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Die Wahrheit · 1914-05-08 · Heft 17 (8.5.1914) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 17 (8.5.1914)
Date
1914-05-08
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Mv. 17. Die Wahrheit Seite 9. Dr. Edmund Kornfeld znm Schriftführer - Stellvertreter. 'Wilhelm Kux znm Zahlmeister und S. Rosenzweig zum Zahlmeister-Stellvertreter. Die Stelle des Obmannes wurde, vorläufig nicht besetzt. In den engeren Ausschuß wurden aus der Vereinsleitnng delegiert die Herren: Mvriz Sonueuschein. Leopold Louris. Hugo Tugendhat. Dr. Edmund .Kornfeld. S. Rosenzweig. Gustav Brüll,^ Dr. Julius Grünwald, Karl Klemperer. Dr. Edmund Kvhu. Josef I. Leinkauf. Josef Mandl, David Roller. Dr. Julius Scbor, Max Schweiger und Jicques Trebitsch.- Dem Tätigkeitsbericht aus dem Jahre 1913 eulnehmeu wir, daß die wirtschaftlichen Verhältnisse Galiziens im Jahre 1913 infolge der Einschränkung des Ki-edits dm-ch die Banken und der kriegerischen Ereignisse auf dem Balkan, ferner infolge von Mißwuchs und Ueberschwemmnngen daselbst besonders traurige gewesen sind. Da sich die Wirkung der politischen Vorkommnisse nicht bloß auf Galizien beschränkte, 'sondern auch auf ganz Oesterreich und zum Teile auch ans das Ausland erstreckte, war der Absatz jener Waren, die durch die Tätigkeit des Hilfsvereines in Galizien erzeugt werden, ein bedeutend geringerer als in früheren Jahren, indem der durch den allgemeinen schlechten Geschäftsgang hervorgerufene Minderverbranch sich in erster Linie bei Luxuswaren, wie z. D. bei Spitzen und Stickereien äußert. Dazu kam, daß sich die Mode von einem der hauptsächlichsten Spitzenartikel, die bisher in Galizien erzeugt wurden, abwendete. Der Hilfsverein bemühte sich mit allen Kräften der Ungunst der Lage entgegenznarbeiten; er forcierte jene Industrien, die einen besseren Absatz halten und veranstaltete, um den Absatz zu steigern, in Wien und Brünn und anfangs 1914 auch in Prag Verkaufs-Ausstellungen, die einen Bruttoerlös von K 56.000.— ergaben. Hoffen wir, daß das Jahr 1914 die Schäden, welche die beiden voransgegangenen Jahre gezeigt haben, wieder gut machen. Die Redaktion kann nicht umhin, die Aufmerksamkeit der Leser ans das eminent wohltätige Wirken des Galizischen Hilfsvereines zu lenken. Nur dadurch, daß den 600.000 armen galizischen Inden Arbeit und Verdienst zngeführt wird, werden diese unsere Glaubensgenossen nicht nur auf ein besseres materielles, sondern zugleich auch ans höheres kulturelles und moralisches Niveau gebracht. Dieser großartige Gedanke, den der Galizische Hilfsverein in die Tat umzusetzen sich bestrebt, bedarf zu seiner Verwirklichung sowohl einer fortgesetzten, unermüdlichen Tcuigkeit, als auch der reichlichen Unterstützung der Juden in ganz Oesterreich. Wir bitten daher unsere Leser, ohne Unterschied des Geschlechtes, diesem Vereine als Mitglieder beizntreten und auf diese Weise dieses segensreiche Werk zu fördern. Der mindeste Mitgliedsbeitrag beträgt jährlich K 4.—; Beitrittserklärungen sind an die Adresse des Hilfsvereines, Wien, IX., Berggasse 4. zu richten. Senrra gegen die Inden. Ohne Hinzutun der Juden, welche für ihre Religion niemals eifrige Propaganda machten, fand der Kultus des Einzigen Gottes bei den Römern viele Anhänger. Umsomehr muß man sich wundern, daß gerade die römischen Schriftsteller das Judentum haßten und die albernsten Märchen gegen dieselbe verbreiteten. So verschieden auch die geistigen Gebiete waren, auf denen sie sich betätigten und so feindselig sie auch einander gegenüberstanden, im Judenhasse waren sie einig. Am meisten leistete in dieser Hinsicht der Historiker Tacitns (Annalen 15, 28), dem der Rhetoriker Quintilian folgte. Der von beiden abfällig beurteilte philosophische Schriftsteller Seneca tadelte unter anderen Religionsmeinnngen der Volksgötterlehre auch die Gottesdienste der Inden und besonders die Sabbathe, indem er behauptet: „es sei eine zwecklose Sache, daß sie vermöge des jedesmaligen siebenten Zwischentages so ziemlich den siebenten Teil der Lebenszeit mit Nichtstun verschleudern und manches, wo es auf den Augenblick ankomme, dadurch, daß man's nicht tue, zu Schaden gehe". „Nachdem der Verkehr mit jenem verworfenen Volk mit der. Zeit so um sich gegriffen hat, daß es bereits in allen Ländern Eingang gefunden hat, so haben sie, die Besiegten, den. Siegern Gesetze gegeben." Es ist dies ein Änsspruch der Verwunderung, und er wußte nicht, was durch göttliche Schickung mit jenem Volke vorging. Deutlich fügt er aber seine Ansicht bei. wodurch er zu erkennen geben wollte, .was er von der Beschaffenheit ihrer Religionsgebräuche dachte. Er sagt nämlich: „Jene haben doch den Grund ihrer gottesdienstlichen Gebräuche gewußt' aber der größere Teil unseres Volkes tut Etwas, wovon es nicht weiß, warum?" So tönt denn doch sein Tadel in Lob gegen die Inden ans. Diese judenfemdlichen Aenßernngen Senecas hat der Kirchenvater Augustinus im Buche „Vom Reiche Gottes", Cp. 11, erhalten und gegen diese Einwendung erhoben. Fr. Gr. Das Dorbeleramt Bon W. Kalonimos. (Schluß.)' Deshalb sahen sich die w ü r d i g e n. a ch t n n g g ebietenden, intelligenten Kantoren veranlaßt, um diesem Uebelstande abzuhelfen. Kantorenbildungsanstalten ins Leben zn rufen, auf daß in Zukunft kein Kantor mehr in einer Gemeindakzeptiert werde, der nicht Nachweisen kann, daß er die K an to re n s ch n le mit bestem Erfolge absolviert und von frühester Jugend an stets einen r e l i g i ö s e n m o r a t i s ch e n Lebenswandel geführt habe. Ob aber diese Anstalten, so sie errichtet werden sollten, Existenzberechtigung haben werden, ist sehr fraglich. In diese» Kantorenbildungsanstalten sollen doch bloß Kantoren herangebildet werden, somit wäre bloß für die sehr großen Gemeinden, aber nicht für die minder großen und am allerwenigsten für die kleinen Gemeinden, die sich nicht den Luxus erlauben können, einen Künstler, der bloß allsabbatlich und an den heiligen Feiertagen zu fungieren hat. mit einem fixen Gehalt von mindestens 1000 Kronen nebst reichen Emolumenten anznstellen, gesorgt worden. In den mindergroßen Gemeinden muß der Kantor befähigt sein auch den Religionsunterricht in Volks- und Bürgerschulen erteilen zn können, damit er einerseits ein entsprechendes Einkommen habe, um standesgemäß leben zn können und andererseits Beschäftigung genug habe, um nicht die ganze Woche m ü s s i g h e r u m g e h e n zu m tt s s e n. Wo aber soll er das Lehrerbefähignngszeugnis erwerben, wenn es im ganzen Reiche keine einzige öffentliche Religionslehrerbildungsanstalt gibt? Nur ein Mittel gibt es, um diesen Uebelstande abznhelfen und dieses heißr: „Kantoren- und Religio n s l e h r e r b i l d u n g s a n st a l t e n." Nur ans diese Weise könnte die „Kautorenfrage", von der Sie sprachen, vortrefflich gelöst werden. Ich bnt somit mit der Beantwortung Ihrer Frage zn Ende. „Ich danke Ihnen herzlichst, sagte Herr K. L. für die Ansküufle, die Sie mir zn erteilen die Güte hatten, denn gerade die Religionslehrerfrage ist es,' die mir Anlaß gegeben, Sie zu besuchen, um mir bei Ihnen Rat zn holen. Vor sechs Monaten hat sich unser Herr Rabbiner, der lange Jahre in unserer Gemeinde segensreich gewirkt, aus Gesundheitsrücksichten ins Privatleben zurückgezogen. Nach seinem Abgänge erst hat die ganze Gemeinde den Verlust, den sie hiedurch erlitten, recht empfunden, denn durch seine weitnmfassende Gelehrsamkeit wie durch seine wahrhafte Frömmigkeit und sonstige priesterliche Tugenden, die ihn zierten, gelang es ihm, den Konservativen wie den Liberalen zn imponieren. Als wir nun daran gingen, den vakanten Rabbinerposten neu zu besetzen, stießen wir aus großen Widerstand, denn es haben sich in der Gemeinde, ja selbst auch

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