 23 (19.6.1914)
Date
1914-06-19
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die^ Wahrheit Nr. 23. von ihnen aber, Eldad und Medad, ans denen auch der Geist ruhete, da sie mit ausgezeichnet waren, sind nicht hinaus, gegangen vor das Gezelt und weissagten weiter im Lager- Da eilte ein Knabe und berichtete dem Moses: „Eldad und Medad weissagen im Lager!" Als der treue Diener Moses, Josuas Sohn Nun, dies hörte, warf er seinem Meister zu: „Mein Herr Moses! verwehre es ihnen, wie dürfen die es wagen, im Lager, wo ein Moses wirkt, sich als Propheten, Prediger und Lehrer zu girieren. Mache sie unschädlich und zwar durch ein ganz einfaches Mittel. Uebertrage ihnen die Verwaltung der öffentlichen Angelegenheiten der Gemeinde, mache sie zu Gemeindevorstehern und es wird ihnen bald die Luft vergehen, auch die Rolle der Propheten, Redner und Lehrer zu spielen." — „Bist Du etwa für mich eifersüchtig?" entgegnete ihm Moses. „Ich wünsche ja nichts sehnlicher, als daß das ganze Volk des Ewigen lauter Propheten, lauter Männer der Weisheit würden, denn die allgemeine Kennlnis der Thora, der religiösen Wissenschaft allein ist es, die Israel stets unbesiegbare Lebenskraft verleihen kann". Zeigt diese Antwort nicht von größter Bescheidenheit und Selbstverleugnung? Nichtsdestoweniger wurde er unausgesetzt von Neidern und Mißgünstigen behelligt, belästigt und verleumdet. Ja selbst seine eigenen Geschwister, Mirjam und Aharon, redeten nachteilig von ihm, wegen der Frau aus Knsch, die er geheiratet, und sagten bei dieser Gelegenheit: „Hai denn der Ewige bloß mit Moses gesprochen, hat er nicht vielmehr auch mit uns gesprochen?" Und wie benahm sich da Moses? Kein Wort des Unwillens entfuhr seinen Lippen, denn „er war der bescheidenste und geduldigste Mann, den es je gegeben". Noch mehr, als Mirjam von Gott hart bestraft wurde, setzte er, Moses, sich für sie ein und erstehte ihre baldige Genesung. „Moses flehte zum Ewigen: „Ach, Gott! laß sie doch wieder genesen!" Obwohl die Gegner Moses gesehen haben, daß die Verleumdung niemals unbestraft bleibt, haben sie sich dennoch nicht abschrecken lassen, ihm durch Ränke, Schlauheit und Jntriguen Verlegenheiten zu bereiten. Moses erhielt nämlich folgenden göttlichen Auftrag: „Du kannst Männer entsenden, das Land Kanaan, welches ich den Kindern Israels eingeben werde, erkunden; aus jedem Stamme könnet ihr einen abschicken, und zwar einen angesehenen M a u n unter ihnen." Moses befolgte diesen Auftrag, sendete sie von. der Wüste Parau aus auf Befehl des Ewigen, lauter Männer, Roscke bene Jisroel, welche Vorsteher der Kinder Israels waren. Vor ihrem Abgänge sagte er zu ihnen: Euere Aufgabe fei das Land zu besichtigen, euch zu überzeugen. ob es ein gefnndes, fruchtbares Land sei und erkühnet euch Proben von den Früchten desselben mitzubringen, was zweifellos auf das Gemüt des Volkes einen günstigen Eindruck machen würde! Allein unter den zwölf Männern waren zehn Gegner des Oberhauptes der Gemeinde Israels, des Präsidenten Moses, die von vornherein die Absicht hatten, ihm bei ihrer Rückkunft Kränkungen zu bereiten, damit er sich endlich gezwungen sehe zu demissionieren und sie dann eitlen Mann aus ihrer Partei — die mit der Amtsführung wie mit den Einrichtungen und Neformen Moses sich nicht befreunden konnte — znm Präsidenten sich wählen könnten, der sie ins alte Ghetto Mizrajim, wo sie sich so wohl befanden, führen würde. So zogen nun die gewählten zwölf Männer hinauf, erkundeten das Land und als sie in das Tal Eschkol kamen, schnitten sie — es war gerade um die Zeit der ersten Weintrauben — eine Rebe ab nebst einer Weintraube, ließen sie von zweien auf einer Stange tragen und nahmen auch etwas von den Granatäpfeln und Feigen mit. Und als sie nach vierzig Tagen zurückkamen, erstatteten sie ihren Bericht in folgender Weise: „Wir sind in das Land gekommen, dahin Du uns sandtest, ach, essist ein äußerst fruchtbares Land, hier sind Proben feiner herrlichen Früchte, jedoch das Volk, welches darin wohnt, ist 111 ächti g, die Städte sind sehr groß und stark befestigt, auch die Nachkommen des Riesen Anok haben wir daselbst angetroffen" ufw. Kaleb beruhigte wohl das Volk nnd sprach: „Wir können dennoch hinanfziehen nnd es in Besitz nehmen,, denn wir werden uns dessen schon bemächtigen." Die zehn Gegner Moses aber,' die unter den Gesandten waren, sprachen: „Wir können es unmöglich wagen, gegen dieses Volk in Kampf zu ziehen^ denn es ist stärker als wir." Um diese ihre Behauptung begründen zu können, nahmen sie zur Lüge ihre Zuflucht, indem sie sagten: „Das Land, welches wir durchzogen sind^ es zu erkunden, ist ein höchst nngesnndes, ein seine Bewohner verzehrendes Land" ufw. Infolge dieser falschen Nachrichten wurde das ganze- Volk furchtbar aufgeregt, es entstand eine förmliche Revolution, alles klagte, jammerte und weinte, alle murrten über Moses und Aharon nnd überhäuften sie mit den bittersten Vorwürfen. Und man hörte, wie einer zum andern sprach r „Wählen wir uns selber ein Oberhaupt, einen Führer ans unserer Partei, einen Mann nach unserem Geschmacke, der uns nach dem schönen, herrlichen Mizrajim, wo wir so glücklich nnd zufrieden in unserem Ghetto (Gosen) lebten, zurückführe. Bei dieser Gelegenheit aber erscheint uns Moses erst recht in seiner wahren Größe, in seinem herrlichen Strahlen-' glanze, indem er hier wieder entsprechende Proben seiner ungewöhnlichen Herzensgüte, Versöhnlichkeit und Bescheidenheit lieferte. Der Allmächtige wollte in seinem Zorn die frechen Sünder alle hart bestrafen, da fetzte sich Moses für sie warm ein und betete solange, bis er das gnadenreiche Wort solachti kidworeclio: „Ich habe verziehen, wie Du es verlangtest", vernahm. Bei der Empörung Korachs jedoch erschien auch der' sanfte, hochherzige und großmütige Moses höchst erbittert und unversöhnlich. Korach, ein reich begüterter intelligenter Mann' von unbezähmbarem Ehrgeize, wollte das Brüderpaar Moses und Aharon stürzen und die Herrschaft an sich reißen. Das Mittel, das er hiezu verwendete, war — die lügenhafte Verleumdung. Er und feine Gesellschaft, riefen MosesUnd- Aharon zu: „Ihr maßet Euch zu viel an, indem Ihr allesallein absorbieret, der Eine (Moses) sich als Regent, der Andere (Aharon) als Hohepriester gebärdet. Ihr seid ja nicht etwas Höheres, als die anderen im Volke, bei uns existiert kein Kastenwesen, da gibt es keinen Klassen- und Rassenunterschied, denn wir sind alle ohne Ausnahme gleichwertige Menschen. Die ganze Gemeinde besteht aus lauter Heiligen, in ihnen lebt Gott und wie dürft Ihr es wagen. Euch über die Gemeinde des Ewigen zu erheben und der Herrschaft anzumaßen?" Als Moses diesen ganz unbegründeten bitteren Vorwurf hörte, fiel er ans sein Angesicht, d. h. er betete zu Gott. Dann sprach er zu Korach nnd zu seinem ganzen Anhänger „Morgen wird der entscheiden, wer ihm angehört, nnd wer so heilig sei, daß er ihn vor sich kommen lasse; nur den wird er vor sich kommen lassen, den er sich erwählen wird." Um diese Angelegenheit doch noch friedlich erledigen zu können, machte Moses den Versuch, mit den Haupträdelsführern Datau und Abiram zu verhandeln. Er schickte hin nnd ließ, sie rufen. Diese frechen Verleumder und Denunzianten aber ließen ihm sagen: „Wir kommen nicht hinauf; nicht genug,, daß Du uns aus einem Lande, wo Milch und Honig fließt, hinansgefnhrt hast, uns in der Wüste umkommen zu lassen, daß Du noch gar Dir über uns Herrschaft anmaßen willst? In ein Land, wo Milch und Honig fließt, hast Du uns wohl nicht gebracht, ebensowenig uns Aecker und Weinberge zum Besitze gegeben, willst diesen Leuten die Angen ausstechen, sie täuschen, blenden, hinters Licht führen? Du bist ein Usurpator, Dich hat Gott nicht gesandt." Diese schändlichen Redensarten jener unverschämten Lotterbuben konnte selbst Moses, der bescheidenste, sanftmütigste und geduldigste Mensch, den es je gegeben, nicht mehr ertragen und erflehte daher von Gott ihren Untergang. Mau sieht also, daß der Neid die Mutter aller Lasten ist. daß dem Neider kein Mittel zu schlecht sei, so es gilt, demjenigen, den er verleumdet, zu vernichten; nnd wen verleumdet, beschmutzt und befleckt die gemeine Lästerzunge, etwa

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