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Die Wahrheit · 1914-03-06 · Heft 9 (6.3.1914) · page 10

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1914
Issue
Heft 9 (6.3.1914)
Date
1914-03-06
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 10. Die Wahrheit Nr. 9. von Alexandrien, Ambrosius von Milan, und Gregor des Großen, die Methoden, die sie.in .ihren Schulen (Örphanatropien) ängewenöet haben, den mittelalterlichen Kirchen-, Hofnnd Schulgesang bis zur Renaissance, die Meinungen von Luther, ". Shakespeare, Kaut (obwohl er die Musik bloß als Sprache der Affekte nennt), Schopenhauer, Spencer, Langfellow, Emerson und Hauslik. In. diesen Lektionen werden ausführlich beleuchtet die pathologischen, mnemotechnischen und physologischen Ziele, die ethischen Und ästhetischen Zwecke, die in verschiedenen Perioden von den oben erwähnten Persönlichkeiten und Völkerschaften im Schulgesange verfolgt waren. Im zweiten Teil behandelt Minkowsky den speziellen jüdischen Schulgesang. Angefangen von dem t>eö -n:n (Kantilene),.der im Priester-Levitenkollegium gepflegt wurde; von der Steigerung des Gesanges und dem Musikinstrnmeutenspiel in den. prophetischen Conven'tikeln und späterhin in den sopherischen Akademien und Ched'arim seit ihrer Gründung durch Jeschur ben Gamlo in Jerusalem, und den Provinzen. Die Beziehung des größten talmudischen Pädagogen Rabbi Akiba zum Schulgesang in der gefährlichsten hadrianischen Zeit, als einziges Mittel zur Rettung des Talmud. Die Verhältnisse des Patriarchen Nabben Gamliel znm Schulgesang in seiner Schule, wo 600 jüdische Schüler griechisch erzogen wurden. Die Erfindung der Tropen und Vokale und das Verhältnis der beiden zu dem griechischen Neumen als Sprach- und Tonzeichen. Zur Beleuchtung der 4 Visionen der jüdischen Tropen, wie auch sämtlicher biblischer und talmudischer Melodien die bis nun noch in den Chedarim und Jeschibboth gepflegt werden, wird ein Knabenchor unter Begleitung eines Harmoniums, bei den letzten Lektionen Vorsingen. Oskar Baum, Die böse Unschuld. Ein jüdischer Kleinstadtroman. Verlag Rütten und Loening, Frankfurt a. M. 1914. Es ist eine ganz einfache Geschichte. Ein Student kehrt aus Prag zurück in das kleine Landstädtchen, in dem er geboren. Unterwegs erneuert er die Bekanntschaft mit einem jungen Mädchen. Auch sie will den Sommer in dem kleinen Orte zu ihrer Erholung verbringen. Wie der Sommer vorbei ist, wissen sie, daß sie für einander bestimmt sind und eine Verlobung ist der Abschluß. Dazwischen liegt noch ein merkwürdiges Geschehen: Ein Mädchen in dieser kleinen Stadt, in der fast nur Juden wohnen oder in welcher wenigstens so viel Inden leben, daß sie untereinander ein abgeschlossenes Gesellschaftsleben führen, eines der Mädchen aus diesem Kreise glaubt Mutter zn werden nnd bezichtigt den jungen jüdischen Studenten. Dieser, im Bewußtsein seiner Unschuld, wehrt sich kaum gegen diese Behauptung, die ihn immer mehr feindselig umkreist und einengt. Eltern und Geschwister stehen gegen ihn aus und wollen ihn zu einer entscheidenden Abwehr zwingen. Aber jeder seiner Versuche, die Unwahrheit dieser Gerüchte an seinem Gleichmut ersterben zu lassen oder ihnen durch eine offene Erklärung den Grund zu entziehen, scheitert an einem unerklärlichen Mitleid mit dem Mädchen. -Dadurch, daß sie ihn dieser Tat zeiht, fühlt er sich ihr irgendwie verpflichtet. Und als er, in offener Aussprache mit ihr, sieht, daß sie eine Kranke ist und ihre falsche Behauptung nicht einfach als bewußte Lüge, sondern vielmehr als Auswuchs und Produkt eines im Kerne schwer zerrütteten Gemütes ausgenommen werden muß, erstirbt seine Gegenwehr völlig im tiefen Mitleid. Ja, er tut etwas, wodurch er sich den Zorn seiner Familie und den äußerlichen Anschein der Wahrheit aller Gerüchte zuzieht — er fährt mit der Armen nach Prag. So stark ist er im Unterbewußtseiu seiner Unschuld und in dem selbstverständlichen. Glauben an das Mädchen seiner Liebe. In Prag konstatiert ein Professor sofort, daß jede physiologische Voraussetzung zum Mntterwerden dem Mädchen ermangelt und entläßt sie mit der Hoffnung, das Gleichgewicht ihres Gemütes wiederznfinden. Das. ist der Weg, den der junge Student unbewußt durch die Gefahren einer erkrankten Phantasie gemacht und der ihn. mit ruhigem Gleichmut in das Glück an der Seite seiner liebenden und geliebten Frau geführt hat. Nebenbei zeigen sich eröffnende Einblicke in das'ehrwürdige Familienleben dieser böhmischen- Kleinstadtjuden und . ihre Beziehungen zu der umwohnenden Landbevölkerung. Beim Lesen dieser einfachen Erzählung geschieht es, daß man hin. und wieder das Gefühl hat, es könnte oder müßte irgendwie anders sein oder'kommen, als fehle irgend etwas oder sie müsse verbindender gestaltet seiin Hat man aber das Buch beendet, so rücken einem alle seine Gestalten und Begebenheiten in eine so nachdrückliche und freundschaftlich-menschliche Nähe, daß es erstaunlich ist. Die Intensität des Geschaffenen ist es, die diese nachwirkende Kraft besitzt. Und wenn man weiß,, daß der Dichter dieses Romanes blind'ist, weiß man auch die Erklärung für. das. leicht Befremdliche seiner Darstellnngsart: er verzichtet auf alles verwirrende und entführende Beiwerk mit einer gegebenen Entschlossenheit, die es zuwege bringt, daß die. geschaffenen Konturen, die mit Silberstist gezeichnet, nachdrücklich in Erinnerung bleiben. 8t. Aufruf an die jüdische Keffentlichkeit. Die Inden, welche in den Lagern aller kriegführenden. Staaten mitgekämpft haben, haben unter den Folgen der' Balkankriege gegenwärtig schwer zn leiden. Im kleinen Bulgarien, dessen jüdische Einwohnerschaft ungefähr 40.000 Seelen beträgt, zählen die i m K r i e g e g e fallen e'n jüdische n Soldaten nach vielen Hunderten. Mehr als 260 hilflose Waisenkinder, Knaben und Mädchen, bilden die traurige Hinterlassenschaft der jüdischen Blntzengen ans bulgarischer Seite. Für diese den ärmsten Ständen angehörenden jüdischen Kriegswaisen soll nun gesorgt werden. Unter dem Vorsitz des Großrabbiners Dr. Ehrenpreis wurde in Sofia. ein Komitee für Waiseufürforge gebildet, welches in der Hauptstadt des Landes ein jüdisches Waisenhaus errichten will. Eine entsprechende Anzahl von Kindern soll außerdem nach Tunlichkeit in jüdischen'Waisenhäusern und Asylen des Auslands, hauptsächlich in Palästina, nntergebracht werden. Einen Anfang hat man damit in London bereits gemacht: die portugiesisch-spanische Gemeinde dieser Stadt hat zwei jüdische Waisenknaben aus Bulgarien in ihrem Waisenasyl nntergebracht und die Aufnahme von weiteren zwei in Aussicht geste llt.s Zur Ehre der bulgarischen Judenschaft muß gesagt werden, daß sie sich einmütig bereit findet, für das Hilfswerk zugunsten ihrer Kriegswaisen außerordentlich große Opfer auf sich zu nehmen. Aber die Aufgabe ist zu groß, sie steht in keinem Verhältnis zu den vorhandenen Mitteln. Ohne werktätige Unterstützung seitens der Glaubensgenossen im Anslande wird das Hilfswerk kaum erfolgreich durchzuführeu sein.. Das gefertigte Komitee richtet an die jüdischen Gemeinden und Korporationen, sowie an die gesamte jüdische Oeffentlichkeit die ergebene Bitte, dieser armen Kriegswaisen, deren Väter als Blutzeugen für jüdische Ehre und Pflichttreue. auf den Kriegsschauplätzen in Thrazien und Mazedonien, gefallen sind, zu gedenken und durch gütige Unterstützung des Hilfswerks die Fürsorge für diese bedauernswerten Kinder und ihre Erziehung möglich zu machen. Gefällige Zuweisungen wolle mau wie folgt adressieren: Naison äs Bangne «Inda B. Israel & Co. (Compte Orph.eli.nat), Sofia. Für schriftliche Mitteilungen aller Art wende man sich an das Secret'ariat General, des Oeuvres juives de Charite 48, Bd. Dondonkoff, Sofia. .Sofia, im Februar 1914. Dr. S1U. Ehrenpreis, Großrabbiner von Bulgarien. Abr, Davidtschon Lewy, Industrieller, Präsident der Israelit. Knltnsgemeinde Sofia. Abraham Josef Rüben, Rentier. Dr. Navon, prakt. Arzt, Moise Davidtchon Lewy, Rentier,. Samuel Ch. Lewy,^ Kaufmann, Nissim M. Affeo, Kaufmann, Albert B. Samuel, Kommissionär, David Ardilli, Kaufmann.

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