Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 12 (27.3.1914)
- Date
- 1914-03-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/3062972-3063725-3063737--08963-3076174- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Nv. 12. Die Wahrheit mir nach vielen Forsäningen und durch günstige Umstände ermöglichte Liste der Werke Rossis, beginnt mit dem ersten Buche von Kanzonetten zu drei Stimmen, welches 1589 zu Venedig erschien; das zweite Werk erschien 1600. .Das wichtigste, originellste,, dabei seltenste und am wenigsten bekannte Werk Rossis sind seine Gesänge ans hebräische Worte. 1620 in Venedig gedruckt. Die Arbeit, diese Musikstücke für den fetzigen Gebrauch nmznschreiben, war eine sehr mühevolle und erforderte die ganze Liebe zur Sache, wie sie Naumbourg besaß. Interessant sind auch die im hebräischen Original und in französischer Uebersetznng milgeteilte Widmungsschrift Rossis -an Moses Snllam und die Empfehlung des R. Leon de Modena. Die Wiedererweckung eines alten regelrechten jüdischen Komponisten durch Naumbourg ist eine sehr bedeutsame Leistung *). So konnte Naumbourg auf ein arbeitsreiches Leben zurückblicken. Seine Kompositionen und seine musikwissenschaftlichen Arbeiten haben seinen Namen berühmt gemacht. Im Jahre 1879 wurde Naumbourg mit den Palmen eines Offiziers der Pariser Akademie geehrt. Nicht lange erfreute er sich dieser Anszeichmmg. Schon am 1. Mai 1880 schloß er seine Angen. Das ganze Pariser Konsistorium sowie viele Personen der Akademie taten sich zusammen, um den weltbekannten Komponisten und berühmten Kantor die letzte -Ehre zu erweisen. Die Großrabbiner Isidor und Zadok Kahn hielten die Leichenreden. Zum Schluß seien noch die schönen Worte Singers angeführt: „Hätte Naumbourg nichts weiter vollbracht als die eine Tat, der traditionellen Melodie ihr voreuthaltenes Recht wieder eingeräumt zu haben, er Hütte genügend gewirkt, mit in den Blättern der Synagogengesanggeschichte einen Ehrenplatz einzunehmen. Allein er war nicht bloß ein genialer Künstler, er war auch ein edler, moralisch hochstehender Mann, ein echter Priester im Heiligtum des Herrn. Nennt die Geschichte des Synagogeugesanges die besten Namen, wird der Name Samuel Na n m b o ur g sicherlich auch genannt." Verschiedene Nachrichten. Wien. Freitag den 26. März 1914: Predigt des Herrn Rabb. R o s e n m a u n in Floridsdorfer Tempel. Wien. Die Generalversammlung des „Vereines zur Bekleidung und Unterstützung armer alter Männer isr. Konfession", Vereinslokal Wien, II. Ferdlnandstraße 22, findet Samstag den 28. März a. c. um 7 Uhr abends in dem Sitzungssaale der isr. Knltnsgemeinde, X Seitenstettengasse 4, statt. Tages-Ordnnng: 1. Rechenschaftsbericht; 2. Kassabericht; 8. Bericht der Revisoren; 4. Referat über die Statistik der uns zugehörigen Schützlinge; 5. Wahl von 6 Vorstandsmitgliedern mit 3 jähriger Fnnklionsdaner und 3 Revisoren mit 1 jähriger Fnnktionsdaner; 6. Anträge und Interpellationen. Nach Erledigung der Tagesordnung Vortrag Sr. Ehrwürden Herrn Rabbiner Dr. Max Grün w a l d. Wien. Dr. Maximilian S t e i n e r. Vorige Woche jührte sich zum ersten Male der Tag, an dem das gewesene Mitglied des Vertreter-Kollegiums der Wiener israel. Kntusgemeinde. Dr. Maximilian Steiner, einem Unfall erlag. Aus diesem Anlasse wurde in allen Tempeln im Rahmen des Jugendgottesdieustes all der großen Verdienste gedacht, welche sich Dr. Maximilian Steiner auf allen Gebieten des Gemeindelebens in jahrzehntelanger, hingebungsvoller Tätigkeit als Vorstandsmitglied erworben hat und wurden insbesondere seine hervorragenden Leistungen zur sozialen und religiösen Rettung der verlassenen Kinder und behufs Ausgestaltung des Religionsunterrichtes rc. geschildert. In den verschiedenen Tempeln haben Mitglieder des Kultnsvorstandes, Delegierte der Ghewra-Kadisciia, Beamte der Knltnsgemeinde rc. dem Jngendgottesdienste beigewohnt. Präsident Dr. Alfred Stern hat au dem im Leopoldstädter Tempel veranstalteten Jngendgottesdienste teilgenommen. Wien. (Jüdische Toynbeehalle, XX., Othmargasse 46.) Beginn der Vorträge: An Wochentagen V28 Uhr, Samstag, sowie an Sonn- und Feiertagen 7 Uhr abends. Eintritt frei für jeden Erwachsenen. Vortrags - Programm für die Zeit vom 28. März bis B. April 1914: Samstag, den 28., Musikaufführung. Quintett Holzer. .Frl. E i s e n st ä d t e r (Gesang). Sonntag, den 29., Schweden und Norwegen. (Lichtbilder). Frau Annitta M i l l e r - R o s e n z w e i g. 9 Das Rassische Werk befindet sich in der Bibliothek der Berliner jüdischen Gemeinde. Montag, den 39.. Literarischer Abend. „Jngendbnnd". Dienstag, den 31. Die Beziehung der Jugend zum sozial. Leben.. Frau Charl. Frischauer. Mittwoch, den 1., Allerlei aus fremden Ländern. Lehrer H u s ch e k. Donnerstag, den 3.. Kinderschutzgesetzgebung. Dr. Ernst Winter. Freitag, den 3., Bibelvortrag. Lehrer L ö w - B o g e l. Wien. (I s r a e I. Synagogen-Berei n „B eth Jirae l".) Sonntag den 29. März, präzise 3 Uhr nachmittags, findet im Sitznngs- Saale, II. Leopoldsgaffe 29, die ordentliche Geueraloersannulung statt. Tages-Ordnnng: 1. Verlesung des Rechenschasrs- und Kaffabericbtes. 2. Bericht der Rechnungsrevisoren. 3. Wahl von 3 VereiuSvorstehern mit dreijähriger Fllnkcionsdaner, 2 Bethansvorsteh.-rn »nt dreijähriger Fnuktionsdauer. 2 Berhausvorstehern mit zweijähriger Fnnklionsdaner, 3 Rechnnngsrevisoren. 3 Schiedsrichter. 4. Eventualien. Wien. Der Alte Herren-Verband „Suaria" veranstaltet am 28. März im Hotel Guch, II. Zrefanlestraße 14 einen Kommers mir anschließendem Tanz, Entree X 1/50. Beginn 9 Uür. Karten sind beim Schriflsührer Herrn Karl S k a m p e r l, IL Srefaniestraße 10, zn haben. Wien. (Jüdischer H a n d l n n g s g e h i l f e n - B e r band Ortsgrnvpe Wien, II.. Taborstraße 11 B.) Vereuisabend jeden Dienstag. 8 Uhr abends. Dienstag, den 31. März Vortrag des Herrn Bezirksrat Dr. Koloman F r e n d e r: „Berufshygiene". Die Hauptversammlung des I. H. V. (Verbaudstag) findet Sonntag, den 29. März 1914 im „Saale der Llteraturfreunde" I. Postgasse 13, I. Stock, gegenüber der Hauptpost, statt. Beginn 9 Uhr vormittags. — Gastkarten sind ab Montag, den 23. d. M. täglich von 8—9 Uhr abends im Vereinslokal zn haben. Samstag, den 28. d. M. findet un Cafe Herz (Marie,lbrücke) eine Besprechung der in Wien anwesenden Delegierten statt (*/29 Uhr abends). Die Kollegen und Kolleginnen werden ersucht, an den Bereinsabenden und an der Hanptversainmlung sich rege zn beteiligen. Freie Stellen bitten wir, uns sofort anznmelden. Die Orrsgruppenleitnng. Wien (Schau tu me« des Jüdischen Turnvereines Favorite n). Das diesjährige Schauturnen des Indischen Turnvereines Favoriten wurde am 14. März 1914 (16. Adar 5674) im großen Saale des Arbeiterheims abgehalten. An tausend Personen füllten die festlich geschmückten Räume und begleiteten den Fortgang des Festes mit freudiger Anteilnahme. Der junge Verein hatte sich nicht getäuscht, wenn er für seine schönen Bestrebnngen allgemeines Jnrereffe voraussetzte. Was gut jüdisch fühlte in unserem Bezirke war gekommen und so vereinigte dieser Abend die ältere und jüngere Generation in gleicher Begeisterung für die jüdische Sache. Und wer da auf den Zuschautribünen Nachdenken mochte, was denn aus dieser Schar turnender Inden, so stramme jüdische Turner gemacht habe, dem ward die Antwort, wenn er die Augen znm Bilde Theodor Herzls hob, das von der Stirnseite des Saales herabblickte. Diese Stimmung kam beredt zum Ausdruck in einer begeisterten Ansprache, die Herr Rabbiner Dr. A. L. Mandl, an die Turner und Turnerinnen richtete. Er gedachte mit Anerkennung des guten jüdischen Geistes, der unsere Turnerschast beseelt, der ihr Werk in den Dienst idealsten Strebens m den Dienst der nationalen Wiedergeburt stellte. Diese Worte unseres verehrten Rabbiners klangen wie eine Ausführung der älteren Generation mit dem Judentum, wie ivir es meinen und es lag darin auch eine Anerkennung jener Ideen, die die Heranwachsende Generation zum Judentum znrückgeführt haben. Die tnrnerischen Darbietungen des Festes standen auf hohem Niveau. Was der nnerinüdliche Tnrnleirer des Vereines cand. med. Adolf Taglicht da zeigte, was er in den kurzen drei Jahren, die der Turnverein besteht, geschaffen hat, daran läßt sich ermeffen, was geleistet werden kann, wenn Begeisterung und Selbstverleugnung sich in den Dienst der guten Sache stellen. Da marschierten an 80 Kinder im Alter von 6 bis 14 Jahren hebräische Lieder singend in den Saal und zeigten in wohl diszipliniertem Zusammenwirken an Geräten und in Freiübungen bewundernswerte Leistungen. Die erwachsenen Tnrner und Turnerinnen vollführten zil den Klängen des „Scham ba-arezu kombinierte Hebungen mir Keulen und Fahnen. Und unermüdlicher Beifall begleitete dann auch ihre Darbietungen an den Geräten. Aufmerksamkeit erregten auch die Leistuilgen der alten Herren-Riege, die sowohl an den Freiübnngenals am Geräte turnen Anteil nahm. Es war fast eiu Uhr nachts, als das schöne Turnfest zu Ende ging. Ein fröhlicher Tanz schloß sich an, der die Turnerschafi mit ihren Gästen bis zum Morgen znsammenhielt. Mödling. Mittwoch den 25. d. wurde Frau Amalie S p r i n z e l e s, die Gattin unseres langjährigen und verdienstvollen Gemeindeallgestellten Adolf Sprinzeles, welche nach langem Leiden im 72. Lebensjahre starb, zn Grabe getragen. Welcher Sympathie sich die Verblichene erfreute, bewies die zahlreiche Teilnahme der Mitglieder unserer Knltnsgemeinde an dein Leichenbegängnisse mit Herrn Präses Ignatz B e l a i an der Spitze, sowie die Anwesenheit vieler anderer Glaubensgenoffen. Herr Oberkantor Falk rezitierte in ergreifender Weise das Hazur tomim und Herr Rabbiner Dr. Leo B a r d o w i tz sowie Herr Rellgionsprofeffor Sprinzeles ans Wien würdigten in vom Herzen kommenden Worten die Verdienste der Verstorbenen um die Familie, daß es ihr gelungen sei, vereint mit ihrem Gatten, bei ganz einfachen Berhältniffen ihre Kinder zu tüchtigen Menschen heranzuziehen. Weiteres sprach noch ihr Bruder Herr Benedikt Hahn einige Worte des Abschieds. Das Hinscheiden dieser sehr achtenswerten Frau hat überall starkes Mitgefühl erregt und wendet sich der Familie die regste Teilnahme zu. 61.