Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 14 (10.4.1914)
- Date
- 1914-04-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 14. Die Wahrhrii Seite 9. größten Hochachtung entgetzenkam. ihn öfters besuchte, in wichtigen Gemeind'enngelegenheilen stets zu Rute zog und bei jeder Predigt im Gotteshanse anwesend war. Und als er gar erfuhr, daß Broditsky in einer Ansschnßsitznng seinen Kollegen die Plane, die Bittermann, der jahrelang sich dem Rabbiner gegenüber als dessen aufrichtigsten Freund und Beschützer girierte/ geschmiedet, um den ihm unbequem gewordenen Rabbiner los 51t werden, verraten und hiezu bemerkt hatte, daß er sich um keinen Preis der Welt znm Werkzeuge einer solch entsetzlichen Tat gebrauchen lassen werde, geriet er (Bittermann) io sehr in Zorn, daß er beiden, dem Vorsteher Und dem .Rabbi, ewige-Rache schwur. Der Schalk ließ nun im Stillen seine Leute gegen Broditsky. für den er vor kaum einem Jahre Propaganda gemacht, Hetzen, daß dieser eines Tages sich veranlaßt sah, sich ein für allemal der unerträglichen Bürde des Vorsteheramtes zu entledigen. Nun gaben Bittermanns Leute die Parole aus: man möge es versuchen an ihn —- nämlich an Bittermann — heranzutreten, ihn zu bitten das Vorsteheramt im Interesse der Gemeinde wieder anznnehmen. Dies geschah auch. Um des Friedens willen erschien eine Deputation bei Bittermann und ersuchte ihn, er möge wieder dieses hochwichtige Amt übernehmen. Bittermann dankte für das Vertrauen, das in ihn gesetzt wird und versprach dieses schwere Amt trotz seines leidenden Zustandes zu übernehmen, da er seine Gemeinde, der er mit allen Fasern seines Lebens treu (?) anhänglich sei, nicht im Stiche lassen kann. Als neu gewählter Vorsteher besuchte er wieder oft den Rabbiner, um ihn im Stillen mit Nadelstichen traktieren und ihm überhanpe das Dasein verleiden 31t können. Was er ihm alles in der letzten Zeit im Geheunen angetan, möge der Vergessenheit anhennsallen tau g'isoUsr welau jipoked. — Der ruhige friedliebende greise Rabbi ertrug eine Zeit lang all die ihm zngesügten Kränkungen. Im Herbste, einige Wochen nach den hohen Feiertagen, überraschte er den Vorstand mit einer Zuschrift, in der erdemselben auzeigte, daß er seines vorgerückten Alters wegen sich entschlossen habe, nach einem halben Jahre und zwar im Juni, den Posten zu verlassen und sich ins Privatleben znrückzuziehen. Die Demission des Rabbiilers hatte in der ganzen Gemeinde Sensation erregt, selbst auf die Anhänger und Verwandten des Bittermann hatte diese Nachricht einen etrüben den Eindruck gemacht. Von allen Seiten wurde Dr. Abrahamssohn bestürmt, er möge seine Demission zurückziehen, er aber konnte sich dazu nicht entschließen, weil er in den letzten Jahren zu viel gelitten, mit einem Worte, ersehnte sich nach Ruhe. „Die harten Schicksalsschäge" — sagte er zu seinen Freunden — ..die mich getroffen und die Kränkungen, die mir von einigen A s s i m i l a u t e n und Strebern zugefügt wurden, haben meine Gesunde heit erschüttert; mein Entschluß ist daher ein unabänderlicher. Ich werde den Rat meines Freundes Bittermann befolgen und nach einer großen deutschen Stadt gehen, vielleicht gelingt es mir dort irgend ein Aemlchen zu erlangen, um in Ruhe fleißig weiter arbeiten zu können." Sechs Monate später hielt er am Wochenfeste in S. seine Abschiedsrede, verließ zwei Tage nach Schowuos diese Stadt, in der er sich trotz seiner mangelhaften Kenntnis der slavischen Sprache der allgemeinen Hochachtung erfreute und reiste nach der Großstadt 2c. wo er, zurückgezogen von aller Welt, in seinem Studierstübchen bescheiden lebt und fleißig arbeitet. Trotz seiner Zurückgezogenheit wissen sehr viele von ihm, aber die allerwenigsten ennen ihn, oder richtiger, die wenigsten wollen i h u ennen. — Wie hat mir Kohelet gesagt: Xi jeseh odom scheamolo bechochmo uwdaas uwchischron — uleodom s e h e 1 o omal bo jitneno chelko. „Der Eine arbeitet fleißig nnd leistet Erkleckliches und der Andere der nichts geleistet, wird reichlich belohnt. — Oesterr. nng. Kantaren-Uerei». Ans der Sitzung vom 1. April 1914. Anwesend: Bauer, Dünnmann. Morgenstern, Jnrberger, Schleifer. Schlesinger, Friedländer. Sererebnik, Basier. Kaufmann, Grob, Mayrowitsch, Kohn, Kühner. Entschuldigt, Rosenberger. Vorsitzender, Präsident Bauer berichtet über verschiedene Einläufe und Eingaben, sowie über die Spende des Herrn kaiserl. Rates Adolf Wenger, worauf der Kassier Jnrberger über die Kassaeingänge referiert hat. Der Rechenschaftsbericht pro 1913 wurde von den Kontrolloren Basier nnd Rosenberger geprüft und vollkommen richtig, befunden. Das ernannte Komitee behufs Statutenänderung wird in den nächsten Tagen zusammentreten und der kommenden Sitzung vorlegen. Es wurde dann der im Monate Mai oder Juni tagende Kanroren-Kongreß, welcher aus Delegierten ans allen Kronländeru der Monarchie bestehen wird, beschlossen. C a s s a - E i n g a n g : Kaiserl. Rat A. Wenger 50 K., Tempelverein VIII. Bez.. 20 K.. Tempelverein XIX. Bez., 20 K.,' Tempelverein XIII. Bez.. 20 K., Julius Marle, Prag 6 K., Jg. Falk, Mödling 3 K.. Fr. Teltsch. Wien 8 K., H. Kohn. Salzburg 10 K., S. Weiß. Wien, V. Bez., 10 K., S. Smotritzky K. 10.. I. Schlechter, Essegg 10 K., I. Roth, Wien, XX. Bez., 13 K., S. Dünmann, Wien, VI. Bez.. 4 Joses Grob, Wien 5 K. Verschiedene Nachrichten Wien. Die p. t. Mitglieder der Chewra Kadlicha werden aufmerksam gemacht. daß Anmeldungen zur Teilnahme am Brudermahle bis zum 14. d. M. erfolgen sollen. Wien. Am ersten Peßachtage wird Herr Rabbiner Dr. Bach am siebenten Peßachtage 'Herr Rabbiner F e n ch t w a n g die Predigt im Sradtrempel halten. Wien. (Kaiser Franz Josef I. Hnldignngs - t e m p e l. II. P a z m a n i r e n g a s s e 6.) Am zweiten Peßachrage, Sonntag am 11. April 1914. wird Seine Ehrwürden, der Leopvldstädter Gemeinderubbiner Herr Dr. Max G r u n w a l d, im Kaiser Franz Josef I. Huldigungstempel, II. Pazmanitengasse 6, Predigt halten. Beginn des Gottesdienstes s/49 llhr vormittags. Wien. Am ersten Pessachrage. am 10. April 1914 nachmittags 4 Uhr, veranstaltet die Schnlsektion des Betyansvereines „Am Volker:" in dem großen Lehrsaale für die Schüler der Anstalt einen regelrechten Seder. Hiedurch soll den Kindern nicht nur der Vorgang an dem Sederabende veranschaulicht werden, sondern es werdeik ihnen auch die Gründe für die einzelnen Abteilungen der Spelsegaltung erläutert werden. LLien. Montag den 13. April 1914, 10x/2 Uhr vormittags findet die XXI. ordentliche Generalversammlung des israelitischen Tempel- und Schulvereines, VI. Stnmpergasse 42, statt. Wien. (Generalversammlung des Schöulateru- B e t h a u s - V e r e i n e s.) Letzten Sounrag fand un Sitzungssaale der Chewra Kadischa die ordentliche Generalversammlung des Schönlateru-Bethaus-Vereines statt. Obmann Dr. Berger entschuldigte sein Fernbleiben durch Verhinderung. Die so gut bejuctne Versammlung wurde von Obmaunstellverlrerer Gold mann eröffnet. Nach. Begrüßung der Erschienenen erstattete er den ausführlichen Rechenschaftsbericht über die zweijährige Vereinsräcigkeit. Er gedachte der dahingeschiedenen Vorstands- und Vereinsmitglieder, Emannel Schreiber, der 40 Jahre im Vorstände des Vereines wirkte nnd Ehrenmitglied des Schönlatern-Bethans-Vereiues war, ferner der Herren I. S ch ö n g n r i.ud I. W e i ß. Die Versammlung erhob sich znm Zeichen der Trauer von den Sitzen. Kassier M. Steiner erstattete nach dem, mit Beifall ausgenommenen Rechenschaftsbericht den Kassaberichr, der mir einem Vermögenszuwachse von X 3890-15 abschließt. Ueber Antrag der Revisoren H 0 s b an e r und Schreiber wurde dem Vorstand für seine rege Tätigkeit gedankt und das Abjolntorium einstimmig erteilt. Bei den vorgenommenen Wahlen wurden die durch Los ausgeschiedenen Herren S. G 0 l d m a n n. Kassier M. Steiner, Vorstandsmitglied S. K 0 h u, Professor Mahler. David Kohn und Karl Oppenheim einstimmig gewählt. Hierauf wurde in großer Debatte der Umbau oder Neubau eines Berhanses besprochen. Obmannstellvertreter G 0 l d m a n n berichtete, daß nach eingehenden Verhandlungen der Gemeinde Wien eine Banlinie nicht zu erlangen sei, dies aber jedoch in ungefähr 2—4 Jahren der Fall fein dürfte. Schriftführer Redakteur Th. P 0 r g e s stellte den Antrag im Prinzipe dem Bau eines Bethauses mit einer Talmud-Thora-Schnle znzustimmen, ferner ein Bankomitee von den sich dazu freiwillig Meldenden zu konstituieren. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. An der Debatte beteiligten sich die Mitglieder I. Glück-