Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 17 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6. Die Wahrheil. Nr. 17. Wir dürfen vor allem nicht übersehen, daß von zwei bndgetierteu Ausgabeposteu von zusammen K 150.000.— nur ein weniges über X 33.000.7— in Anspruch genommen worden ist, und zwar die Post L 50.000.— für den neuen Friedhof gar nicht von der großen Reserve von L100.OOO.t— nur etwas über L 33.000.—. Den dritten Teil zu dem günstigen Ergebnis hat sonach die Nichtinanspruchnahme von Reserven beigetragen. Hiezu kommt noch der nachfolgende, schwer ins Gewicht fallende Umstand: Wenn die Gebarungsergebnisse eines abgelaufenen Jahres betrachtet und Bemerkungen hieran geknüpft werden, so hat dies naturgemäß nach zwei Richtungen hin zu geschehen. Die eine ist die Prüfung des hinter uns liegenden Jahresergebnisses, die zweite Schlnßfolgernttg in bezug auf die uächstkommeude Zen. und in letzterer Beziehung kann ich nicht umhin. Sie. sehr geehrte Herren, wie dies meinerseits schon wiederholt stattgefnnden, darauf aufmerksam zu machen, daß wir schon im laufenden Jahre weit größere Ausgaben als im abgelaufenen zu decken haben werden, daß jedoch auch in den Hierauf folgenden Jahren namhafte, derzeit durchaus noch nicht abschätzbare Auslagen uns erwachsen werden. Ich spreche da zunächst von dem laufenden Jahre, und da stehen wir vor der-bereits vollzogenen Tatsache, daß durch die berechtigte und unbedingt notwendig gewesene Regulierung der Gehalte der Beamten eine Mehranslage von mindestens K 106.000.— erwachsen wird, so daß im Jahre 1914 das Gehalre-Budget K 1,400.000.— betragen, somit mehr als den dritten Teil des Budgets in Anspruch nahmen wird, und trotzdem muß der Wahrheit gemäß und zur Ehre unseres Beamtenkörpers gesagt werden, daß die Leistungen desselben zum weitaus größten Teile derartige sind, daß man nicht behaupten kann, es seien die ihnen zugebilligten Gehalte zu hoch bemessen. Damit Sie selbst sich, was die Nichtigkeit dieser meiner Behauptung betrifft, ein Urteil in diesem Punkte bilden, gestatte ich mir, Ihnen, nur einige wenige Daten vorzuführen. Die Leistnngen des Sekretariates und der im Verhältnisse za den Agenden desselben geringen Zahl von Beamten, die demselben zngewiesen sind, kennen wir zumeist aus eigener Wahrnehmung und kann ich mir diesbezüglich jede Bemerkung ersparen. Das Friedhofsamt hatte im Jahre 1913 2501 Leichenbestattungen und die damit verbundenen, eine außerordentliche Sorgfalt und Akuratesse bedingenden Arbeiten zu leisten, und ich brauche es wohl nicht hervorzuheben, wie delikat einerseits gerade in diesem Ressort die Verhandlungen geführt werden müssen und wie wieder andererseits von so vielen Parteien Ansprüche gestellt werden, denen nicht. Rechnung getragen werden kann und darf. Unsere Kassa hatte im laufenden Jahre ein Revierement pro und kontra von K 16,671.163.—, wobei die Gebarung in Effekten nicht berechnet ist. Der Parteien verkehr bei der Hanplkassa betrug K 47.643.—. Diese Ziffern sprechen zu deutlich für die bezüglichen Aenner, als daß noch ein Weiteres hinzugefügt werden müßte. Das Steueramt hat die Behandlung von mehr als 25.000 Zeusilen und die zahllosen sich hieran anknüpfenden Erledigungen zu besorgen. Diese wenigen Daten, die ich Ihnen hier vorzutragen mir erlaubt habe, werden Ihnen ein genügendes Bild über den Umfang der Agenden unserer Beamtenschaft gegeben haben und meine früher angeführte Behauptung als berechtigt erscheinen lassen. Außer der Mehrauslage jedoch von der ich zuletzt gesprochen habe, werden uns, wenn nicht schon im nächsten Jahre, so doch spätestens im Jahre 1916 neue Aufgaben und neue Auslagen erwachsen. Wie schon des öfteren an dieser Stelle vorgebracht wurde, müssen wir noch Heuer mit den Arbeiten auf dem neuen Friedhofe beginnen, und da der Belegraum in der gegenwärtigen Abteilung des Zentralfriedhofes kaum noch für zwei Jahre hinreichen dürfte, so werden wir jedenfalls schon im Jahre 1916 mit der Belegung des neuen Friedhofes beginnen müssen, und damit wird eine Quelle neuer Auslagen erwachsen. Wir werden auf dem bisherigen Teile des Friedhofes noch eme große Anzahl von Jahren bie; Bestattungen hl Grüften, reservierten Grabstellen und Beilegungen zu leisten . haben, und was besonders ins Gewicht fällt, die Instandhaltung derselben, daneben aber auch die ganze Gebarung atlf dem neuen Friedhofe besorgen müssen. Daß die Behandlung dieser Frage nicht bloß reifliche Erwägung und.zutreffende Anordnung erfordert, sonden auch mit namhaften Mehrauslageu verbunden sein wird, liegt klar zutage,, wobei ich selbstverständlich jene Auslagen, welche durch die Anlage des neuen Friedhofes notwendig sein werden, nicht in Betracht ziehe, weil diese Auslagen Investitionen darstellen nnd selbst ein Vermögensobjekt bilden. Unser Wohltätigkeitsbndget wächst von Jahr zu Jahr und beträgt derzeit zirka K 380.000.—. Ich habe diese Daten und die Bemerkungen, die ich hieran knüpfe, nicht zu dem Zwecke vorgebracht, um Sie pessimistisch zn stimmen oder selbst dem Pessimismus Ausdruck zu geben, sondern aus dem Grunde, weil ich es für richtig halte, allen Dingen, die in unsere Gebarung kommen werden und müssen, rechtzeitig ins Auge zu sehen, damit tvir in unserer weiteren Gebarung hieraus Rücksicht nehmen können, und ich zweifle nicht, daß wir auch diesfalls wie bisher..mir Vorsicht und in reiflicher Erwägung aller maßgebenden Umstande das Nötige und Sachliche besorgen werden, nnd uns dies auch künftighin auf das gewissenhafteste werden angelegen sein lassen. Hiermit schließe ich, indem ich dem Bureau und insbesondere den Herren Moritz R u f nnd Leopold Schäfer für die Unterstützung, die sie mir bei dem heutigen Referate gewährten, bestens danke nnd Sie ersuche, den vorliegenden Rechnungsabschluß zu genehmigen. Die Ausführungen des Referenten wurden mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Vizepräsident Dr. Gustav. Kohngab diesem Beifalle Ausdruck, als er namens des Vorstandes dem Herrn Dr. Leopold K o h n für sein ausgezeichnetes Elaborat nnd die große Mühewaltung, die er beim Studium des gesamten Rechnungsabschlusses anfwendete, den Dank aussprach. Zum Rechnungsabschluß erhielt in der hierauf eröffneten Debatte zunächst Knltusvorsteher Ober-Ingenieur Stricker, das Wort, welcher auf die Anomalie hinwies, daß während in anderen Gemeinden die F l e i s ch r e g i e bedeutende Zuschüsse ergebe, bei uns diese Post jährlich ein ganz unglaubliches Defizit aufweist, welches im Jahre 1913 L 50.973-33 betrug. Dies könnte mit dem Schwinden der Religiosität in der Wiener jüdischen Bevölkerung nicht erklärt werden, da ja andererseits die Synagogen eine gesteigerte Frequenz aufweisen. Es müsse auch in der Fleischregie Wandel geschaffen werden, aber nicht dadurch, daß die Schlachtgebühren erhöht werden, denn dies bedeute nichts anderes, als die Ueberwälzung der ganzen Leistung ans die Konsnmenten. .Redner urgiert ferner die Bestellung eines verläßlichen, verantwortungsvollen Leiters für das Technische Amt der Knltusgemeinde, da der gegenwärtige Leiter krankheitshalber schon seit langer Zeit auf Urlaub ist und es angesichts der bevorstehenden großen Baudurchführungen der Knltnsgemeinde undenkbar sei, daß das Technische Amt eines Leiters entbehre, der geeignet wäre, diese Arbeiten zn überwachen und für alle Vorkommnisse bei denselben die Verantwortung zn tragen. Vizepräsident Dr. Gustav K o h n ist gegenüber den Ausführungen des Vorredners der Ansicht, daß der steigende Rückgang im Konsum des Koscherfleisches ein Symptom für den Rückgang der Religiosität unter den Wiener Inden sei. Der Vorstand beschäftigte sich mit dieser Frage und dürste bald in der Lage sein, auch hierin eine Wandlung zum Besseren eintreten zu lassen, ohne dadurch die Konsumenten zu belasten. Was das Technische Amt betrifft, so. werde auch in dieser Richtung bald etwas geschehen, denn er stimme darin mit dem Knltusvorsteher Stricker überein, daß diesem Amte wichtige Aufgaben bevorsteheu, welche nur unter einer