Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 17 (8.5.1914)
- Date
- 1914-05-08
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 7 Nr. 17.. Die Wahrheit vollständig nicht nur technisch-wissenschaftlichen, sondern auch Physisch rüstigen. Leitung mit Erfolg gelöst werden können. Dr. Leopold K o t) n stellt gegenüber einer Bemerkung des Knltnsvorstehers Stricker, fest, daß der Beamte, in dessen Messorl die Flerschregie fällt für die Zustände in dieser Richtung nicht verantwortlich gemacht werden könne, da er stets objektive Berichte über die tatsächlichen Verhältnisse eritattete und ans den weiteren Gang der Angelegenheit keinen Einfluß hat. Ans eine Anfrage des Knltnsvorstehers S. B r o d bezüglich der Gräberschmücknngeu aus dem jüdischen Friedhofe gibt der Referent Dr. Leopold K v h n die Aufklärung. daß in dieser Angelegenheit Refornwvrschläge ansgearbeitet werden, welche den Knltnsvorstand schon demnächst beschäftigen iollen. Vizepräsident Hofrat Dr. R a p p a p o r t stell einen Irrtum in den Ausführungen des Knltnsvorstehers Stricker hinsichtlich der Heizanlage im Versorgungshause richtig, indem er daraus verweist, daß diese bemängelte Anlage ja schon vor 30 Jahren errichtet worden sei. Ueber Antrag des Kultnsvorstehers Emannel H o f fm a n n .wird dann der Rechnungsabschluß sn bloo angenommen, dem Herrn Referenten Knltnsvorsteher Dr. Leopold Kohn den Dank und im Sinne des Referates dem Oberbuchhalter Ru ff und dem Adjunkten der Buchhaltung Leop. Schäfer die Anerkennung votiert. Errichtung eines neuen Friedhofes. Hierüber erstattet Sekretär-Stellvertreter Emil Engel -ein ausführliches Referat, dem wir folgendes entnehmen: Das Vertreter-Kollegium legt den vom Exekutivkomitee für den zu errichtenden neuen Friedhof ansgearbeiteten Entwurf des Erfordernisprogrammes vor. welcher als Grundlage für die Architektenkonknrrenz zu dienen hat. Dieses Erfordernisprogramm hebt als leitenden Grundsatz hervor, daß bei voller .Wahrung der architektonischen Rücksichten das Hauptgewicht ans die größte Oekonomie in Bezug auf Herstellnngs- und Eryaltnngskosten und insbesondere auf die Ausnützung des Terrains für die Gräberanlage zu legen sei. Diese Bestimmung mußte deshalb anfgenommen werden, weil erfahrungsgemäß bei derartigen Konkurrenzen das ökonomische Moment weniger berücksichtigt wird. Nichtjüdische Friedhöfe, die zum größten Teile nach Ablauf einer gewissen Zeit wieder benützt werden, können im Hinblicke auf diesen Umstand sich ein größeres Maß von Luxus, namentlich in der gärtnerischen Ansgestaltung der Friedhöfe gestatten.. Bei jüdischen Friedhöfen aber, ist eine Wiederbenützung ansgeschlvssen, überdies müssen jüdische Gemeinden, wie es auch in Wien der Fall war, die Friedhofgründe zu einem hohen Kaufpreise erwerben, was bei kommunalen Friedhöfen in der Regel nicht der Fall ist. Der Plan für den neuen Friedhof soll schon derzeit projektiert werden. Es ist jedoch in Aussicht genommen, nur mit einem teilweisen Belage, u. zw. in der Weise zu beginnen, daß zunächst ein stadtseitsgelegener, durch die ganze Tiefe des Friedhofes gehender Streifen zur Benützung gelaugt. Die erforderlichen Gebäude, u. zw. Zeremoniensaal, Leichenhalle und Administrationsgebände sind an der Stirnseite des Friedhofes anzulegen. Zn dieser grundsätzlichen Bestimmung hat sich das Exekutivkomitee deshalb veranlaßt gesehen, weil die bei manchen Aulagen durchgeführte Verlegung der Gebäude in die Mitte des Friedhofterraius sich für den.vorliegenden Fall als unzweckmäßig erwiesen hätte. Bezüglich der Wegführung wird im Erfordernisprogramm ausgesprochen, daß geschwungene Wege zu vermeiden sind. Das Komitee ist bei Festlegung dieses Grundsatzes von der Erwägung ansgegangen, daß die Anlage geschwungener Wege infolge der vielen entstehenden Zwickel eine so ökonomische Ausnützung des Terrains wie bei gerader Wegführnng nicht gestattet, daß ferner die Orientierung für das gräberfuchende Publikum bei geraden Straßen leichter ist. Den ästhetischen Forderungen kann auch bei geraden Straßen in weitestgehendem Maße Rechnung getragen werden, wie dies gerade die schönsten neuen Anlagen in Deutschland, z. B. der Frankfurter mtb Münchner Friedhof beweisen. Grüfte iollen. wie es auch auf dem derzeit benützten Friedhofe der Fall ist, sowohl an den Hanptwegen, wie au der Friebhofmaner angelegt werden. Für die normale Dimensionen übersteigenden Grabstätten ist an den Wegkreuzungen. die platzarcig erweitert werden, Vorsorge zn treffen. Auf die Anlage einer größeren Anzahl von Ehrengrüvern an hervorragender Stelle des Friedhofes ist Bedacht zn nehmen. Bezüglich der Gebäude wird u. a. ausgesprochen, daß das Zeremouiensaalgebäude im nnmittelbaren Zusammenhänge mir dem Leichenbeisetzgebände zn stehen hat. io daß die Einbringung der Leichen in den Zeremoniensaal nicht wie bisher über den Friedhof erfolgen, sondern im Innern der Gebäude vor sich gehen wird. Selbstverständlich ist die Forderung, daß die Projektierung unter strengster Beobachtung derbehördlichen Vorschriften in sanitärer und baupolizeilicher Beziehung, sowie unter Berücksichtigung der rituellen Vorschriften zn erfolgen hat. Die Konkurrenz ist eine beschränkte. Den Projektanten ist es freigeftellc, sowohl für die Friedhofsanlage selbst und für die Gebäude zusammen oder auch nur für einen der beiden Projektiernngsteile zu konkurrieren. Die Beurteilung der Arbeiten wird durch ein Preisgericht erfolgen, dem die Vorstandsmitglieder Vizepräsident Hofrat Dr. Benjamin Rappaport, Architekt Gärtner, kais. Rat Siegmnnd Kanders. Dr. Leopold Kohn. Wilhelm Kuffner und Ing. Robert Stricker, sowie 5 hervorragende technische Fachmänner, die um ihre Mitwirkung ersucht werden müssen, angehören werden. Als Ersatzmänner für die Jltroren werden vom Kultusvorstande Herr Dr. Markus Spitzer und ein außerhalb der Knltusgemeinde stehender Architekt berufen, ferner werden den Sitzungen des Preisgerichtes mit beratender Stimme Sekretär-Stellvertreter Emil Engel und Amtschef Wilhelm F r e i st a d t zngezogen. Es werden drei Preise in der Höhe von K 4000.— 3000.— und 2000.— ansgesetzt, doch kann, falls das Preisgericht dies beschließt, die Summe von L 9000.— auch in anderer Weise verteilt werden. Weiters sollen zwei nichtprämiierte Arbeiten im Betrage von je K 1000.— angekauft werden. Die Baukosten find nicht mit einem bestimmten Betrage anzngeben, doch ist im Programme ausdrücklich zu betonen, daß unter sonst gleichen Verhältnissen jenes Projekt den Vorzug erhalten wird, welches sich sowohl bezüglich der Errichtnngskosteu wie bezüglich der Ausnützung des Terrains als das ökonomischeste erweist. * * * Am Sonnrag, den 3. Mai 1914. vorm. 10 Uhr, sand eine vertrauliche Plenarsitzung des Wiener israel. Kultnsvorstandes unter dem Vorsitze des Präsidenten Dr. Alfred Stern stau/ Vor Eingang in die Tagesordnung und nach Verlesung des Etnlanfes durch den Ersten Sekretär kais. Rat Dr. Lieben machte der Präsident die Mitteilung, daß bei dem Brndermahle. welches die Chewra Kadischa in Wien anläßlich ihres 150jährigen Gnindungsjubilünius veranstaltet hat, das verehrte Mitglied des Vertreter-Kollegiums. Herr Salo Cohn, als Präsident der Chewra Kadischa, für die humanitären Zwecke derselben eine Spende von 100.000 Kronen gemacht hat. Er habe damit seine vor nicht langer Zeit gewidmete Spende von K 50.000 auf 150 000 Kronen erhöht. Redner handle gewiß im Sinne aller Anwesenden, wenn er dem sehr geehrten Kollegen für diese mnnifizente Spende herzlichsten Dank des Vorstandes ansspricht. (Beifall.) Hierauf wird beschlossen, den Namen des vor Jahresfrist verstorbenen Vorstandsmitgliedes der Wiener israel. Knltnsgemeiude und Präsidenten der „Jsr. Allianz zn Wien", David Ritter von Gntmann, in Anerkennung seiner her-