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Die Wahrheit · 1914-04-24 · Heft 15 (24.4.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 15 (24.4.1914)
Date
1914-04-24
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Lette 6. Die Wahrheit. Nr. 15. Eltern beitragen, .mch ermutige und nötige, rumänische Schulen zu besuchen. Die mobilisierten und freiwilligen Inden müssen gleichzeitig naturalisiert werden, was eine Handlung der Menschlichkeit und Billigkeit ist. wie sie einer Nation zukommr. die eine glänzende Zukunft vor sich har." SDL D. N e u i tz e s cu, ehemaliger Industrie- und Handelsminister, Abgeordneter: ..Ich bin der Ansicht, daß die Rechte allen Inden gewährt werden, aber für den Augenblick würde ich mich zufrieden geben, daß man sie denen unter ihnen, welche mobilisiert waren und ibren schon geborenen Kindern zugänglich macht. Desgleichen ist meine Meinung, daß man alle Vorschriften abschaffe, welche sich der Aufnahme der Kinder der Fremden in unsere Schulen widersetzen." S a u l e s cu, Vizepräsident der Kammer: „Für mich gibt es keinen Zweifel, daß wir den Bauern und einheimischen Juden Gerechtigkeit schulden. Ich werde selbst vorschlagen, daß letztere naturalisiert werden nnd die Kammer wird in Anerkennung des patriotischen Eifers der Juden sicher nicht zögern, mir ' zu folgen. Was die übrigen einheimischen Juden betrifft, wird mau auch sie nach der ersten Revision der Konstitution naturalisieren müssen." C. Jen i, Abgeordneter von Constanza: „Nicht unsere letzte militärische Aktion ist es, welche eine günstige Beschlußfassung in der Judeilfrage berechtigt erscheinen läßt. Diese Frage hat ein viel älteres Recht zur Grundlage, als die bulgarische Expedition. Es ist gewiß, daß die mobilisierten Juden diesen Sommer einen Anspruch mehr aus den Gemeinsinu Rumäniens haben, aber ich denke auch, daß alle im Lande geborenen und erzogenen Juden, welche keinem fremden Schutze unterstellt waren, als Rumänen betrachtet werden sollen und müssen. Man begreift kaum, daß ein Mensch, der ans rumänischem Boden geboren wurde, welcher keinen anderen nationalen Rückhalt hat, daß ein tätiger Mensch, welcher dem Lande nützlich ist, dessen Sprache und das Vaterland liebt, welcher hier lebt und stirbt, fortgesetzt als Fremder angesehen werde. Konkurrenz? Uebergriff? Nationale Gefahr? Ich bin in der Geschichte noch keiner Nation begegnet, welche durch das Uebergewicht der Juden untergegangen wäre, wohl aber sehe ich viele, die mit ihrer Hilfe fortschreitend Doch schon im Herbst änderte sich die Situation. Als die Gefahr vorüber war nnd der rumänische Staat mit 'seinem, unter so kräftiger Mitwirkung der Inden bei der Entfaltung der Kriegsmacht, vergrößerten Territorium eine dominierende Stellung ans der Balkanhalbinsel gewonnen hatte, wurde es ans einmal wieder still mit Bezug auf die Rechte der Juden. Ja. man scheute sich nicht zn erklären, die jüdischen Freiwilligen seien überhaupt nur irrtümlich zngelassen worden, in den Krieg zu ziehen.*) *) Die Namen folgender jüdischer Soldaten wurden vom rumänischen Kriegsministerium in den Listen der als Opfer des Krieges Gefallenen bekanntgegeben: Dr. Hermann Galomon; Jlie Rudolf vom 80. Jnf.-Reg.; Leiha Michel vom 13. Jnf.-Reg.; I. Menasfe vom 8. Jäger.-Reg.; Leib Kabane, 14. Jnf.-Reg.; Leo Silbermann, 13. Jnf.-Reg.; Abraham Kahane, 25. Jnf.-Reg.; Samuel Moscou, 29. Jnf.-Reg.; Boruch Ghersin vom 8. Jäger-Reg.; Josef Moifebeno, Markus Leibu und G. David vom 4. Arttll.-Reg.; Eduard Preißler. 80. Jnf.-Reg.; Srul Josub, 13. Jnf.-Reg.; Philipp Abraham, '1. Arnll.-Reg.; Hersch Abraham, 46. Jnf.-Reg.; Markus Feldmann, 7. Jnf.-Reg.; Joel Pino Jtzig, 8. Jnf.-Reg.; Markus Lewy uud Markus Zewi vom 41. Jnf.-Reg.; David Jlo vom 21. Jnf.-Reg.; Janko Großmann vom 25. Artill.-Reg.; und Jtzig Eifenseck vom 8. Kavall.-Reg. — Ueber die schlechte Behandlung der israelitischen Soldaten während des Feldzuges wurde im rumänischen Blatt „Seara" vom 13. August Klage geführt. Im 77. Regiment hielt der Kapitän Jaloviski Brandreden gegen die unter der Fahne stehenden Inden. Es sind ferner Fälle vorgekommen, wo jüdische Soldaten, die in den Krieg ziehen Herr Maiorescu und seine Ministerkollegeu 'ließen auf einmal in den rumänischen Blättern eine Menge Argumente gegen die Verleihung der Bürgerrechte aiich nur an die vom Kriege zurückgekehrten Israeliten verbreiten. Das ganze Land sei angeblich entschieden dagegen und man mußte erst die öffentliche Meinung vorbereiten. Es sei vorzeitig und gefährlich. die Juden in das politische Leben eintreien zu lassen, bevor der gesamten Bevölkerung das allgemeine Stimmrecht gewährt worden sei. Es sei zu fürchten, daß die Inden als Bürger'zu viel Landbesitz erwerben würden. Die Gewährung der Rechte würde eine Masfeneinwandernug von Juden ans Rußland nach sich ziehen. Neben derartigen gewissenlosen Vorwänden, welche von der Regierung in ähnlicher Weise schon vor dreißig Jahren bei der Unterschlagung der vom Berliner Vertrag stipnlierten Emanzipation vorgebrachl wurden, tauchten in den Reden der sühreuden Politiker und in den einflußreichen Blättern immer heftigere Angriffe gegen die Inden auf, weil sie die „Impertinenz" haben, ihre bürgerlichen Rechte zu verlangen, insbesondere gegen die Vereinigung der im Lande geborenen Jsraelitrn, weil sie durch Kundgebungen und Bittschriften unausgesetzt für die Emanzipation agitiere. Von der liberalen Partei wurde die rumänische „Knltnrliga" eine Organisation, welche ursprünglich zum Ziele hatte, das rumänische Nätionalbewnßtsein außerhalb des Landes zu fördern, zn einem Herd der antisemitischen Agitation gemacht. Der Präsident dieser Liga, Virgil Arion, der sich selbst früher einmal zn Gunsten einer gerechten Lösung der Judeilfrage ausgesprochen halte, hielt am 3. November eine salbungsvolle Rede, in welcher er auf die Rückständigkeit der antochthonen Bevölkerung, auf die Armut und Unbildung unter den Bauern hinwies und die Inden zynisch aufforderte, sich dadurch als gute Patrioten zu erweisen, daß sie den Kampf um ihre eigenen Rechte fallen lassen und nur die „großen Probleme" der Demokratie und die sozialen Reformen im Auge behalten, für welche er und seine Genossen kämpfen. Erst wenn alle Reformen dnrchgeführt fein werden — also am Ende der Z-iten — da würde man von den elementaren Bürgerrechten der im Lande geborenen und den mit ihrem Blute für das Vaterland eingetretenen Israeliten sprechen können! In der rumänischen Akademie hielt Professor I o r g a einen gegen die Juden gerichteten Vortrag, in dem er den Nachweis versuchte, daß sie erst seit dem 17. Jahrhundert sich dallernd an der Moldau niedergelassen haben — als wenn vom Standpunkte des modernen Staates die langjährige Seßhaftigkeit einer Kategorie von Bürgern und die Erfüllung aller staatsbürgerlichen Pflichten nicht au sich genügen würden, um die Bürgerrechte zu sichern. . ' Am schwersten war die Enttäuschung mit Bezug ans die Gleichstellung der Juden m dem durch den Bnkarester Frieden von Bulgarien abgetretenen Gebiete. Es gilt im Völkerrechte als selbstverständliche Regel, daß in eroberten Gebieten erworbene Rechte der Bürger nicht angetastet werden. Auch die rumänischen Staatsmänner haben, als während des Krieges die Frage der rechtlichen Stellung der Inden in Silistria aufgeworfen wurde, es als selbstverständlich hingestellt, daß sie die unter bulgarischer Herrschaft ihnen gewährte Gleichberechtigung behalten würden. Der Bericht veröffentlicht im Anhang ein diplomatisches Aktenstück, in ivelchem das englische Foreign Office auf eine Note des rumänischen Gesandten in London an Sir Edw. Grey Bezug nimmt, wonach die Inden, wie alle andern Einwohner der zn annektierenden Gebiete, alle politischen und bürgerlichen Rechte behalten sollten. Eine während der Friedeusverhaiidltmgen in Bukarest der rumänischen Regierung seitens der Vereinigten Staaten von Amerika mit mußten, ihre Angehörigen als „Fremde" schutzlos znrückz,Nassen gezwungen wurden. Im Landflecken Crivetz, Distrikt Roman, hatte ein Jude, Witwer und Bater von drei Kindern, als er in den Krieg einbernfen wurde, sein Geschäft seinem Bruder zur Führung übergeben. Dieser wurde als „Fremder" ansgewiesen, obwohl er selbst zu den Rekruten des Jahres 1914 gehörte.

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