Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 23 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Die Wahrheit Seite 7 Nr. 23. dem, was bisher geschaffen-ist und .noch geschaffen wird, ist nun eine neue /Unternehmung .getreten, . die bestimmt ist, den Männern, die unter großen materiellen, und vielleicht noch größeren ideellen Opfern , in Palästina eine, neue hebräische Kultur schaffen, das geistige Rüstzeug' zu bieten, das sie zu ihrer kulturellen Arbeit brauchen. Dieses geistige Arsenal soll in einer großen allgemeinivissenschaftlichen und zugleich hebräisch-jüdischen Bibliothek bestehen, die später einmal, wenn in Jerusalem die Hebräische Universilät ins Leben getreten sein wird, die Universitäts- Bibliothek sein soll. Diese große Bibliothek in Jerusalem, deren Gründung jetzt beschlossen worden ist> ist denn auch in Anbetracht ihrer hohen Bedeutung sofort in Angriff genommen worden. Sie wird in Berlin unter der Leitung eines bekannten Fachmannes znsammengestellt. Der große Enthusiasmus unserer Jugend und der /Zauberklang der Namen Jerusalem und Zion lassen hoffen, Idaß sich diese Bibliothek aus freiwilligen Spenden, zusammen- ^setzen wird. Schon der Anfang dieser Arbeit für die Bibliothek in Jerusalem hat bewiesen, daß diese Hoffnung berechtigt ist und der Zweifler wird überrascht sein, zu hören, daß in der Tat nicht nur viele Bücher, sondern schon ganze Privatbibliotheken gespendet wurden und daß große Zuwendungen für die Zukunft in Aussicht stehen, da jüdische Gelehrte, die fetzt ihre Bibliothek für wissenschaftliche Arbeiten noch, brauchen, sie testamentarisch der Universitäts-Bibliothek in Jerusalem zuzuwenden gedenken. Daß eine solche Bibliothek alles umfassen muß, was je von Inden und für Juden geschrieben und gedruckt wurde, ist selbstverständlich. Es wird später kein hebräischer Druck fehlen dürfen, aber auch kein Druck in einer anderen Sprache, der Inden und Judentum. Bibel und Talmud betrifft, was das jüdische Volk und einzelne Inden gedacht und getan, gedichtet und empfunden haben, wird in dieser einzigartigen Bibliothek an der heiligsten Stelle der Welt gesammelt und zum Gebrauch geordnet werden. Aber die hebräische Bibliothek wird auch eine gut organisierte, allgemein-wissenschaftliche Bibliothek sein müssen. Jedes Volk mit seiner Wissenschaft und seiner Dichtung soll darin vertreten sein. Nach dieser Richtung sind Maß und Vorbild die großen Bibliotheken in Berlin und Paris, in London und Washington. Darum sind auch gleich unter den ersten Bänden für die Jerusalemer Universitäts-Bibliothek ebenso Zionisten wie Nichkzivnisteu, ebenso Inden wie Nichtfudeu, vertreten. Denn, wer in Jerusalem wirkliche, echte Kultur verbreiten will, muß die ganze Fülle derartigen Wissens in der Universitäts-Bibliothek anfzuspeichern helfen. Sie wird den Lehrern an den Gymnasien und den Realschulen, den Lehrer- und Lehrerinnen-Seminaren, an den Knnstgewerbeschulen und Erziehungsanstalten aller Art, aber auch jedem Privalgelehrten das langeutbehrte geistige Material zu geben haben, nach dem sich alle geistigen Arbeiter in Palästina lange schon sehnen. Nach allen modernen Grundsätzen werden Fachleute in Berlin die Bibliothek ordnen und katalogisieren und znm Gebrauch fertig machen, während in Jerusalem der Bau auf fachmännischer Grundlage vorbereitet und ausgeführl wird. Jedes Buch erhält für alle Zeiten ein Exlibris mit dem Namen des Spenders und verewigt ihn an den heiligen Stätten von Jerusalem. Außerdem wird im Hauptkatalog bei jedem Werk der Name des Spenders vorgemerkt werden. Das Verständnis für die Aufgaben der Bibliothek in Jerusalem soll alle jüdischen Schriftsteller, Verleger und Drucker veranlassen, der Bibliothek von jedem Druckwerk ein Ehrenpsticht-Exemplar zu übersenden. Jeder junge Doktor wird es als hohe Auszeichnung betrachten dürfen, daß die Jerusalemer Universitäts-Bibliothek seine Büßerstation ausbewahren wird. Keine Druckschrift und keine Ausgabe ist so nebensächlich, daß sie für den Wissenschaftler oder den Forscher nicht einmal das willkommene Material erbringen kann. Schon jetzt ist es notwendig. Bücher zu spenden, denn, tvenn es erreicht werden soll, daß in längstens zwei Jahren die Bibliothek ihre segensreiche Tätigkeit . beginnt, so ist es allerhöchste Zeit, daß die Arbeit in energischer Weise in Angriff genommen und fortgeführt wird und daß schon jetzt alle Freunde der Gründung einer hebräischen Universitäts- Bibliothek Bücher und Drucksachen aller Art, jüdische und allgemeine, an die Sammelstelle einschicken. Alle Sendungen sind zu richten an die Hauptsammelstelle zu Händen des Kgl. Bibliothekars, Herrn. Dr. Heinrich Loewe, Berlin N. W. 52, Flemiugstraße 12. Das Gemeinde-UorKeheramt in früheren Zeiten. Kein Amt war seit Jahrtausenden mit so vielen Leiden, Sorgen, Qualen, Widerwärtigkeiten und Ungemächlichkeilen verbunden, wie das eines Gemeindevorstehers. „Scheue die Herrschaft. liebe die Arbeit und strebe nicht nach einem Vorsteheramt", lautete ein Ansspruch des berühmten Lehrers Schemaja. Diese Lehre ist auch vollkommen begründet. Es mochte der Gemeindevorsteher der edelste, würdigste, achtbarste und tugendhafteste Mann der Welt gewesen sein, war er dennoch nicht in der Lage, den Wünschen aller zu entsprechen, denn an Mißvergnügten, Unzufriedenen, Krakeelern und Nörglern hat es seit die Welt besteht in keiner Nation gefehlt und diese waren es eben die dem jeweiligen Gemeindevorsteher. weil er nicht immer dem Verlangen eines Jeden Nachkommen konnte, das Leben verbitterten itnb vergällten. Der erste' größte und würdigste Führer und Leiter Israels war der Gvttesmanu Moses und welch traurige Erfahrungen hatte er während seiner vierzigjährigen Wirksamkeit mit solchen Krakeelern gemacht. Als die Israeliten, bald nachdem ihnen am Sinai das kostbarste Gut der Welt, die Thora, verliehen wurde, sich nicht mehr mit der Mannakost begnügen wollten, über Fleischmangel bitter klagten mtb sich nach dem alten Ghetto Mizraim sehnten, indem die Aufwiegler unter ihnen ansriefen: „Wir denken noch an die Fische, die wir in Mizrajim umsonst gegessen haben, die Gurken, Kürbisse, Melonen, Zwiebeln und Knoblauch, das wareit doch herrliche Zeilen — und jetzt müssen wir trotz der errungenen Freiheit und trotz der Reformen, die Moses eingeführt, darben, nichts ist da, bloß auf das Mauna ist unser Augenmerk gerichtet", wurde der sanfte, geduldige und zartfühlende Lehrer Moses durch das Weinen, Klagen und Jammern des Volkes so sehr erregt, daß er in seiner Verzweiflung nicht umhin konnte. Gott dem Herrn sein Leid zu klagen. Er sprach znm Ewigen: „Warum hast Du Deinem Knechte dieses zu Leide getan und warum habe ich nicht Gnade vor Deinen Augen gefunden, daß Du mir die Last dieses ganzen Volkes auferlegt hast? Habe ich denn alles dieses Volk empfangen oder geboren, daß Du zu mir sprichst: .Trage es ans deinen Armen, wie der Wärter den Säugling trägt, und bringe es in das Land, daß ich seinen Eltern zngeschworen!?' nsw. Ich allein vermag es nicht, die Last des ganzen Volkes zu ertragen, sie ist mir zu schwer. Hast Du solches über mich verhängt, so bringe mich lieber um. wenn ich Gnade vor Deinen Angen gefunden, nur laß mich nicht so mein Unglück sehen." Da sprach der Ewige zu ihm: „Laß mir die siebenzig Aeltesten des Volkes einbernfen, führe sie vor das Stiftszelt nnd lasse sie dort neben Dir stehen'. Ich werde mich daselbst herablassen, mit Dir reden und etwas von dem Geiste nehmen, der auf Dir ist und ans sie legen — ohne daß Du auch nur den geringsten geistigen Verlust erleiden wirst — damit sie Dir die Last des Volkes tragen helfen und Du nicht alles allein zu tragen habest" usw. Moses ging heraus und teilte dem Volke die göttlichen Worte mit, ließ siebzig Männer von den Aeltesten des Volkes einberitfen und stellte sie um das Zelt herum. Der Ewige ließ sich in einer Wolke herab, redete mit ihm, nahm etwas von dem Geiste, der auf ihm war, nnd legte es ans die siebzig Aeltesten. Sobald der Geist ans ihnen ruhete, weissagten sie, jedoch nicht mehr als dieses Mal. Zwei Männer