Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 10 (13.3.1914)
- Date
- 1914-03-13
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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sogar,ein Kriegsmiuister erfolgreich^ die. militärischeu . Astioneu-' leitete/llüh. sieht mail ins.Deutsche ReiA, so blühen \ dort ebenfalls Vermehr .uiid Gewerbe in einem ungleich - höheren Maße als bei uns, n)o. inan anstatt die Bevölkerung zur'Betätigung in kultureller, somit auch k.aüfmäuuischer Arbeit aufzusordeiü, es vorgezogen hat, die Nächstenliebe durch die Verhetzung zu ersetzen, sie. schon bei dem Schulkinde zu beginnen Und dem nnbedentendsteu Mann einredet, er sei immer noch bester als der Jude, der somit, denn Hasse und Neide preisgegeben würde.. Mit dem' Erfolge, daß die ohnehin .nicht sehr.wagemutige Bevölkerung sich noch. mehr an die Rockschöße des Staates hängt nnd der Andrang zu festen Positionen ins Angemessene steigt. Während anderwärts die Kräfte der Einzelnen vereinigt werden, um so den Verstand, die Energie und sonstigen Fähigkeiten zur freien Betätigung zu dringen, zum Nutzen des gemeinsamen Zieles, d. i. des Volkswohlstandes, werden bei uns die Kräfte gegen einander verschwendet, um allmählich wieder eine Absonderung nach An der Ghettos früherer Jahrhunderte herbeiznführen. R o m hat ans seinem ehemaligen Ghetto eine herrliche Villenstadt gemacht, in deren Mitte eine große Synagoge steht, zu deren Eröffnung der König kam, um zu erklären, daß unter seinem Szepter jede Form religiöser Ueberzeugung gleiches Recht seitens des Staates und die gleiche Achtung der Krone . genieße. Viele unserer Talente müssen mangels eines entsprechenden Betätigungsfeldes in die Fremde auswandern, weil eben der Unteruehmergeist in der Heimat nicht genügend Pflege findet unter der Herrschaft einer bestimmten Konfession, welche kaum anders als die des Adels in Frankreich vor 1789 sich fühlbarjmachr. Gleichwohl müsse anerkannt werden, daß gerade die wirklichen Kirchenfürsten den Antisemitismus weit von sich wiesen, so Kardinal Kopp, Kardinal Fischer, auch Papst Leo XIII., verschiedene Erzbischöfe und Bischöfe, namentlich Bischof Freiherr von Ow, der au dem ihm Glück wünschenden Großrabbiuer von Regensburg u. a. schrieb, 'daß er für die Wertschätzung des Judentums seitens der Christen jenes Wort Jesu Christi als maßgebend erachte, welches lautet: „Das Heil kommt von den Inden" Joh. IV. 22. Mit dem Vordringen des Antifemilismns aber verhallen derartige - Stimmen immer mehr, der Mangel an öffentlicher Moral macht sich immer fühlbarer und änßerte sich so insbesonders bei unserem viel und ob seiner milden Sitten oft gerühmten Wien, anläßlich der Wahlen in jüngster Zeit, wo die Fälschung öffentlicher Dokumente gerichtsordnungsmäßig festgestellt werden konnte. Ganz im Gegensatz zu diesem Vorgehen steht jenes des vorgenannten römischen Bürgermeisters Nathan, der sofort, als die Parlamentswahlen 1911 seiner Partei eine Niederlage brachten, die Konsequenzen zog, d. h. resignierte. Der Vortragende erntete für seine trefflichen Ausführungen begeisterten Beifall. ' Zionismus nnd Nationalismus. Von Jakob H. Schiff. Vortrag in der C. C. N. §). Meuorah Society, 7. Januar *). (Schluß.) Aber ich möchte keinen Augenblick die einigende Kraft herabsetzen, die der'Zionismus bis zu einem gewissen Grad bewährt hat, und deren Wert, als zeitweiliges Hilfsmittel und in gewissen Grenzen gehalten, nicht unterschätzt werden sollte. Er hat der andersgläubigen Welt bewiesen, daß die Juden ihre Selbstachtung nicht vrrloren haben, er hat die Juden in weitem Ausmaße sich auf sich selbst besinnen lassen, er hat, mehr als vielleicht irgend etwas sonst dies bewirkt haben könnte, ihnen den Wert ihres eigenen Erbes gezeigt. Er hat die Anstrengungen beschleunigt, Palästina wieder zil Ehren zu bringen, und wenn er auch nicht — was weder ausführbar noch wünschenswert ist — dort einen jüdischen Staat wiederher¬ *) Aus dem „American Hebrew", 16. Januar 1914, nach der „Allgemeinen Zeitung des Judentums". stellen . kann, - sp^hat,-.er statsächfich,jwelttgste.lls.-/lMsLt>-Gssbnrts- .iqiii) von dem vSchmntzimd detil-Erisiedrignngj befreit, * denen es,-gleich wie ein-- größer Teilher Be.völkernng , versahen.wqr, sp - daß -Palästina,: das immer für'/die Jndeneiu. anziehendes Zentrum gewesen ist; mit der Zeit ivahrscheinlich .-in'• ein Land verwandelt werden kann, . wohin mit Einschluß der-es umgebenden .Distrikte die Inden ans den Ländern der Verfolgung answandern können-. In diesem Sinne können wir, wo immer auch unsere Heimat fein mag. den Zionismus .unterstützen, auch -wenn wir uns nicht als Zionisten bezeichnen wollen, da dies - zu einem Synonym für .jüdischen Nationalismus gegeworden ist. Ich habe mich oft gefragt, wie ich mir und anderen am besten erklären konnte, warum es ein Paradoxon für die amerikanischen Juden ist — wie für die Juden jedes Landes, wo ihnen bürgerliche Rechte gern und bereitwilligst gewährt werden — sich als jüdische Nationalisten zu bezeichnen, d. h. als Angehörige einer Nation, die in Wirklichkeit nicht exisüert, die man aber wiederherzustellen sucht. Ich kann mir aber selbst diese Erklärung sehr wohl geben, denn ich fühle es im Innersten, warum ich als Amerikaner, ein wie guter Jude ich auch zu sein suche, doch ein jüdischer Nationalist nicht sein kann, aber wenn, ich dies anderen genau erklären soll, so finde ich dies schwieriger. Daher werde ich einen anderen anführen, deffen Definition der Bedeutung des Nationalitätsgefühls meinem Empfinden noch am besten ausdrückt, was ich in dieser Richtung sagen möchte. Ich verweise auf Dr. Ludwig Haas, einen jüdischen deutschen Reichstagsabgeordneten, .der vor einigen Monaten in einer Rede von der zionistischen Behauptung sprach, daß „Nationalitätsgefühl" in lebendigem Bewußtsein gemeinsamer Abstammung, der Zusammengehörigkeit und im Glauben an eine gemeinsame Zusammenkunft bestehe. Wenn dies richtig wäre, könnte es nicht etwas wie amerikanisches Nationalitätsgefühl geben. - Denn in welcher Nation .kann eigentlich weniger Gefühl gemeinsamer Abstammung bestehen, als bei den Amerikanern, deren Vorväter von den Völkern der ganzen Welt hergekommen sind. Und trotzdem sind wir alle Amerikaner und haben das Gefühl gemeinsamer Nationalität. Denn was mehr für das Nationalitätsgefühl ausmacht als irgend etwas sonst, ist eine gemeinsame Kultur. Kultur und Literatur sind zwei verschiedene Dinge, und während wir als Juden das Erbe einer großen Literatur haben, besitzen wir keine gegenwärtige gemeinsame Kultur, welche gegenteiligen Ansprüche auch erhoben werden. Wir sind Juden deutscher, französischer oder angelsächsischer Kultur, entsprechend der Kultur der Nation, in der wir leben, und von der wir ein Teil und ein Stück geworden sind. Wir und unsere Kinder stimmen mit Freude, ja leidenschaftlich in die schöne Nationalhymne ein: „Our country, tis of thee,- of thee we sing“, und dies soll eine wahre und nicht leere Aeußerung von uns sein. Gemeinsame Sprache bestimmt gemeinsame Nationalität, die Liebe zu dem Lande, in der wir leben und in dem die Zukunft unserer Kinder liegt, schafft den Begriff und das Gefühl nationaler Angehörigkeit. Wenn also, wie ich glaube und bereits gesagt habe, die gemeinsame Sprache mehr als etwas sonst das Gefühl nationaler Angehörigkeit bestimmt, dann sollten wir auch, wenn wir Teil und SWck seiner erneuerten jüdischen Nation zu sein wünschen, in den^Ländern der Diaspora zu dem G.Ärauch der -Hebräischen Sprache znrückkehren, und solch ein 'Streben würde, wie wir alle wissen — und sollte — kläglich scheiterws Der' Irrtum, den die jüdischen Nationalisten begehenist der, daß sie sich bemühen, Nationalgesühl dem Njnterßnschieben, was sin Wirklichkeit ein Gefühl der Zusammengehörigkeit als ein Voll gemeinsamen religiösen Glaubens istein Gefühl Besitzer Äner alten Literatusr zu sein, und von der leider ein so großer Teil unserer jüngeren Generation altzu-- wenig weiß — das Gefühl des unbestreitbaren gemein-