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Die Wahrheit · 1914-05-01 · Heft 16 (1.5.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 16 (1.5.1914)
Date
1914-05-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Wahrheit. Nr. 16. Seite 6. Kommerzialrat David Fnnlo, Karl Freund, Moriz Baum, die kaiserlichen Räte Leopold Reich, Rauschburg, Marek, Moritz .Reif. Josef Rosentoal. Direktor Alfred Kanror, Gottlieb Bettelheim, Adolf Hofmann, Obmann des Tempelvereines Börserat' Eichberg, Chefredakteur Emannel von Singer, Regierungsrat Wilhelm Neumann, fern. Rat Ignaz Wilhelm, Sekretär der Baronin Hirsch-Stiftung Dr. R. Tb. Schörstein. Dr. Kapralik. Die Schriftsteller Dr. I. S. Bloch, Heinrich Glücksmann, Dr. S. R. Landau. Dr. Mariz Löwy. Die' Schuldirektoren Jakob Mautner und S- Kilhner, Präsidenl des Vereines zur.Bekleidung und Uuterstützitng armer alter Männer Isidor Schwarz. Die Kommerzialräte Moritz Hacker, Rosenzweig, David Fanto, Moriz Geiringer. Die Professoren des Rabbinerfeminars Dr. S. Krauß, Dr. S. Aplowitzer. Die Lektoren Dr. Rubin und Dr. Kaminka. Die Bibliothekare Dr. Münz und Dr. Wachstein. Selretär der Armen-Anstalt Isidor Pollak. Die Oberkantoreu Jakob Bauer, Don Fuchs Josef Morgenstern. Die I. Kantoren Jnrberger, Kaufmann, Matyas. Schleifer u. Serebrenik. Die Direktoren kais. Rat Heller, Rudolf Kohn, Max Fischer. Die Oberbeamten der jsrael. Knltusgemeinde Erster. Sekretär kais. Rat Dr. Theodor Lieben, Sekretär Dr. Emil Adler. Die Sekretär- Stellvertreter Emil Engel. Guido Fnchsgelb, Dr. Leopold Siern, Steueramlschef Adolf Popper, Ämtsleiter Wilhelm Freistadt, Amtsleiier Horowitz, Btlchhalter Ruff, Matrikelauilsleiter Brösler, Materialverwalter Steiner. Ämtsleiter Rudolf Kraus. Kassier Peterselka. Verwalter des Versorgungs- Hanfes Brösler. Adjunkt Heinrich Engel. Die Religions-Inspektoren Langfelder und Kanitz. Das auf der Estrade postierte Orchester leitete den Festabend mit dem Krömtngsmarsch von Meyerbeer ein itnd als derselbe verklungen war, begrüßte der Präsident der Chewra Kadischa Herr Salo Cohn die Festgäste mit folgender Ansprache: Hochverehrte Festversammlnng! Im Namen unseres Vorstandes begrüße ich Sie, verehrte Herren, auf das herzlichste und freue mich, die Vertreter unserer auswärtigen Kultusgemeinden und Chewra-Kadischas in unserer Mitte zu sehen. Ich habe bereits vor mehreren Jahren darauf hingewiesen. daß sich in unserem Archive nach Dr. Gersvn Wolf eine Einladung zu einer Chewra-Sude ans dem Jahre 1320 unter der Regierung Friedrich des Schönen befindet. Die Namen der Unterzeichner haben sich teilweise noch bis heute in unserer Gemeinde erhalten. Seitdem haben harte Schicki'alsfchläge nufere Glaubensgenossen betroffen, aber der hohe Sinn für Wohltätigkeit ist ihnen stets getreu geblieben. Im Jahre 1763 fanden sich einige junge Männer, die bei der Hofkammer der Kaiserin Maria Theresia um die Bewilligung der Statuten unserer heutigen Chewra-Kadischa einkameu und im Jahre 1764 wurde ihnen dieselbe gewährt. So feiern wir heule den 150. Jahrestag der Gründung unseres heiligen Vereines, und wir wollen in aufrichtiger Dankbarkeit unserer Gründer gedenken. Wir selbst haben zur Erinnerung an den heutigen Tag ein Haus mit Garten in Baden gekauft, um Erholungsbedürftigen unentgeltlich eine gesunde Wohnung zu überlassen. Vor einigen Tagen, es war am Montag, hatte ich Gelegenheit, den imposanten Festzng, den die Bürger von Zürich zu Ehren der Einweihung der neuen Universität veranstalteten, zu sehen. Die Aufzüge zeigen uns die Nationen, die uns besonders Wissenschaft und Kultur gebracht haben. Zuerst die Aegypter, die Babylonier und Israeliten, später die Griechen, Römer, Ar.aber. Gestatten Sie mir die Einleitung des Textes über unsere Glaubensgenossen im Wortlaute vorznlesen: „Im Einflußbereich der babylonischen Kultur siedelt sich in Palästina um 1300 das Volk der Söhne Israels an und entwickelt, zunächst wenig beachtet, in seinem Schoße die Religion des sittlichen Monotaeismns, aus der dann Christerl rim und Islam hervorgegangen sind. Unser Zug versucht ein Bild davon zu geben, wie sich im Volke Israel diese Religion aus niederen ' Anfängen zur reinen Höhe entfallet hat und dann zur Gesetzlichkeit geworden ist." '' ' Es folgen dann die Bilder ans unserer Geschichte, und derTexr schließt mit den Worten : „Seitdem ist Freude am Gesetze das Wesen des Judentums geblieben." Die Freude am Wohltun,' geehrte Herren, waren die Worte/ mit denen'.'unser gütiger Monarch die Delegierten unserer Jndengemeinden an seinem sechzigsten Regierungs- Jubiläum begrüßte. Freude am Wvhltun! Freude am Gesetze! das sind ja die Symbole unserer Cheivra-Kadischa! ' In diesem Zeichen haben wir itns heute hier vereint, um im Sinne unserer Borfahren dieses schöne Fest zu feiern. Und so wollen wir auch in ihrem Geiste fortfahren. Werke der Wohltätigkeit zu üben, Trauernde zu trösten Leidenden, Armen und Unglücklichen beiznstehen. Seien Sie uns, geehrte Herren und Brüder, heute, herzlichst willkommen! Hierauf sprach der Schriftsteller Heinrich' Glücksmann folgenden von ihm verfaßten Prolog: In dieser festgeweihlen Jnbelstnnde, Die hnndertsünfzig Jahre eines Wirkens Des selbstlos reinsten Liebesdienstes feiert. Senkt sich der imstre Blick in ferne Zeiten, In Zeiten, die umdüstert und verklärt Vom Martertum und Ruhme nns'res Volkes . . . Die „Auserwühlten" sind wir znbenannt. Zum Heistgen Leide, das die Herzen läutert, Die Seelen stärkt und milde Weisheit reift, Zum Dulderschicksal sind wir auserwählt Seu ewig langen Tagen, seit die Krone, Die schimmernde, von Judas Haupte fiel . . . Lichtblicke galsts, die — wie mit Zanverbildern Der Tücke Geist der Sahara dem Wand'rer — Uns frohe Wandlung heuchlerisch verhießen. Doch ihrem gold'nen Anfblitz folgte Nacht, Die schwärzeste, die höllentiefste Nacht. Und jedes flüchtige Mvrgensonnenlenchten. Berfegte wilden, wüsten Sturmes Tosen. Auch jene stolze Heldenrenaissance, Da das Tyrannenjoch der harten Römer Das gotlgeschweißle Wnnderschwert Bar Kochbcsts, Des Kriegers im Messiasschimmer, brach. Auch dieser kühiie Aufschwung unserer Kraft, Der schier Erweckung schien zur alten Glorie, Zu Macht und Herrschaft. Glanz und Herrlichkeit, War nur Fata Morgana-Trng, ein Traum, Ein Märchentranm, ans dem das Schicksal Zu schnell, ach! unser Volk mit giftigem Hohne In grause Wirklichkeil znrückgeschlendert . . . Die Felder, die der Sieg schon überjaiichzte, Die düngte jetzt in tausend üpp'gen Strömen Bar Kvchbas edles Blut und seiner Treuen, Der Tapfern alst, die Hadrians Kohorten. Die zehnfach stärkeren, auf's Haupt geschlagen, In Flucht. Verzweiflung und in Tod gejagt, Bis daß die Loderflamme ihres Mutes Und ihres Selbstvertrauens Altarglnt Erlosch im kalten Hauch des Hnngerdämons. Der ihre Muskeln, ihre Sehnen lähmte Und ihre Leiber vor die Lanzen warf Und vor den Mörderhuf der Panzerrosse . . . Zn Hansen türmten sich die Heldenleichen. Gefällt im heistgen Kamps nnsts Lebeusrecht. Und Geier hackten ihre scharfen Schiiäbel, Hyänen und Schakale ihre Zähne Tief in das Fleisch der Hingeschlachteten, Der Hnngergier der Bestien ansgeliefert Durch das Gebot des rachewüstgeu Cäsar,

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