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Die Wahrheit · 1914-05-08 · Heft 17 (8.5.1914) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 17 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Lette 10 Die Wahrheit 'Hx. 17 im Vorstände maßgebende Persönlichkeiten erhoben, die der Ansicht waren, man möge mit der Besetzung der Rabbinerstelle noch warten, da Rabbiner, wie wir sie stets in T. -hatten, jetzt nicht so leicht zu finden seien. Nach langen Debatten einigten wir uns und faßten gemeinsam den Entschluß, vorläufig bloß die durch den Abgang des früheren Rabbiners — der auch als Religionslehrer an den Mittelschulen tätig war — vakant gewordene Religionslehrerstelle zu besetzen, den Konkurs auszuschreiben und darin zu bemerken, daß der Aspirant durch Einsendung einer „Hatoras Horooh" von anerkannten Rabbinern, den Nachweis zit erbringen habe, daß er sich bedeutendes lalmndisches Wissen erworben. Wenn wir nun im Laufe der Zeit die Ueberzengung gewinnen, daß der Akzeptierte nebst allgemeiner Bildung auch gediegenes rabbinisches besitze, so steht es ja uns immer frei, ihn auch zum Rabbiner zu ernennen. Vor sechs Wochen haben wir den Konkurs ausgeschrieben und da sind ungefähr 20 Gesuche eingelaufen. Unter diesen zwanzig Bewerbern ist bloß ein einziger Kandidat, der ein Rabbinatsdiplom von einer ungarischen Rabbiuerschule. in hebr. Sprache ausgestellt, seinem Gesuche beigelegt hat. Natürlich haben wir diesen weißen Raben vor allem im Auge behalten. Nun aber ist seit dem Abgänge unseres letzten Herrn Rabbiners bei uns weder ein Hebraist noch ein Talmudist da, der ein hebräisches Dokument zu lesen verstehen würde, daher entschloß ich mich zu Ihnen zu fahren, um Sie. meinen alten Freund, zu ersuchen, mir gefi. dieses Rabbinalszeugnis zu übersetzen, damit ich es dann in der Sitzung meinen Kollegen vorlesen könnte. Hier bitte ich, ist dieser kostbare Schatz, das Rabbinatsdiplom, wollen Sie es gefi. lesen". Kaum warf ich einen Blick in diesen vermeintlichen heil. Schatz, als ich hell anflachen mußte. Herr K. L. schaute mich ganz verdutzt an. Mein lieber Freund, sagte ich, da wären Sie schön dreingefallen, wenn Sie diesem famosen Rabbinatskandidaten auf den Leim gegangen wären. Dieses Schriftstück ist ja kein Rabbinatsdiplom, sondern ein ganz einfaches Freqnentationszeugnis, das jedem, selbst außerordentlichen Hörern einer Schule auf dessen Verlangen erteilt werden kann. Der Inhalt dieses Dokumentes ^autet wörtlich: „Vom gefertigten Leiter der hierorts bestehenden „Jeschiba"-Rabbinerschule wird hiemit bestätigt, daß Eh. P. aus D. in Ungarn unsere Anstalt ein und einhalb Jahr besucht hat. Da er aber jetzt im Begriffe ist. die Schule zu verlassen, um sich im Auslande in irgend einer Gemeinde nm die Stelle eines Dardeke Melamed, hebr. Elementarlehrers, zu bewerben, so wird ihm auf seine Bitte dieses Frequentationszeügnis ausgestellt. Urkund dessen nsw." Und dieser sogenannte „Nabbinatskandidat" hatte den traurigen Mut, Jhuen, dem Knltuspräses, zu schreiben, daß er Ihnen ein Rabbinatsdiplom einsende! Dieser Mensch gehört zweifellos zu jenen verbummelten Bachurim, die — nachdem das I a m H a 1 a l m u d sie ausgeworfen — die Heimat, wo mau diese Vögel an ihren Federn kennt, verlassen, ins Ausland reisen, sich dort Zylinder und Kneifer aufsetzen und den Herren Vorstehern sich als hochgelehrte Talmudisten vorstellen. Und zuweilen gelingt es einem dieser Vögel in irgend einer Gemeinde, wo es keinen einzigen Kenner der hebräischen Sprache und' Literatur gibt, durch einige abgedroschene hebr. Phrasen, die in Ungarn und Polen jedem Packträger geläufig sind, dem Herrn Vorsteher zu imponieren, sich dort sein Nest anfzubanen und einige Zeit als Ehrwürden" auf dem Rabbinatsstuhle warm zu sitzen, bis endlich ein anderer Vogel aus seiner Heimat hinkommt und ihn entlarvt. Ich rate Ihnen daher, jeden einzelnen der anderen Bewerber, die doch wenigstens pädagogische Studien absolviert haben, diesem Bachur vorzuziehen; denn soviel hebr. Wissen als dieser diplomierte Dardeke Melamed besitzen auch jene Kandidaten. Nun sehen Sie wie recht ich habe, wenn ich behaupte, daß die.Gründung einer Kantoren- und Religio n s l e h r e r b i'l d u n g s a n st a l t heute wie nie zuvor ein äußerst dringendes Bedürfnis sei, weil fonst der Abfall, der jetzt schon erschreckend groß ist, in Zukunft noch weit größere Dimensionen annehmen würde. Verschiedene Nachrichten Asien. Der in 15. unseres Blattes veröffentlichte Artikel: „Die Naturalisation ausländischer Inden in Deutschland" ist dein m Frankfurt a. M. erscheinenden „Israelit" entnoininen worden. Vien. (V e r e i n der G r o ß - M e s e r i t s ch e r i n W i e m> Unter dein Vorsitz des Obmannes Karl Flandrak sand die Generalversammlung des seit 24 Jahren bestehenden humanitären Vereines der Groß-Meieriticher in Wien statt. Der Bericht des Vorstandes, der einen neuerlichen Beweis jener stillen und wahrhaft menschenfreundlichen Tätigkeit brachte, wies Unterstützungen aus an mitteilose Slndeuren, denen die Fortsetzung ihrer Studien ergmöglicht wurde, an arme Handelsbeflissene, an Greise und Greisinnen der Heimarsgemeinde und für andere Wohltätigkeirszwecke. Nach Erstattung des Kassenberichtes wurde dem Vorstand das Absolntorinm erteilt. Bei der hierauf erfolgten Neuwahl wurden die Herren Karl Flandrak als Obmann, Josef Witrofsly als Obmannstellvertreter wwie die statnlengemäß ausscheidenden Herren Edmund Müller, Leopold Fuhrmann, Julius Blum, Hermann Blum einstimmig wiedergewählt; die Herren Arnold Fuchs,. Dr. Adolf Bratmann, Ludwig Blum und Baumeister Th. Gießkann würgen neugewählt. Zu Revisoren wurden gewählt die Herren: Adolf Fischer, Moritz Schulz und Oberpostköntrollor Julius Wolfenstein. Wien. Donnerstag, den 14. Mai */,4 Uhr nachmittags findet in Berlin—Charlottenbnrg, Logenhaus, Joachunsthalerstraße 13, die Trauung ^des Fräulein Clarissa Lang ans Berlin um Adolf H o sb a n e r, L>ohn des Herrn Bernhard H o f b a ne r in Wien, statt. Wien. Am 3. Mai l. I. fand im Sitzungssaale der Synagoge II., Leopoldsgasse 29 die siebenundvierzigste Generalversammlung des ,sr. Wohltätigkeits- und Krankenunterstützungsvereiues „Mazmiach Jeschua" statt. Der Präses Herr Ignaz Zolles eröffnete die Generalversammlung, konstatierte deren Beschlußfähigkeit und begrüßte die erschienenen Mitglieder frenndlichst. Hierauf wurde durch den Schriftführer Herrn Emil Pomeranz der Rechenschaftsbericht und der Nachruf für die verstorbenen Mitglieder verlesen, den die Versammlung stehend anhörte. Nach Erstattung des Berichtes durch die Rechnungs- Revisoren, wurde dem Vorstande einstimmig das Absolntorinm erteilt und der Dank für seine Mühewaltung ansgesprochen. Bei der hierauf stattgefundenen Wahl wurden die ausgelosten Vorstandsmitglieder Herren Jul. Bracher, Louis Flam, Wilhelm Flieg, Heinrich Hirschfeld, Ignatz Zolles, Emil Pomeranz wieder- und Herr Leib Steiner neugewählt. Als Rechnungs-Revisoren würden die Herren Mor. Butterweich, Jakob Stolzberg und Oskar Thiemann gewählt. In Erledigung der weiteren Tagesordnung wurde der Schriftführer Herr Emil Pomeranz, in Würdigung seiner ersprießlichen Tätigkeit und hervorragenden Verdienste um den Verein, vor der Generalversammlung einstimmig zum Ehrennntgliede ernannt, wofür derselbe sich herzlichst bedankte und die Versicherung abgab, nach wie vor eifrig bestrebt zu sein, das Interesse des Vereines zu fördern. Bei der gleichzeitig erfolgten Konstituierung wurden gewählt: Herr Ignatz Zolles zum Präses, die Herren Julius Brecher und Os. Jnec zu Präses-Stellvertreter, Herr Emil Pomeranz zum I. Schriftführer, Herr S. Schmdl zum H. Schriftführer, Herr Hermann Bartfeld zum Kassier und Herr Heinrich Hirschfeld zum Kontrollor. Wien. Die Wahl des Holleschauer Rabbiner Dr. Freimann zum Rabbiner in Posen wurde vom deutschen Minister bestätigt. Er tritt am 1. Juli sein Amt an. Wien-Mariahilf. Sonntag, 9: d. M. findet nm 1/vt 10 Uhr vormittags im Tempel VI. Schmalzhofgasse 3 eine Ga st predig t Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Jakob Drobinsky ans Friede! statt. Wien. (Generalversammlung des H l e tz i n g e r F r a u e n v e r e i ii). Die diesjährige Generalversammlung des Hietzinger Frauenvereines findet Montag den 11. Mai 1914, 8 Uhr abends in den Sälen des Restaurant Tonello, II. Lilienbrunngasse 2 (An der Marienbrücke) statt. Im Anschlüsse an die Generalversammlung wird Frau Direktor Regine Ullmann einen Vortrag über „Weibliche Fürsorge" halten. Gäste herzlichst willkommen. Wien. (Chewra Kadischa.) Unserem vorwöchentlichen Berichte haben wir hinzuzufügen, daß auch der Vorstand der Budapester autonomen orthodoxen Knltnsgemeinde ein herzliches Glückwunschtelegramm eingesendet hat. Von der Chewra Kadischa der orthodoxen israelitischen Knltnsgemeinde Pozsony ist nachfolgendes Telegramm eingelanfen: „In der heute abgehaltenen Generalversammlnng der' Chewra Kadischa der orthodoxen Israel. Kultusgemeinde wurde durch den Präses Lazar Gestetner in schwungvollen Worten der von der Wiener Chewra Kadischa anläßlich der verheerenden Brandkatastrophe eingeleiteten Sammlung und in Bereitschaft gehaltenen Hilfeleistungssumme rühmlichst Erwähnung getan und mit allseitiger Begeisterung beschlossen, an den Vorstand des Schwestervereines vorzüglich an dessen Präsidenten, Herrn Salo Cohn, wärmsten Dank abzustatten und nehmen

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