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Die Wahrheit · 1914-05-29 · Heft 20 (29.5.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 20 (29.5.1914)
Date
1914-05-29
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Die Wahrheit Seite 8. Mit herzlichen Dankesworten schloß der Vorsitzende die Versammlung. Kaiserin Elisabeth Kehrmiidchen- und Arbeilermueu-Heim. „Arbeit ist der Gesundbrunnen der Seele." Eine der segensreichsten jüdischen Wohlfahrtsinstitntionen ans dem Gebiete der Jugendfürsorge in Wien, das „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnen- Heim", das von einem Stabe wackerer Damen und Herren — an der Spitze Herr kaiserl. Rat Dr. S. Krüger — ausgezeichnet verwaltet wird, absolvierte Montag, den 25. Mai 6 Uhr abends im eigenen Heim, H., Malzgasse 7, unter Anwesenheit zahlreicher Damen und Herren die statutengemäße Generalversammlung-. Aus dem vom Vorstande erstatteten Berichte sei zur Illustration der äußerst ersprießlichen und zielbewußten Tätigkeit folgendes wiedergegeben: „Das „Kaiserin Elisabeth Lehrmädchen- und Arbeiterinnen-Heim", ans kleinen Anfängen hervorgegangen, - beherbergte in den abgelansenen beiden Jahren ununterbrochen 70 Schützlinge, teils Lehrmädchen, teils Arbeiterinnen, welche in den verschiedensten Zweigen weiblicher Erwerbslätigkeil Ausbildung und selbständige Existenz fanden. Den in unserem Heime untergebrachten Schützlingen wurden während der Dauer ihrer Lehrzeit Unterkunft, gänzliche Verpflegung und Bekleidung sowie die Mittel zur Erlernung eines ihren Fähigkeiten und Neigungen entsprechenden Berufes unentgeltlich geboten. Die charitativ-soziale Tätigkeit unserer Institution beschränkte sich aber nicht bloß aus die Ausbildung unserer Schützlinge zu gewerblichen Berufen, sondern richtete ihr Augenmerk insbesondere auch darauf, daß die bereits änsgebrldeten und mit Lehrbriefen versehenen Mädchen auch noch weiters und iusolange im Heime verbleiben durften, bis sie durch ihre gewerbliche Tätigkeit ein berattiges Einkommen erzielten, daß sie ohne weitere Beihilfe sich selbst zu erhalten in der Lage waren. Welch großen moralischen Wert diese Fürsorge für unsere jugendlichen Arbeiterinnen hat, braucht wohl nicht des näheren erörtert zu werden und ist jedermann klar, welcher die Verhältnisse der Großstadt und ihre für die weibliche Jugend verbundenen Gefahren nur halbwegs kennt. Wie in früheren Jahren, hat auch in der abgelanfenen Berichtsperiode der Vorstand sein ganz besonderes Augenmerk der Berufswahl unserer Schützlinge zugewendet. Durch mehrmonatliche, der Berufswahl vorangehende Beobachtung unserer Schützlinge im Heime konnte sich die Vereinsleitnng über deren Fähigkeiten und Neigungen volle Klarheit verschaffen und es muß mit besonderer Befriedigung konstatiert werden, daß infolge dieser Beobachtungen fast niemals ein Fehlgriff in der Wahl der Berufszweige unserer Mädchen zu verzeichnen war. Während dieser mehrmonatlichen Prüfungszeit waren unsere Schützlinge nicht etwa untätig, sie wurden zu häuslicher Arbeit herangezogen und insbesondere auch im Kochen und Aufräumen ansgebildet. Der Vereinsvorstand begnügte sich nicht damit, den Mädchen geeignete Lehrstellen zu verschaffen, sondern war in jedem einzelnen Falle bestrebt, sich durch Erkundigung seitens der jedem Schützlinge zugeteilten Schntzdame aus den Reihen des Vorstandes über die Fortschritte der Schützlinge zn vergewissern und darauf zu achten, daß dieselben in den jeweiligen Lehrstellen zu ernster, gewerblicher Tätigkeit verhalten werden. Nebst der großen Zahl der zu gewerblicher Arbeit ausgebildeten Mädchen wurde auch ein Teil unserer Schützlinge, welche infolge ihrer Vorbildung und besonderer Fähigkeiten sich hierzu eigneten, zn Erzieherinnen, Kindergärtnerinnen, Buchhalterinnen, Bankbeamtinnen rc. ausgebildet. Mit besonderer Genugtuung können wir darauf Hinweisen, daß sich alle diese Mädchen teils im Jnlande, teils Nr. 20. im Auslande in sehr guten und einträglichen Stellungen befinden. Jene Mädchen,, welche sich infolge geringerer Begabung für gewerbliche Berufe weniger geeignet erwiesen, wurden in der Haushaltung und zwar als Köchinnen oder Stubenmädchen, als Stütze der Hausfrau rc. ansgebildet^ Auch in diesem Belange haben wir sehr zufriedenstellende Erfolge zu verzeichneu. Die rege Nachfrage von Arbeitgebern ans den verschiedensten Berufskreisen um die durch unseren Verein ansgebildeten Arbeiterinnen, Erzieherinnen, Beamtinnen rc. ist ein untrüglicher Beweis für die unserer Institution allgemein gezollte Anerkennung. Von der richtigen Erkenntnis ausgehend, daß nur ein gesunder Körper arbeitsfähig und arbeitsfrendig sein könne, hat der Vereinsvorftand in erster Linie sein Augenmerk auf die körperliche Pflege und Entwicklung seiner Schützlinge gerichtet und mit wahrer Freude können wir darauf Hinweisen, daß alle unsere Schützlinge, von denen so manche infolge der Armut und des Elends, in welchen sie seit ihrer frühesten Jugend heranwuchsen und gar oft in geradezu verwahrlostem Zustande in unserem Heime Aufnahme gefunden haben, sich schon nach kurzer Zeit in erstaunlicher Weise entwickelten. Hierzu trug in erster Linie die regelmäßig geordnete' Lebensweise im Heime bei, weiters die von Zeit zn Zeit unternommenen gemeinsamen Ausflüge, regelmäßiges Turnen und endlich die Befolgung der im Heime eingeführten hy--^ gienischen Maßnahmen (Bäder, Duschen rc.). In gleicher Weise wie der körperlichen Ausbildung wurde auch der geistigen Entwicklung unserer Schützlinge sowie der Hebung, und Festigung religiösen Empfindens und sittlichen Gefühles die vollste Aufmerksamkeit zugewendet. Unter der Leitung und Mitwirkung der Schriftführerin wurden im Heime belehrende und unterhaltende Vorpäge abgehalten, denen unsere Mädchen mit großem Interesse folgten, und die auf Charakter- und Herzensbildung unserer Mädchen den wohltuendsten Einfluß übten. Auch eine Bibliothek guter Jugendschriften wurde im Heime angelegt, welche utiseren Schützlingen in den freien Stunden zur Verfügung steht. Um den Sparsinn unserer Mädchen zn wecken nnlr ihnen für alle Fälle - einen kleinen Notpfennig zu sichern, wurde bereits vor einigen Jahren die Einführung getroffen, daß die Arbeiterinnen und selbst auch die Lehrmädchen je. nach ihrem Einkommen größere oder kleinere Beiträge in Sparkasfebnchern anlegten, welches System bisher sehr gute Erfolge gezeitigt hat. Der Vorstand glaubt somit sein Möglichstes getan zu haben, damit die unter seinem Schutze sich heranbildendeu jungen Wesen, körperlich und geistig gestählt, den schweren' Kampf des Lebens aufznnehmen und siegreich zu bestehen in der Lage seien. Für die Verpflegung und Ausbildung unserer Schützlinge sowie für die sonstigen Bedürfnisse, des Heimes wurde in den abgelaufenen zwei Vereinsjahren die Summe von K 72.806-16 verausgabt. Dieser gewiß sehr bedeutende Betrag hätte aber nicht ansgereicht, wenn uns nicht sehr erhebliche Ratnralspenden an Zucker, Kaffee und sonstigen Spezereien, Mehl, Fleischwaren, Würsten. Mannfakturwaren, Kohle, Koks und Anderem zngeflosien wären, deren Anschaffung sehr bedeutende Beträge erfordert hätte." Nach Absolvierung der Tagesordnung hielt das Vorstandsmitglied Frau Anita Müller einen Vortrag über: „Mo derneWohltätigkeitspflegemitbesonderer Berücksichtigung des A r b e i t e r i n n e n p r o b l e m s" und die wahrhaft überzeugenden und glänzenden Ausführungen der Vortragenden wurden wiederholt von lebhaftem Applaus unterbrochen. Ghettopolitik im deutschen Heere. Im deutschen Reichstag wurde auch bei der diesjährigen Militärdebatte die Frage des Ausschlusses der Judeu von * *

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