Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 20 (29.5.1914)
- Date
- 1914-05-29
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Zahl. Zu Vertretung des infolge eines Trauerfalles am Erscheinen verhindert gewesenen Obmannes Herrn Max Pappenheim, begrüßte der Obmaunstellvertreter Herr Dr. Halb er st am alle Anwesenden in der herzlichsten Weise, worauf die Prüfung begann. Dieselbe ergab ein sehr günstiges Refnllar und haben die Herren Inspektoren Prof. Dr. Kanitz und Braun in schwungvollen Worten dem Vereinsvorstande für feine Mühe gedankt, ferner den beiden tüchtigen Lehrern Müller und Popper über die erzielten Erfolge und allen Schülern und Schülerinnen über ihre Leistungen die vollste Zufriedenheit ansgedrückt. Seitens der Eltern wurde den beiden Lehrern für ihre Mühewaltung der herzlichste Dank abgestattet. Der Vorstand kann daher mit Befriedigung ans seine Tätigkeit zurückblicken und es wäre zu wünschen, daß dem Vereine allseits großes Interesse entgegengebracht werde. Wien (G e n e r a l v e r s a m m l u n g d e r A d a s I i s r o e l). Am 17. Mai d. I. wurde die diesjährige Generalversammlung der Adas Jisroel (Schiffschule) im großen Saale des Bet Hanndrasch II., Große Schiffgaffe 8, abgehalten. Dieselbe war sehr stark besucht; gleich zu Beginn war der Saal überfüllt. Die meisten und angesehensten orthodoxen Bethausvereiue Wiens waren durch Delegierte vertreten, so Achdns Jisroel (Freuder), Montefiore (Elias Weiß), Ohel Awrohom (S. Kohu). Schönlaterngasse (Porges), Stumpergaffe (Fürst), Marpe Laueseich (Warkauy), Adas Jeschnrnn (Dr. Halberstamm). Schomer Schabbos (Moritz Felsenburg) etc. Als Vertreter der Kultusgemeinde war der Vorsteher. Herr Emanuel Grünwald erschienen. .Um 10 Uhr eröffnete der greise Obmanii, Herr Philipp Back, die Versammlung und begrüßte die Erschienenen mit herzlichen Worten. Er übergab alsbald den Vorsitz dem Obmannstellvertreter, Herrn Dr. Reiniger; derselbe . widmete zunächst den verstorbenen Mitgliedern, Herrn Samuel Gold,! Rab. Aron Fürst, Mayer Lazarus, Abraham Fischer, Rudolf Fischer, Eduard Blaß, Josef Philipp, Dr. Joses Steiner, Ignatz Mandler, I. H. Thal, Rudolf Fuchs und den pens. Oberkantor Jecheskel Wittmann warme Worte der Erinnerung, welche die Versammlung stehend anhörte. Sodann verwies er auf die Institutionen des Vereines, die für alle Bedürsniffe des jüdischen Lebens Vorsorge treffen und allen, ohne Unterschied, zustatten kommen. Er zeichnete eine Reihe von Aufgaben, deren Erfüllung dem Vereine für die nächste Zukunft obliegen, als Ausgestaltung der Unterrichtsanstalten, Erweiterung der Vorträge für Erwachsene und besonders für junge Leute, Verbilligung des Koscherfleisches. der Schaffung einer Vereinigung für die Betätigung von Chesed schel Emmes etc. Besonders wichtig wäre es, schon heute an den Unibau des Bethonses zu denken, das in diesem Jahre das fünfzigste feit seinem Bestände vollende. Zur Erfüllung aller dieser Aufgaben sei die Zusammenfaffung aller Kräfte und gegenseitiges Wohlwollen erforderlich. Ter Schluß der Ausführungen, die die herzlichsten Wünsche für die Genesung Seiner Majestät aussprachen, führte zu einer herzerhebenden Huldignngskundgebung für den Kaiser. Die Verhandlung über den Bericht leitete Herr Wolf Pappenheim ein. Er legte die Entwicklung der eiuzelnen Institutionen dar. Ans seinem Bericht ist besonders hervorzuheben, daß in den Unterrichtsanstalten des Vereines dz. 246 Kinder Thora-Unterricht genießen, darunter 89 Gemara; dieselben erhalten hinlängliche Ausbildung znm Besuche einer Jeschibah. Sehr an Umfang hat die Horaah (Entscheidung ritueller Fragen) zugenommen, so daß die beiden Herren Rabbiner Fürst und Rab. Aff. Banmgarteu zeitweise die an sie gestellten Anforderungen nicht bestreiten können. In einer großen Anzahl von Fällen hat der Vorstand interveniert. wenn Eltern darüber Beschwerde führten, daß ihre Kinder in der Schule wegen der Sabbatheiligung Unannehmlichkeiten hatten. Die Interventionen erfolgten in allen Bezirkrn, auch wenn die Beschwerdeführer in keiner Beziehung zur Schiffschul standen, immer mit dem vollsten Erfolge. — lieber die Kaffagebarung berichtete Herr Glückselig, der darauf verwies, daß das Budget des Vereines derzeit sich auf L 65.000 belaufe, dazu kommt noch das Budget der affiliierten Vereine, wie Berhamidrasch. Jesode Thora, Religionsschule, Tomech, Ecojenim etc. mit eulem weiteren Aufwande von mehr als X 55.000; an den Wohltätigkeitseinrichtungen nahmen Arme ohne Unterschied der Heimatsberechtigung teil. Herr . Spitz berichtet namens der Revisoren, daß alle Rechnungen und Belege genau geprüft und in Ordnung befunden wurden; er beantragt, dem Vorstande das Absolntorinm zu erteilen. Dre nun folgende Debatte wurde von der Klage über die hohen Fleifchpreise beherrscht und gestaltete sich stellenweise ziemlich lebhaft. Es sprachen Herr Gabriel Fischer. Josef Stern, Slegmuud Figdor, Mich. Neumann. Moritz Felsenburg, Isidor Austerlitz, Mos. Klein. Hervorznheben sind die Ausführungen des Herrn Moritz Leituer, der in temperamentvoller Weife an der Hand von Ziffern darlegte, daß der Fleischpreis unmäßig hoch sei; die Ritualspesen seien so niedrig, daß sic die Preisdifferenz nicht rechtjertigen. Herr David Fleischmann übte au diesen Ziffern teilweise Kritik. Sehr wirkungsvoll sprach Herr Frommer dem Vorstände den Dank für die strenge, prinzipientrene Leitung dieser ersten und größten thoraireuen orthodoxen Organisation Oesterreichs ans. Herr Emannel Grünwald brachte die Anerkennuttg und den Dank des Kultusgemeindevorstandes für die musterhafte Führnng des Vereines. Hier ist wahres Jndenrum znhanse. Die Abstimmung über den Antrag Sputz ergab deffen einstimmige Annahme. Bei den nun folgenden Wahlen wurden 124 gilrige Stimmen abgegeben; es wurden die bisherigen Vorsteher Samnel Glückselig mir 114, Dr. Reiniiiger mit 112, Jakob Stern mit 112, Philipp Back mit 110, Siegmnnd Bondi mit 98, Berihold Stroh mit 89 Stimmen gewählt. Herr Adolf Fischer blieb mir 46 Stimmen in der Minorität. Zu Revisoren wurden die Herren Bernhard Hofbauer, Ennl Neurath und Artur Spitz gewählt. Nachdem der Vorsitzende -einige Anfragen beantwortete, wurde die Versammlung geschloffen. Wien-Floridsdorf. (B a r n i z w a h - F e i e r.) Samstag den 23. d. M. fand in dem festlich beleuchteten Tempel die Barmizwah des zweitältesten Sohnes unseres Rabbiners Dr. Rosenmänn statt. Es waren erschienen Herr Medizinalrat Dr. König, Herr Kultusvorsteher Emannel Grünwald und Herr Obmann-Stellvertreter Gabriel D u ck e s mit dem ganzen Berhausvorstande, ferner der erste Sekretär der Knltusgemeinde Herr kais. Rat Dr. Lieben. Der Barmizwah trug sowohl den Abschnitt ans der Thora als auch die Haftarah in echt traditioneller Weise vor und wurde allseitig beglückwünscht. Nach dem Gottesdienste fand in der Wohnung des Herrn Rabbiners die Gratulation statt, wobei Herr Knltnsvocsteher Emanuel Grünwald, Herr kais. Rat Lieben. Herr Max N e n - m a n n, Obmann der Chewra-Kadischa und Herr Gabriel Duke s, Obmann - Stellvertreter der Bezirkskommiffion. ihre Gratulationen übermittelten. Daran schloffen sich Samstag und Sonntag Gratulationen von Vereinen und verschiedenen Persönlichkeiten. Die Feier war eine echt jüdische Gemeindefeier. Stockerau. Richard W e r d i s h e i m, Sohn des hiesigen Kantors und Reliaionslehrers Herr I. I. W e r d i s h e i in feiert den den zweiten Tag mjOK? seine mSÖ “12 Grofftvardein. (Nagyvarad.) Für den hiesigen Chortempelwurde Herr Sigmund Funk aus B.-Csaba als zweiter Kantor und Chordirigenr gewählt. Kiteratur. Bon den „Bolksschrifteu" Zieglers liegen uns drei Hefte vor, die alle in ihrer Art trefflich, ihrem Zwecke entsprechend, abgefaßt sind. Und zwar: II. Heft. Der Optimismus des Judentums von Dr. I. S ch e f t e l o w i tz—Köln. Im Gegensatz znm düstern Bild, welches die christlichen Gelehrten — man denke nur an S o in b a r r — von der jüdischen Religion entwerfen, hat es unser Verfasser verstanden. ein glänzendes Bild von dem Leben bejahenden-und das Leben verschönernden Judentum in all seinen Verzweigungen zu entwerfen, so daß dieses Heftchen getrost als treffliche Apologie des Judentums bezeichnet werden kann. HI. Heft. Die Mischna von Dr. Samnel Kran ß—Wien. Im Rahmen der „Volksschriften" sucht der Verfasser vor allem natürlich den gebildeten Laien das Wesen des zweiten Nationalwerkes des jüdischen Volkes uahezubringen, was ihm auch, in vorzüglicher Weise gelungen ist. Aber, wie es bei diesem Meister der jüdischen Wissenschaft eigentlich nicht anders zu erwarten war, auch für den Fachmann bildet diese kleine Schrift eine Quelle vielfacher Belehrung. IV. Heft. Der Talmud von Dr. Simon B e r f e l d — Charlottenburg. Da der Talmud aus M i s ch n a, als Gruudschrift und Gemara, als Kommentar dazu, besteht und die Mischna doch schon behandelt wurde, so ist der Titel eigentlich ungenau. Aber das komint aus Rechnung des Journalisten Berfeld. Der Gelehrte Berfeld dagegen har hier von dem grandiosen Denkmal des jüdischen Geistes ein treffliches, anschauliches Bild geliefert. Nur ist es mir unbegreiflich, wie ein moderner Schriftsteller von einem Traktat Cholin sprechen kann, als ob dieser Traktat von — Kranken handeln möchte! Es muß natürlich Chullin heißen, weil es von ptofanen, nicht Opfertieren handelt. Noch ilubegreiflicher ist folgender Lapsus. Berfeld schreibt (S. 31), der Talmud erklärt die Ehe mit der kinderlosen Witwe des Bruders als Blutschande. Nach talmudischem Gesetze muß immer Ohaliza stattfinden. Das ist einfach nicht wahr! In Jebamoth 39 b heißt es: Abba Schaul sagt: Wer seine Schwägerin wegen ihrer Schönheit (und nicht um das Gebot Gottes zu erfüllen) heiratet, begeht gleichsam eine Blutschande. Die Weisen aber sagen: Es heißt ja »in der Thora: „ihr Schwager soll sie heiraten", das gilt für alle Fälle. Und so entscheidet: der Talmud, daß die Heirat der Chaliza vorznziehen sei. (Ebenso Maimonides Hil. Jibbum I, 2) und Eben Haeser § 165, I. Berfeld knüpft an diesen Lapsus Folgerungen, die wohl sonst richtig, aber hier ganz verfehlt sind! Prof. Dr. K a h a n, Znaim. Austritte ans dem Judentum. Steiner Johann, Privatier, geb. 14. Oktober 1891 in Wien. IX., Borschkegaffe 6. L Swing er Belo, Privatbeamter, geb. 23. Jänner 1695 in Wien. V. Ramperstorfferstraße 14. Mandl Fciedericke, Kontoristin, geb. 2. Jänner 1888 in Wien.- VI., Wienzeile 40. Engel Melanie, geb. Lnye, Privat, geb. 24. April 1885 in Wien. Vll., Mariahilferstraße 94. S ch m u l Josef, Hilfsarbeiter, geb. 29. November 1877 in Wien. XX., Nanscherstraße 12. K o u d e Robert, Reisender, geb. 13. Mai 1839 in Wien. II., Nickelgaffe 1. H a r t m a n u Paul, Betriebsbeamter, geb. 7. Mai 1869 in Wien. IX;; Sechsschimmelgaffe 8. \