Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 13 (3.4.1914)
- Date
- 1914-04-03
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 13. Die Wahrheit Seite 7. .die Religion des Hilfsbedürftigen beiseite zu lassen, ohne in Betracht zu ziehen, daß die W i d m n n g eit ausschließlich für Juden ein notwendiges Gegengew i ch t gegen die Zuführung der n n g e h e u r e lt Reich- 1 ümer der Stadt, des Landes und der G e - s e l l s ch a f t f ür a n s s ch li eßl i ch jndenreine Zwecke bildet. Freilich, die Mitglieder der „Treue" wissen, daß, wenn sie nicht diesen Verein ins Leben rnfen, die Kinder weiter mißhandelt werden, die Mitglieder der „Heimat" sind sich darüber klar, daß, wenn sie ihre Vereinigung anstassen, an ihre Stelle keine andere treten wird und so tragen die I n d e n, w i e seit I a h r h u n d e r t e n f r e i w i l l i g die L a st des ganzen Volkes, ans ihren schwachen Schultern alles Elend, jeden überwälzbaren Schmerz! Wenn vor mehreren hundert Jahren eine Stadt von Pest und Krankheit heimgesncht wurde, so hatten die Inden Die Brunnen vergiftet, wenn der Hochadel durch verschwenderisches Leben seine Reichtümer verloren hatte, hatten ihn die Inden bewuchert, wenn eine Schlacht verloren ging, hatten die Inden das Land verraten und wenn heute der Heine Mann seine Zeit lieber in der Gaststube als in der Werkstätte verbringt, hat ihn der jüdische Großhandel veruichtet. Zum wahren Messias ist das jüdische Volk für alle a n d e r e n g e w o r d e n, alles Elend und alle Pein und jeder Schmerz wird ans die Juden abgewälzt und so sollen sie jetzt auch noch für andere die Pflicht des Wohltuns erfüllen. Ich glaube, meine Verehrten, wir haben genug Elend in unserer Mitte unter unseren Glaubensbrüderu und es wäre wahrhaft ein erstrebenswertes Ziel, dahin zu wirken, daß nicht ein großer Teil von interkonfessionellen Vereinen das kaum zur Linderung jüdischer Mot hinreichende Kapital in fremde Hände fließen läßt. Darum, glaube ich, wird auch die Zentralstelle f ü r das jüdische A r m e n w e s e n ihre E x i st e n z- Berechtigung w e i t e r behalten, ohne Rücksicht öitj Veii großen Z e n t r a l k a t a st e r d e r Gemeinde Wie n." Die Ausführungen des Vizepräsidenten Dr. Schorstein wurden lebhaft applaudiert und hierauf der Tätigkeits- -.bericht und der finanzielle Bericht, den Sekretär Dr. L ö w y erstattet, von der Versammlung genehmigend zur Kenntnis genommen. Der Schriftführer des Knratoriums, Herr Heinrich M e n d l, verweist ans die intensive Tätigkeit des von der Zentralstelle in den letzten Monaten organisierten Verbandes zur Fürsorge für Kurbed ürftige und zollt besondere Anerkennung dem ärztlichen Beirate des Verbandes Dr. S. Bondi, Dr. Josef Breuer. Professor Dr. L. Königstei n, kais. Rat Dr. S. Krüge r, Professor Dr. Wilhelm Roth und Dr. Ignaz Winter. Znm Punkte „ W a h l e u i n das K u r a t o r i u m" gibt der Vorsitzende bekannt, daß die Mandate der Herren ckais. Rat Dr. S. Krüger, Heinrich Men dl, Direktor I. M a n t n e r und der Damen Sofie Deutsch, Regine .Ko pst ein, Emilie Weiß in diesem Jahre ablanfen und für diese Mandate Neuwahlen erforderlich sind, worauf sämmtliche genannten Kuratoriumsmitglieder xsr acclamationem wiedergewählt werden. Der Antrag des Herrn Ignaz Glück. Herrn Heinrich Men dl für seine außerordentliche Tätigkeit auf humanitärem Gebiete und für seine in letzter Zeit den Kinderhorten gewidmete munifizente Spende Dank und Anerkennung auszusprechen, wird von der Versammlung unter lebhafter Akklamation für den Spender einstimmig angenommen. Herr Heinrich Men dl richtet an die Delegierten des Vereines das Ersuchen, den Kataster derZ entralstelle möglichst reich mit Recherchen zu alimentieren. Dr. Julius Flefch, Obmann des österr. Hilfsvereines für zugereiste Kranke, erinnert daran, daß seinem Vereine die Zuziehung bei der Regelung der Frage des Abtransportes von zugereisten Kranken seitens der vorjährigen Delegierteuversammlung in Aussicht gestellt wurde, eine Einladung aber bisher nicht erfolgt sei. Namens des Kuratoriums erwidert hierauf Herr- Heinrich Meud l. daß die Zentralstelle im abgelaufeneu Jahre durch die neuen Organisationen allzusehr iu Anspruch genommen wurde und sich daher der Krankenfürsorge nicht zuweuden konnte. Im gegebenen Momente werde der Verein den betreffenden Beratungen zugezogeu werden. Herr Siegfried Fleischer ist erfreut zu hören, daß hier in Wien ein besonderer Verein zur Fürsorge für zugereiste Kranke existiert und verweist auf die engen Berührungspunkte der Tätigkeit dieses Vereines mit der unter Aegide der österr. israel. Union uenentstandenen Organisation zur Fürsorge für Wanderarme. Im weiteren Verlaufe seiner Ausführungen stimmt Redner den treffenden Bemerkungen des Berichterstatters Dr. Schorstein über die interkonfessionellen Wohllütigkeitsvereine zu und erklärt, daß wir Juden auch auf dem Gebiete der Armenpflege oft ans Rechte, die uns betreffs Inanspruchnahme öffentlicher und allgemeiner Fonde zustehen, verzichten und es sei höchst dankenswert, wenn die Zentralstelle hier Wandel schaffen würde. Ueber die von den Herren Dr. Flesch und Siegfried Fleischer angeregten Fragen betreffs der Fürsorge für zugereiste Kranke und der Wanderarmensürsorge entwickelt sich eine eingehende Debatte, au welcher außer den Genannten die Herren kais. Rat Dr. K r ü g e r, Dr. Rnd. S ch o r ft e i n und der Vorsitzende teilnahmen. Frau Klotilde Benedikt richtet an das Kuratorium eine Anfrage, ob es möglich wäre, bei der Aufteilung von Spenden und Widmungen seitens der Kommune eine perzentnelle Berücksichtigung der jüdischen Armen durchzusetzen, worauf der Vorsitzende unter Hinweis auf die dermalen geübte Gepflogenheit der Gemeindeorgane erwidert. , Nach Erledigung der Tagesordnung wird hierauf die Versammlung vom Vorsitzenden unter Ausdruck des Dankes für die Erschienenen geschlossen. Eine Schändung Keffings. Die Antisemiten verfolgen von jeher den Dichter des „Nathan" mit giftigem Haß, weil sie wohl wissen, das dieses Hohelied der Toleranz überall da, wo ernstes Wissen sich mit echter Herzensbildung paart, dem Eindringen des Glaubens- und Rassenhasses eine unübersteigbare Schranke entgegengesetzt. Was haben sie nicht alles angestellt, um den Dichter zu verunglimpfen und ihn der Verachtung aller wahrhaft völkischen Männer preiszngeben? Man hat ihn als „Plagiator" entlarvt, der sogar, wie aus einer von einem solchen völkischen Ehrenmann gründlich mißverstandenen Selbstkritik Lessings geschlossen wird, sein Verbrechen zynisch eingestanden habe. (Vgl. die Schmähschrift des Prof. Albrecht: „Lessings Plagiate". Hamburg 1890.) Seine jüdische Abstammnng steht für jeden Mann von echt nationaler Gesinnung natürlich außer Zweifel. Eugen Dühring nennt ihn ein über das andere Mal einen „Slavojuden", „Halbjnden* und „Jndengenossen*. Das Aergste an Beschimpfung des Dichters leistet sich aber das Organ des Verbandes gegen Ueberhebung des Judentums, das in seiner vorletzten Nummer (Februarheft von „Auf Vorposten") behauptet, daß „Lessing seine sämtlichen Dramen abgeschrieben" habe und — für den Fall, daß die jüdische Abstammung Lessings nicht unzweifelhaft nachznweisen fei — noch einen zweiten vergifteten Pfeil im Köcher hat: „Wahrscheinlich klingt seine Bestechung durch jüdisches Geld. Schon bei Lebzeiten wurde ihm von einem Gegner vorgeworfen, die Amsterdamer Juden hätten ihm 1000 Dukaten für eine Schrift gezahlt. Lessings Äblengnung klingt nicht sehr glaubwürdig. Auch der Kriegsrat Merk in Darm-