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Die Wahrheit · 1914-04-10 · Heft 14 (10.4.1914) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 14 (10.4.1914)
Date
1914-04-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Die Wahrheit. Nr. 14. beginnen, wenn im Hain und ans der Flur Blüten und Blumen sichtbar werden, alles in dem großen. Reiche der Natur jubelt und frohlockt und die gefiederten Sänger der Lüfre ihr begeistertes und begeisterndes Halleluja anstimmen, feiert Israel, dieses Volk der Geschichte, sein herrliches, Herz und Gemül erfreuendes Freiheitsfest Peßach, von dem es in der heiligen Schrift beißt: Schomor es Cliodescli laowiw. „Beachte wohl den Frühlingsmouat und feiere das Peßachfest dem Ewigen deinem Gotte zu Ehren, denn ' im Frühlingsmonate hat dich der Ewige dein Gott aus der finsteren Nacht des ägpytischen Druckes befreit, erlöst." Die Erinnerung au die Befreiung Israels aus der ägyptischen Knechtschaft ansa bilbete den Hauptgedanken, der nicht nur der Einsetzung des Peßachfestes. sondern, auch der des Sabbathes, des Schewnaus- und Sukotfestes zu Grunde gelegt wurde. Hieraus erhellt klar und deutlich, daß Mizraim für unsere Ahnen kein Paradies war, daß sie vielmehr unter dem Drucke der Pharaonen furchtbar viel gelitten halten. Nichtsdestoweniger wurde in der heiligen Schrift den Israeliten eingeschärft: lau sesaew Mizri, grolle ihm nicht, denn er hat dich in seinem Lande als Fremden geduldet. — Warum aber, hören wir fragen, mußten überhaupt die Nachkommen Abrahams als Fremde in einem fremden Lande Jahrhunderte lang schmachten? Haben sie sich denn gar so schwer vergangen, das; sie strafweise nach Mizraim. versetzt zu werden verdienten? Das wohl nicht. Die Nachkommen der Patriarchen waren ehrliche, biedere und wackere Männer, die sich durch Charakterfestigkeit und Seelenadel auszeichneten, wenn sie aber dennoch längere Zeit in einem fremden Lande weilen mußten, so geschah dies durchaus nicht zu ihrem Nachteil, sondern vielmehr zu ihrem Vorteile. Der schönste und herlichste Beruf, den der edle, höhere Ideale erstrebende Mann wählen soll, um sein sich gestecktes Ziel erreichen zu können, ist unstreitig der eines Jugendbildners. Volkslehrers und Volksführers. Welch' ein süßes Bewiißtsein, in die Kreise der menschlichen Gesellschaft mit donnernder Stimme hineinrnfen zu können: „Es werde Licht!". Welch' ein süßes Bewußtsein, die Jugend mit den Grundlehren der Thora, mit der Ethik der Religion vertraut gemacht, die Erwachsenen für das Höhere und Erhabene, für das Gute und wahrhaft Göttliche begeistert und angeeifert und sich somil unverwüstliche Verdienste um die Menschheit erworben zu haben. Nun aber muß derjenige, der einen solch' heiligen Beruf wählt, vor allem makel- und tadellos dastehen, die erforderlichen Fachkenntnisse besitzen und sich durch Bescheidenheit, Sanstmut, Herzensgüte, ungeheuchelte Frömmigkeit, Friedensliebe und Charakterfestigkeit anszeichneu, wenn er sich uichl der Gefahr aussetzen will, von seinem Auditorium mißachtet zu werden; denn ein Ausspruch nuferer Weisen lautet: bemokom schejesch cliillul liasckem en cliolkim Kowod leraw, einem Lehrer, der ösientliches Aergernis erregt, braucht man keine Achtung zu zollen. Ein unbefähigter mit Schwächen und Fehlern stark belasteter Lehrer gibt oft den Leuten Anlaß ihm spottend znznrnsen: Scheloch i atto roeli. „Deine riesig großen Fehler und Mängel siehst du wohl nicht, hingegen aber hast du ein scharfes Auge für die kleinsten Fehler anderer, selbst tvenu sie hoch über dir stehen." — Der würdige, kenntnisreiche, von der Wichtigkeit und hohen Bedeutung seines Amtes ganz durchdrungene Lehrer wurde in Israel zu allen Zeiten verehrt, gewürdigt und gefeiert. Ki sifse Chohen jisclimeru daas. „Die Lippen des Priesters, sollen Erkenntnis, Wissenschaft fördern uitd verbreiten". — Die Lippen des Priesters, nicht etwa eines Priesters, dessen ganzes Streben dahin gerichtet ist, in den Besitz einer feisten Pfründe zu gelangen, um am großem Fuße leben zu können, sonderit eines Priesters im Reiche der Wissenschaft und jeder würdige gewissenhafte für die höchsten Ideale begeisterte Lehrer, wird in Israel ein Priester, ja ein Hohepriester genannt. — ■Wetoroh jewakschu mipiku, aus seinem Munde sollen sie in der'Thora unterrichtet werden, ki Malach Adonai Zebaoth hu, denn er gleicht einem höheren überirdischen Wesen, Maleocho. Hiezu bemerken unsere Weisen: „Im horaw dorne lemalach, Thora jewakschu mipihu.“ Nur wenn der Lehrer den höchsten Gipfel der Gotlähnnlichkeit erklommen hat und daher einem höheren Wesen gleicht, ist er würdig das heilige Lehramt zu bekleiden und verdient mit den höchsten Ehren begrüßt und behandelt zu werden, im verneinenden Falle aber, darf er als Lehrer nicht im entferntesten beachtet werden." — Es muß daher derjenige, der besondere Vorliebe für das Lehramt hat, frühzeitig schon bestrebt und bemüht sein, sich zu veredeln, zu vergeistigen und zil vervollkommnen, um einst anderen als Musterbild voranlenchteu zu können. Er muß frühzeitig schon seinen Rücken unter der Last des prüfenden Schicksals beugen und das Joch der Entsagung und Entbehrung tragen lernen. Frühzeitig muß er die die Leidensschnle dnrchmachen, die Härre und Bitterkeit des Wo.ttes „Not^ empfinden, denn in der Not lernt der Mensch Gott erkennen, an ihn glauben und auf ihn allein vertrauen. Bazar leclio umzoueho kol kadworim hoele. „Wenn du in einer traurigen Lage dich befinden, mit lausend Leiden, Sorgen. Qualen, Widerwärtigkeiten und Ungemächlichkeiten zu kämpfen haben wirst, wesckawtu dann wirst dn zurückkehren zu dem Ewigen deinem Gotte und seiner Stimme gehorchen." Alle die großen Männer der Vorzeit, die sich unschätzbare Verdienste um Israel erworben, die für die Lehre und Ehre des Jndentnms in Wort und Schrift eingestanden, für Freiheit und Gleichberechtigung mit ihrem Herzblute gekämpft hatten und überhaupt unausgesetzt bestrebt und bemüht waren, das Jitdentnm nach außen würdevoll zu repräsentieren und im Innern zu einen, zu stärken und zu kräftigen, mußten znförderst in die kalte frostige Fremde ziehen und die schwersten Prüfungen des Lebens bestehen. Wie Vater Abraham, der den göttlichen Auftrag erhielt, die Heimat zu verlasfen ltnb in die unfreundliche Fremde hinausznziehen, schwere Prüfungen mannigfacher Art zu bestehen halte, um den reine n. geläuterten Gottesglanben in der Welt zu verbreiten, ebenso haben seine Nachkommen, die Söhne Israels, als Volk die göttliche Mission erhalten, als „Reich von Priestern, in der Geschichte zu figurieren, den Völkern der Erde als Musterbild voranznlenchten, den Glauben an Adonai zu verbreiten, daher mußten sie zuvor in Mizraim die Leidensschnle dnrchmachen, 11111 dann fähig zu sein am Sinai, die Thora, die vom Anfänge an bestimmt war, Gemeingut der gesamten Menschheit zu werden, mit wahrer Freude und edler Begeisterung annehmen zu können. In der.Tat hat gerade das Golus Mizraim das religiöse und nationale Gefühl in ihnen wach gerufen und rege erhalten, denn sie haben, wie unsere Weisen bemerken, sich in Aegypten trotz der Qualen, die sie dort erdulden mußten, sich nicht assimiliert, sind vielmehr ihren religiösen Traditionen treu geblieben, haben - weder ihre hebräischen Namen, noch i h r e Sprache, Sitten, Formen und Bräuche verleugnet, daher kam es. daß sie am Sinai das einzige Volk bildeten, daß sich für die Annahme der Thora bereit-' willigst erklärte. In der Pesikta (Par. 21. 3.) wird die sittliche Verkommenheit der damaligen Völker in folgender Weise geschildert: „Gott der Herr hat unseren Ahnen seine Thora nicht anfgedrnngen und sie auch nicht mehr bevorzugt, denn jedes andere Volk. Vorerst bot er den Söhnen Esaits die Thora an, sie aber fragten, was steht in Deiner Thora geschrieben? Gott antwortete: In meiner Thora heißt es „dit sollst nicht fremdes Gut auf unerlaubte Weise dir aneignen." Herr, entgegnelen sie, da bedauern wir sehr Deinem Wunsche nicht entsprechen zu können, da das Stehlen unser Lebenselement ist. Dann wurden die Amoniten anfgefordert, die Thora anznuehmen. Anch diese erkundigten sich zunächst nach dem Inhalte derselben und als sie erfuhren, daß die Heiligkeit und Unverletzlichkeit des ehelichen Bundes' ein Hanptgebot der Thora sei, antworteten sie: Um diesen Preis

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