Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 11 (20.3.1914)
- Date
- 1914-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Leite 6. Die Wahrheit. Nr. 11. des Fabrikanten Heinrich Mendl. der zur Erinnerung an seine verewigle Gemahlin im 20. Bezirk ein Hans bauen läßt, in dem beide Vereine nnentgeltlich nnlergebracht sein werden. Die Verkündigung dieser wahrhaft humanen Tat riß alle Anwesenden zn lauten Beisallsknngebnngen hin und frührte zn .dem einstrmmigen Beschlüsse, den großmütigen Stifter zum Ehrenpräsidenten zu erwählen. Zugleich gab die Versammlung den durch den Stiflungsbrief nötigen Satznngsändernngen ihre bereitwillige Zustimmung. Namens des Vorstandes der Zsr. Kultusgemeinde zollte Herr k. Rat Jonas Weil dem Wirken der Vereinsleitung und des Damenkomitees sein uneingeschränktes Lob. während Jnspekt. Prof. Kanitz die Errichtung eines Hortes im Prater im Interesse der isr. Jugend für unumgänglich notwendig anregt. Nach dem mit Befriedigung ausgenommenen Berichte des Schatzmeisters Karl Goldschmied! und des Revisors Dr. Friedr. Boxer, wurde der neue Vorstand einstimmig gewählt, it. zw. die Herren Dr. I. Samnelh, Karl Freund, Kommerzialrat S. Roienzweig, K. Goldschmied, k. Rat Dr. A. Ascher, Ph. Berger, Gottlieb Bettelheim, Dr. M. Grünfeld. Dr. B. Mautner, B. Wiener, Jul. Freund, Dir. A. Hecht, Prof. S. Khuner, Ernst Simon, k. R. Jonas Weil. Alb. Frankl, Dr. Subak, Jaqu. Karpeles, Karl Lemberger, PH. Kohu, Vikt. Schwadron, Leop. Herz, Leop. Louris u. Ernst Götzl. Hierauf erfolgte durch den Vorsitzenden Dr. I. Samnelh der Schluß der Versammlung. Iulerrmlionates Urofalajcha Komilee. Am 8. März vereinigten sich zu Frankfurt a. M., auf Einladung des internationalen Profalascha-Komitee die angesehensten Führer der internationalen Profalaschabewegung, um die Reorganisation des Profalascha-Komitees und die znr Zeit zu ergreifenden Schritte zn beraten. Der Versammlung präsidierten die Herren Oberrabbiner Dr. Margulies, Florenz und Julius Goldschmidt zn Frankfurt a. M., beide Herren, die sich seit Jahren mit größter Opserwilligkeit in den Dienst der Profalascha-Sache gestellt haben: Die Versammlung, zu der eine Reihe von Vertretern ans Deutschland, Italien, Oesterreich und der Schweiz erschienen waren, nahm die ausführlichen Berichte des Herrn Oberrabbiner Dr. Margnlis und des Herrn Dr. Jaques Faitlowitsch entgegen; auch lagen die von Herrn Dr. Faitlowitsch edierten Briefe der Falaschas an die Glaubensgenossen der ganzen Welt, sowie eine Reihe von Missionszeitschriften vor. aus denen sich ergibt, wie ängstlich die in Abessinien arbeitenden Missionäre die Fortschritte der Profalascha-Arbeit des Komitees beobachten. Ans allen Teilen der zivilisierten Welt lagen znstimmende Kundgebungen vor, in denen die wärmste Sympathie für die Arbeit des internationalen Profalascha-Komitees ansgedrückt und die Hoffnung ausgesprochen war. daß nun nicht länger mit einer intensiven Arbeit unter den Falaschas selbst gezögert werde. Herr Oberrabbiner Dr. Margulies nahm Gelegenheit, die Geschichte der Profalaschabewegung bekannt zu geben und, anknüpfend an die Tätigkeit des verblichenen Dr. Israel Hildesheimer, sowie des Professors Halevi, Paris, über die Ergebnisse der dritten ^peditionsreise desHerrn Dr. Faitlowitsch zu berichten, hierbei auch alle die Bedenken zu widerlegen, die gegen die Notwendigkeit einer Aktion zn Gunsten der Falaschas ausgesprochen worden sind. Es handelt sich nicht in ersterLiniedarumdenFalaschaswirtschastlichbeizustehen, es müsse vielmehr dafür gesorgt werden, daß dieser versprengte Rest von Glaubensbrüdern nicht wehrlos und endgültig voudenchristlicheu Missionären ausgesogen und znm Christentum übergeführt werde; die früher aus 200.000 Seelen geschätzte Zahl der Falaschas sei in den letzten Jahrzehnten auf 70.000 bis 100.000 Seelen znrückgegangen, nachdem zahllose derFalaschas, deren Hilferufe ungehört verhallt waren, den Angaben christlicher Missionäre Gehör gaben, es gebe überhaupt keine Juden mehr in der weiten Welt und sie seien die letzten, die noch zn dem Gotte Israel beten. Heute sei dieser Tätigkeit der Missionäre ein Damm entgegengesetzt; immerhin müsse vor allen Dingen durch Schnlgründnngen, sowie durch Gründung eines Seminars und durch Verbreitung jüdischer Lileratnr in der Landessprache Sorge dafür getragen werden, daß die Arbeit eine nachhallige ' und erfolgreiche bleibe. Auch müsse ein Konnex zwischen den versprengten Glänbensbrüdern nnd den Glaubensgenossen der übrigen Welt herbeigefüh'rt werden. Zn diesem Zwecke habe Herr Dr. Faitlowitsch eine kleine Schule im Innern Abessiniens, in der Provinz Dembea gegründet, der einer der in Florenz nnd Jerilsalem erzogenen Falaschas, Jeremias Ghettie, vorsteht; weit wesentlicher wie diese kleine Schule sei aber die Erziehung . von geeigneten Lehrern, innerhalb des Landes nnd die Errichtung von Schulen in allen größeren Niederlassungen der Falaschas. Die bisherige Organisation könne ans Mangel an Geldmitteln, sowie mil Rücksicht darauf, daß Florenz nicht die geeignete Zentrale der Bewegung darstelle, nicht ansreichen, dem Ziel der Bewegung mit der nötigen Beschlennignng nahezukommeu. Als der Fahnenträger der Bewegung, richtet daher Herr Oberrabbiner Dr. Margulies den dringlichsten Appell an die Versammelten, die Zentrale der Bewegung nach Deutschland und insbesondere nach Frankfurt der Ir woem b’Israel, wo der Bewegung viele Sympathien entgegengebracht werden, zn verlegen tmd das große Werk nicht nun, wo es angebahnt sei, unvollendet liegen zu lassen. Herr Dr. Jaques Faitlowitsch ergänzte die Ausführnngen des Herrn Oberrabbiner Dr. Margulies und gab einen eingehenden und klaren Bericht über seine dritte Expedition, im Jahre 1913; der Bericht bewies nicht nur, welchen Strapazen sich dieser unermüdliche Vorkämpfer für die Falascha-Sache, seit Jahren im Interesse des heiligen Werkes unterzieht, erzeigte auch, welche Erfolge bereits erzielt sind, und welche Verantwortung die jüdische Gesamtheit auf sich nehmen würde, wenn sie die Falaschas dem Schicksal des Unterganges und der Aufsaugung überlassen würde. In der folgenden Diskussion, an der sich die Herren Prof. Dr. Chajes zu Triest, Jnstizrat Dr. Apfel, Köln, Landgerichtsrat Stern, Stuttgart, die Herren Stiel nnd Simon zu Köln, Bnllag-Fenchtwanger, Basel, Jnlins Goldschmidt, Dr. Sondheimer. Rabbiner Dr. Nobel, Rabbiner Dr. Horovitz, Rabbiner Dr. Lazarus, Dr. Fenchtwanger und Rechtsanwalt Horovitz zn Frankfurt a. M. beteiligten, in der außerdem schriftliche Vorschläge der Herren Prof. Mittwoch und Dr. Elbogen zu Berlin Vorlagen, wurde insbesondere festgestellt, daß für die verschiedenen Schulbauten ein Bausonds von Franken 50i000, aufgebracht werden müsse, daß im Uebrigen ein jährliches Budget von etwa Mark 30.000 bis Mark 35.000 sicherzustellen ist, wurden im übrigen Fragen der Organisation nnd Propaganda erörtert. Von größeren Organisationen waren in der Sitzung, der Hilfsverein der Deutschen Juden, durch Herrn Salomon Epstein zn Frankfurt a. M.. das Zionistische Aktionskomitee durch Herrn Fritz Sondheimer nnd die Agndas Israel durch Herrn Dr. Fenchtwanger zu Frankfurt a. M. vertreten; auch diese Organisationen brachten ihre Sympathie nnd ihren Willen zur Mitarbeit an dem großen Werk zum Ausdruck. Es wurde beschlossen, Herrn Dr. Feitlöwitsch um weitere Mitarbeit an dem Profalascha- Werk zu bitten, mit der Aufgabe insbesondere, dank seiner Beziehungen zu der Falascha-Bevölkernng, das Band mit den Falaschas^fester 'zuskunpfen, die Schule, sobald die finanzielle Basis sichergestellt ist, weiter zw fördern und einznrichten und propagandistisch tätig zu sein; auch die Anstellung eines Zentralsekretärs wurde beschlossen. Znin Sitz der Zentrale wurde Frankfurt a, M. nach ausgedehnter Debatte gewählt. Nachdem Herrn Oberrabbiner Dr. Margulies das Ehrenpräsidium übertragen war, übernahm Herr Jnlins Goldschmidt zu Frankfurt a. M., der schon lange Jahre den tatkräftigsten Anteil au der Profalascha-Bewegung nimmt, das Amt des ersten Vorsitzenden des internationalen Komitees. Im übrigen wurden in den geschäftsfnhrendett Vorstand die Herren Dr. Sondheimer, Frankfurt a. M., Landgerichtsrat