Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 20 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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der Offizierslaufbahu erörtert und zwar wieder mit dem Ergebnis : Es bleibt alles beim allen. Man hatte nichts anderes erwartet, war aber gespannt darauf, wie der neue Mann ans dem Ministersessel sich zur Sache stellen -werde. , Der Abgeordnete Gothein erhob die schwere Anklage, -daß seit 1885 die -Verfassung systematisch verletzt werde. Ans die vorjährige Resolution des Reichstages, welche forderte, daß kein Angehöriger des Heeres wegen seiner religiösen lleberzengnng irgendwelche Zurücksetzung erfahre, habe der Bnndesrat den Mut besessen, die Antwort zu erteilen: „Wegen seiner religiösen Ueberzenguug wird beim Heere niemand znrnckgesetzt". Und dabei habe der frühere Knegsminister v. Einem im Reichstag ausdrücklich erklärt, daß es .„in der Armee wohl vorgekommen sei und vorkomme, daß ein junger Mann israelitischen Glaubens einfach deshalb nicht Reserveoffizier wird, weil er Jude ist". Auch der Minister o. Heenngen habe die Ablehnung jüdischer Aspiranten auf bewußte oder unbewußte antisemitische Regungen im Offizierskorps znrückgeführt. Weiter wies der fortschrittliche Redner auf die Merkwürdigkeit hin, wie „alle offiziersmäßigen Eigenschaften mit einemmal ans Licht treten, sobald über die Aspiranten das Tanfwasser kommt" und er teilte .mit, daß man jetzt die jüdischen Einjährigen in möglichst weitem Umfang schon vom Offiziersunterricht ausschließe, .in vielen Regimentern zum Unterricht überhaupt nicht mehr zulasse. Das Ehrgefühl im Offizierkorps werde nicht erhöht, wenn der einzelne Hanplmann nsm. gezwungen werde, entgegen seiner besseren Ueberzeugnng den jüdischen Einjährigen .nicht zum Offiziersunterricht znznlassen. Recht wirkungsvoll -war die Berufung des Abgeordneten Gothein auf die glänzenden Zeugnisse, die Männer, wie Hardenberg, Iorkv. Wartenbnrg und der Kriegsminister, Generalleutnant v. Cosel .der soldatischen Tüchtigkeit der Juden ausgestellt haben. Und was hatte der Minister von Falkenhayn auf alle diese schwerwiegenden Argumente vorzubringen? Er ging darauf gar nicht ein. Dem Abgeordneten Gothein hielt er vor, er habe vergessen, aus der Rede des Ministers v. Einem einen Satz vorznlesen. in dem stehe, daß der Zustand, daß schon seit langen Jahren kein israelitischer Soldat, wenn er sonst tüchtig ist, zum Reserveoffizier befördert wurde, gegen die allerhöchste Bestimmung verstoße. Mit Recht erwiderte darauf der fortschrittliche Abgeordnete Müller-Meiningen, ob denn der Einstuß des obersten Kriegsherrn so gering sei, daß er wirklich gegen diese Vorurteile, die gegenüber den -jüdischen Reserveoffizieren bestehen, nicht ankommen könne. Uebrigeus hätte man dem Minister v. Falkenhayn einen -anderen Passus aus der erwähnten Rede seines Vorgängers v. Einem ins Gedächtnis znrückrufen sollen, der folgendermaßen lautet: „Die Armee hat, glaube ich, bis iu die 80 er Jahre tatsächlich jüdische Reserveoffiziere gehabt. Die Armee hat zweifellos keilten Schaden davon gehabt und ich muß offen sagen — vielleicht werde ich deshalb kolossal angegriffen: ich halte es einfach für einen Akt der Gerechtigkeit, daß man einen jungen Mann, auch wenn er Jude ist, wenn er sonst tüchtig ist und im übrigen geeignet, auch zum Reserveoffizier machen soll." (Fortsetzung folgt.) Verschiedene Nachrichten. Wien. Am ersten Tag Schewnoth wird Herr Rabbiner Dr. Ros e nmann die Predigt im Stadttempel halten. Wien. (M o r d e ch a i W e i ß m a n n Chajes.) Der Meister der neuen hebräischen Dichtkunst, der verewigte Rabbiner Dr. I. I. Unger in Jglau widmete in seinem hebräischen Dichtungen (Jubelausgabe Wien 1911) einige allerliebste Verse, einmal auch dem Literaten mö, so schrieb sich nämlich Markus Weißmann Chajes und war des letzteren Name in der südischen Literatur weltbekannt. Er der noch an den „Kochbö Jizchak“ wacker mit- - gearbeitet und nach Eingehen dieser bedeutsamen hebräischen Zeitschrift .noch ein Weitererscheinen in Angriff nahm, lebte ganz bescheiden in Wien und sanft verschied er, 84 Jahre alt, im Rothschildspitale der Wiener Gemeinde nach kurzer Krankheit am 30. Avril d. I. Biele seiner Freunde erwiesen ihn am 3. Mai die letzte Ehre am Wiener Zentralfriedhof, wo unsere Kultnsgeineinde in würdig bestatten ließ. Der Vertreter unserer Gemeinde. Herr Dr Markus Spitzer, auch der Vizepräsident der Chewra Kadischa, hielt ihm einen sehr warmen, geistvollen Nachruf, dem der Literat H. B. Torczyner und Herr Benjamin Weiß folgten und würdig des Verewigten gedachten. — In unserer Wiener Gemeindebibliothek, dem Stelldichein unserer Gelehrtenwelt. werden W e i ß m a n n s Schriften fleißig gelesen und wird durch diese fein Name der Nachwelt erhalten bleiben. Ehre seinem Andenken. M. A. Wien. Gelegentlich des gegenwärtig in Wien tagenden „Internationalen Frauentages" wurdeit Besichtignngen sozialhnmanitärer Institute veranstaltet, wobei eine größere Gruppe von Damen auch das israelitische Alters-Versorguugshaus und den israelitischen Mädchennnterstützungs-Verein besichtigte. Im Versorgungs- Haus wurden die Gäste von der Präsidentin des Damenkomitees Frau Jda Diamant begrüßt und die Herren Obmann Salo K o h n. Dr. B a ch st e i n. Pcimarins Dr. I n s e l d und Fcan Dr. Landes Übernahmen d e Führnnz durch alle Räumlichkeiten der Anstalt. Besonderes Jntereffe erregte der alre jüdische Friedhof, durch seine historische Denkwürdigkeit. Im israelitischen Mädchenunterstützungsverein in der Seegasse wurden die Damen von der Präsidentin Frau Doktor Schüssel und den Vorstandsdamen. darunter Frau Hosrat F r y d m a n n, Frau Direktor K n r a u d a und Frau Kommerzialrat Schütz begrüßt. Die Anstaltsleiterin Frau Direktor Regine 11 l l - m a u n übernahm die Führung. Wien. (B i b e l s ch n l v r ü f u n g i in IV. n n d V. B e z i r k.) Am Sonntag den 24. d. M. fand uu Tempel V. Slebenbrunnengasse 1 a, die zweite öffentliche Prüfung der Schüler- und Schülerinnen der dortigen Lesennd Bibelichnle statt. Die Bivelschnle dieses Bezirkes ist im vorigen Schuljahre gegründet worden nnd der Tempelünd Schulvorstand dieser Bezirke haben, durch eine namhafte Subvention der Kultusgemeinde unterstützt, im Tempelgebäude für die Schule ein besonderes Lehrhans mit großer Opferwilligkeit erbaut. Zur Prüfung hatten sich elngefnnden die Herren: Präsident des Teuivelvereines für den IV. nnd V. Bezirk Adolf Hof man n, die Vorsteher D. W o l l n e r, David Steinhardt. Samuel Stein, Tempelvorsteher W i e s e l t h i e r. Seine Ehrwürden Rabbiner H. L. Reich, Bibelschnl-Jnspektor Julins Brau n als Delegierter des Kultnsvorstandes nnd Juwelier Brau n als Delegierter des Vorstandes der Bibelschnle, VI. Stnmpergasse. Auch Eltern und andere Gäste waren zahlreich erschienen. Der Präsident des Tempelvereines Herr A. H o f m a n n begrüßte die Erschienenen nnd dankte insbesondere den Eltern für das rege Jntereffe. das sie für diese Schule bekunden. Er forderte die Erschienenen auf, den Schul-, Tempel- und den Kultusvorstand, die sich so viel Mühe nehmen und große Opfer bringen, in ihrer Tätigkeit zu unterstützen. Nachdem die Schüler und Schülerinnen durch die Lehrer der Schule Herrn D. Stetubach und Leopold Weiß geprüft wurden, hielt Seine Ehrwürden Herr Rabbiner H. L. Reich eine gedankenreiche Ansprache. Er dankte'zunächft dem Vorstand für die großen Opfer, die er für diese heilige Sache bringt, ermunterte ihn. auch ferner für die Schule zu wirken. Auch den Lehrern, die sich sehr große Mühe gaben, zollte er Worte der Anerkennung und die Schüler und Schülerinnen der Lesennd Bibelschnle flobte er für das fließende und korrekte LesSn und Uebersetzen. Die Väter und Mütter forderte er auf. bei ihren Bekannten und Verwandten dahin zu wirken, diese Schule kräftigst zu unterstützen. Zum Schluffe richtete Herr Inspektor Julius Braun einige Worte an die Kinder. Durch ein sehr hübsches Gleichnis belehrte er in humorvoller Weise die Kinder, daß man nie das Lernen unterbrechen solle und daß der hänsliche Fleiß ebenso wichtig sei, als der Schuliulterricht. Damit schloß die zweite öffentliche Prüfung, die einen nachhaltigen günstigen Eindruck auf die Anwesenden gemacht hat. Wien. Donnerstag den 22. Mai d. I. fand im Schullokale des „Jüdischen Schulvereines", X. Hasengasse 7, die feierliche Bildenthüllung des gewesenen Obmannes dieses Vereines, Herrn Moritz F a l t i t s ch e k, statt. Anwesend waren sämtliche Obmänner der jüdischen Vereine des X. Bezirkes, der Gesamtvorstand und der Lehrkörper der Schule. Der Obmann, Herr Jakob S. Straßberg enthüllte das Bild nach einer kurzen, herzlichen Ansprache, tu welcher er der Hoffnung Ausdruck gab, daß es nunmehr möglich sein wird, für die Schule ein Hans zu erwerben. Die Festrede hielt der Leiter der Schule, Sr. Ehrw. Herr Rabbiner Dr. A. L. M a n d e l. in welcher er die großen Verdienste würdigte, die der Gefeierte sich um die Bereinsschnle während ihres fünfzehnjährigen Bestandes, erworben. In bewegten Worten sprach Herr Moritz Faltitschek seinen Dank für die ihm erwiesene Ehrnng ans. womit die schöne Feier, die großen Eindruck auf die Anwesenden übte, schloß. Wien. Am Sonntag, den 24. Mai l. I. fand im Schullokale, IX. Seegaffe 16, die Prüfung der Zöglinge (5 Knaben- und 4 Mädchenabteilnngen) des jüdischen Schulvereines für den IX. Bezirk statt. Hiezu waren erschienen: Herr Schulinspektor Professor Dr. Moritz K a n i tz, Herr Bibelschnlinspektor Julius Braun als Vertreter der Kultusgemeinde, Herr Religionslehrer Max Rieden, die Herren Vorstandsmitglieder Dr. Siegfried Halber st a m. Samnel S am n e l y, Herr Isidor G o l d s ch m i d t u. a. sowie Eltern in großer