Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1914
- Issue
- Heft 9 (6.3.1914)
- Date
- 1914-03-06
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
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Nr. 9. Die Wahrheil Leite 9. förderten 39 Schneider (Schneiderinnen). 5 Handelsangestellte, 4 Tischler, 4 Maler (Anstreicher), 3'Händler, 3 Hutmacher, 3 Schmiede, (Schlosser), 2 Friseure (Perückenmacher), 1 Schuster. 1 Müllner. 1 Fotograf, 1 Bäcker, 1 Elersortierer. 1 Mechaniker, 1 Zuckerbäcker. 1 Monteur. 1 W_eber. 1 Graveur. 1 Gamäschenmacher. 31 ohne bestimmten Berns (zumeist Frauen). ’ Wien. Die Barmizwafeier in der Familie des Herrn Max Schwager. Administrator der Oesterr. Wochenschrift nnd feiner Gattin R e g i n e, geb. K o h n. die ihre künstlerischen musikalischen Leistungen immer in den Dienst der Allgemeinheit bei-jüdischen'Veranstaltungen stellt, zeigte von der Beliebtheit des Elternpaares, dem Beweise von Sympathie und Anhänglichkeit von allen Seiten reichlich zukamen. Der junge „Barmizwa" Karl S ch w a g e r trug am verflossenen Sabbat im Leopoldstädter Tempel die vorgeschriebenen Benediklionen ltnb die Haftora kräftig und melodiös mit traditioneller Betonung prächtig vor. Herr Rabbiner Dr. Grun wald hielt eine ungemein geistvolle Ansprache an den Konfirmanden und Oberkauior Morgensternes „M i s ch eb e ra ch" war eine Prachtleistuug. Viele Knltnsvorsteher, Tempelvorstände, Beamte unserer Gemeinde nnd viele Freunde der Familie aus allen Bezirken'warennicht nur zur Tempelfeier, sondern auch in die Wohnung des Herrn Schwager gekommen, der sich überall großer Beliebtheit erfreut. Schon als Knabe sang er im Tempelchor unter Oberkantor Singer beim allgemeinen und beim Jugendgotlesdieust und ist schon seit vielen Jahren Tenorist im Leopoldstädter Bethaus sowie auch in seiner administrativen Tätigkeit sehr geschätzt, weshalb auch alles wetteiferte, den' glücklichen Eltern bei der Barmizwa ihres Sohnes ihre freudige Teilnahme zu zeigen. Es sei noch erwähnt, daß Herr Tenorist Leo Finkelstein das Einstudieren der hebräischen Vorlragsstücke mit dem so guten Erfolge übernommen hatte. Mor. A n t s ch e r l. Wien. Letzter Freitagabend-Vortrag in dieser Saison im Bethamidrasch „Talmud-Thora". H., Malzgasse 16, auch Fraueil zugänglich. Am 6. März 7.30: Herr Professor Moritz An ts ch erl: „Rabbiner Dr. Abraham Adolf Schmiedls Leben und Wirken". Wien. W o ch e n pr o g r am m der jüdischen T oy nb eeh alle, XX., Othmargasse 48. Samstag.7. März, Mnsikaufführung, Fräulein Frida Neuhauser (Gesang), Fran Lnkacz-Bettelheim. Sontitag, 8. 'März. Allerlei ans fremden Ländern, Herr Lehrer Hnschak. Montag, 9. März, Vorlesung aus K. E. Franzos' Werken. Herr Phil. Leopold Stein .(Jugeudbuild). Dienstag, 10. März. Bilder ans dem Rechtsleben, Herr Rechtsanwalt Dr. M. Reiß. Mittwoch. 11. März, Noch einmal Shylock, Herr Schriftsteller Ad. Gelber. Donnerstag, 12. März, Der Kampf ums Recht. Herr Dr. Gustav Scheu. Freitag, 13. Mürz, Bibelvortrag, HerrDr. Freudmanu. Wien. Kantor M. Kurzweil ans Wien wurde per Akklamation als Kantor in Trebitsch gewählt und hat seinen Posten am 1. März l. I. augetreten. Kantor Kurzweil, der aus einer bekannteli Kantorennnd Gelehrtenfamilie stammt, hat bereits in größeren Gemeinden gewirkt. Wien. (Verband der i s r a e l. Religions^ lehrer an den ö st er r. M i tt e l s ch n l e n.) Montag, den 23. Februar d. I. fand unter dem Vorsitze des Obmannes, des Herrn Rabbiners Dr. M. Rosen m a n n. die zweite Attsschnßsitzung in dieser Fnnktionsperiode statt, in welcher derselbe über die gegenwärtige Lage der nicht definitiven Meligionslehrer an Mittelschulen, sowie über die zu unter? nehmenden Schritte zur Verbesserung ihrer Rechtsstellung ein eingehendes Referat erstattete. . Ebenso wurde mitgeteilt, daß es der Verbandsleitnng gelungen sei, eine große Anzahl von Bonifikationen für die Verbandsmitglieder zu erwirken. Wien. (K o m i t e e z u r Veranstaltung j ü d.-- wissenschaftlicher Vorträge im 21. Bezirke.) Donnerstag, den 26. Februar l. I. erschien am Vortragstische Herr Otto S tr ako s ch, Experte für China und Japan, und las in sehr eindrucksvoller Weise über das Reich der Mitte vor, wobei er über die chinesischen Juden sehr interessante Aufschlüsse gab und die Ansicht vertrat, daß sie die Äeberreste der zehn exilierten Stämme Israels seien. Dieser stark besuchte Vortrag bildete auch den Abschluß des Zykluffes und nahm der Obmann, Herr Rabbiner Dr. Ro s e nma nn. Veranlassung, Worte der Anerkennung au die Mitglieder des Komitees zu richten, die ihn in seinen Bemühungen im 21. Bez. jüdisch-wissenschaftliches Leben wachzurnfen, eifrigst unterstützten. Die Verlesung eines Auerkeuuuiigsfchreibens seitens des Präsidiums der Kultusgemeinde, in welchem dasselbe „besonderer Befriedigung Ausdruck verlieh und besten Dank sowohl der Initiative des Obmannes als auch sämtlicher Herren des Komitees", weckte Beifall beim Publikum. Zum Schluffe ergriff Herr Obmannstellvertreter Dr. Heinrich Grunwald das Wort und sprach im Namen des Komitees dem Obmaune, Herrn Rabbiner Dr. Roseumanu. Worte des Dankes aus nnd verlieh dem Wunsche Ausdruck, daß letztere nach wie vor das Unternehmen fördern. Budapest. Staatssekretär Dr. Leopold B a d a ß wurde jüngst zum Präsidenten der Israelitischen ungarischen literarischell Gesellschaft gewählt. Er nahm diese Würde mit Dank an und führte in seiner Rede folgendes aus: Er werde — sagte er — die edlen Ziele des Vereines nach Kräften fördern. Die wahrhaft edlen Ziele sind immer universell. Universell sei auch die Wirksamkeit dieses Vereines, denn sie dient gleichzeitig der Konfession, dem Uugartum nnd der Literatur. Besteht doch zwischen diesen kein Gegensatz: sie sind die einzelnen Motive der großen Symphonie, die in der Seele eines jeden gebildeten ungarischen Juden erklingt. Und wenn die uns allen teure ungarische Sprache uns das kraftvolle und biegsame, mächtige unb zugleich zarte Instrument gibt, mit dem wir all das ausdrücken, was in der Seele des Juden lebt, so führen wir andererseits glücklich und stolz alle Schätze dieser jüdischen Seele, unserer durch die Kultur von Jahrtausenden differenzierten Seele, unseres durch so viele Kämpfe, so viele Leiden einer schicksalsschweren Vergangenheit empfindlich, für jedes menschliche Elend empfänglich gemachten Herzens jenem großen Strome zu, der die ungarische Kultur trägt, vorwärts bringt. Diese ungarische Kultur pflegen wir in dieser unserer Israelitischen ungarischen literarischen Gesellschaft. Und wäre etwas in diesem Gedankenkreise, was zur Förderung der speziellen jüdischen Interessen ermahnen würde, so müßten wir dieses besondere Interesse wieder in der Universalität suchen. Kanu denn der ungarische Jude einen sehnsüchtigeren Wunsch hegen, als daß in diesem uuserem Vaterlaude die Bildung, die Kultur, das Wissen und die als Blüte aller dieser prangenden Literatur im Zeichen der ungarischen Literatur sich entwickle und erstarke? Die Einheit unserer Gefühle, die Gemeinsamkeit unserer selbstlosen Zwecke, die Kraft nuferer Sehnsucht nach Fortschritt leite uns auf unserem Wege. Die schwungvolle Rede wurde mit stürmischem Beifall aufgeuommen. Odessa. In der Gesellschaft „zur Pflege der hebräischen Sprache" wird gegenwärtig in den Sälen der Gemeindeverwaltung eine Reihe von Vorlesungen von dem Poeten Ch. N. B i a l i k und Oberkantor P. M i n k o w s k y abgehalten. Das Thema des ersten ist: die Poesie in ihren ver-. schiedenen historischen Gestaltungen und Metamorphosen zwischen Aufschwung und Verfall, parallelisierend zwischen echter Poesie gekünstelter Reinmacherei. Angefangen von den Profeten, passierend die alexandrinischen pseudouimischeu Dichtungen, die poetanischen Formen seit Janai und Kalir, die Glanzperiode der mittelalterlichen Poesie durch Halevi, Gabirol und Iben Esra bis Moses Zakuta, Emanuel Romi. Jsroel Nagara und Luzzato als Vater der neuen Poesie etc. Der zweite Vortragende hat sich folgendes Thema gewählt: Der Einfluß des Schulgesauges auf die Erziehung. In einer Serie von Vorlesungen behandelt Minkowsky im ersten Teil die Geschichte der Schulmusik bei den heidnischen vorklassischeu und klassischen Völkern seit der Zeit des chinesischen Königs Tschun (2300 v. Ch.) bis zum christlichen Schnlgesang, charakterisierend die Meinungen von Konfuzius, Plato (in seiner Republik), Pithagoras (in seiner Schule) und überhaupt der Hellenen, Etrusker Römer, Gallier, der ersten Päpste Silvester und Hilarius, Clemens