Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 23 (19.6.1914)
- Date
- 1914-06-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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dir. 23. Die Wahrheil Seite 5. synagogalen Poesien sowie die deutschen -Originalgedichte religiösen Inhaltes, die im Lause des vergangenen Jahrhunderts entstanden und zumeist in jüdischen Zeitschriften veröffentlicht worden sind, daraufhin zu prüfen, ob sich nicht unter denselben manches findet, das auch für die Schule geeignet wäre. Sollte die Ausbeute eine geringe sein, so gibt es unter den Rabbinern und Religionslehrern im Deutschen Reiche und in Oesterreich noch befähigte Männer genug, welche die erforderlichen Liedertexte verfassen könnten. Auch von denjenigen jüdischen Schriftstellern, die das Judentum näher kennen und lieben — (als Beispiel möge hier unser herrlicher Richard Beer-Hofmann angeführt sein) — würden manche, wenn man sie darum anginge, für diese anzulegende Liedersammlung gewiß gerne Beiträge liefern. Ans diesen. neuen Liedern, denen zwecks allgemeiner Beurteilung die jüdischen Blätter ihre Spalten bereitwillig öffnen werden, wäre dann eine passende Auswahl zu treffen. Ist dieser Lehrgegenstand einmal eingeführt, so steht zu erwarten, daß die Produktion auf dem Gebiete des religiösen Schulliedes allmählich znnehmen werde, so daß mit der Zeit das Gute dem Besseren und Vollkommneren wird weichen können. Die Vertonung der ausgewählten Lieder dürfte kaum . Schwierigkeiten bereiten. Abgesehen davon, daß wir über einen fast unübersehbaren Schatz religiöser Melodien verfügen, würden unsere komponierenden Kantoren und auch die sonstigen jüdischen Tonsetzer ihre Kunst freudig in den Dienst dieser bedeutsamen und dankbaren Aufgabe stellen. Und nun noch ein Wort zur Frage wer den Unterricht in diesem Lehrgegenstande, der ja auch musikalische Kenntnisse voranssetzt, zu erteilen haben wird. Die Lösung dieser Frage wird in denjenigen Gemeinden keinen Schwierigkeiten begegnen, deren Religionslehrer eine Lehrerbildungsanstalt absolviert haben, wo sie ja auch für die Erteilung des Gesangnnterrichtes vorgebildet wurden, ferner in solchen Gemeinden, in denen der Kantor zugleich Religionslehrer ist. Wo aber keiner dieser Fälle vorliegt, da werden sich allerdings in dieser Aufgabe Kantor und Religionslehrer zu teilen haben, diesem fiele die Erklärung und Darreichung der Liedertexte zu, jenem die Beibringung der Melodien. . Der Wiener Knltnsgemeinde, in deren Mitte sich theologische Autoritäten, gewiegte Pädagogen und namhafte Tonsetzer befinden, würde es nicht schwer fallen, den hier gemachten Vorschlag zu verwirklichen. Sie würde sich dadurch ein unsterbliches Verdienst erwerben und die Hebung der religiösen Bildung und Erziehung der jüdischen Jugend Wiens sowie der vielen anderen Gemeinden. Druckfehler-Berichtigung. Im ersten Teile dieses Aussatzes in der vorigen Nummer der „Wahrheit", Seite 4, Zeile 4 von nuten, ist „durchweht wäre n" anstatt „durchweht wäre n" zu lesen. Sitzung des Großen zionistischen Aktion«-Komitees vom 7. nnd 8. Inni 1914. Professor Warbnrg eröffnete die Sitzung um 10 Uhr mit einer kurzen Ansprache. Darauf erstattet Dr. Tfchlenow den Bericht des E. A. C., dem wir folgendes entnehmen: Unsere letzte Zusammenkunft hat gleich nach der Verständigung mit dem Kuratorium des Technikums, die dem Kanlpfe lvegen der Unterrichtssprache im Technikum ein Ende gemacht harte, stattgefunden. Dieser Kampf hat unserer Organisation den Anstoß unb die Möglichkeit gegeben, eine große und seit langem empfundene Lücke im zionistischell Arbeitsgebiet auszufüllen. Unsere Arbeiten auf politischem, kolonisatorischem und organisatorischem Gebiete hat sich die kulturelle Arbeit angegliedert. Unser Arbeitsprogramm ist reicher geworden und nach dem alten Spruche: „marbeh necbassim, marbeli daagab“ find wir jetzt auch an Sorgen reicher. Von mancher Seite, von Nah und Ferne, wurde die Befürchtung ausgesprochen, daß diese neuen Bürden über unsere Kräfte gingen und die Organisation von der Ausführung anderer Aufgaben ablenken würden. Wir bestreiten diese beiden Behauptungen entschieden und erwarten, daß der Verlauf der jetzigen Tagung diejenigen unter Ihnen, die vielleicht ähnliche Befürchtungen hegen, ^beruhigen wird. Wir betrachten uns den neuen Bedürfnisten vollkommen gewachsen und vertrauen so zuversichtlich auf die unerschöpfliche Quelle der Volksmöglichkeiten, daß wir, vom Kampfe einigermaßen befreit, unverzüglich au die Verwirklichung anderer Aufgaben herantreten. Ergänzung des Kapitals der Dalestine Land Development Company. Das Große Altions-Komitee hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, das Kapital der P. L. D. C. zu ergänzen und uns beauftragt, den geeigneten Zeitpunkt für den Beginn der Subskription zu bestinlmen. Wir' hielten es zunächst für notwendig, eine befriedigende Bilanz der Gesellschaft abzuwarten. Wie Sie wohl wissen, hat die P. L. D. C. in der letzten Zeit die Möglichkeit bekommen, ihr Defizit bedeutend zu verkleinern. Die letzte Bilanz per 31. Dezember 1913 ist kurz vor der Sitzung in unsere Hände gelangt; sie wird erst voit uits und den Auditors in London genau geprüft werden. Nach den Angaben, die wir jetzt zur Verfügung haben, betrug das Defizit per 30. September 1912 2755 Pfund Sterling, der Gewinn der Gesellschaft betrug in der Zeit vom 1. Oktober 1912 bis 30. Juni 1913 870 Pfund Sterling, in der Zeit vom 1. Juli 1913 bis 31. Dezember 1913 1435 Pfund Sterling, so daß sich das Defizit innerhalb von fünfzehn Monaten um 2305 Pftmd Sterling verringert hat und am 31. Dezember 1913 450 Pfund Sterling betrug. In der letzten Zeit hat die P. L. D. C. eine größere Anleihe zum Ankauf von Boden erhalten. Ans diesen und weiteren Geschäften wird die Gesellschaft vermutlich schon in den nächsten Jahren imstande sein, eine bescheidene Dividende auszuschütteu. B o d e n k ä u f e. Wie wir in unserem Berichte bereits mitteilten, haben die Peßach-Besuche diesmal eine ganze Reihe ernster Reflektanten für Bodenkäufe nach Palästina gebracht. Einige Käufe sind bereits von ihnen abgeschlossen. Für andere sind Aufträge erteilt worden. Die Entwicklung des Ach u s a - G ed a n k e n s schreitet vorwärts, hauptsächlich in Amerika und Rußland, in letzter Zeit auch in sehr erfreulicher Weise in England. ” sie beginnt auch in Deutschland. Das Palästina-Amt beabsichtigt. Spezialbevollmächtigte zur Organisierung von Pflanzungsgeseüschaften und zum Verkauf von Bodenparzellen nach Europa und Amerika zu entsenden. Leider nehmen mit dem Anwachsen unseres Bodenbesitzes auch die Schwierigkeiten der Arbeiterfrage zu. Worin diese Schlvierigkeiten bestehen, brauchen wir wir hier wohl nicht zu erörtern. In letzter Zeit haben sie zu einem schweren Konflikt, nämlich zu monatelangem Streik in Sedjera geführt. Die Beziehungen spitzen sich immer mehr zu und in verschiedenen Kreisen in Lande herrscht jetzt die Ueberzeugung, daß unbedingt etwas geschehen muß. um diese Komplikationen zu mildern. Wir stehen nicht auf dem Standpunkte des Ausschlusses jeder uichtjüdischen Arbeit, wenn unsere Organisation in ihren Besitzungen ausschließlich jüdische Arbeiter verwendet, wenn ebenso die Arbeiterschaft auf einer solchen extremen Forderung besteht, so ist dies nur als Folge des bestehenden Zustandes, der uns vollkommen unhaltbar erscheint, zu betrachten, daß nämlich in manchen großen Kolonien kaum 10°/,, der Arbeiter Juden sind. Da der Bodenkauf sich immer mehr entwickelt, und zwar hauptsächlich durch Privatinitiative, so ist es klar, daß der jetzige an normale Zustand sich zu befestigen droht. Unsere Aufgabe ist es. die Lösung der Arbeiterfrage durch unser Eingreifen zu beschleunigen.