Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 15 (24.4.1914)
- Date
- 1914-04-24
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Leite 10. Die Wakrheil 91 r. 15 Verblichene in den weitesten Kreisen der Gemeinde erfreute, davon zeugte die große 'Teilnahme an seinem Leichenbegängnisse, das Mittwoch den 22. d. M. vom Trauerhause. II. Praterstraße 40 ans. stattfand. Sein Andenken wird nicht nur in seiner Familie, die ihm mit seltener Liebe anhieng, sondern in der ganzen Wiener Gemeinde in steter, ehrenvoller Ernrnernng bleiben.;-Q“cb p‘12 “OT! Wie«. (Sucion Br n n n e r.) Am 15. April ist der Großindustrielle und ehemalige Gemeinderat Luciau B r n n n e r nach kurzer Krankheit im 63. Lebensjahr gestorben. Lucian Brunner gehörte in den neunziger Jahren zn den eifrigsten Debattern des Wiener Gemeinderates und.in den damaligen stürmischen Sitzungen trat er -sehr häufig als Wortführer ans. Erinnerlich ist, daß er mehrmals gegen Beschlüße des Gemeiuderates in kirchlichen Angelegenheiten den Verwaltnngsgerichtshof anrief, der aber seine Beschwerden abwies. Bei den nächsten Wahlen erhielt er kein Mandat mehr und beteiligte sich eine Zeitlang nicht mehr am öffentlichen Leben. Später trat er dann ins demokratische Lager über und zuletzt suchte er im 19. Bezirk in heftiger Agitation ein Mandat zn erlangen. Bei den letzten Reichsrarswahlen im Jahre 1911 kandidierte er um das Mandat der Städte Radautz, Sereth und Snczawa. kam in die Stichwahl, unterlag jedoch gegen den christlichsozialen Abgeordneten H r n s ch k a. Bald darauf trat er ganz vom öffentlichen Leben zurück. Brunner, der aus Hohenems in Vorarlberg stammte, hatte sich aus vielen Gebieten betätigt. Luciau B ru u ne rstammte aus sehr vermögendem Hause und ist auch als mehrfacher Millionär gestorben. Er war Präsident der Internationalen Rückversichernugs - Gesellschaft, Verwallungsrat der Bozen - Meraner Bahn und Direkrionsmitglied der Oesterreichifchen Volksbank. die eine Gründung Brunners ist. In erster Ehe war er mir einer Tochter des Kleiderfabrikanten Mandl, in zweiter Ehe mit Frau W a ch s m a n n vermählt. Er hinterläßt vier Söhne und eine ' Tochter, die mit dem Holzhändler Herrn Munk verheiratet ist. Schon der Vater Luciau Brunne r s, Herr Marco Brunner und seine Oheme Jakob, Karl und Hermann B ru n n e r, lauter geborene Hohenemser, und Nachbarn der Sulzersamilie, deren Haus an das Snlzerhaus angreiizr, werden zu den bedeutendsten Bankiers und Industriellen Borarlsbergs, der Schweiz und des Küstenlandes hanprsächlich Triest, gezählt. Wenn es in einem solchen ernsten Augenblicke nicht deplaziert erschiene, so könnte mau sagen: „Lucian Brunner war in der Wahl seiner Eltern vorsichtig l" — Man schätzte das Vermögen sämtlicher B r u n n e r weit über 20 Millionen. Lucian Brunner spendete bedeutende Sunimen für das von ihm ohne Unterschied der Konfession mirgegründete Elisabetspital in Hohenems und spendete einen namhaften Fond für den Bau der deutschliberalen Turnhalle. Die Mitbürger ehrten ihren Wohltäter, indem sie die Hauptstraße von Hohenems Brunuergaffe nannten. E. E. Wie«. Unter zahlreicher Beteiligung fand Donnerstag den 2. April das Leichenbegängnis der Frau Marie H e l l e r, Gattin des Herrn Leopold Heller, statt. Die Verblichene war ob ihrer Herzensgüre und Frömmigkeit in allen Kreisen verehrt und geachtet. Rabbiner Dr. Bach hielt der dahingeschiedenen, biederen Frau einen tiefempfundenen Nachruf. Wie«. Freitag den 24. April a. c., 11 Uhr vormittags, findet am Zentralsriedhof die Grabsteinenthüllung des fei. Herrn Abraham Pekarnik, Kantor des Tempels DL, Müllnergasse 21, statt. Wie«. (Paul H e y f e s Mutter.) Panl H e y s e hat der Schriftstellerin Frau Adele C r e p a z über ihre Anfrage, welchen Einfluß seine Mutter auf feine geistige Entwicklung hatte, folgendes mirgeteilt: „Meine Mutter, Julie H e y s e geborene Saling, stamnite aus einer jüdischen Familie. Der Vater hatte ein Juweliergeschäft in Berlin und starb lange vor meiner Geburt, wie ich auch die Großmutter nicht gekannt habe, die von ihren sechs Kindern als eine Parriarchiu von altem jüdischen Adel und großer Schönheit gerühmt wurde. Meine Mutter war von vier Schwestern die jüngste, 1797 geboren und so viel ich die anderen beurteilen konnte, die liebenswürdigste, sehr warmherzig, witzig, mit der damals üblichen Bildung, die sich ans eine allgemeine Kenntnis der modernen französischen, englischen und deutschen Literatur beschränkte. Sie sprach die beiden fremden Sprachen fließend und übersetzte gewandt aus dem Deutschen ins Englische, n. a. Goethesche Gedichte. Im Hanse M e n d e l s s o h-n lernte sie meinen Vater kennen, der Felix Mendelssohns Erzieher war und heiratete den um nenn Jahre jüngeren Mann im Jahre 1827. Da mein Vater eine sehr zarte Gesundheit hatte, sie aber bis in ihr hohes Alter sich an Leib und Seele frisch und lebensfroh erhielt, wurde der Altersunterschied nicht fühlbar und sie konnte sich der Pflicht, den durch Arbeit und Kränklichkeit früh Gealterten zu pflegen und zu erheitern, mit der hlngebendeu Liebe und Treue widmen, die sie auch gegen ihre beiden Srhne bewährte. Kleine Stürme, die ihr leidenschaftliches Temperament zuweilen verursachte, Haben das Glück dieser Ehe nicht gestört, doch wenn ich meiner Mutter auch die gesunde, leibliche Natur und die Grundlage meines geistigen Temperaments verdanke, stand meine Bildung und die Entwicklung meiner dichterischen Anlage mehr unter dem Einfluß meines Vaters. Dies näher zn begründen würde zn weit führen. Meine liebe Mutter starb im Jahre 1864, neun Jahre nach ihrem Gatten, bis zuletzt an allen Sinnen gesund und mit der lebendigsten Teilnahme an allem, was ihren Sohn betraf, freilich mit einer rührenden, völlig kritiklosen Ueberjchätzung und heftigem Groll gegen jeden, der ihr darin nicht beistunmte." Wien. (Gründung eine^ neuen israelitischen Wohls ahrtsverbandes.) Am 8. d. M. fand die konstituierende Generalversammlung des neu gegründeten Vereines unter dem Namen „Be rband der in Wien b e st e h e n d e n h u m a n i t ä r e n Vereine der g a l i z i s ch e n I u d e n" statt. Dem Verbände sind vorläufig nachstehende sechs Vereine beigetreten: der „Verein der Brodyer", „Verein der-Kolomeaer". „Verein der Lemberger", .„Verein der Rzeszower", „Verein der Tarnopoler" und der „Verein der Tarnower". Statutenmäßig war jeder dem Verbände angehörige Verein durch je zwei Delegierte vertreten. Nachdem die Herren Proponenten. die,Herren Dr. Max Jakobsohn, Dr. Joses Zip s er, Dr. Moritz Kaha ne, Ignatz Platz und I. M. Beer der Versammlung den Zweck des Verbandes, bestehend in Wahrung der Interessen der Verbandsmitglieder ans humanitärem und wirtschaftlichem Gebiete eingehend anseinandergesetzt hatten, würde die Wahl des Ausschusses vorgenommen. Am 15. d. M. konsumierte sich der Ausschuß und wurden Dr. I a k o b s o h n znm Präsidenten, die Herren Platz und Beer zn Vizepräsidenten, Dr. K a h a n e und Dr. W o l f m a n n zn Schriftführern, Adolf H e ch t und Isidor W i l l n e r zn Kassieren einhellig gewählt..— Allfällige Zuschriften sind zn richten an: Dr. Max I a k o b s o h n, I. Biberstraße 11. Wien. Am 29. März l. I. die 32. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Synagogeii-Vereines „Berh Israel" im Sitzungsjaale des Vereines II. Leovoldsgasse 29, unter sehr zahlreicher Veteiligung der Mitgliederschaft statt. Nachdem der Vorsitzende Herr Ignatz Zolles die Beschlußfähigkeit der Geileralveriaulttilniig konstatiert hatte, eröffnete er dieselbe mit einer warmen Ansprache an die Mitglieder, worauf der.Rechenschaftsbericht pro. 1913 erstattet, sodann über Airrrag der Herren Rechnnngsrevisorcn dem Vorstande das Absolutorinm erteilt und für dessen Mühewaltung Dank und Anerkennung ansgedrückt wurde. — Während dessen erschien der Delegierte. der Kultnsgemöinde. Herr Knltnsvorsteher Dr. Schreiber, der vom Vorsitzenden herzlich begrüßt, in seiner hiefür Dankenden Entgegnung namens der israelitischen Knltnsgemeinde hervorhob, daß dieselbe wachsamen Auges das gedeihliche Wirke» des Bethausverelnes:„Beih Israel" verfolgt und anerkennt und verspricht, daß die israelitische Knltnsgemeinde bestrebt sein wird, diesen Berhansverein zu stützen und zu fördern. — Der Vorsitzende, Herr Ignatz Zolles nahm unter bestem Dank von diesem Versprechen des Herrn Delegierten Dr. Schreiber Kenntnis und setzte mit Bestimmtheit voraus, daß g>- gebenenfalls dem Versprechen gewiß auch die Tat folgen wird. — Bei der sodann vorgenommenen Wahl des Vorstandes wurden die ausgelosten Vorstandsmitglieder resp. Bethausvorsteher u. zw. die Herren Julius Brecher, M. H e u b l n m, Dr. Leo Landau, Jakob B ra m m und Alexander Landau wieder-, Osias I n e r und Jakob Weichselb an m neugewählt, worauf nach Entfall der Eventnalien die Generalversammlung geschlossen wurde. — In der am 5. April l. I. stattgefnndenen konstituierenden Vorstandssitznng sind per Akklamation einstimmig die Herren Ignatz Zolles znm Obmann, Alexander- Landau zum Obniannstellvertreter, Enril P o m e r a n z znm Schriftführer, Dr. Carl Li fczis zum Schriftführerstellvertreter und Jakob W e i ch s e l b a u m znm Kassier gewählt worden. Wien. (H i l f s v e r e i n für n o t l e i d e n d e j ü d i s ch e Bevölkerung in Galizien.) Sonnrag am 26. d. M. genau um 10 Uhr vormittags findet in den Räumlichkeiten des israelitischen Hnmanitätsvereiue „B'nai B'rith", IX. Universitätsstraße 4, die ordentliche Generalversammlung statt. Meran. Am 25. März fand die VI. Generalversammlung des Vereines „Asyl für mittellose kranke Israeliten" in Meran in Gegenwart des landesfürstlichen Kommissärs, k. k. Bezirkskommissärs. des Herrn Dr. Georg Baron Di pauli statt. Ein ungemein zahlreiches, distinguiertes Publikum von Gönnern, Freunden und Mitgliedern des Vereines hatte sich eingefunden und folgte mit regem Interesse den Berichten des Vorstandes. Präsident, Herr med. Dr. M. K o r e s, begrüßte die Erschienenen, konstatierte die ordnungsgemäße Einberufung und Beschlußfähigkeit der Versammlung und gedachte in warmen Worten der durch den Tod dem Vereine entrissenen Gönner. Frau Dr. Rosa H e r s ch, die geschäftsführende Vizepräsidcntin, gab in ihrem Tätigkeitsberichte eine ausführliche Uebersicht über die Tätigkeit des Vereines und wußte durch die klare und sachliche Berichterstattung die fortschreilende gedeichliche Entwicklung des Genesungsheimes zu veranschaulichen, so daß allgemeiner, anhaltender Beifall. ihren Ausführungen folgte. Dem Kassaberichte des Kassiers, Herrn Gustav K a tz en'.st e i n und dem Revisionsberichte des Herrn Heinrich Gutm ann bewies die Versammlung die größte Aufmerksamkeit und wurde mit groß>r Befriedigung dte umsichtige.und genaue Führung der finanziellen Agenden seitens der genannten Herren zur Kenntnis genommen. Einstimmig wurde hierauf dem Vorstande das Absolutorium ausgesprochen. Der Primarius des Genesungsheimes, Herr Dr. M. K o r e f, erstattete sodann seinen ärztlichen Bericht. Die äußerst günstigen ärztlichen Erfolge, welche das Genesungsheim aufzuweisen hat. erregten allseits große Befriedigung und ergaben die statistischen Daten der laufenden Saison sowie der verflossenen fünf.Jahre den besten Beweis für die Notwendigkeit einer solchen hnmanitären Anstalt, die sich den vielen Anfragen gegenüber noch immer als viel zu klein erweist. Die Versammlung dankte Herrn Dr. M. Koref für sein langjähriges menschenfreundliches Wirken im Dienste der armen Kranken/ indem sie ihm als Arzt und Menschen unter stürmischem Beifall wärmste Anerkennung und vollstes Vertrauen aussprach. Bei den sodann vorgenvmmenen Wahlen wurde das kooptierte Vorstandsmitglied, Herr Sigismund Schwarz ans Bozen, einstimmig bestätigt, Frau "Dr.