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Die Wahrheit · 1914-04-24 · Heft 15 (24.4.1914) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 15 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite 8. Die Wahrheit Nr. 15. galrzifchem Schulwerk eine überaus segensreiche Tätigkeit, znm Ruhme' unserer Neligiotlsgemeinschaft entfaltet hat. Der Jahresbericht sollte au sämtliche Neligion'slehrer zu Propagändäzweckeu versandt werden und beim Jugendgottesdienst mußten alle jüdischen Schüler auf die Bedeutung des.Vereines hiugewiesenwerden. ■ _ Herr M Baum nimmt Bezug-auf die im Berichte mit Bedauern erwähnte vielzn geringe Förderung des Vereines durch die'indischen Gemeinden in Oesterreich und.konstatiert, daß außerden Spenden ' in Wiener Bethänsern und . in Leipnik in Mähren in keiner jüdischen Gemeinde Oesterreichs der Psticht nachgekomnien wird, durch Tempelspenden an Feiertagen die Wirksamkeit einer so bedeutenden und für die gesamte Judeuhett wichtigen Vereinigung, wie die Allianz zu unterstützen.' Auch in Wien selbst müßte mehr Propaganda gemacht werden, da die Zahl der Mitglieder eine viel zu geringe ist. Herr Hofbauer unterstützt die Anregung des Vorredners, daß für den Verein eine regere Propaganda entfaltet werde. Oberstabsarzt Dr. Byk spricht im Namen seiner galizischen Heimat dem Vorstande den Dank für die mit großen Kosten erhaltenen Schulen und Kindergärten aus. Er bedauert, daß der Verein sich laut Bericht grundsätzlich enthalte, über den Typus der zweiklassigeu Schulen hiuauszugeheu. Rabbiner Dr. Fenchnvang spricht namens sämtlicher Mitglieder dem Vorstand und dem Sekretär für die vielseitige ersprießliche Tätigkeit den Dank aus. Sekretär Dr. Kaminka erteilt Auskunft auf verschiedene Anfragen und erklärt, daß vom Bureau allen jüdischen Gemeindevorständen, Rabbinern und Lehrern in Oesterreich bereitwillig Exemplare des Jahresberichtes zu Propagandazwecken zur Verfügung gestellt werden. Es werde von diesen Funktionären erwartet, daß sie sich freiwillig und freudig in den Dienst der Hilfsorganisation stellen. Die Schulaktion in Galizien werde in ständigem Kontakt mit der Baron Hirsch-Stiftung und nach Gutachten der Inspektoren derselben, welche bewährte Pädagogen sind, geleitet. Der Jahresbericht und der Bericht über die finanzielle Gebahrnng werden hierauf einstimmig genehmigt. Ans dem Betriebsrechnungskonto ergibt sich, daß die Einnahmen im Jahre 1913 K 261.613 24 betrugen und die Ausgaben nahezu ebenso hoch waren, wobei die galizische Aktion K 30.577—, die russische Aktion L 155.619-—, die rumänische Aktion K 14.290-—, die Aktion für die Balkanläuder K 34.026*—, die Verwaltung einschließlich der Spesen der Emigrantenfürsorge K 21.158-— erforderte. Präsident Dr. Stern hält einen Nachruf auf die im Laufe des Jahres Hingeschiedenen Vorstandsmitglieder und Förderer der Hilfswerke des Vereines Ueber Antrag des Herrn Dr. I. S. Bloch werden hierauf durch Akklamation die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder Dr. Alfred Stern, Dr. Felix Katzau, Dr. Jakob Nireusteiu, Dr. Bruno Pollack Edl. v. Parnan, kais. Rat Leop. Sachs Edl. v. Sachsenhall, sowie die kooptierten Vorstandsmitglieder Universitätsprosessor Dr. S. Ehrmann und Hosrat Dr. Josef Löwner neugewählt. Bei der Neukonstituierung des Vorftatldes wurden Dr. Alfred Stern z,uu Präsidenten, Dr. Arthur Kuranda, Dr. Felix Katzau, Ministeriatrat Camill Kuranda zu Vizepräfidemeu, Herr Wilhelm Pappeuheim uud Herr Dr. Jakob Nirenstein zu Schriftführern wieder gewählt. Zmn Artikel: Eine pfalmistische Advent-Ztndie. Bezüglich meines in Nr. 11 der „Wahrheit" nnter obigem Titel veröffentlichten Artikels kommt mir von katholischer Seite aus Brünn nachstehende Richtigstellung zu: Der in der Dominica II. Adventus stehende erste Satz des Introitus: „Populüs Sion: ecce Dominus veniet ad salvandas gentes: et auditam faciet Dominus gloriam vocis suae in laetitia cordis vestri“ ist wohl aus Kapitel 30 Jesaias entnommen, ist. aber, nicht, wie Sie annehmen, bloß eine Uebertragung des Verses 19, sondern vielmehr eine Kombination ans 3 Versen desselben Kapitels u. z. 19, 29 und 30. Die Stelle „Populus Sion“ : entspricht der hebräischen Stelle: 2Vsi'22 vp > dieSrette: „Ecce Dominus venet ad salvandas. gentes“ entspricht der Stelle pnnvp ta'n ntr> .-pn dann die Stelle : „Et auditam faciet Dominus gloriam vocis suae“ entspricht der. Stelle mp mn rix'n Diese Kombination wird damit begründet, daß dadurch der kirchliche Gedanke für dieses oder jenes Fest mehr zur Geltung gelangt. Zum Nachweise dieser Ansicht wurde mir auch das schätzbare rein theologische Werk Carmina Scripturarum von Karl Marbach in Straßburg 1907 zur Verfügung gestellt, wo ich tatsächlich die Richtigkeit der Ansicht bestätigt und näher ausgeführt finde. Es liegt also nicht, iuie ich annahm, eine Uebersetzung des Verses 19 sondert! eine Kombination dieses Verses mit mehreren. anderen Versen desselben Kapitels vor u. zw^ nicht bloß eine Kombination sondern eine Amputation mehrerer Verse, was, wie in diesem Buche dargelegt wird, bei den Kirchengesängen der katholischen Liturgie öfters vorzukommen Pflegt. Meine Annahme, daß hier ein Druckfehler vorliegen dürfte, ist daher unrichtig. Allerdings bleibt bei dieser Richtigstellung das auffallend, daß ans den 3 resp. 4 Versen die amputierten Stücke zu einem ganz neuen Verse nmgestaltet werden und daß die Stelle: „ad salvandas gentes“* überhaupt in keinem dieser 3 Versen weder im hebräischen Texte noch in der Vulgata vorkommt Das mir als Beweis zur Verfügung gestellte Werk, eine wahre Fundgrube für den Biblisten, bringt nicht nur eine klare Darstellung der katholischen Liturgie, ihrer historischen Entwicklung und der Rolle, die die Psalmen, irr derselben spielen, sondern auch sämtliche poetische wie auch' prosaische Stellen des Alten Testamentes, welche der katholischen Liturgie einverleibt wurden. Sie zeigt, daß ans den Psalmen 1565, ans Jesaias 257, aus dem Hoheu Liede 124 und aus dem Pentateuch 105 Verse entlehnt sind, also weit mehr als dem Neuen Testamente und den Kirchenvätern, daß also dem katholischen Gottesdienst vorwiegend Poesien des Alten Testamentes, also Werke des jüdischen Geistes zu Grunde liegen; eine Tatsache,' die gewiß nur Wenigen bekannt ist, die aber auf den Antisemitismus unserer Zeit, wie er namentlich von der Wiener christlichsozialen Partei und ihren Hintermännern, den Mitgliedern des Pius-Vereines uud der Leo-Gesellschast iu ihrem Preßorgan der „Reichspost" in. wisseuschasthcher katholischer Verbräuung betrieben wird, ein eigentümliches Schlaglichi wirft. Dr. M. E p st ein, Brünn. Das Uortieteramt. Von W. Kalonimos. (Fortsetzung.) Bis vor ungefähr sechzig Jahren bestand fast in jeder israelitischen Gemeinde, die einen Rabbiner zu erhalten fähig war, nebst der hebräischen Elemeütarschule auch eine talmudische Hochschule (Jeschiba), aus welcher die künftigen Rabbiner, Religionslehrer, (Nelarndirn), Kantoren (Chasanim) und sonstige Kultnsbeamten hervorgingen. Die meisten jüdischen Knaben besuchten sobald sie die hebräische Elementarschule, iu der Bibel und Talmud unterrichtet wurden,, mit bestem Erfolge absolviert hatten, so daß sie fähig waren, eine jede beliebige Stelle im Talmud zu leinen (zu lesen), die Jeschiba. Nur die ganz nnbefähigten Jünger widmeten sich, nachdem sie das dreizehnte Lebensjahr zurückgelegl hatten, dem Geschäfte, oder wählten irgend einen' anderen Erwerbszweig. Nicht alle Bachurim, die die Jeschiba bis zu ihrem zwanzigsten zwanzigsten oder zweiuugzwanzigsten Lebensjahre steißig besuchten,. bewarben sichbeim Verlassen der Rabbinerschule um irgend einen vakant

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